{"id":1966,"date":"2016-07-02T11:54:51","date_gmt":"2016-07-02T11:54:51","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=1966"},"modified":"2020-05-22T11:49:48","modified_gmt":"2020-05-22T11:49:48","slug":"warum-eine-christin-in-chemnitz-im-ramadan-fastet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2016\/07\/02\/warum-eine-christin-in-chemnitz-im-ramadan-fastet\/","title":{"rendered":"Warum eine Christin in Chemnitz im Ramadan fastet"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1972\" aria-describedby=\"caption-attachment-1972\" style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1972 size-medium\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160531_192021-276x300.jpg\" alt=\"Bloggt nicht nur \u00fcber Islam und Ramadan, sondern fastet selbst: eine evangelische Studentin an der TU Chemnitz. Foto: https:\/\/30tageislam.wordpress.com\/page\/2\" width=\"276\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160531_192021-276x300.jpg 276w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160531_192021-250x271.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160531_192021-624x677.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/20160531_192021.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1972\" class=\"wp-caption-text\">Bloggt nicht nur \u00fcber Islam und Ramadan, sondern fastet mit: eine evangelische Studentin in Chemnitz. Foto: https:\/\/30tageislam.wordpress.com\/page\/2<\/figcaption><\/figure>\n<p>Evangelisch ist sie und Studentin der Technischen Universit\u00e4t &#8211; und h\u00e4lt sich derzeit an die Gebote des islamischen Fastenmonats. Aus mehreren Gr\u00fcnden ist das eine Herausforderung.<\/p>\n<p>CHEMNITZ. Warum im Internet \u00fcber den Islam schreiben, ausgerechnet im Fastenmonat Ramadan? Anonym. Obendrein von einer Studentin der TU Chemnitz, die nicht viel mehr von sich preisgeben will, als dass sie keine Muslimin ist, sondern\u00a0evangelische Westf\u00e4lin.\u00a0&#8222;Gute Frage. Gegenfrage: Warum nicht?&#8220;, sagt die 23-J\u00e4hrige. Seit dem 7. Juni ist ihr Blog <a href=\"https:\/\/30tageislam.wordpress.com\/\">&#8222;30 Tage Islam. Erfahrungen \u00fcber den Fastenmonat Ramadan und den Islam in Deutschland&#8220;<\/a> im Netz freigeschaltet. Am Vortag hatte die Fastenzeit als neunter Monat des islamischen Mondkalenders begonnen, in dem laut \u00dcberlieferung einst der Koran zu den Menschen gesandt wurde. Der Ramadan dauert bis 5. Juli. Doch mit Rezepten, die sie auf der Seite einstellt &#8211; etwa f\u00fcr das marokkanische Gamilla: Rindfleisch mit getrockneten Pflaumen -, ist es f\u00fcr sie nicht <!--more-->getan. Es gehe nicht um eine Art Ern\u00e4hrungsumstellung aus kulinarischem Interesse &#8211; von &#8222;mitteleurop\u00e4isch&#8220; auf &#8222;arabisch&#8220; oder &#8222;nordafrikanisch&#8220;, so wie seit Jahren die italienisch-mediterrane K\u00fcche deutsche Speisepl\u00e4ne kapert.<\/p>\n<p>Die Autorin fastet vielmehr selbst und berichtet im Netz, wie es ihr dabei ergeht. Tagein, tagaus isst sie nichts, solange es hell ist. Erst nach Einbruch der Dunkelheit, der im Sommer auf sich warten l\u00e4sst, darf gegessen werden &#8211; bis wenige Stunden nach Mitternacht. Damit nicht genug: Wie es die Gebote vorschreiben, verzichte sie auch darauf, tags\u00fcber zu trinken. Warum aber diese Entbehrungen &#8211; als Vorbereitung, um zum Islam zu konvertieren?<\/p>\n<p>Das h\u00e4tten ihre Eltern in Ostwestfalen auch gefragt. &#8222;Ich denke, ich konnte ihnen ihre Sorgen nehmen&#8220;, sagt sie schmunzelnd. Warum dann, zudem \u00f6ffentlich im Internet? Ist Religion nicht zun\u00e4chst etwas sehr Pers\u00f6nliches, Privates? Zum einen sei f\u00fcr sie der Umgang mit einem eigenen Blog nichts Neues. Als sie vor Jahren Bundesfreiwilligendienst in Westafrika leistete, habe sie auch dar\u00fcber im Netz geschrieben. Zum anderen sei der Kenntnisstand unter Deutschen \u00fcber den Islam weiterhin gering. Ein deutscher Blog von einer Nicht-Muslimin zu diesem Thema &#8211; sie kenne nichts dergleichen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus interessiere sie sich grunds\u00e4tzlich &#8211; auch durch ihr Studium, in dem sie \u00fcber den Ramadan eine Seminararbeit geschrieben habe &#8211; f\u00fcr andere Kulturen, habe viele muslimische Freunde. Im Patenprogramm der TU unterst\u00fctzte die 23-J\u00e4hrige nicht nur einen Italiener, damit der sich in der Stadt zurechtfindet, sondern auch einen Marokkaner. Im Austausch mit ihm habe sie Zugang erhalten zur muslimischen Gemeinschaft in Chemnitz.<\/p>\n<p>Dabei ist der Studentin, die einst in Nordrhein-Westfalen in einer kirchlichen Jugendgruppe engagiert war, auch die christliche Fastenzeit vor Ostern vertraut, in der sie etwa schon auf S\u00fc\u00dfigkeiten verzichtet habe. &#8222;Vermutlich sind die hiesigen Br\u00e4uche mir aber zu &#8217;normal&#8216;.&#8220; Sie sei einfach neugierig, sieht die aktuelle Erfahrung au\u00dferdem als Beitrag dazu, Vertrautes in der Auseinandersetzung mit Neuem besser reflektieren zu k\u00f6nnen. Was akademisch daherkommt, tut sie auch aus pers\u00f6nlichen Motiven: Sie wolle selbst den Islam besser verstehen, dessen Br\u00e4uche auch angesichts der Migration aus Afrika und Nahost nach Europa besser kennenlernen. Die Lekt\u00fcre von Fachb\u00fcchern und des Korans mit praktischen Erfahrungen in der muslimischen Gemeinschaft zu verbinden, h\u00e4lt sie f\u00fcr einen naheliegenden Zugang. Dar\u00fcber m\u00f6chte sie sich mit Muslimen wie Nichtmuslimen im Internet austauschen.<\/p>\n<p>Den Entschluss, dies in der \u00d6ffentlichkeit anonym zu tun, habe ein Erlebnis im April beg\u00fcnstigt &#8211; wie auch eine Art &#8222;Jetzt erst recht&#8220;-Reaktion ausgel\u00f6st. Seinerzeit war sie mit drei marokkanischen Studenten auf der Leipziger Stra\u00dfe in Chemnitz beschimpft und angegriffen worden. &#8222;Ihr Kanaken &#8211; verpisst Euch!&#8220;, habe ein Angreifer gerufen, sagt sie. Nach Polizeiangaben hatte am Konkordiapark ein Mann eine Rangelei angezettelt, bei der ein Student leicht verletzt wurde.<\/p>\n<p>Was die Frau sich w\u00fcnscht angesichts derartiger Erfahrungen, sei Austausch &#8211; gern kritisch, aber ohne verbale oder k\u00f6rperliche Gewalt.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Evangelisch ist sie und Studentin der Technischen Universit\u00e4t &#8211; und h\u00e4lt sich derzeit an die Gebote des islamischen Fastenmonats. Aus mehreren Gr\u00fcnden ist das eine Herausforderung. CHEMNITZ. Warum im Internet \u00fcber den Islam schreiben, ausgerechnet im Fastenmonat Ramadan? Anonym. 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