Tag Archives: Politische Kultur

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Dass sich Deutschland verändert - jetzt, von Grund auf, tiefgreifend - davon wird in diesen Tagen viel geschrieben. Was nichts Besonderes wäre, weil der Lauf der Dinge, erweist sich schon seit Monaten als Nährboden für Frohlocken auf der einen, Angst aber auf der anderen Seite - und viel Unsicherheit dazwischen. Mal schlägt sie zur einen aus, dann zur anderen Seite, kann noch ausschlagen. Um nichts Geringeres als die Wahreit geht es - jedenfalls, was dafür gehalten wird. Anders ist das Diktum von fehlender Objektivität in den "Systemmedien", von der "Lügenpresse" nicht zu verstehen. Was ist Lüge, ... weiter lesen

Journalisten sollen präzise und verständlich schreiben. Oft gelingt ihnen das nicht (mehr). Weil die Zeit fehlt, eigene Texte zu überarbeiten, oder es an Fertigkeiten mangelt. Aber auch, weil sie mit der Sprache von Dritten umgehen müssen, die sie gern um Unklaren lassen.

„Ständig“ stehen sie „unter dem Einfluss der Sprache anderer“, schreibt der Medienanalytiker Jürg Häusermann. Denn mit Texten, mit Worten Dritter umzugehen – von Politikern wie Unternehmern, Wissenschaftlern, Hausmännern und Tiefseetaucherinnen, Modeschöpfern oder Terroristen, von Jungen und Alten, Muttersprachlern und Zuwanderern –, das ist die Aufgabe von Journalisten. Wer da was sagt oder schreibt, vor welchem Hintergrund ... weiter lesen

Obwohl heute selbst in Fachkreisen vergessen, zählt der 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft emigrierte Historiker und Politikwissenschaftler Sigmund Neumann (1904 bis 1962) zu den Pionieren der vergleichenden Diktatur- und Parteienforschung. Der SPD nahestehend, rechnete sich Neumann wie seine berühmten Lehrer Alfred Weber und Karl Mannheim zu den Demokraten in Weimar, schätzte wissenschaftlich aber auch seinen unter den Nationalsozialisten Karriere machenden Lehrer Hans Freyer, der ihn methodisch maßgeblich beeinflusste. Angesichts des "internationalen Bürgerkriegs" – ein Begriff, den Neumann ohne Ängste verwendete – verstand er sich von Anfang an als Demokratielehrer.

Die Studie rekonstruiert nun beides: einerseits Neumanns Leben in Deutschland bis zur Emigration nach Großbritannien und in die USA sowie seine Reisen zurück in die Heimat nach 1945 im Auftrag der Amerikaner. Zum anderen gibt sie Aufschluss über seine Arbeit als Wegbereiter der komparatistischen Politikwissenschaft und ordnet diese ein in den Stand der Wissenschaft seiner Zeit, ohne den Blick auf Neumanns Aktualität außer Acht zu lassen.

Michael Kunze

Sigmund Neumann: Demokratielehrer im Zeitalter des internationalen Bürgerkriegs

be.bra wissenschaft verlag, Berlin; Biographische Studien zum 20. Jahrhundert, Band 4; 300 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-95410-052-1; erscheint Februar 2015; Preis: 42 Euro

Ideenhistorische Studie vorgelegt: Sigmund Neumann als Demokratielehrer: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
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Nur weil viele Medien nicht mehr über die Demokratiebewegung in Hongkong berichten, bedeutet das nicht, dass dort jedes Engagement für mehr politische Teilhabe erstorben ist. Wer sich dafür einsetzt, lebt indes seit jeher vielerorts gefährlich – wie vor 1989 östlich des Eisernen Vorhangs. Dass es sich dennoch lohnt, Verantwortung zu übernehmen, zeigt der 9. November ... weiter lesen

Auf einer prominent besetzten Tagung der Zunft in Chemnitz wurde weder an Selbstkritik gespart noch solcher gegenüber Politikern. Anlass war die Verabschiedung von Eckhard Jesse in den Ruhestand, der an der TU die Gründungsprofessur des Fachs innehatte.

CHEMNITZ. Wie es um die deutsche Politikwissenschaft ... weiter lesen