{"id":1729,"date":"2015-11-07T08:16:53","date_gmt":"2015-11-07T08:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1729"},"modified":"2016-08-31T14:44:46","modified_gmt":"2016-08-31T14:44:46","slug":"eher-ein-don-camillo-als-hochwurden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2015\/11\/07\/eher-ein-don-camillo-als-hochwurden-2\/","title":{"rendered":"Eher ein Don Camillo als Hochw\u00fcrden"},"content":{"rendered":"<p>Seit einer Woche ist Ludger Kauder der neue katholische Pfarrer f\u00fcr Werdau, Crimmitschau und Fraureuth.<\/p>\n<p>WERDAU. Ludger Kauder kommt zwar nicht auf leisen Sohlen, daf\u00fcr aber schnell zum Punkt. Etwa wenn der neue <a href=\"http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/\">katholische Pfarrer f\u00fcr Werdau<\/a>, Crimmitschau und die umliegenden D\u00f6rfer S\u00e4tze sagt wie: &#8222;Wir m\u00fcssen offen f\u00fcr alle sein &#8211; auch auf die Gefahr hin, dass dann irgendwer meint, es regnet rein oder man ist nicht ganz dicht.&#8220; Der 51-J\u00e4hrige muss es wissen. Denn zu seinen fr\u00fcheren Sch\u00e4fchen der<!--more--> vorherigen Pfarrei in Riesa geh\u00f6rten mit Holger Apfel, einst NPD-Landesvorsitzender, und seiner Frau auch mindestens zwei dunkelbraune. Doch das Paar gewisserma\u00dfen aus der Kirche zu werfen, kam f\u00fcr den Pfarrer nie infrage: &#8222;Dass wir die NPD beschissen finden, wissen wir&#8220;, sagte er vor Jahren in Don-Camillo-Manier einer Zeitung. &#8222;Dass wir den Apfel dulden m\u00fcssen, wissen wir aber auch.&#8220; So ist das in der Kirche, die S\u00fcnder nicht ab-, sondern ihnen den Weg weisen soll.<\/p>\n<p>Eigentlich aber st\u00f6rt Kauder das Thema &#8211; nicht weil er ihm ausweichen will. Doch die Causa Apfel ist nicht mehr in seiner Obhut. Voriges Jahr ist der Ex-Politiker nach Mallorca ausgewandert. Kauder wiederum, der bis 1990 nach altsprachlichen Kursen in Sch\u00f6neiche katholische Theologie in Erfurt studierte, w\u00fcrde man allein mit dem Verweis auf den Umgang mit den fr\u00fcheren Problemschafen nicht gerecht. Der Pfarrer spricht lieber erst einmal &#8211; gar nicht. Schaut stattdessen denjenigen eindringlich an, der da um ein Gespr\u00e4ch bittet, kaum dass der Priester auch nur seine Koffer ausgepackt hat. Um den Gast dann verbal nicht eben zimperlich zu kitzeln mit einem &#8222;Ich habe nur 20 Minuten&#8220; &#8211; als Willkommensgru\u00df.<\/p>\n<p>Dann aber h\u00f6rt er zu, wiegt bei mancher Frage bed\u00e4chtig den Kopf und sagt schlie\u00dflich, er brauche noch Zeit &#8211; um sich einzufinden am neuen Ort. Er bittet um Offenheit f\u00fcreinander wie auch um Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass er sich schwertue mit Menschen, die ihr Handeln allein damit begr\u00fcndeten, dass etwas &#8222;schon immer so war&#8220;. Bis auf Weiteres sei er vorerst damit befasst, &#8222;Informationen aufzusaugen, zu schauen, wie was funktioniert, wer wer ist&#8220; &#8211; das \u00dcbliche also bei Ortswechseln, unabh\u00e4ngig von der Profession. F\u00fcr Kauder ist es mittlerweile der f\u00fcnfte nach der Priesterweihe 1992 in Dresden, Kaplansjahren in Glauchau und Zittau bis 1999, der ersten Pfarrstelle im osts\u00e4chsischen Leutersdorf und den vergangenen neun Jahren in Riesa.<\/p>\n<p>Eine Schonzeit g\u00f6nnte sich der geb\u00fcrtige Crimmitschauer, der im th\u00fcringischen G\u00f6\u00dfnitz aufwuchs, in seiner ersten Woche in der Region nicht: Er hat die Heilige Messe gelesen, sich mit Senioren getroffen, Religionsunterricht erteilt. Bei letzterem sei den jungen Leuten zuerst &#8222;das viel neuere Handy&#8220; aufgefallen, das er im Vergleich zu Vorg\u00e4nger Michael Gehrke bei sich trage. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben; jeder Mensch ist anders. Auf den eher zur\u00fcckhaltenden Gehrke, der eine Pfarrei in Dresden \u00fcbernommen hat, folgt mit Kauder eine Art Don Camillo &#8211; lange l\u00e4sst ihn der Vergleich schmunzeln: Einmal ist er sehr direkt, anders als man sich einen katholischen Priester landl\u00e4ufig vorstellt, ziemlich schlagfertig auch, dann wieder ungemein einf\u00fchlsam, liebensw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das keine schlechte Voraussetzung f\u00fcr eine katholische Kirche, die zwar in den Gro\u00dfstadtpfarreien Leipzigs oder Dresdens zulegt, auf dem Lande aber zusammenschnurrt. Kauder h\u00e4lt denn auch die aktuelle Lage mit jener Zeit vor den Weltkriegen f\u00fcr vergleichbar, die viele katholische Fl\u00fcchtlinge nach Sachsen brachten: Heute gibt es wieder weniger Katholiken als in den 50er-, 60er-Jahren, auch weniger Priester \u2013 und die m\u00fcssen wie einst gro\u00dfe Entfer- nungen zur\u00fccklegen. Dabei sei das Areal, das Kauder nun unter seinen Fittichen hat, viel kleiner als das vorher um Riesa. Hatte er dort Katholiken auf 1000 Quadratkilometern zu betreuen, seien es nun 260. &#8222;Das ist wie einmal \u00fcber den Hof fahren&#8220;, findet er schmunzelnd.<\/p>\n<p>Und dann sind sie vor\u00fcber, Kauders 20 Minuten, tats\u00e4chlich waren es \u2013 Eineinviertelstunden.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einer Woche ist Ludger Kauder der neue katholische Pfarrer f\u00fcr Werdau, Crimmitschau und Fraureuth. WERDAU. Ludger Kauder kommt zwar nicht auf leisen Sohlen, daf\u00fcr aber schnell zum Punkt. 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