{"id":122,"date":"2012-11-01T16:12:04","date_gmt":"2012-11-01T16:12:04","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/?p=122"},"modified":"2014-07-03T12:37:33","modified_gmt":"2014-07-03T12:37:33","slug":"in-chemnitz-zum-doktortitel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2012\/11\/01\/in-chemnitz-zum-doktortitel\/","title":{"rendered":"In Chemnitz zum Doktortitel"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer Dissertation zum Sparen in entwickelten L\u00e4ndern hat die Politikerin Sahra Wagenknecht an der TU promoviert.<!--more--><\/p>\n<p>CHEMNITZ.\u00a0Die TU Chemnitz ist um ein prominentes Aush\u00e4ngeschild reicher. Sahra Wagenknecht, seit November vergangenen Jahres erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, hat am Dienstag an der Universit\u00e4t ihre Doktorarbeit erfolgreich verteidigt. Ihre Abschlusspr\u00fcfung und die Dissertation, die Wagenknecht auf Englisch vorgelegt hatte, wurden mit der zweith\u00f6chsten Note &#8222;magna cum laude&#8220; (&#8222;mit gro\u00dfem Lob&#8220;) bewertet. Die Arbeit tr\u00e4gt den Titel &#8222;Die Grenzen der Auswahl. Sparentscheidungen und Grundbed\u00fcrfnisse in entwickelten L\u00e4ndern&#8220;. Sie wurde seit 2005 von Fritz Helmedag betreut, dem Inhaber der Professur f\u00fcr Mikro\u00f6konomie.<\/p>\n<p>Zum erfolgreichen Abschluss des Promotionsverfahrens geh\u00f6rte ein \u00f6ffentlicher Vortrag, in dem Wagenknecht vor etwa 120 Zuh\u00f6rern &#8211; \u00fcblich sind bei weniger prominenten Pr\u00fcflingen 10 bis 20 Verwandte und Freunde &#8211; die Inhalte ihrer Arbeit zusammenfasste und zur Diskussion stellte.<\/p>\n<p>Die 1969 in Jena geborene Politikerin, die nach eigenen Angaben &#8222;immer schon&#8220; die Absicht hatte zu promovieren, wollte mit ihrer Untersuchung am Beispiel Deutschlands und der Vereinigten Staaten erkl\u00e4ren, wann und warum Privathaushalte sparen. Dazu geh\u00f6re auch die Erkenntnis, dass nur sparen k\u00f6nne, wer \u00fcber ein ausreichend hohes Einkommen verf\u00fcge. Geringverdiener, aber auch immer mehr Angeh\u00f6rige der Mittelschicht seien dazu &#8222;gar nicht in der Lage&#8220;; 25 bis 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Industriel\u00e4ndern sparten \u00fcberhaupt nicht. Sie m\u00fcssten einen Gro\u00dfteil ihres Einkommens darauf verwenden, Grundbed\u00fcrfnisse zu decken. Darunter versteht Wagenknecht Ausgaben, die nicht verschiebbar oder frei w\u00e4hlbar sind, zum Beispiel f\u00fcr Nahrungsmittel, Miete, Mietnebenkosten, Mobilit\u00e4t, Kommunikation oder Versicherungen.<\/p>\n<p>Die Politikerin, die von 1990 bis 1996 in Jena, Berlin und Groningen (Niederlande) Philosophie und Neuere Deutsche Literatur studiert hatte, r\u00e4umte ein, dass der von ihr beschriebene Sachverhalt keineswegs neu und wohl &#8222;jedem Au\u00dfenstehenden irgendwie eing\u00e4ngig&#8220; sei. Dennoch hebe sie sich von \u00fcblichen Lehrmeinungen der &#8222;Mainstream-\u00d6konomie&#8220; ab, da diese nicht zwischen dem Sparverhalten von Geringverdienern und Wohlhabenden unterschieden. Vielmehr werde meist davon ausgegangen, dass Menschen mit kleinen und gro\u00dfen Einkommen eine \u00e4hnliche Sparquote aufwiesen. Dies sei aber nicht der Fall. Geringverdiener sparten entweder gar nicht oder im Durchschnitt weniger und sehr viel ungleichm\u00e4\u00dfiger, w\u00e4hrend Bezieher von Spitzeneink\u00fcnften ihren Lebensunterhalt oft aus den Zinsen und Zinseszinsen ihres Verm\u00f6gens bestritten. Sparten die einen, weil sie sich konkrete Konsumw\u00fcnsche erf\u00fcllen wollten, sei die &#8222;Kapitalakkumulation&#8220; f\u00fcr die anderen zum Selbstzweck geworden. &#8222;Gegen diese Absurdit\u00e4t&#8220; habe sie in ihrer Arbeit anzuschreiben versucht.<\/p>\n<p>Wagenknecht ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete, zuvor geh\u00f6rte sie dem Europ\u00e4ischen Parlament an. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse will sie nun in der Politik nutzen. \u00d6konomisches Wissen sei unverzichtbar geworden, um dort die richtigen Fragen zu stellen und passende L\u00f6sungen zu finden, sagte Wagenknecht. Falsch sei es beispielsweise gewesen, &#8222;die Rentenversicherung zu privatisieren&#8220;. Viele Menschen seien einfach nicht in der Lage, selbst vorzusorgen. Wagenknecht sprach sich auch gegen eine weitere Liberalisierung der Kreditm\u00e4rkte aus. Damit w\u00fcrde die Voraussetzung geschaffen, dass sich Privathaushalte noch mehr verschuldeten. Nur weil Deutschland hier im internationalen Vergleich noch relativ gut dastehe, k\u00f6nne sich die Politik nicht zur\u00fccklehnen.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten nannte Wagenknecht als abschreckendes Beispiel, da dort die Banken- und Kreditbranche aktiv darauf hingewirkt habe, &#8222;Normalverdiener in immer h\u00f6here Schulden zu st\u00fcrzen&#8220;, w\u00e4hrend es die Regierung vers\u00e4umte, regulierend einzugreifen. Die Linkspolitikerin nannte das auch hierzulande kritikw\u00fcrdige Beispiel der Dispo-Zinsen, die sich derzeit bei 13 bis 14 Prozent bewegten, obwohl sich die Banken das Geld mit einem Zinssatz von 0,75 Prozent leihen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Dissertation zum Sparen in entwickelten L\u00e4ndern hat die Politikerin Sahra Wagenknecht an der TU promoviert.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,1,8,11],"tags":[45,60,49,40],"class_list":["post-122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-politik","category-wirtschaft","category-wissenschaft","tag-chemnitz","tag-hochschule","tag-ostdeutschland","tag-sahra-wagenknecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1166,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions\/1166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}