{"id":193,"date":"2011-08-28T06:48:08","date_gmt":"2011-08-28T06:48:08","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/?p=193"},"modified":"2020-06-29T16:27:12","modified_gmt":"2020-06-29T16:27:12","slug":"kunze-macht-sich-auf-den-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2011\/08\/28\/kunze-macht-sich-auf-den-weg\/","title":{"rendered":"Kunze macht sich auf den&nbsp;Weg"},"content":{"rendered":"<p>Ein\u00adfach mal los\u00adfah\u00adren. Zu einem Ort, irgend\u00adwo, ganz egal. Da wird schon etwas sein. Oder&nbsp;nicht?<!--more--><\/p>\n<p>Alles h\u00e4t\u00adte so sch\u00f6n wer\u00adden k\u00f6n\u00adnen. Pl\u00e4\u00adne f\u00fcrs Wochen\u00aden\u00adde waren gemacht, Ver\u00adab\u00adre\u00addun\u00adgen getrof\u00adfen. Dann das: Zwei Stun\u00adden vor Fei\u00ader\u00adabend kommt der Chef. Ich soll nach K\u00f6nigs\u00admoos. Irgend\u00adein Nest in der ober\u00adbaye\u00adri\u00adschen Ein\u00ad\u00f6de. Was soll ich da? Kei\u00adne Ahnung, sagt der Chef. Eine Geschich\u00adte fin\u00adden. Mich fin\u00adden las\u00adsen. Das Ziel hat ein Dart\u00adpfeil gew\u00e4hlt. Kei\u00adner hier kennt K\u00f6nigsmoos.<\/p>\n<p>Manch\u00admal kann ich mich ganz sch\u00f6n auf\u00adre\u00adgen. Heu\u00adte ist es wie\u00adder so weit. Was soll ich in K\u00f6nigs\u00admoos? Der Chef hat schon am ers\u00adten Tag behaup\u00adtet, dass ich nur Poli\u00adto\u00adlo\u00adgie stu\u00addiert habe, weil ich nicht arbei\u00adten will. Wider\u00adre\u00adde uner\u00adw\u00fcnscht. So ist das Leben am unte\u00adren Ende der Nah\u00adrungs\u00adket\u00adte. Gene\u00adra\u00adti\u00adon Plankton.<\/p>\n<p>Schon die Anfahrt gibt mir recht: Es f\u00e4hrt kein Zug nach K\u00f6nigs\u00admoos, nur ein Bus. Den ich ver\u00adpas\u00adse. Er ver\u00adkehrt nur ein\u00admal t\u00e4g\u00adlich. Also neh\u00adme ich den Zug nach Neu\u00adburg, das ist immer\u00adhin in der rich\u00adti\u00adgen Gegend. Dort muss man \u00fcber die Glei\u00adse stei\u00adgen. Kei\u00adne Unter\u00adf\u00fch\u00adrung, kei\u00adne Br\u00fc\u00adcke. Ich fra\u00adge im Zei\u00adtungs\u00adla\u00adden nach einem Bus. \u201eGibt es nicht\u201c, ist die Ant\u00adwort. \u201eNeh\u00admen Sie ein Taxi! Wenn eins dasteht.\u201c<\/p>\n<p>Eins steht da. Die Frau am Steu\u00ader kommt schnell zur Sache. Was ich im Moos wol\u00adle? \u201eLos is do nix, do is scho man\u00adcher eig\u00adschlafn \u2013 und nim\u00admer auf\u00adg\u00adwacht, so lang\u00adwei\u00adlig is dor\u00adten.\u201c Die Fahrt zieht sich. Fel\u00adder glei\u00adten vor\u00ad\u00fcber. Mais, R\u00fcben, Getrei\u00adde \u2013 und Kar\u00adtof\u00adfeln. Und Kar\u00adtof\u00adfeln. Und noch mehr Kar\u00adtof\u00adfeln. Zwi\u00adschen den Kar\u00adtof\u00adfeln schwar\u00adze Erde. Wie Vulkanasche.<\/p>\n<p>Wir errei\u00adchen K\u00f6nigs\u00admoos. Kein Super\u00admarkt, kei\u00adne Gesch\u00e4f\u00adte, kei\u00adne Tank\u00adstel\u00adle. Nur ein Tan\u00adte-Emma-B\u00e4cker, Rat\u00adhaus, Schu\u00adle, Spar\u00adkas\u00adse. Klei\u00adne Bau\u00adern\u00adh\u00f6\u00adfe, Ein\u00adfa\u00admi\u00adli\u00aden\u00adh\u00e4u\u00adser, wie Dop\u00adpel\u00adper\u00adlen an einer Schnur \u2013 K\u00f6nigs\u00admoos ist ein Stra\u00ad\u00dfen\u00addorf. Das Land ist flach, die Stra\u00ad\u00dfen zei\u00adgen geradeaus.<\/p>\n<p>Das Taxi f\u00e4hrt nach Lud\u00adwigs\u00admoos, ein Orts\u00adteil. Hier harrt ein Zim\u00admer mei\u00adner. Im Gast\u00adhof Kraus. Eine Trep\u00adpe f\u00fchrt hin\u00adauf, drin\u00adnen erwar\u00adtet mich die Wir\u00adtin. Sie fragt, wie lan\u00adge ich blei\u00adben will. Kei\u00adne Ahnung. Ich darf erst zur\u00fcck, wenn ich die\u00adse bl\u00f6\u00adde Geschich\u00adte habe. Oder sie mich. Sonst muss ich f\u00fcr immer bleiben.<\/p>\n<p>Vier Frem\u00adden\u00adzim\u00admer gibt es, seit 1926 hat hier kein Gast mehr als eine Nacht ver\u00adbracht. Die Wir\u00adtin fragt ent\u00adgeis\u00adtert, war\u00adum aus\u00adge\u00adrech\u00adnet ich l\u00e4n\u00adger ver\u00adwei\u00adlen m\u00f6ch\u00adte. Ich muss doch! Ich nut\u00adze die Gele\u00adgen\u00adheit, mei\u00adnen Chef anzu\u00adpran\u00adgern. Die Wir\u00adtin lacht schal\u00adlend, wie zuvor die Taxi\u00adfah\u00adre\u00adrin. Ich f\u00fch\u00adle, dass sie mit mir f\u00fchlt. Wie eine Mut\u00adter. F\u00fchlt sich gut an. End\u00adlich jemand, der mich versteht.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber was soll ich hier schrei\u00adben?\u201c, fle\u00adhe ich. \u201eGute Fra\u00adge\u201c, sagt sie. \u201eEigent\u00adlich gibt\u2019s hier nur das Moos. Tro\u00adcken\u00adge\u00adleg\u00adtes Moor. Land\u00adwirt\u00adschaft. Moos\u00adkar\u00adtof\u00adfeln.\u201c Jeder, der kommt, sagt, dass er das ers\u00adte Mal hier ist. Ich \u00fcber\u00adle\u00adge, was das bedeu\u00adtet. Doch wohl, dass kei\u00adner zur\u00fcck\u00adkehrt? Ich soll den B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter fra\u00adgen. Und den Stamm\u00adtisch aus\u00adfor\u00adschen, der trifft sich abends im Biergarten.<\/p>\n<p>Eine Fra\u00adge hab ich noch. Wie\u00adso hei\u00dft der Pfar\u00adrer Nara\u00adl\u00adak\u00adka\u00adt\u00adtu\u00adkun\u00adnel? Das wei\u00df ich aus dem Inter\u00adnet. Na-ra-lak-kat-tu-kun-nel. Gr\u00fc\u00df Gott, Herr Pfar\u00adrer. Ich hab es auf der Hin\u00adfahrt ge\u00fcbt. Zeit genug hat\u00adte ich ja. Ach, Pater Greh\u00adsches, sagt die Wir\u00adtin. Der kommt aus Indi\u00aden. Voll\u00adst\u00e4n\u00addi\u00adger Name: Chum\u00admar Gra\u00adcious Nara\u00adl\u00adak\u00adka\u00adt\u00adtu\u00adkun\u00adnel. So schwer ist das doch nicht. DIE GESCHICHTE!!! Mein Chef hat\u00adte recht! Ich wer\u00adde Volon\u00adt\u00e4r! Ich lie\u00adbe die\u00adsen Mann. Jetzt nur nicht die Ner\u00adven ver\u00adlie\u00adren. Was f\u00fcr eine Sto\u00adry. Der indi\u00adsche Pfar\u00adrer vom Donau\u00admoos. Ich neh\u00adme das Fahr\u00adrad. Die Wir\u00adtin hat es mir besorgt, es geh\u00f6rt einem ihrer S\u00f6h\u00adne. Das Pfarr\u00adhaus liegt an der Stra\u00ad\u00dfe nach Klings\u00admoos, immer gera\u00adde\u00adaus. Und dann rechts.<\/p>\n<p>Gleich gegen\u00ad\u00fcber dem Wirts\u00adhaus wird neu gebaut. \u00dcber\u00adhaupt wird hier viel gebaut. Irgend\u00adwie komisch. Wer will denn hier\u00adher? Und war\u00adum? Ich habe kei\u00adne Zeit, so geschwind rad\u00adle ich an den Gr\u00e4\u00adben vor\u00ad\u00fcber, in denen rost\u00adbrau\u00adnes Was\u00adser steht, ich rase und rad\u00adle, ein radeln\u00adder, rasen\u00adder Repor\u00adter. Den Pfar\u00adrer sehe ich schon von wei\u00adtem. Er steht auf der Trep\u00adpe zum Pfarr\u00adhaus, mit einem \u00e4lte\u00adren Herrn ins Gespr\u00e4ch ver\u00adtieft. Ich h\u00fcl\u00adle mich auf einer Bank am Fried\u00adhofs\u00adtor in den Schein der Abend\u00adson\u00adne. End\u00adlich bin ich an der Rei\u00adhe und: Die deut\u00adsche Spra\u00adche kennt kein Wort f\u00fcr mei\u00adnen Schmerz. Der Pries\u00adter hei\u00dft nicht Nara\u00adl\u00adak\u00adka\u00adt\u00adtu\u00adkun\u00adnel, son\u00addern blo\u00df Poo\u00advat\u00adtil. Zwar kommt auch er aus Indi\u00aden. Aber er wei\u00df es nicht. Par\u00addon: Er wei\u00df nat\u00fcr\u00adlich, dass er aus Indi\u00aden kommt, aber er wuss\u00adte nicht, dass er hier einen indi\u00adschen Pfar\u00adrer ver\u00adtritt, besag\u00adten Nara\u00adl\u00adak\u00adka\u00adt\u00adtu\u00adkun\u00adnel. Was soll\u2019s, inzwi\u00adschen wei\u00df er\u2019s. Was n\u00fctzt mir das? Die bei\u00adden haben mei\u00adne Geschich\u00adte ruiniert.<\/p>\n<p>Pater Poo\u00advat\u00adtil spricht nicht mal Deutsch. Er schreibt die Pre\u00addigt auf Eng\u00adlisch, \u00fcber\u00adsetzt sie dann mit W\u00f6r\u00adter\u00adbuch und Inter\u00adnet. Ich bin l\u00e4ngst bei mei\u00adnem alten Lei\u00adden: Wie kom\u00adme ich an mei\u00adne Geschich\u00adte? Die Wir\u00adtin muss mich ret\u00adten. Ver\u00adab\u00adschie\u00addung vom Pfar\u00adrer. \u201eVergelt\u2019s Gott!\u201c Zur\u00fcck zum Gast\u00adhaus. Vor\u00adbei an einem Holz\u00adpfahl, laut Hin\u00adweis\u00adschild der Donau\u00admoos\u00adpe\u00adgel. Er \u00fcber\u00adragt mich fast um eine Prak\u00adti\u00adkan\u00adten\u00adl\u00e4n\u00adge. Und sieht alt aus. Steht auch drauf: \u201e1836\u201c. Das Holz ist so ver\u00adwit\u00adtert wie ein Grab\u00admal auf einem Hospitantenfriedhof.<\/p>\n<p>Die Mono\u00adto\u00adnie des Schmer\u00adzes hat mich radeln und radeln las\u00adsen, ich bin l\u00e4ngst am Wirts\u00adhaus vor\u00ad\u00fcber. Kehrt\u00adge\u00admacht und ab in den Bier\u00adgar\u00adten. Ich habe Hun\u00adger. Der Stamm\u00adtisch ist schon zusam\u00admen\u00adge\u00adkom\u00admen. Mir fehlt der Mumm, in die ver\u00adschwo\u00adre\u00adne Gemein\u00adschaft ein\u00adzu\u00adbre\u00adchen, so wie es die Wir\u00adtin vor\u00adge\u00adschla\u00adgen hat\u00adte. Ges\u00adti\u00adku\u00adlie\u00adrend und immer wie\u00adder Bier ordernd nimmt die Run\u00adde aus sechs, sie\u00adben Leu\u00adten die Tages\u00adpo\u00adli\u00adtik in die Man\u00adgel. Ich sit\u00adze eini\u00adge Tische ent\u00adfernt, ganz allein. Ein Poli\u00adto\u00adlo\u00adge, durch\u00adbohrt von Bli\u00adcken: \u201eWas will der hier?\u201c, so fra\u00adgen sie. Ich wid\u00adme mich mei\u00adnem Brot\u00adzeit\u00adtel\u00adler \u2013 und stu\u00addie\u00adre ange\u00adregt die Gegend.<\/p>\n<p>Irgend\u00adwas stimmt hier nicht. Und das bin nicht ich. Das Wirts\u00adhaus ist gut in Schuss, frisch saniert. Und trotz\u00addem: Ent\u00adwe\u00adder w\u00e4chst der Gast\u00adhof aus dem Erd\u00adreich, wie auf einem klei\u00adnen Vul\u00adkan. Oder der Boden drum her\u00adum sackt ab. Ist doch ver\u00adr\u00fcckt. Unter\u00adhalb der Trep\u00adpe, am Sockel ist es genau\u00adso. Das Mau\u00ader\u00adwerk liegt offen. Vom Berg\u00adbau kennt man das. Wenn St\u00fctz\u00adbal\u00adken der alten Stol\u00adlen nach\u00adge\u00adben und der Boden absackt. Aber hier? Das Haus steht auf Pfei\u00adlern aus Beton, sagt die Wir\u00adtin. Wie\u00adso das denn?, fra\u00adge ich. Ich seh kei\u00adne. \u201eUnter\u00adir\u00addisch, tief in den Boden hin\u00adein\u201c, gibt sie zur\u00fcck. Das h\u00e4ngt mit dem Moor zusam\u00admen. Der tro\u00adcken\u00adge\u00adleg\u00adten Torf\u00adschicht. Na gut, den\u00adke ich. \u201eHat der Donau\u00admoos\u00adpe\u00adgel was damit zu tun, der Pfahl am Stra\u00ad\u00dfen\u00adrand?\u201c \u2013 \u201eJa klar\u201c, ent\u00adgeg\u00adnet sie. \u201eSo hoch wie der Pflock jetzt aus der Erde ragt, so tief ist der Boden dort und fast \u00fcber\u00adall abge\u00adsackt. Um die drei Meter. Als er ein\u00adge\u00adschla\u00adgen wur\u00adde, schloss er eben\u00aderdig ab\u201c, sagt sie und ver\u00adschwin\u00addet. Der Stamm\u00adtisch ruft nach&nbsp;Bier.<\/p>\n<p>Ist das nun eine Geschich\u00adte? Ver\u00adsin\u00adken\u00adde D\u00f6r\u00adfer: ja. \u00dcber\u00adschwemm\u00adte D\u00f6r\u00adfer: ja. Ein\u00adst\u00fcr\u00adzen\u00adde Neu\u00adbau\u00adten: klar. Aber ver\u00adsin\u00adken\u00adde Land\u00adschaf\u00adten, in denen das Dorf ste\u00adhen bleibt? Nein.<\/p>\n<p>Mei\u00adne letz\u00adte Hoff\u00adnung: der B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter. Ein Anruf im Rat\u00adhaus am n\u00e4chs\u00adten Mor\u00adgen. Der B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter ist in Urlaub. Na pri\u00adma! H\u00f6rt der Wahn\u00adsinn nie\u00admals auf? Sein Stell\u00adver\u00adtre\u00adter ist da \u2013 und hat Zeit f\u00fcr mich, nach\u00admit\u00adtags. Bis dahin fah\u00adre ich durchs Moos, las\u00adse \u00c4cker und Was\u00adser\u00adgr\u00e4\u00adben auf mich wir\u00adken. Br\u00fc\u00adcken gibt es aller\u00adhand, dar\u00adun\u00adter sind Kan\u00e4\u00adle. Der Torf wirkt wie ein Schwamm. Und der ist vol\u00adler Was\u00adser, auch wenn es lan\u00adge nicht gereg\u00adnet hat. Damit man trotz\u00addem dar\u00adauf bau\u00aden, fah\u00adren, Land\u00adwirt\u00adschaft betrei\u00adben kann, gibt es die Gr\u00e4\u00adben. Die Gr\u00e4\u00adben m\u00fcn\u00adden in die Ach, ein klei\u00adnes Fl\u00fcss\u00adchen, das mir aus dem Her\u00adzen spricht. Auch die Ach ist voll mit rost\u00adbrau\u00adnem Nass. Der Farb\u00adstoff aus dem&nbsp;Torf.<\/p>\n<p>Der B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter\u00adstell\u00adver\u00adtre\u00adter dage\u00adgen tr\u00e4gt ein flott karier\u00adtes Frei\u00adzeit\u00adhemd, als ich ihn im Hoch\u00adpar\u00adterre des Dorf\u00adrat\u00adhau\u00adses heim\u00adsu\u00adche. Sport\u00adlich, locker, um die vier\u00adzig. Im Gegen\u00adsatz zu mir. Und fragt, wie alle, nach dem War\u00adum, was ich hier will, ich pran\u00adge\u00adre den Chef an, der B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter\u00adstell\u00adver\u00adtre\u00adter grinst, mein Gegen\u00adschlag: \u201eWie ist das\u201c, fra\u00adge ich l\u00e4s\u00adsig, \u201emit dem Donau\u00admoos?\u201c \u201eAlles senkt sich, sieht man doch\u201c, sagt er mir unge\u00adr\u00fchrt. \u201eNur moder\u00adne H\u00e4u\u00adser nicht, die hal\u00adten. Die alten aber, die gehen kaputt. Des\u00adhalb gibt\u2019s auch kaum noch wel\u00adche.\u201c Und die es gibt, die h\u00e4t\u00adten sel\u00adten Fun\u00adda\u00admen\u00adte. Wenn doch, dann st\u00fcn\u00adden sie auf Eichen\u00adpf\u00e4h\u00adlen. \u201eSackt der Boden weg, lie\u00adgen sie irgend\u00adwann frei. Der F\u00e4ul\u00adnis preis\u00adge\u00adge\u00adben.\u201c In den Bau\u00adten dar\u00ad\u00fcber, sagt er: \u201eBr\u00f6\u00adckeln\u00adder Putz, Ris\u00adse in der Fas\u00adsa\u00adde, schie\u00adfe W\u00e4n\u00adde, die D\u00e4cher glei\u00adchen Donau\u00adwel\u00adlen.\u201c So wie der alte Tanz\u00adsaal neben dem Gast\u00adhaus Kraus, den\u00adke&nbsp;ich.<\/p>\n<p>Und dann sei da noch das Hoch\u00adwas\u00adser\u00adpro\u00adblem. \u201eVor allem die Bau\u00adern lei\u00adden, wenn die Pegel stei\u00adgen\u201c, sagt Ger\u00adhard Ottil\u00adlin\u00adger, der B\u00fcr\u00adger\u00admeis\u00adter\u00adstell\u00adver\u00adtre\u00adter. Die meis\u00adten H\u00e4u\u00adser st\u00fcn\u00adden sicher, der Beton\u00adpf\u00e4h\u00adle wegen. \u201eDie Fel\u00adder aber zei\u00adgen oft noch Wun\u00adden des Torf\u00adab\u00adbaus. Obwohl das vier\u00adzig Jah\u00adre her ist.\u201c Ter\u00adras\u00adsen\u00adf\u00f6r\u00admig geht es auf den \u00c4ckern meter\u00adtief hin\u00adab, dem Grund\u00adwas\u00adser ent\u00adge\u00adgen. Hat\u00adte ich bei mei\u00adner Moos\u00adrund\u00adfahrt mit dem Fahr\u00adrad gese\u00adhen. Auch hier, in Ober\u00adbay\u00adern, flie\u00dft das Was\u00adser nach unten. Des\u00adhalb gibt es \u00fcble \u00dcber\u00adschwem\u00admun\u00adgen. Ottil\u00adlin\u00adger sagt: \u201eBeson\u00adders zuge\u00adschla\u00adgen hat die Flut von 1994. Gan\u00adze Ern\u00adten wur\u00adden weg\u00adge\u00adsp\u00fclt, der Jah\u00adres\u00ader\u00adtrag vie\u00adler Landwirte.\u201c<\/p>\n<p>170 Qua\u00addrat\u00adki\u00adlo\u00adme\u00adter misst das Moos, es ist S\u00fcd\u00addeutsch\u00adlands gr\u00f6\u00df\u00adtes Nie\u00adder\u00admoor. Aber alles tro\u00adcken\u00adge\u00adlegt. Das begann um 1790 \u2013 aber es h\u00f6rt nie auf. \u201eStop\u00adpen wir die Tro\u00adcken\u00adle\u00adgung, ver\u00adsinkt hier alles wie\u00adder in Sumpf und Matsch.\u201c So aber sackt der Torf, das tro\u00adcken\u00adge\u00adleg\u00adte Moor, jedes Jahr wei\u00adter. Im Som\u00admer 2003 gleich um f\u00fcnf Zen\u00adti\u00adme\u00adter. Das hat allein K\u00f6nigs\u00admoos auf einen Schlag 700 000 Euro gekos\u00adtet. \u201eWar nur mit Lan\u00addes\u00adhil\u00adfe zu stem\u00admen\u201c, sagt er. \u201eWar\u00adum wird dann hier \u00fcber\u00adall gebaut?\u201c, fra\u00adge ich. Ottil\u00adlin\u00adger wei\u00df es: \u201eJun\u00adge Leu\u00adte. Weil\u2019s bil\u00adli\u00adger Bau\u00adgrund ist. Ingol\u00adstadt ist teu\u00ader. Heut wird auch anders gebaut als fr\u00fc\u00adher. Kei\u00adne Ris\u00adse, kaum Sch\u00e4\u00adden am Haus.\u201c Nur der Gar\u00adten, der m\u00fcs\u00adse alle paar Jah\u00adre \u201eauf\u00adge\u00adf\u00fcllt\u201c wer\u00adden. Sonst sieht er aus wie eine Mond\u00adland\u00adschaft, lau\u00adter Kra\u00adter und H\u00fcgel. Je nach\u00addem, wie der Boden unter dem Torf beschaf\u00adfen ist. Die alte Wohn- und Arbeits\u00adkul\u00adtur der Kolo\u00adnis\u00adten, sie haben das Moor f\u00fcr den K\u00f6nig tro\u00adcken\u00adge\u00adlegt, kann heu\u00adte nur noch im Frei\u00adlicht\u00admu\u00adse\u00adum ange\u00adschaut werden.<\/p>\n<p>Um mei\u00adnen Moo\u00adshun\u00adger zu stil\u00adlen, schickt mich Ottil\u00adlin\u00adger zum Herrn der Gr\u00e4\u00adben, Hans-Peter Kober. Er sitzt im Kel\u00adler. \u201eUnd bud\u00addelt?\u201c, fra\u00adge ich. \u201eNein, um den Hoch\u00adwas\u00adser\u00adschutz k\u00fcm\u00admert er sich\u201c, sagt Ottil\u00adlin\u00adger. Vom Schreib\u00adtisch aus. 430 Kilo\u00adme\u00adter Kanal- und Bach\u00adsys\u00adtem beauf\u00adsich\u00adtigt der Mann. Wenn die Gew\u00e4s\u00adser ver\u00adsan\u00adden, schickt er sei\u00adne M\u00e4n\u00adner los. Denn wenn die Gr\u00e4\u00adben zu sind, herrscht \u201eLand&nbsp;unter\u201c.<\/p>\n<p>Regen\u00adr\u00fcck\u00adhal\u00adte\u00adbe\u00adcken wur\u00adden gebaut, um das Hoch\u00adwas\u00adser her\u00adaus\u00adzu\u00adhal\u00adten, das bei jedem Wol\u00adken\u00adbruch droht. Doch die Arbeit kommt nicht vor\u00adan. Von f\u00fcnf\u00adzig geplan\u00adten Becken sind gera\u00adde drei fer\u00adtig gewor\u00adden. In elf Jah\u00adren. Den Grund f\u00fcr die Becken m\u00fcs\u00adsen die Bau\u00adern her\u00adge\u00adben. Die wol\u00adlen nicht \u2013 klar. Das Land weg\u00adge\u00adben, um es zu sch\u00fct\u00adzen? Und auch bei den Ent\u00adw\u00e4s\u00adse\u00adrungs\u00adka\u00adn\u00e4\u00adlen droht der Kol\u00adlaps. Vie\u00adlen fehlt es mitt\u00adler\u00adwei\u00adle an nat\u00fcr\u00adli\u00adchem Gef\u00e4l\u00adle, weil sie in den h\u00f6he\u00adren Lagen st\u00e4r\u00adker absa\u00adcken als wei\u00adter unten. \u201eWie bis\u00adher nur Gras und M\u00fcll ent\u00adfer\u00adnen, die Gr\u00e4\u00adben von Sand befrei\u00aden: Damit ist\u2019s nicht mehr getan\u201c, sagt Kober. Es gibt nur noch eine L\u00f6sung, n\u00e4m\u00adlich zwei: \u201eEnt\u00adwe\u00adder auf\u00adwen\u00addig gra\u00adben oder das Was\u00adser abpum\u00adpen. Schon jetzt wer\u00adden die Abw\u00e4s\u00adser aus H\u00e4u\u00adsern und Bau\u00adern\u00adh\u00f6\u00adfen abge\u00adsaugt.\u201c Man\u00adche Fl\u00e4\u00adchen muss man wohl auch dem Moor zur\u00fcck\u00adge\u00adben, schiebt er nach. \u201eRena\u00adtu\u00adrie\u00adrung\u201c, nennt er das. Sonst kann die Moor\u00adsa\u00adckung nicht gestoppt wer\u00adden, sonst tr\u00e4gt der Wind den Torf, sobald er tro\u00adcken ist, ein\u00adfach davon. \u201eWie w\u00e4re es denn, wenn wir das Moor wie\u00adder flu\u00adten?\u201c, fra\u00adge ich keck. Das wol\u00adlen nur ein paar \u00d6kos, erwi\u00addert er. \u201eUnd was machen wir mit den 14.300 Leu\u00adten, die hier wohnen?\u201c<\/p>\n<p>Am n\u00e4chs\u00adten Mor\u00adgen packe ich. Abschied bei mei\u00adner Wirts\u00adhaus\u00admut\u00adter. Ob ich schon weg\u00add\u00fcr\u00adfe? Was gefun\u00adden h\u00e4t\u00adte?, fragt sie. Das sich auf\u00adzu\u00adschrei\u00adben loh\u00adne? Nein, sage ich. Hier gibt\u2019s kei\u00adne Geschichten.<\/p>\n<span id=\"post-ratings-193\" class=\"post-ratings\" data-nonce=\"1687722210\"><span class=\"hreview-aggregate\">\n  <span class=\"item\">\n    <span class=\"fn\">Kun\u00adze macht sich auf den&nbsp;Weg<\/span>: <img decoding=\"async\" id=\"rating_193_1\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"1 Star\" title=\"1 Star\" onmouseover=\"current_rating(193, 1, '1 Star');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_193_2\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"2 Stars\" title=\"2 Stars\" onmouseover=\"current_rating(193, 2, '2 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_193_3\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"3 Stars\" title=\"3 Stars\" onmouseover=\"current_rating(193, 3, '3 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_193_4\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_on.gif\" alt=\"4 Stars\" title=\"4 Stars\" onmouseover=\"current_rating(193, 4, '4 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\"><img decoding=\"async\" id=\"rating_193_5\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/stars\/rating_half.gif\" alt=\"5 Stars\" title=\"5 Stars\" onmouseover=\"current_rating(193, 5, '5 Stars');\" onmouseout=\"ratings_off(4.9, 5, 0);\" onclick=\"rate_post();\" onkeypress=\"rate_post();\" style=\"cursor: pointer; border: 0px;\"><br>\n  <\/span>\n  <span class=\"rating\">\n    <span class=\"average\"><b>4,90<\/b><\/span>\n    von\n    <span class=\"best\">5<\/span>\n    Punk\u00adten, basie\u00adrend auf\n    <span class=\"votes\">10<\/span>\n    abge\u00adge\u00adbe\u00adnen Stimmen.&nbsp;<\/span>\n<\/span><\/span><span id=\"post-ratings-193-loading\" class=\"post-ratings-loading\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/wp-postratings\/images\/loading.gif\" width=\"16\" height=\"16\" class=\"post-ratings-image\">Loa\u00adding\u2026<\/span>\n\n<div class=\"jwsharethis\">\nShare&nbsp;this:&nbsp;<br>\n<a href=\"mailto:?subject=Kunze%20macht%20sich%20auf%20den%26nbsp%3BWeg&amp;body=https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2011%2F08%2F28%2Fkunze-macht-sich-auf-den-weg%2F\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/email.png\" alt=\"Share this page via Email\">\n<\/a>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2011%2F08%2F28%2Fkunze-macht-sich-auf-den-weg%2F&amp;t=Kunze+macht+sich+auf+den%26nbsp%3BWeg\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/fb.png\" alt=\"Share this page via Facebook\">\n<\/a>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?text=I+like+https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2011%2F08%2F28%2Fkunze-macht-sich-auf-den-weg%2F&amp;title=Kunze+macht+sich+auf+den%26nbsp%3BWeg\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/twitter.png\" alt=\"Share this page via Twitter\">\n<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein\u00adfach mal los\u00adfah\u00adren. 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