{"id":1033,"date":"2014-05-12T09:56:42","date_gmt":"2014-05-12T09:56:42","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1033"},"modified":"2014-07-03T09:23:43","modified_gmt":"2014-07-03T09:23:43","slug":"jeder-kampft-fur-seine-region","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2014\/05\/12\/jeder-kampft-fur-seine-region\/","title":{"rendered":"\u201eJeder k\u00e4mpft f\u00fcr seine Region\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Kreistagskandidaten Heinrich Douffet und Benjamin Karabinski \u00fcber den demografischen Wandel und die Hausaufgaben in Mittelsachsen<\/p>\n<p>FREIBERG. Am 25. Mai wird der mittels\u00e4chsische Kreistag gew\u00e4hlt. Dazu Bilanz gezogen haben nun der \u00e4lteste und einer der j\u00fcngsten Kreisr\u00e4te aus der zu Ende gehenden Wahlperiode. Ein Gespr\u00e4ch mit Heinrich Douffet (CDU), der am Wahltag seinen 80. Geburtstag feiert, und dem 32-j\u00e4hrigen Benjamin Karabinski (FDP).<\/p>\n<p><em>Michael Kunze: Kreisrat Heinrich Douffet k\u00f6nnte Ihr Gro\u00dfvater sein, Herr Karabinski. K\u00f6nnen Sie <!--more-->von dieser Generation in der Politik etwas lernen?<\/em><br \/>\n<strong>Benjamin Karabinski:<\/strong> Ich war immer einer der J\u00fcngsten in meiner politischen Arbeit. Als ich bei den Liberalen aktiv wurde, war Jan M\u00fccke aus Dresden, der sp\u00e4tere Parlamentarische Staatssekret\u00e4r in Berlin, mein Vorbild, obwohl er gar nicht so viel \u00e4lter ist als ich. Sp\u00e4ter war es Sachsens Wirtschaftsminister, mein Parteikollege Sven Morlok. Insofern war die Generation von Heinrich Douffet nie mein politisches Vorbild: Hans-Dietrich Genscher etwa erschien mir schon zu weit weg als Jugendlicher.<br \/>\nMit welcher Motivation haben Sie sich entschieden, in die Politik zu gehen, Herr Douffet?<br \/>\n<strong>Heinrich Douffet:<\/strong> Nach dem Krieg sind wir auf der Oberschule stark historisch gepr\u00e4gt worden. Auch bei der Domrestaurierung in Freiberg war ich dabei. Wer in der DDR im Denkmalschutz etwas erreichen wollte, musste sich mit der Politik befassen \u2013 und die SED war denkmalfeindlich. Ich war kein Genosse, hatte aber in der Sache komischerweise meist gutes Einvernehmen mit den Zust\u00e4ndigen der Partei. Ich war schon in der DDR im Rat des Kreises, um besseren Zugang zu den B\u00fcrgermeistern zu haben. 1990 stellte die Wahl in die frei gew\u00e4hlte Volkskammer ein neues Kapitel dar. Dann rief mich Hans Joachim Meyer, der neue s\u00e4chsische Minister f\u00fcr Wissenschaft und Kunst, nach Dresden. Ich war f\u00fcr Museen und Denkmalpflege zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><em>Wie w\u00fcrden Sie das Klima im Kreistag einsch\u00e4tzen, der in seiner jetzigen geografischen Zusammensetzung 2008, nach der Kreisgebietsreform, erstmals gew\u00e4hlt wurde?<\/em><br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Der regionale Zusammenhalt ist gr\u00f6\u00dfer als der innerhalb einer Partei \u00fcber die gro\u00dfen Entfernungen, die der neue Kreis mit sich gebracht hat. Jeder k\u00e4mpft f\u00fcr seine Region, was auch daran liegt, dass jeder Bewerber in einem geografisch fest umrissenen Wahlkreis kandidiert, f\u00fcr den er sich verantwortlich f\u00fchlt. Beispiele sind der Einsatz f\u00fcr das Autokennzeichen \u201eFG\u201c oder die Frage nach dem Standort des Arbeitsamtes. Im Norden des Kreises konnten wir aus Freiberg mit unseren Vorstellungen kaum punkten, was wenig verwunderlich ist. Insgesamt war es nicht gut, dass die neuen Kreisgrenzen anscheinend am Schreibtisch entworfen wurden, ohne R\u00fccksicht auf lokale Traditionen.<br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> Das stimmt. Manche Regionen des neuen Kreises haben eine historisch kaum \u00fcberein zu bringende Entwicklung hinter sich. Wo liegt die Verbindung zwischen Neuhausen im Erzgebirge und Penig an der Zwickauer Mulde? Mittweida und Rochlitz haben historisch nie etwas mit Freiberg zu tun gehabt.<\/p>\n<p><em>Was h\u00e4tte besser laufen k\u00f6nnen?<\/em><br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Man h\u00e4tte einen westerzgebirgischen und einen osterzgebirgischen, bis nach Dippoldiswalde reichenden Kreis bilden sollen. Der eine h\u00e4tte sein Zentrum in Annaberg-Buchholz haben k\u00f6nnen, der andere in Freiberg. Damit w\u00e4re mancher Mentalit\u00e4tskonflikt verhindert worden.<\/p>\n<p><em>Welche Chancen und Risiken sehen Sie f\u00fcr die Zukunft, beispielsweise durch die demografische Entwicklung?<\/em><br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> Ich sehe die Lage sehr negativ. Reiche Gesellschaften wie die deutsche haben wenige Kinder. Auf der ganzen Welt ist das so, trotz vieler F\u00f6rderangebote f\u00fcr Familien. An einer sinnvollen, freilich nicht \u00fcberst\u00fcrzten und gezielten Migrationspolitik kommen wir nicht vorbei. Doch auch der Kreis hat seine Hausaufgaben zu erledigen \u2013 im Nahverkehr zum Beispiel oder bei der Krankenversorgung.<br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Im Ganzen sehe ich es positiver. Ich habe drei Kinder. Viele Freunde von mir gr\u00fcnden nun Familien, wenn auch sp\u00e4ter als fr\u00fcher. Wir bauen Kitas aus, auch Grundschulen. Freiberg entwickelt sich positiv. Anders ist es leider in kleineren Gemeinden. Im Gro\u00dfen und Ganzen sind aber selbst im l\u00e4ndlichen Raum zum Beispiel die Schulen bestandssicher.<\/p>\n<p><em>Vorerst. Abgesehen von Dresden oder Leipzig, weniger deutlich schon in Chemnitz, k\u00f6nnte in Sachsen in zehn Jahren eine neue Schulschlie\u00dfungswelle drohen. Nach wie vor schrumpft eine Generation gegen\u00fcber der vorherigen deutschlandweit um ein Drittel. Vor allem in den neuen L\u00e4ndern darbt der l\u00e4ndliche Raum.<\/em><br \/>\n<strong> Karabinski:<\/strong> In den St\u00e4dten entstehen Arbeitspl\u00e4tze. Wer auf dem Land wohnt, muss allerdings zu den Arbeitspl\u00e4tzen pendeln. Im Kreis geht es darum, dass B\u00fcrger, die das Landleben in Rechenberg-Bienenm\u00fchle oder Sayda sch\u00e4tzen, zu ihrer Arbeitsstelle kommen k\u00f6nnen, \u00fcber gute Stra\u00dfen oder mit einem leistungsf\u00e4higen \u00d6ffentlichen Personennahverkehr. Dessen Netz muss erhalten werden.<br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> Als \u00e4lterer Mensch habe auch ich mir \u00fcber das Leben auf dem Land Gedanken gemacht. Wer nicht mobil ist, f\u00fcr den ist es schwierig. Wir k\u00f6nnen ja nicht sagen: \u201edie Jungen in die D\u00f6rfer, die Alten in die St\u00e4dte\u201c. Die Frage der Schulstandorte ist nach wie vor dr\u00e4ngend. Wir schicken jetzt schon Grundsch\u00fcler \u00fcber viele Kilometer hin und her.<\/p>\n<p><em>Inwiefern sehen Sie L\u00f6sungen?<\/em><br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Wir sollten in F\u00e4chern wie Musik oder Sport, Religion, Ethik oder Sachkunde \u00f6fter jahrgangs\u00fcbergreifend unterrichten, um Schulstandorte zu erhalten und dennoch Personal einzusparen. Rechenberg-Bienenm\u00fchle ist so ein Fall. Letzten Endes ist das aber keine Angelegenheit des Kreises, sondern des Freistaats.<br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> Es w\u00e4re schon ein Erfolg, die ersten beiden Schuljahrg\u00e4nge nicht mehr auf die Reise schicken zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Worin liegt der Beitrag des Landkreises f\u00fcr eine gute Entwicklung Mittelsachsens?<\/em><br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Verkehrspolitik. Hier bereitet der schlauchartige Zuschnitt des Kreises Nachteile. Insgeheim rechne ich damit, dass das nicht die letzte Kreisgebietsreform war. Wir m\u00fcssen aufpassen, mit all den Zusammenlegungen den Leuten nicht die Heimat wegzunehmen. Oft stehen Fragen der Wirtschaftlichkeit gegen solche der Versorgungssicherheit oder der Identit\u00e4t. Auch die f\u00fcr Ende 2015 vorgesehene Stilllegung der Bahnstrecke von Mei\u00dfen nach D\u00f6beln ist ein schwerer Schlag. Freiberg nach Nossen hin anzuschlie\u00dfen, ist damit nicht mehr m\u00f6glich, was auch auf Gewerbeansiedlungen Einfluss haben k\u00f6nnte.<br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Ich sehe die Arbeit des Kreises positiv, vor allem die von Landrat Volker Uhlig. Er r\u00fchrt mit viel Einsatz die Werbetrommel f\u00fcr Mittelsachsen. Denken Sie an die Reise nach Vietnam. Uhlig geht auf die Leute zu. In Verwaltungsfragen k\u00f6nnten Kreis und Kommunen aber besser zusammenarbeiten. F\u00fcr den B\u00fcrger ist egal, ob er vom Kreis oder vom Einwohnermeldeamt seiner Gemeinde den F\u00fchrerschein ausgestellt bekommt.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie sich f\u00fcr den Kreis Mittelsachsen etwas w\u00fcnschen k\u00f6nnten, was w\u00e4re das?<\/em><br \/>\n<strong>Karabinski:<\/strong> Die verschiedenen Regionen des Kreises m\u00fcssen lernen, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Mentalit\u00e4ten und Bed\u00fcrfnisse zu entwickeln. Um mitzuhelfen, w\u00fcrde ich gern wieder in den Kreistag gew\u00e4hlt werden.<br \/>\n<strong>Douffet:<\/strong> F\u00fcr Rochlitz oder Mittweida fehlt mir das Wissen zu den einzelnen Bed\u00fcrfnissen. F\u00fcr Freiberg und die Region w\u00fcnsche ich mir eine bessere Anbindung an die Autobahn. Au\u00dferdem muss die Umgehungsstra\u00dfe f\u00fcr Freiberg in Richtung Erzgebirge zustande kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Douffet<\/strong><\/p>\n<p>Geboren 1934 in Teplitz\/Teplice (Tschechoslowakei), studierte Heinrich Douffet von 1952 bis 1957 Geologie an der Bergakademie Freiberg.<br \/>\nBis 1983 arbeitete er beim Geologischen Dienst in Freiberg, bis 1990 am Bezirkskunstzentrum in Karl-Marx-Stadt. 1975 wurde er an der Uni Greifswald promoviert und wirkte von 1963 bis 1989 als Kreisbeauftragter f\u00fcr Denkmalpflege Freiberg. F\u00fcr die CDU, der er seit 1983 angeh\u00f6rt, zog er 1990 in die einzige frei gew\u00e4hlte Volkskammer ein. 1991 wechselte er als Referatsleiter f\u00fcr Museen und Denkmalpflege ins Staatsministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst Dresden. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Dem Kreistag, f\u00fcr den er erneut kandidiert, geh\u00f6rt er seit 2008 an.<\/p>\n<p><strong>Benjamin Karabinski<\/strong><\/p>\n<p>Der geb\u00fcrtige Freiberger (Jahrgang 1981) hat drei Kinder und studierte von 2002 bis 2007 an der Universit\u00e4t Leipzig Geschichte und Gemeinschaftskunde auf Lehramt f\u00fcr Gymnasien. Seither ist er selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig im Bereich Jugend- und Erwachsenenbildung, nach eigenen Worten \u201esehr eingeschr\u00e4nkt\u201c auch \u00fcber das Jahr 2009 hinaus, als er f\u00fcr die FDP in den s\u00e4chsischen Landtag einzog. Dort hat Karabinski das Amt des Innenpolitischen Sprechers inne und ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Der FDP geh\u00f6rt er seit 1999 an, in deren Nachwuchsorganisation er zeitweise Landesvorsitzender war. In den Kreistag, f\u00fcr dessen Neuwahl er kandidiert, wurde er erstmals 2008 gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreistagskandidaten Heinrich Douffet und Benjamin Karabinski \u00fcber den demografischen Wandel und die Hausaufgaben in Mittelsachsen FREIBERG. Am 25. Mai wird der mittels\u00e4chsische Kreistag gew\u00e4hlt. Dazu Bilanz gezogen haben nun der \u00e4lteste und einer der j\u00fcngsten Kreisr\u00e4te aus der zu Ende gehenden Wahlperiode. Ein Gespr\u00e4ch mit Heinrich Douffet (CDU), der am Wahltag seinen 80. 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