{"id":102,"date":"2012-08-12T11:34:07","date_gmt":"2012-08-12T11:34:07","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/?p=102"},"modified":"2014-07-03T12:38:41","modified_gmt":"2014-07-03T12:38:41","slug":"farbe-ist-nach-wie-vor-trumpf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2012\/08\/12\/farbe-ist-nach-wie-vor-trumpf\/","title":{"rendered":"\u201eFarbe ist nach wie vor Trumpf\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Schwabe Wolfgang Jassner hat in Chemnitz die Unterw\u00e4schemarke Bruno Banani gegr\u00fcndet &#8211; seit fast 20 Jahren ist er erfolgreich.<!--more--><\/p>\n<p>CHEMNITZ. Als Wolfgang Jassner 1992 aus Baden-W\u00fcrttemberg in die neuen Bundesl\u00e4nder wechselt, arbeiten dort noch 320 000 Menschen in der Textilindustrie. Dann setzt ein beispielloser Aderlass ein, der auch damit zusammenh\u00e4ngt, dass die Branche die Zeichen der Zeit verschlafen hat: Weder wird zu wettbewerbsf\u00e4higen Preisen geliefert, noch werden Produkte produziert, die der Markt nachfragt. Wer jenseits der Elbe den Niedergang des gesamten Industriezweigs \u00fcbersteht, geh\u00f6rt heute zu den gerade einmal 15 000 Menschen, die noch in der Branche t\u00e4tig sind. Dauerhaft \u00fcber den Berg ist nur, wer die Kosten niedrig h\u00e4lt, Artikel herstellt, die Alleinstellungsmerkmale aufweisen &#8211; und dies mit einem Markenauftritt verbindet, der mit den Werbeetats von Branchengr\u00f6\u00dfen wie Hugo Boss oder Calvin Klein mithalten kann.<\/p>\n<p>Bruno Banani ist darin fr\u00fch erfolgreich, deckt als junge Marke zun\u00e4chst f\u00fcr Designer-Herrenunterw\u00e4sche und trendige Bademode Marktl\u00fccken auf &#8211; und wei\u00df sich in Szene zu setzen. &#8222;Not for everybody&#8220;, lautet das unmissverst\u00e4ndliche Credo der S\u00fcdwestsachsen mit schw\u00e4bischer F\u00fchrung. &#8222;Wir wollten originell sein &#8211; und es bleiben, mit frechen Aktionen auf uns aufmerksam machen&#8220;, sagt Jassner. Er wei\u00df, dass er mit seinem Unternehmen l\u00e4ngst den Beweis daf\u00fcr erbracht hat, dass in der W\u00e4schebranche hierzulande noch Geld verdient werden kann, sogar dann, wenn sie gro\u00dfenteils in Deutschland fertigt. Jassner, inzwischen \u00e4lter als 70 Jahre, verbirgt das freilich geschickt hinter der sprichw\u00f6rtlichen schw\u00e4bischen Bescheidenheit.<\/p>\n<p>Der Erfolgskurs des Hauses ist dabei ganz wesentlich sein Verdienst: Seit Mitte der neunziger Jahre lassen sich Jassner und seine Marketingcrew immer wieder aufsehenerregende &#8222;Extremtests&#8220; einfallen, mit deren Hilfe das Mittelbacher Unternehmen, das 1999 ins nahe Chemnitz umzieht, auf sich aufmerksam macht. 1996 durchquert der Abenteurer Achill Moser die W\u00fcste von Jerusalem nach Simbabwe, beim Extremsport Eco Challenge, einer Art Triathlon, schickt Bruno Banani 1997 die deutsche Mannschaft \u00fcber 500 Kilometer durch den australischen Urwald &#8211; stets in den neuesten Unterhosen des Hauses. Als die Chemnitzer 1998 die Besatzung der russischen Raumstation &#8222;Mir&#8220; mit Unterw\u00e4sche ausstatten, gelingt deutschlandweit der Durchbruch in Sachen \u00f6ffentlicher Aufmerksamkeit, wenige Jahre sp\u00e4ter wird Banani-W\u00e4sche am Bermudadreieck versenkt.<\/p>\n<p>Als j\u00fcngster Coup des Unternehmens gilt die Unterst\u00fctzung des als &#8222;Rodel-K\u00f6nig von Tonga&#8220; bekanntgewordenen Bobfahrers Bruno Banani, der jedoch 1987 als Fuahea Semi geboren wurde und sich erst 2008 auf Initiative einer kalifornischen Werbeagentur umbenannte. Von der Namens\u00e4nderung wollen die W\u00e4scheleute &#8211; damals jedenfalls &#8211; nichts gewusst haben. Zuletzt aber sponserten sie den Sportler und wollen ihn, trotz der unklaren Hintergr\u00fcnde des Namenswechsels, 2014 zu den Olympischen Spielen ins russische Sotschi bringen.<\/p>\n<p>Eine Werbeaktion jagt die n\u00e4chste. Stets ist den Chemnitzern Medienresonanz sicher. 60 Prozent der werberelevanten Gruppe in Deutschland kennen nach Unternehmensangaben die Marke. Der Marktanteil allein im Bereich Design-Unterw\u00e4sche, der l\u00e4ngst auch eine in Lizenz produzierte Damenkollektion umfasst, betr\u00e4gt hierzulande 20 Prozent. Die Schnitte entwirft ein Mail\u00e4nder B\u00fcro, hochwertige Stoffe kommen aus Italien und Spanien, die neue Werbelinie wird in Brasilien fotografiert. Nichts bleibt dem Zufall \u00fcberlassen, das Gesch\u00e4ft ist schnelllebig. Wer Trends verschl\u00e4ft, wird abgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Wachstumsraten zeigen, dass Bruno Banani fr\u00fch auf der \u00dcberholspur f\u00e4hrt. Im Gr\u00fcndungsjahr wird schon die erste Million umgesetzt, 1994 sind es dann 3 Millionen Euro, im Folgejahr sogar 6 Millionen Euro. So geht es weiter, Jahr f\u00fcr Jahr. 2011 erwirtschaftet die Marke 96,5 Millionen Euro; wichtige Auslandsm\u00e4rkte sind Russland und Skandinavien. In drei bis f\u00fcnf Jahren k\u00f6nnte S\u00fcdamerika dazukommen, das besonders im Duftgesch\u00e4ft &#8211; im Gegensatz zu Asien &#8211; schon jetzt gute Gesch\u00e4fte verspreche.<\/p>\n<p>Fr\u00fch sieht Jassner das Potential von Lizenzvergaben &#8211; zum Beispiel an den Otto-Konzern -, um seinen Betrieb weiter nach vorn zu bringen. &#8222;Wir haben Lizenzen vergeben f\u00fcr D\u00fcfte, Brillen und Sonnenbrillen, Uhren und Schmuck, Taschen, Rucks\u00e4cke, M\u00fctzen, Schuhe und Handt\u00fccher. Sie machen mehr als die H\u00e4lfte des Markenumsatzes aus&#8220;, bekennt er. Dabei gab es auch R\u00fcckschl\u00e4ge: Eine M\u00f6bellinie scheitert, als der Lizenznehmer, ein mittelst\u00e4ndischer M\u00f6belhersteller, Insolvenz anmelden muss. Die ersten Werbeplakate waren da l\u00e4ngst geklebt. Zur\u00fccklehnen kann sich Jassner im Lizenzgesch\u00e4ft ohnehin nicht, dem er k\u00fcnftig sogar noch mehr Aufmerksamkeit widmen will. 2011 wurde im Vorstand der Posten eines Verkaufsdirektors f\u00fcr das operative Gesch\u00e4ft geschaffen. &#8222;Unsere Marke muss in Form bleiben, wenn sie f\u00fcr Lizenznehmer interessant bleiben soll. Im W\u00e4schebereich zum Beispiel ist Farbe nach wie vor Trumpf&#8220;, erl\u00e4utert Jassner.<\/p>\n<p>Auch die Nachfolgefrage hat Jassner im Blick: Sein Sohn Jan ist 39 Jahre alt und seit Jahren am Stammsitz in f\u00fchrender Funktion t\u00e4tig. Er ist mit einer S\u00e4chsin verheiratet und l\u00e4ngst mit seinen Kindern in Chemnitz, w\u00e4hrend der Vater seit zwei Jahrzehnten zwischen dem Freistaat und der Schw\u00e4bischen Alb pendelt. Mit Jens Jassner ist auch der andere Spross der Familie ins Unternehmen eingestiegen. Der 40 Jahre alte Sohn verantwortet das Onlinegesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Trotz aller Erfolge: Bruno Banani stemmt sich gegen einen langj\u00e4hrigen Trend, dem zufolge sich die Produktion von Textilien, zumal von W\u00e4sche, in Deutschland kaum noch lohnt. &#8222;Made in China&#8220; oder Sri Lanka steht auf fast allen Etiketten von W\u00e4schest\u00fccken gro\u00dfer Marken. Fast ausnahmslos. &#8222;\u00dcber Jahrzehnte kannte die Entwicklung der Textilproduktion nur eine Richtung: weg aus Deutschland&#8220;, sagt Jassner in der R\u00fcckschau auf ein langes Berufsleben. W\u00e4hrend seines Studiums seien noch 90 Prozent der hierzulande verkauften Unterhosen in Deutschland produziert worden. &#8222;Heute sind es noch 5 Prozent&#8220;, sagt er. Auch Jassner hat mit Fernost experimentiert. W\u00e4sche in Schwarz oder Wei\u00df lie\u00df er in China fertigen, Mehrfachverpackungen ebenso. &#8222;Auf manchen Feldern sind wir hier nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig&#8220;, gesteht er.<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit hat der Unternehmer aber ein Umdenken ausgemacht, nicht nur in seiner Branche. Den eigenen Betrieb nimmt Jassner davon nicht aus: &#8222;Wir werden einfarbige W\u00e4schest\u00fccke aus weniger anspruchsvollem Material wieder in Chemnitz herstellen&#8220;, k\u00fcndigt er an. China sei viel teurer geworden, die Lieferzeiten blieben lang. Eine Produktion im Ausland sei weniger flexibel, um kurzfristigen Trendwenden Rechnung zu tragen. Die Sachsen mit italienisch anmutendem Namen m\u00fcssten jedoch zeitnah liefern &#8211; wie alle Textilbetriebe.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schwabe Wolfgang Jassner hat in Chemnitz die Unterw\u00e4schemarke Bruno Banani gegr\u00fcndet &#8211; seit fast 20 Jahren ist er erfolgreich.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,9,15,8],"tags":[45,75,38,49,57],"class_list":["post-102","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-lokales","category-mode","category-wirtschaft","tag-chemnitz","tag-kleidung","tag-mittelstand","tag-ostdeutschland","tag-sachsen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1169,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions\/1169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}