{"id":1521,"date":"2015-04-25T13:23:23","date_gmt":"2015-04-25T13:23:23","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1521"},"modified":"2021-04-10T05:30:43","modified_gmt":"2021-04-10T05:30:43","slug":"aus-dem-sachsischen-werdau-ins-kaiserliche-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2015\/04\/25\/aus-dem-sachsischen-werdau-ins-kaiserliche-wien\/","title":{"rendered":"Aus dem s\u00e4chsischen Werdau ins kaiserliche Wien"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2617\" aria-describedby=\"caption-attachment-2617\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2617 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-923x1024.jpeg\" alt=\"Der im s\u00fcdwests\u00e4chsischen Werdau geborene Ernst Graner brachte es in Wien als Vedutenmaler zu Renommee. Seine Bilder werden noch immer rege gehandelt, wie das Schaufenster einer namhaften Kunsthandlung in vornehmer Lage zeigt. In seiner Geburtsstadt Inter hingegen l\u00e4ngst vergessen. Foto: Michael Kunze\" width=\"739\" height=\"820\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-923x1024.jpeg 923w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-270x300.jpeg 270w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-250x277.jpeg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-624x691.jpeg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD-960x1064.jpeg 960w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/0A33A90E-029E-4743-95E6-156303025FFD.jpeg 1845w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2617\" class=\"wp-caption-text\">Der im s\u00fcdwests\u00e4chsischen Werdau geborene Ernst Graner brachte es in Wien als Vedutenmaler zu einigem Renommee. Seine Bilder werden an der Donau noch immer rege gehandelt, wie das Schaufenster einer Kunsthandlung in vornehmer Lage zeigt. In seiner Geburtsstadt ist er hingegen vergessen. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>L\u00e4ngst ist der K\u00fcnstler Ernst Graner an der Plei\u00dfe vergessen, dabei wurde er 1865 hier geboren. An der Donau, wo vor allem seine Aquarelle noch rege gehandelt werden, tr\u00e4gt gar eine Gasse seinen Namen<!--more-->.<\/p>\n<p>WIEN\/WERDAU. Nichts ahnend flaniert der Reisende im fr\u00fchlingshaften Wien durch die Gassen. Gest\u00e4rkt durch ein H\u00e4ferl Kaffee und ein St\u00fcck Topfenstrudel im ehrw\u00fcrdigen Caf\u00e9 &#8222;Br\u00e4unerhof&#8220;, in dem schon der Schriftsteller Thomas Bernhard (1931 bis 1989) zu Gast war, mustert er die Auslagen dieses Antiquariats und jener Kunstgalerie &#8211; an der Dorotheergasse um die Ecke. Gleich den Perlen einer Kette reiht sich hier ein Gesch\u00e4ft an das andere f\u00fcr die so kunstsinnige wie solvente Kundschaft in der \u00f6sterreichischen Metropole.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich aber bleiben die Blicke haften &#8211; zuerst an einer Ansicht des Stephansdoms, einem in kr\u00e4ftige Farben gefassten Aquarell, dann an dem K\u00e4rtchen darunter, das Ernst Graner als denjenigen ausweist, der das Bild gemalt hat und dessen Geburtsort mit &#8222;Werdau\/Sachsen&#8220; angibt. 49 mal 37 Zentimeter misst es, ist vom K\u00fcnstler signiert und f\u00fcr 8900 Euro zu haben. Im Fenster nebenan steht Graners Ansicht vom Wiener Stadttheater, in einem weiteren eine von der Hofburg. Beide sind g\u00fcnstiger und im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entstanden.<\/p>\n<p><strong>Ein Werk im Bestand der Kunstsammlungen Zwickau<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend indes im 23. Wiener Bezirk seit 1961 eine nach dem \u00fcber Jahrzehnte an der Donau aktiven Maler benannte Gasse existiert, sieht es in seiner Geburtsstadt anders aus: &#8222;In Werdau erinnert meines Wissens nichts an den Maler&#8220;, sagt Birgit Bauer vom Stadtarchiv auf Anfrage. &#8222;Auch in einem alten Meldebuch, welches zirka 1875 beginnt, gibt es den Namen Graner nicht&#8220;, erg\u00e4nzt sie. Das k\u00f6nnte daran liegen, dass er nie oder nur kurz in Werdau gelebt hat.<\/p>\n<p>Eines von Graners Werken f\u00fchren jedoch die Kunstsammlungen Zwickau in ihrem Bestand, teilt das Kulturamt der Stadt auf Nachfrage mit. Dabei handele es sich um ein Herrenportr\u00e4t in &#8222;\u00d6l auf Leinwand, signiert, datiert und beschriftet&#8220;. Es stamme von 1898 und befinde sich laut Inventarverzeichnis seit 1965 im Hause &#8211; seit dem 100. Jahr nach Graners Geburt in der Nachbarstadt Werdau also. Wie und warum es dahin kam, ist unklar. Da Graner \u2013 so viel gibt die Fachliteratur preis \u00fcber den in Werdau auch f\u00fcr Museumschef Hans-J\u00fcrgen Beier Unbekannten &#8211; schon 1890 mit Ausstellungen im Wiener K\u00fcnstlerhaus am Karlsplatz vertreten war, sei anzunehmen, &#8222;dass er seine Geburtsstadt fr\u00fch verlassen hat, um an der Wiener Akademie zu studieren&#8220;, hei\u00dft es vom Zwickauer Kulturamt.<\/p>\n<p>Dennoch k\u00f6nnte er in Werdau oder Zwickau vermutlich Unterricht genommen haben bei dem Maler und Zeichenlehrer Ernst Eichler (1850 bis 1895) &#8211; dessen Nachlass liegt im Werdauer Museum. Denn bei dem in Zwickau beheimateten Gem\u00e4lde d\u00fcrfte es sich aufgrund einer Anmerkung in den Unterlagen um die Kopie eines Werkes von Eichler handeln. Dieser war nach Auskunft von Werdaus Museumschef Beier in den 1880er-Jahren von einem l\u00e4ngeren Italien-Aufenthalt nach Sachsen zur\u00fcckgekehrt &#8211; nicht aber in seine fr\u00fchere Heimatstadt Werdau, sondern nach Zwickau. Dort wiederum k\u00f6nnte er den jungen Graner unter seine Fittiche genommen haben, bevor dieser nach \u00d6sterreich auswanderte. An der Donau schuf Graner eine Vielzahl von Landschaftsbildern und Stadtansichten &#8211; von der Karls- wie der Votivkirche, dem Stephansdom und dessen Riesentor oder der Hofburg. Graner war bald in der \u00f6rtlichen Szene integriert und seit 1910 Mitglied in der stilistisch konservativen, nach dem Wiener K\u00fcnstlerhaus benannten Gruppe. Nach Auskunft von Ursula Storch, Vizedirektorin der Museen der Stadt Wien, arbeitete er \u00fcberdies schon 1895\/96 f\u00fcr die seit 1889 erscheinende und nach ihrem Herausgeber benannte M\u00fcnchner Satirezeitschrift &#8222;Meggendorfer-Bl\u00e4tter&#8220;.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Qualit\u00e4tvollerer Vedutenmaler&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Graner, der 1943 78-j\u00e4hrig in Wien starb, z\u00e4hlt nach Storchs Angaben &#8222;zweifellos zu den qualit\u00e4tvolleren Vedutenmalern&#8220;. Dennoch d\u00fcrften die Preise f\u00fcr die Aquarelle im Schaufenster der Galerie an der Dorotheergasse zu hoch angesetzt sein, sch\u00e4tzen die Zwickauer Fachleute.<\/p>\n<p>F\u00fcr Uwe Feustel, Kunstlehrer am Werdauer Humboldtgymnasium, liegt dies auch daran, dass einige Werke in die Zeit des Jugendstils und das Umfeld der Gruppe &#8222;Wiener Secession&#8220; zu r\u00fccken seien, woraus sich bereits ein Sammlerinteresse ergebe. Die K\u00fcnstlergruppe n\u00e4mlich war jene ber\u00fchmte Abspaltung von der Vereinigung &#8222;Wiener K\u00fcnstlerhaus&#8220;, der sp\u00e4ter Graner angeh\u00f6rte. Von der Bedeutung Graners f\u00fcr Wien zeugt \u00fcberdies, dass allein Ursula Storchs Haus mehr als 50 Arbeiten des geb\u00fcrtigen Werdauers beherbergt. Sie sind &#8222;noch immer im Kunsthandel sehr beliebt&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4ngst ist der K\u00fcnstler Ernst Graner an der Plei\u00dfe vergessen, dabei wurde er 1865 hier geboren. 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