{"id":1281,"date":"2013-09-23T08:22:25","date_gmt":"2013-09-23T08:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1281"},"modified":"2019-02-21T07:03:47","modified_gmt":"2019-02-21T07:03:47","slug":"brauchbare-dinge-landen-nicht-im-mull","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/09\/23\/brauchbare-dinge-landen-nicht-im-mull\/","title":{"rendered":"&#8222;Brauchbare Dinge landen nicht im M\u00fcll&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Das gute Gef\u00fchl der Kunden, wenn sie ihre B\u00fccher oder CDs einschicken, hilft dem Wiederverk\u00e4ufer Momox.<\/p>\n<p>LEIPZIG. Wer zu Momox in den Norden Leipzigs gelangen will, muss auf den Schriftzug des einstigen Versandh\u00e4ndlers Quelle achten. Denn das Hochregallager <!--more-->des nach eigener Auskunft umsatzst\u00e4rksten deutschen Internet-Wiederverkaufshauses ist noch nicht unter eigenem Namen ausgeschildert. Erst am Geb\u00e4ude selbst wird mit dem Momox-Logo der Sprung ins Internetzeitalter deutlich, den der Vorbesitzer des Lagers, Quelle, verschlafen hatte.<\/p>\n<p>Direkt an der Neuen Messe an Leipzigs Stadtrand erhebt sich das mit 40 000 Quadratmetern auf vier Etagen gr\u00f6\u00dfere der beiden Lager- und Versandzentren, die das junge Unternehmen angemietet hat. Hier wird nicht nur die angekaufte Ware palettenweise von den Lastwagen der Versanddienstleister entnommen, danach von Momox-Mitarbeitern auf ihren Zustand gepr\u00fcft und schlie\u00dflich in eines der langen Regale eingelagert. Von hier aus gehen B\u00fccher, CDs oder Computerspiele sp\u00e4ter auch wieder zu den Kunden.<\/p>\n<p>Im Dezember 2011 war das damals einzige, nur etwa halb so gro\u00dfe Momox-Lager im brandenburgischen Neuenhagen zu klein geworden f\u00fcr Christian Wegners Unternehmen, das er 2006 in Berlin mit bescheidenen 1500 Euro Startkapital gegr\u00fcndet hatte. Was als Einmannbetrieb zum An- und Verkauf gebrauchter CDs \u00fcber das Internet begann, wurde ohne Hilfe externer Investoren zum mittelst\u00e4ndischen Betrieb. Im vergangenen Gesch\u00e4ftsjahr waren es dann schon 750 Mitarbeiter, die 60 Millionen Euro erl\u00f6sten. Und zurzeit werden schon wieder 200 Stellen besetzt. Die Bewerber daf\u00fcr geben sich am Leipziger Firmentor die Klinke in die Hand. Dabei verzichtet das Unternehmen im Gegensatz zu manchem Wettbewerber bewusst auf Zeitarbeiter. &#8222;Unsere Arbeit ist weniger saisonal gepr\u00e4gt oder von Feiertagen&#8220;, sagt Heiner Kroke, der im M\u00e4rz dieses Jahres f\u00fcr Christian Wegner an die Spitze von Momox trat.<\/p>\n<p>&#8222;Kontinuierlich&#8220; will der 44 Jahre alte Unternehmer das Gesch\u00e4ft ausbauen, das l\u00e4ngst nicht mehr auf CDs begrenzt ist, auch wenn deren Ankauf \u00fcber die Momox-Internetseite und der Verkauf \u00fcber das Portal der Tochterfirma Medimops noch immer ein F\u00fcnftel des Umsatzes ausmachen. Fast genauso gro\u00df ist der Anteil von DVDs. L\u00e4ngst dazugekommen sind B\u00fccher aus zweiter Hand, die mit 55 Prozent des Gesch\u00e4ftsvolumens am schwersten wiegen. Hier liegen nach Krokes Angaben die Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. &#8222;Der Neuverkauf von B\u00fcchern mag sich abschw\u00e4chen&#8220;, sagt er, &#8222;doch der Gebrauchtmarkt boomt bei uns seit Jahren.&#8220; Den Rest des Umsatzes erwirtschafteten bislang Computerspiele und Technik.<\/p>\n<p>Die besten Gesch\u00e4fte macht Momox gerade mit den Produkten, deren Erscheinungsform sich \u00e4ndert oder die von Innovationen abgel\u00f6st werden, ohne dass sie ganz vom Markt verschwinden &#8211; mit CDs etwa oder gedruckten B\u00fcchern. Zwei Kundengruppen skizziert Kroke, auf die es Momox ankommt: Zum einen diejenigen, die nach dem Kauf eines E-Books ihr B\u00fccherregal ausr\u00e4umen oder ihre CDs im Austausch f\u00fcr MP3-Dateien ausrangieren. Zum anderen diejenigen, die diese Medien dann deutlich unterhalb des Neupreises gebraucht kaufen wollen.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig soll die Kleinelektronik mit Handys, Kameras, Tablet-PCs, Konsolen oder MP3-Spielern st\u00e4rker gemacht werden. Im August ging dazu eine zus\u00e4tzliche Internetseite online, \u00fcber die nun auch Markenbekleidung aus zweiter Hand angekauft wird. Der Kopf hinter den Innovationen ist Christian Wegner, der als Mehrheitseigner neben Kroke und Marketingchef Timm Langhorst nach wie vor der Momox-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung angeh\u00f6rt. W\u00e4hrend Kroke sich auf das operative Gesch\u00e4ft und die Finanzen konzentriert, t\u00fcftelt Wegner an Konzepten f\u00fcr die M\u00e4rkte der Zukunft. Kroke nennt ihn deshalb &#8222;den Dynamiker des Hauses&#8220;, dabei hat er selbst nach Stationen bei Ebay und Ricardo ebenfalls reichlich Erfahrung im Online-Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Weil aber Stillstand in der Internetwelt der Tod w\u00e4re, muss Momox am Ball bleiben auf dem in Deutschland hei\u00df umk\u00e4mpften Wiederverkaufsmarkt mit starken Wettbewerbern wie Rebuy, Ebay oder der Amazon-Gesellschaft Trade-in. Bislang agierte Momox erfolgreich am Puls des Online-Marktes und war abgesehen vom abgelaufenen Gesch\u00e4ftsjahr nach eigenen Angaben stets profitabel. Die Delle im Jahr 2012 sei dem &#8222;gro\u00dfen Wachstum&#8220; geschuldet, welches das Unternehmen j\u00fcngst zu schultern hatte, sagt Kroke. Ohne einen Euro Fremdkapital soll auch weiterhin der gesamte Gesch\u00e4ftsablauf in Eigenregie betrieben werden: vom Ankauf \u00fcber die Logistik, das Marketing und den Kundendienst bis zum Verkauf. Auslagerungen von Unternehmensteilen oder Gesch\u00e4ftsprozessen plant er nicht.<\/p>\n<p>Obwohl die Berliner die Waren mittlerweile auch aus \u00d6sterreich, Gro\u00dfbritannien und Frankreich aufkaufen und sie dann &#8211; mit Hilfe von Amazon &#8211; bis nach Amerika verkaufen, sieht der geb\u00fcrtige Siegener die Branche und sein Unternehmen &#8222;erst am Anfang&#8220;. F\u00fcr Frankreich ist deshalb eine eigene Internetverkaufsseite in Planung. &#8222;Der Umsatzanteil aller Auslandsm\u00e4rkte zusammen liegt aber sowohl auf der An- wie auf der Verkaufsseite noch im einstelligen Bereich&#8220;, sagt er. Dabei sei die Wettbewerbssituation im Ausland eine ganz andere als hierzulande. Den Wiederverkaufsmarkt \u00fcber das Internet sieht er &#8222;als ein bislang weitgehend auf Deutschland beschr\u00e4nktes Ph\u00e4nomen, als eine Innovation, die nicht aus Amerika kommt&#8220;.<\/p>\n<p>Hier wie dort aber will er damit punkten, dass Kunden ihre Waren m\u00f6glichst unkompliziert loswerden &#8211; zu garantierten Preisen, die man vor Einsendung der Ware \u00fcber das Internet erfahren kann. Die ISBN-Nummern oder die Produktcodes von B\u00fcchern oder Elektronikartikeln werden dazu \u00fcber eine Handy-App eingelesen, andernfalls manuell \u00fcber PC- oder Laptoptastatur eingetippt. Ist eine Sendung nach Momox-Kalkulation mindestens 10 Euro wert, kann das Paket in die Post. Wem das zu viel M\u00fche bereitet, der kann seine Lieferung von zu Hause abholen lassen. So oder so: Das Porto \u00fcbernimmt Momox.<\/p>\n<p>Erf\u00fcllt die Ware die auf der Internetseite beschriebenen Anforderungen, bekommt der Kunde sein Geld aufs Konto. Eignet sie sich nicht f\u00fcr den Weiterverkauf, entscheidet der Anbieter selbst, ob er sie zur\u00fccknimmt, oder ob sie von Momox kostenfrei entsorgt werden soll. Bequemer lassen sich Speicher oder Hobbykeller kaum entr\u00fcmpeln, wenn auch allzu gro\u00dfe Erl\u00f6se eher selten zu erwarten sind. Ist ein Buch kein aktueller Bestseller oder die CD schon einige Jahre alt, bleiben oft nur niedrige Euro- oder gar Cent-Betr\u00e4ge je Artikel. So stellt Momox sicher, dass weder die Lager \u00fcberquellen, noch am Markt vorbei beschafft wird. Vielen Kunden komme es aber ohnehin nicht in erster Linie auf die H\u00f6he des Erl\u00f6ses an, sagt Kroke. Auch das gute Gef\u00fchl sei Verk\u00e4ufern wichtig, dass noch brauchbare Dinge nicht im M\u00fcll landeten.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gute Gef\u00fchl der Kunden, wenn sie ihre B\u00fccher oder CDs einschicken, hilft dem Wiederverk\u00e4ufer Momox. LEIPZIG. Wer zu Momox in den Norden Leipzigs gelangen will, muss auf den Schriftzug des einstigen Versandh\u00e4ndlers Quelle achten. Denn das Hochregallager<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,8],"tags":[116,607,113,115,112,33,62,117,118,114,29,49,111,57],"class_list":["post-1281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-wirtschaft","tag-amazon","tag-berlin","tag-christian-wegner","tag-ebay","tag-heiner-kroke","tag-internet","tag-leipzig","tag-medimops","tag-momox","tag-neue-medien","tag-new-economy","tag-ostdeutschland","tag-rebuy","tag-sachsen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1281"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3272,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1281\/revisions\/3272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}