{"id":1656,"date":"2015-08-12T06:26:47","date_gmt":"2015-08-12T06:26:47","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1656"},"modified":"2015-10-05T07:31:25","modified_gmt":"2015-10-05T07:31:25","slug":"ddr-half-bei-bergbau-unter-kriegsbedingungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2015\/08\/12\/ddr-half-bei-bergbau-unter-kriegsbedingungen\/","title":{"rendered":"DDR half bei Bergbau unter Kriegsbedingungen"},"content":{"rendered":"<p>Dass sich die einst gr\u00f6\u00dfte \u201eKolonie\u201c von DDR-Auslandsb\u00fcrgern ausgerechnet im ostafrikanischen Mosambik befand, wei\u00df heute kaum noch wer. Bei Thomas Klemm ist das anders. Er hat seit den 1970er-Jahren das Gemeinschaftsprogramm f\u00fcr die Steinkohlenf\u00f6rderung zwischen den beiden sozialistischen L\u00e4ndern geleitet. Eine Erfolgsgeschichte?<!--more--><\/p>\n<p>Oelsnitz (Erzgebirge). Insgesamt 57 Staatsvertr\u00e4ge hatte die DDR einst mit dem sozialistischen Mosambik in S\u00fcdostafrika geschlossen \u2013 \u00fcber Hochschulzusammenarbeit genauso wie auf den Gebieten von Landwirtschaft und Industrie, sagt Thomas Klemm. F\u00fcr einen Bereich trug der heute 75-J\u00e4hrige, der im s\u00e4chsischen Vielau (Kreis Zwickau) wohnt, in den 1970er- und 80er-Jahren selbst federf\u00fchrend Verantwortung: den der Bergbaukooperation.<\/p>\n<p>Auf dem Feld der Steinkohlenf\u00f6rderung, mit der er selbst von der Pike auf vertraut ist (siehe Anhang), erf\u00fcllte Klemm die Zusammenarbeit seit 1978 in leitender Funktion mit Leben. Etwa 1000 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Maputo trieb er die Ausbeutung des gr\u00f6\u00dften afrikanischen Reviers voran. \u201eWir waren unter anderem f\u00fcr die geologische Erkundung zust\u00e4ndig\u201c, sagt er in der R\u00fcckschau. Im Gegenzug auch zu Technologietransfer sollte die DDR bis zu 500.000 Tonnen Steinkohle j\u00e4hrlich erhalten \u2013 andere Quellen sprechen von der H\u00e4lfte und weisen auf sp\u00e4ter festgestellte, betr\u00e4chtliche Qualit\u00e4tsprobleme bei der Verkokung hin. \u201eDas ist zwar im Vergleich zur noch einige Millionen Tonnen betragenden Jahresproduktion im Ruhrgebiet, nach dem Krieg gar 130 Millionen Tonnen, nicht viel, aber es war ein Anfang.\u201c Sp\u00e4ter war eine Produktionssteigerung auf eine Million Tonnen vorgesehen.<\/p>\n<p><strong>Bombardements und Todesf\u00e4lle<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeit war gef\u00e4hrlich, auch weil zwischen Mosambik und der vormaligen, westlich angrenzenden britischen Kolonie S\u00fcdrhodesien, dem heutigen Simbabwe, zeitweise ein erbitterter Krieg tobte. \u201eDas hatte sich nat\u00fcrlich so zun\u00e4chst bei uns niemand vorgestellt. Es gab sogar Bombenangriffe auf die Anlagen im Distrikt Moatize, in denen 2500 Leute arbeiteten\u201c, sagt Klemm, der heute \u00fcber seine einstige Arbeit am Rande der Landesgartenschau in Oelsnitz sprechen wird. Seinerzeit seien auch Einheimische ums Leben gekommen. \u201eDoch wir haben ebenfalls Kopf und Kragen riskiert. Es war sehr abenteuerlich, und es gab ununterbrochen Schwierigkeiten.\u201c Insgesamt seien \u00fcber die Jahre hinweg etwa 600 DDR-B\u00fcrger f\u00fcr das Projekt auf dem Schwarzen Kontinent gewesen, \u201ein der Hochphase etwa 200 gleichzeitig, inklusive deren Familien\u201c, erinnert er sich.<\/p>\n<p>Das Vorhaben scheiterte schlie\u00dflich, auch wegen des seit 1976 andauernden, 16 Jahre w\u00e4hrenden B\u00fcrgerkrieges zwischen der sozialistischen \u201eMosambikanischen Befreiungsfront\u201c und dem konservativen, von den USA unterst\u00fctzten \u201eNationalen Widerstand\u201c, in dem auch DDR-B\u00fcrger ums Leben kamen, sagt Klemm. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung war das Schicksal der Kooperation endg\u00fcltig besiegelt, doch schon zuvor hatten sich die Beziehungen zwischen beiden L\u00e4ndern abgek\u00fchlt. Dabei hatte die DDR bei der Ausbeutung in Mosambik nicht bei Null angefangen. Mehr als 100 Jahre w\u00e4hrt deren Geschichte, die noch unter Regie der portugiesischen Kolonialherren und mit britischer und deutscher Unterst\u00fctzung ihren Auftakt genommen hat, berichtet der Zeitzeuge. \u201eUnter anderem f\u00fcr die Dampfschifffahrt auf dem Sambesi und den Betrieb der Eisenbahn war der Abbau im Tiefbau interessant.\u201c Sp\u00e4ter wurden die Gruben von den privatwirtschaftlichen Betreibern nach wiederholten Ungl\u00fccken durch die sozialistische F\u00fchrung verstaatlicht \u2013 nach Unruhen mit Toten unter den wei\u00dfen Fachleuten. Um die F\u00f6rderung wieder in Gang zu setzen, kamen technisches Personal und Wissenschaftler von Wismut, Steinkohlebergbau und Schwarzer Pumpe ins Land.<\/p>\n<p><strong>Sozialistischer &#8222;Kolonialhandel&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Bemerkenswert ist das Res\u00fcmee, das <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/rezbuecher-221\">Dennis Kuck in Anlehnung an eine wissenschaftliche Studie \u00fcber die Kooperation<\/a> zieht: \u201eDie Zusammenarbeit war gekennzeichnet durch utopische Gro\u00dfprojekte [\u2026]. Klassischem Kolonialhandel nicht un\u00e4hnlich, lockte der kreditgesicherte Absatz von Anlagen und Ger\u00e4ten, w\u00e4hrend die DDR-Planungsgruppen die Voraussetzungen f\u00fcr deren Einsatz in Mosambik nur unzureichend ber\u00fccksichtigten. So fanden viele Lieferungen zwar keine Verwendung, trotzdem belasteten sie den mosambikanischen Kreditrahmen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Leben f\u00fcr den Bergbau<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Klemm, Jahrgang 1939, begann im Alter von 13 Jahren eine Lehre zum Bergmann. Der heute 75-J\u00e4hrige studierte schlie\u00dflich an der Bergakademie in Freiberg Bergbau und wurde 1974\/75 promoviert. Von 1978 bis 1981 ging er nach Mosambik, wo er f\u00fcr die DDR den Aufbau des Steinkohlenbergbaus im Distrikt Moatize (Provinz Tete) leitete. Von 1987 bis April 1990 war er abermals in diesem gr\u00f6\u00dften Steinkohlenrevier Afrikas, in dem zuvor bereits unter portugiesischer Kolonialherrschaft im Tagebau gef\u00f6rdert wurde.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sich die einst gr\u00f6\u00dfte \u201eKolonie\u201c von DDR-Auslandsb\u00fcrgern ausgerechnet im ostafrikanischen Mosambik befand, wei\u00df heute kaum noch wer. 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