Vor Jahren haben Münchener Forscher auf dem Erdmannsdorfer Friedhof in Mittelsachsen Gräber geöffnet. Seither laufen molekulargenetische Untersuchungen. Warum – und was wurde bislang herausgefunden? Eine lange Geschichte, die ihren Ursprung unweit von Ingolstadt hat.
Justus Geilhufe ist 2,02 Meter groß, 28 Jahre jung und durchläuft seit Herbst in Oederan seine Ausbildung zum Pfarrer. Nur rund ein Viertel der Sachsen sind Christen. Was treibt ihn an?
OEDERAN/FREIBERG/GERINGSWALDE. Die Schuhe sind blank geputzt, dazu Hemd und Jackett, den Schal darüber lässig um den Hals geschlungen – so grüßt er herzlich mit Handschlag vor dem Tor der Oederaner „Der Leuchtturm“ weiterlesen →
WECHSELBURG/MARBELLA. 2710 Kilometer und 26 Stunden Autofahrt sind es von Wechselburg, wo Rudolf Graf von Schönburg im September 1932 auf dem Schloss seiner Familie geboren wurde, nach Marbella, der nahe Gibraltar gelegenen spanischen Stadt am Mittelmeer. Dort lebt er seit 1956. Elf Jahre zuvor floh der damals Zwölfjährige mit Geschwistern und Mutter vor der Roten Armee aus der Heimat. Im Telefongespräch berichtet er von seinen Erlebnissen vor 74 Jahren.
Schloss Rochsburg zeigt die von Restaurator Thomas Heinicke und seiner Frau kuratierte Ausstellung „Das geschundene Kunstwerk“ – darin auch die Lehne eines vormals im Besitz der aus Chemnitz stammenden Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt befindlichen Stuhles im Stile des Empire, den sie einst Heinickes Lehrer Hans Brockhage (1925-2009) vermachte. Foto: Michael Kunze
Schloss Rochsburg zeigt Kunstwerke, einige 500 Jahre alt, deren Präsentation andere Museen ablehnten: Die ab 13. April zu sehenden Stücke sind von Zeit, Mensch und Natur teils arg geschundene. Daraus aber erwächst ihre Kraft.
Reges Interesse bei der Vernissage zur Ausstellung „Die Einsiedels und die Vogels“ am 4. April 2019 auf Schloss Wolkenburg, nordwestlich von Chemnitz. Bis 18. August werden insbesondere Porträts gezeigt. Foto: Michael Kunze
Die einen malten, die andern kauften die Bilder – zwei Generationen hielt das ungewöhnliche Verhältnis zwischen der von den Wettinern geadelten Künstlerfamilie Vogel und den Grafen von Einsiedel. Eine vom Berliner Kunsthistoriker Gerd-Helge Vogel kuratierte Ausstellung auf Schloss Wolkenburg setzt es in Szene.
Die auf 1873 datierte Medaille ist wohl im Kontext der Renovierung der Wechselburger Schlosskirche und der Geburt des ersehnten Erben im gleichen Jahr in Rom entstanden (Inschrift: „Wechelsburgi“ statt „Wechselburgi“). Sie zeigt das in der römischen Kirche Sant‘ Alfonso aufbewahrte Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe. Eine Kopie davon schenkte Papst Pius IX., dessen Konterfei auf der Rückseite abgebildet ist, dem Grafen von Schönburg. Foto: Elisabeth Meuser
Vor 150 Jahren konvertierte der protestantische Carl von Schönburg-Glauchau. Ein langer, hart geführter Kulturkampf folgte, der über Sachsen hinaus beträchtliches Aufsehen erregte.
WECHSELBURG. „Graf unter Polizeischutz“, Kontroversen in der sächsischen Presse, von der römischen „ungebührlich aufgebauscht“, „erhebliche Unruhe in konservativen protestantischen Adelskreisen“, Untertanen verweigern Kirchengebet – so lauten „Als der Graf katholisch wurde“ weiterlesen →
Gehören Juden heute zu Deutschland? Das fragt ein in Berlin aufgewachsener Israeli in seinem neuen Buch. Wegen des Antisemitismus in der Hauptstadt wanderte er einst aus.
DRESDEN/ZWICKAU. In Leipzig, Zwickau, Dresden, Bad Muskau ist der 41-Jährige im Herbst auf Lesereise gewesen. Arye Sharuz Shalicar, in Göttingen geborener und in Berlin-Spandau und -Wedding „„Verpiss Dich aus unserm Bezirk!““ weiterlesen →
Im Leipziger „Haus des Buches“ und neuen Domizil des 1982 in Berlin gegründeten Verlags Hentrich & Hentrich: Thomas Schneider, Kaufmännischer und Herstellungsleiter, Verlegerin Nora Pester (Mitte) sowie Lektorin Wilma Schütze. Foto: Michael Kunze
Der Verlag Hentrich & Hentrich, spezialisiert auf jüdische Kultur und Geschichte, ist ein Unikum im deutschen Sprachraum, sagt dessen Chefin. Nun ist er von Berlin nach Leipzig gezogen.
LEIPZIG. Zwei helle Räume, tiefe Fenster und Schreibtische, darauf Computer und die Wände dicht bestückt mit Regalen voller Bücher – so sieht es aus, das neue Leipziger Domizil von Hentrich & Hentrich, dem „Alles, was jüdisch ist“ weiterlesen →
Warnte in Dresden davor, jemand oder etwas vorschnell „populistisch“ zu zeihen, denn oft sei Aneignung die Konsequenz: der an der Universität Princeton forschende Politologe Jan-Werner Müller. Foto: Michael Kunze
Der Politologe Jan-Werner Müller hat in Dresden vor Fallen im Umgang mit Populisten gewarnt; eine Kollegin hielt der sozialwissenschaftlichen Zunft den Spiegel vor.
DRESDEN. Wer über „Populismus“ spricht, kann die Schriften des an der amerikanischen Universität Princeton forschenden Jan-Werner Müller kaum ausklammern. Die spätestens seit Pegida, AfD und Trump-Präsidentschaft dauererregte Debatte über den Charakter derartiger Phänomene wurde zwar durch Müllers Essay „Was ist Populismus?“ (2016) in mancher Hinsicht vom Bauch in den Kopf verlagert. Oder: hätte dorthin verlagert werden können. Denn am nüchternen Blick fehlt es weiter, auch an Genauigkeit dabei, das Phänomen zu fassen und Konsequenzen für Wissenschaft, Politik oder Kultur abzuleiten. „Gegen Gesprächsverbote und „Proll-Hass als Elitensport““ weiterlesen →
Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, ist am 12. November im mittelsächsischen Wechselburg zu Gast gewesen. Anlass dafür war die Erhebung der ehemaligen Stiftskirche zur „Basilica minor“. Foto: Michael Baudisch
Die ehemalige Stiftskirche in Wechselburg ist als erste jenseits Berlins in Ostdeutschland zur „Basilica minor“ erhoben worden. Was bedeutet das?
WECHSELBURG. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Ehrentitel „Basilica minor“ von den Päpsten in Rom an besondere Kirchen weltweit verliehen – nun auch an die frühere Wechselburger Stifts- und heutige Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche „Heilig Kreuz“. Längst wird „Weltkulturerbe auf Katholisch“ weiterlesen →
Im Gespräch mit dem Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“, Matthias Weichelt: Samuel Becketts Übersetzerin Erika Tophoven am 8. September 2018 im Rußwurmschen Herrenhaus zu Breitungen/Werra. Foto: Michael Kunze
Monatelang hat der spätere Literaturnobelpreisträger 1936/37 Deutschland durchstreift – eine deutsche Ausgabe der Reisetagebücher fehlt aber noch. Bekannt ist, dass er in Leipzig und Dresden war. Seine Übersetzerin gab nun mehr preis über den Aufenthalt in Sachsen.
FREIBERG/BREITUNGEN. Sechs Monate lang ist der seinerzeit noch unbekannte Samuel Beckett vom Herbst 1936 an durch Deutschland gestreift, bis er im April des Folgejahres nach Irland zurückkehrte. Von seinem 1953 uraufgeführten „Suchen nach Beckett“ weiterlesen →
In der DDR gab es Zwangsadoptionen, die jahrzehntelanges Leid über Betroffene brachten. Vielfach hält es weiter an – die Politik will die Fälle besser aufarbeiten lassen.
LEIPZIG/BERLIN. Was der Leipziger Andreas Laake erlebt hat, kann sich kein Drehbuchautor ausdenken. In der Nacht auf den 11. April 1984 will der in der DDR unangepasste 23-Jährige mit seiner schwangeren Frau in einem Schlauchboot „Die vergessenen Opfer“ weiterlesen →
Mittel- (vorn) und nördliches Seitenzimmer (hinten links) im zweiten Obergeschoss der einstigen Sommerresidenz erregen in diesen Wochen besondere Aufmerksamkeit – auch bei Fernsehteams. Wird ein Käufer für das einstige Domizil des Domkapitels Sankt Petri zu Bautzen gefunden, dürften die Räume mit wertvollen, jedoch teils dringend sanierungsbedürftigen Bildtapeten der Öffentlichkeit nur mehr selten vor Augen geführt werden. Foto: Michael Kunze
Die einstige Sommerresidenz hoher katholischer Würdenträger ist mit historischen Panoramatapeten einer Manufaktur von Weltrang ausgestattet. Doch die Kirche will das südlich von Bautzen gelegene Sankt-Pius-Haus verkaufen.
SCHIRGISWALDE. Seit dem Jahr 2006 sind die Lichter aus im barocken Sankt-Pius-Haus in Schirgiswalde. 14 Kilometer südlich von Bautzen gelegen, erhebt sich inmitten von 10.800 Quadratmetern Park mit altem Baumbestand die ehemalige Sommerresidenz des katholischen Domkapitels Sankt Petri zu Bautzen mit 600 Quadratmetern Wohnfläche. Idylle, Abgeschiedenheit, Platz für „Domkapitel sucht Käufer für sächsisches Castel Gandolfo“ weiterlesen →
Der an der TU Dresden forschende und lehrende Politikwissenschaftler Erik Fritzsche. Foto: Michael Kunze
DRESDEN. Der Politologe Erik Fritzsche im Gespräch zu Aufstieg und Niedergang des Islamischen Staates (IS) und warum trotz des weitgehenden militärischen Sieges über die Miliz die Bedrohung fortbesteht.
Beate Neuss ist seit 1994 Professorin für Internationale Politik an der Technischen Universität Chemnitz. Foto: TU Chemnitz
CHEMNITZ. Da Amerika seine Schwerpunkte verlagert, muss Deutschland seine Rolle in der internationalen Politik neu bestimmen. Ist das Land dazu angesichts von Migration und Chinas Drängen nach Weltgeltung gewappnet? Ein Gespräch mit der Politologin Beate Neuss.
Donald Trump interessiert sich nicht für Europa. Was diejenigen gut finden, die den amerikanischen Einfluss kritisieren, treibt anderen Sorgenfaltenauf die Stirn angesichts dessen, dass Deutschland und die EU mehr Verantwortung erwartet. Wie sehen Sie es?
Seit der Wiedervereinigung und dem Zerfall der Sowjetunion sagen US-Politiker: Unsere Aufgabe in Europa ist erledigt: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft haben sich durchgesetzt. Eine EU mit 510 Millionen Einwohnern und einem den USA vergleichbaren Bruttoinlandsprodukt, dazu 1,2 Millionen Soldaten, verteilt auf 28 Staaten, muss imstande sein, sich selbst zu verteidigen und die Nachbarschaft zu stabilisieren. Anfang der „„Ohne die USA kann Europa nicht verteidigt werden““ weiterlesen →
Im 1276 vom Wettiner Dietrich von Landsberg gestifteten Nonnenkloster im Crimmitschauer Ortsteil Frankenhausen wurde bis zur Reformation nach den Regeln der Zisterzienser gelebt, obwohl es nie dem Orden angehörte, sondern dem Naumburger Bischof unterstand. Foto: Michael Kunze
Im südwestsächsischen Frankenhausen machen sich Bürger seit 1985 für den Erhalt eines Kleinods stark, das zur Pilgerherberge ausgebaut werden soll. Dabei sollte es in der DDR zunächst einer Großküche weichen.
FRANKENHAUSEN. Bis die Pilgerherberge an einem der Ausläufer des sächsischen Jakobswegs bezugsfertig ist, geht noch Zeit ins Land, sagt Lutz Kretzschmar, während er vor dem Gebäude steht, in dem sie unterkommen soll. Als „Als die LPG das Kloster abreißen wollte“ weiterlesen →
Decodiert Ambrogio Lorenzettis Wandgemälde in der Sieneser Sala della Pace eindrucksvoll: Patrick Boucherons im Wolff-Verlag erschienener Essay „Gebannte Angst – Siena 1338“. Cover: Verlag
Die toskanische Stadt Siena birgt in ihrem Palazzo Pubblico ein epochales Wandbild, dessen politische Botschaft bis in die Gegenwart weist. Der Historiker Patrick Boucheron hat das sogenannte Fresko der Guten Regierung nun neu gedeutet. Was hat es uns heute zu sagen?
SIENA. Der amerikanische Politologe Francis Fukuyama war es, der mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion das „Ende der Geschichte“ gekommen sah – und dafür Prügel bezog. Denn das von ihm vorausgesagte weltumspannende Friedenszeitalter aus dem Geiste von Liberalismus und Marktwirtschaft ist ausgeblieben. Ambrogio Lorenzetti sah schon vor 680 Jahren für derlei Euphorie keinen Anlass, als der Maler im Palazzo Pubblico der toskanischen Stadt Siena ein für die politische wie die Kunstgeschichtsschreibung epochales Werk schuf. Der französische Historiker Patrick Boucheron hat es nun neu gedeutet. Nicht nur Fachleuten ist es als allegorisches „‚Fresko‘ der Guten Regierung“ ein Begriff, obwohl es die „Schlechte“ noch eindrücklicher beschreibt.
Der am Pariser Collège de France lehrende Autor hat die auf drei Wänden einer Ratsstube angebrachte, mittelaltertypisch reich codierte und so für heutige Betrachter nicht einfach zu „lesende“ Arbeit, an der sich „Die eine Welt als Fluchtpunkt“ weiterlesen →
Der Politikwissenschaftler Maik Herold forscht an der TU Dresden zum Bürger. Foto: André Wirsig
DRESDEN. Warum schlug dem „Bürger“ hierzulande oft Skepsis entgegen, und wie steht es heute um ihn als politischem Akteur? Ein Gespräch mit dem Dresdener Politologen Maik Herold.
Bei Demonstrationen wie denen von Pegida und deren Gegnern nehmen Teilnehmer beider Lager für sich in Anspruch, ein Bürgerrecht auszuüben: politisch tätig zu sein. Die Diskussion zwischen den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein unter großer Bürgerbeteiligung kürzlich in Dresden über Meinungsfreiheit hat die Gemüter ebenfalls erregt. Sind das Zeichen für eine Renaissance des Bürgers als politischem Subjekt?
Von einer „Wiedergeburt“ ließe sich sprechen, wäre er zuvor „tot“ gewesen. Das sehe ich nicht. Denken Sie an die Friedliche Revolution von 1989 in der DDR, die von Bürgern ausging, auch wenn unter ihnen wohl mehr Maurer und Krankenschwestern waren als Architekten und Ärzte. Der seit jeher facettenreiche Bürgerbegriff beschreibt heute weniger eine gesellschaftliche Klasse und ist „Wandeln zwischen Welt und Wut“ weiterlesen →
Pater Maurus Kraß, der Prior des im sächsischen Wechselburg seit 1993 beheimateten Benediktiner-Konvents, vor der Westfront der einstigen Stiftsbasilika, die heute als Pfarr- und Klosterkirche genutzt wird. Hinten rechts: die seit Auszug eines Kinderkrankenhauses im Jahr 2005 verwaiste vormalige Residenz der Grafen von Schönburg. Foto: Michael Kunze
Vor 850 Jahren ist die Basilika im sächsischen Wechselburg geweiht worden. Lettner und Triumphkreuzgruppe sind von überregionaler kunsthistorischer Bedeutung. Wenn nun das Jubiläum gefeiert wird, so auch die Wiederbesiedlung des einstigen Stifts durch Benediktiner vor 25 Jahren in einem Landstrich mit wenigen Christen.
Der Politologe Frank Schale hat bis Dezember 2017 an der TU Chemnitz die Ideen von konservativen Intellektuellen der frühen Bundesrepublik erforscht. Foto: peroptato.de
CHEMNITZ. Konservative Wissenschaftler, Publizisten, Intellektuelle haben nach dem Zweiten Weltkrieg in der frühen Bundesrepublik den Neuanfang gewagt, auf den sie in der DDR keinen Einfluss hatten. Ein Gespräch (Teil I: hier) über Denktraditionen, die Abkehr davon und darüber, was das mit der Neuen Rechten zu tun hat – mit den Chemnitzer Politologen Frank Schale und Sebastian Liebold, die zum Thema einen Sammelband publiziert haben.
Warum ignoriert – oder verachtet – die Neue Rechte die Erfahrungen vieler Konservativer, die nach 1945 ihren Frieden machten mit Parteiendemokratie, Gewaltenteilung und Minderheitenrechten?
Frank Schale: Weil die Neue Rechte nicht konservativ ist. Sie will verteidigen, was es nie gab: die Einheit des Abendlandes. In der frühen Bundesrepublik haben sich Konservative schnell von solchen Romantizismen verabschiedet. Die Mehrheit der Neuen Rechten folgt nicht traditionellen konservativen Denkern wie Edmund Burke. Sie ist Wiedergängerin der Konservativen „Was ist konservativ, was rechts? Chemnitzer Politologen im Gespräch: Teil II“ weiterlesen →