{"id":1302,"date":"2014-09-22T11:38:40","date_gmt":"2014-09-22T11:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1302"},"modified":"2017-02-27T10:00:24","modified_gmt":"2017-02-27T10:00:24","slug":"in-der-datenwolke-wird-es-heis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2014\/09\/22\/in-der-datenwolke-wird-es-heis\/","title":{"rendered":"In der Datenwolke wird es hei\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Wo Computer arbeiten, entsteht Hitze. Die Firma Cloud &amp; Heat aus Dresden hat eine Technik entwickelt, um damit H\u00e4user mit Warmwasser und Heizenergie zu versorgen. Die vernetzten Rechner bilden eine<!--more--> Cloud.<\/p>\n<p>DRESDEN. Am Anfang steht ein Hausbau. W\u00e4hrend der Informatiker Christof Fetzer in Dresden ein Passivhaus f\u00fcr seine Familie plant, geht seinem Kollegen, dem Physiker Jens Struckmeier, eine Frage nicht aus dem Kopf, aus der eine Gesch\u00e4ftsidee hervorgegangen ist: Was w\u00e4re, wenn sich die durch eine ganze Reihe von Computern entstehende W\u00e4rme im Fetzer-Neubau nutzen lie\u00dfe? Zum Beispiel, um ihn zu beheizen und analog dazu viele Geb\u00e4ude in gro\u00dfem Stil.<\/p>\n<p>Der 42-J\u00e4hrige denkt nach, rechnet und entwirft mit dem sechs Jahre \u00e4lteren Fetzer den Prototypen eines Serverschranks, der die Rechner aufnehmen soll. Sie konstruieren ihn so, dass die Abw\u00e4rme, die beim Betrieb von Computern entsteht, durch W\u00e4rmetauscher in den Heizungs- und Wasserkreislauf von Geb\u00e4uden eingespeist werden kann. Falls vorhanden, soll es auch m\u00f6glich sein, die Server-Warmluft direkt in das zentrale L\u00fcftungssystem eines Hauses zu leiten \u2013 um es entweder zu beheizen oder die W\u00e4rme unkompliziert und kosteng\u00fcnstig nach drau\u00dfen zu bef\u00f6rdern. Aufwendige separate K\u00fchlsysteme f\u00fcr die Computer sind damit \u00fcberfl\u00fcssig. Das spart Energie und\u00a0Geld.<\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt sollen die \u00fcber das Internet\u00a0vernetzten Server verschiedener Standorte ein virtuelles Rechenzentrum bilden. Die Voraussetzung, um aus dem Einfall eine Gesch\u00e4ftsgrundlage zu machen, liegt im rasant wachsenden Markt f\u00fcr ausgelagerte Rechenleistungen und dem Ausbau von Breitband-Internetverbindungen. Um die n\u00f6tige Anzahl von Serverschr\u00e4nken zu ermitteln, mit der ein Haus abh\u00e4ngig von Energiebilanz und Gr\u00f6\u00dfe beheizt werden kann, entwickelt Struckmeier ein Simulationsprogramm.<\/p>\n<p>Damit haben er und Fetzer eine Gesch\u00e4ftsidee, die die M\u00e4rkte f\u00fcr Server-Rechenleistungen und W\u00e4rme miteinander verbindet, und die daf\u00fcr erforderliche Technik, die sie aus einzelnen Rechnerkomponenten selbst zusammenbauen. Nur eine Firma fehlt und ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der Startkapital eintreibt. Daf\u00fcr holen die beiden den Kaufmann Ren\u00e9 Marcel Schretzmann ins Boot, der vorher als Berater sowie in der Gesch\u00e4ftsleitung der Kaufhof Warenhaus AG t\u00e4tig war, und gr\u00fcnden im Oktober 2011 die Firma AoTerra, die mittlerweile beide Gesch\u00e4ftsfelder unter dem neuen Firmennamen Cloud &amp; Heat vereint.<\/p>\n<p>Was vor drei Jahren beschaulich mit f\u00fcnf Mitarbeitern in R\u00e4umen der TU Dresden beginnt, ist mittlerweile ein Unternehmen von knapp 40 Mitarbeitern. Im Herbst 2013 ziehen sie in das neue Domizil im Dresdener Norden in ein schick herausgeputztes ehemaliges Maschinenhaus. Nur einen Steinwurf entfernt, ragt das Milit\u00e4rhistorische Museum in die H\u00f6he, dessen Umbau Stararchitekt Sir Norman Foster verantwortet.<\/p>\n<p>Auch die R\u00e4ume von Cloud &amp; Heat k\u00fcnden von den Ambitionen der Informatiker, Ingenieure, Vertriebs-, Marketing- und Verwaltungsfachleute, die die Firma besch\u00e4ftigt: Drinnen dominieren Glasw\u00e4nde und klare Formen, nach drau\u00dfen hohe Fenster. Der Empfangsbereich ist gro\u00dfz\u00fcgig gestaltet. \u00dcber einem langen Tresen prangt der in Schwarz und Gr\u00fcn gehaltene Firmenschriftzug auf strahlendwei\u00dfem Grund, w\u00e4hrend sich daneben der Blick \u00f6ffnet auf ein weitl\u00e4ufiges B\u00fcro mit Gr\u00fcnpflanzen und Dutzenden Rechnerpl\u00e4tzen. Nebenan, in der Werkstatt, reihen sich Server an Server, Stahlschrank an Stahlschrank. Wo vormals schnaubende und stampfende Maschinen gestanden haben m\u00fcssen, arbeitet nun eine bunte Truppe, die vor allem\u00a0an der\u00a0TU Dresden rekrutiert wird.<\/p>\n<p>Sie wollen mit Schretzmann und Technikchef Struckmeier ganz nach oben. Daran lassen die beiden im Gespr\u00e4ch keinen Zweifel: \u201eWir wollen einer der wichtigsten Cloud-Anbieter Europas werden und dar\u00fcber hinaus&#8220;, sagt der 38-j\u00e4hrige Schretzmann selbstbewusst. \u201eWir sehen uns als Goldgr\u00e4ber des Cloud-Computing&#8220;, legt Struckmeier nach. Ohnehin betreibe ihre Firma \u201edie gr\u00fcnste Cloud der Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Einerseits w\u00fcrden mit ihren Serverschr\u00e4nken je Einheit bis zu zehn Tonnen Kohlendioxid pro Jahr gegen\u00fcber konventionellen Rechenzentren eingespart, was aber auch vom Standort abh\u00e4ngig sei \u2013 je besser dessen Energiebilanz, desto gr\u00f6\u00dfer das Potential. Schon deshalb kommen als Installationsorte keine Altbauten in Frage, sondern nur Niedrigenergie- oder Passivh\u00e4user, sagen sie. Zum anderen wird ausschlie\u00dflich \u00d6kostrom f\u00fcr den Serverbetrieb eingekauft.<\/p>\n<p>Doch auch mit den bisherigen Unternehmensdaten will Cloud &amp; Heat punkten: Schon im ersten Halbjahr nach Gr\u00fcndung wurden 100 000 Euro umgesetzt. F\u00fcr das vergangene Gesamtjahr weist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Schretzmann schon einen zehnmal so hohen Betrag aus. Um den Weg bis zur Profitabilit\u00e4t zu \u00fcberbr\u00fccken, die f\u00fcr Ende n\u00e4chsten Jahres angepeilt ist, beschafft Schretzmann nicht nur Geld von der \u00f6rtlichen Sparkasse und von dem Gr\u00fcnderfonds Startbahn Ventures. Auch Crowdfunding \u00fcber die Schwarmkapital-Plattform Seedmatch sp\u00fclt Geld in die Kasse. Mit 1 Million Euro, die dabei zusammenkommt,\u00a0ist die Firma lange Zeit Spitzenreiter in Deutschland.<\/p>\n<p>Dank der eingeworbenen Mittel konnte Cloud &amp; Heat bislang 464 Server in Deutschland installieren. \u201eAn Standorte zu kommen, ist kein Problem&#8220;, sagt Struckmeier. \u201eWir m\u00fcssen sogar Anfragen ablehnen.&#8220; Derzeit liegen alle Anstrengungen darauf, neue Cloud-Kunden zu gewinnen. \u201e75 sind es mittlerweile&#8220;, sagt Schretzmann, \u201evor allem technologieaffine Startups, Mittelst\u00e4ndler, Einzelpersonen, aber auch gr\u00f6\u00dfere Unternehmen&#8220;. Wer diese gr\u00f6\u00dferen sind, wird zwar nicht verraten. Doch mit einigem Stolz verweist er auf eine Kooperation mit der Deutsche-B\u00f6rse-Tochter Cloud Exchange, einem Marktplatz f\u00fcr internetbasierte Rechenleistungen, an dem k\u00fcnftig auch \u00fcbersch\u00fcssige Kapazit\u00e4ten der Dresdener gehandelt werden.<\/p>\n<p>Gut positioniert im Markt sehen Schretzmann und Struckmeier ihre Firma dabei einerseits durch ihre dezentral aufgestellten Server. Die im Vergleich zu einem gro\u00dfen Einzelstandort durchschnittlich k\u00fcrzere Entfernung zu den Kunden verringert die Daten\u00fcbertragungszeit. Das ist das eine. Mehr noch aber d\u00fcrfte die Tatsache wiegen, dass Cloud &amp; Heat Rechenleistung wohl billiger anbieten kann als mancher Wettbewerber. Da die Firma keine Rechenzentren bauen muss, spart sie Kosten. An diesem Vorteil wiederum werden Hausbesitzer beteiligt, die die\u00a0Serverschr\u00e4nke zu je etwa 12 000 Euro ordern und dann von Technikern des Unternehmens oder Partnerfirmen aufstellen und warten lassen. Mindestens 15 Jahre lang, so lautet die vertragliche Zusage von Cloud &amp; Heat, werden die Immobilien kostenlos durch die Technik beheizt und mit Warmwasser versorgt.<\/p>\n<p>Dabei profitiert das Unternehmen vom Markenzeichen \u201eHosted in Germany&#8220;, denn seit der NSA-Aff\u00e4re legen nicht nur traditionelle mittelst\u00e4ndische Unternehmen Wert darauf, dass ihre Daten in Deutschland verwaltet werden.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo Computer arbeiten, entsteht Hitze. Die Firma Cloud &amp; Heat aus Dresden hat eine Technik entwickelt, um damit H\u00e4user mit Warmwasser und Heizenergie zu versorgen. 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