{"id":2045,"date":"2016-07-21T14:24:59","date_gmt":"2016-07-21T14:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2045"},"modified":"2020-05-22T11:45:46","modified_gmt":"2020-05-22T11:45:46","slug":"wie-verhalte-ich-mich-bei-einem-angriff-richtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2016\/07\/21\/wie-verhalte-ich-mich-bei-einem-angriff-richtig\/","title":{"rendered":"&#8222;Der erste Reflex muss sein: sich in Sicherheit zu bringen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Angriff eines Asylbewerbers auf Reisende in einem Zug bei W\u00fcrzburg hat Michael Kunze mit dem Gewalt-Deeskalationstrainer und Polizeiausbilder Heinz Kraft gesprochen. Dabei ging es um die Frage, wie man sich in einer vergleichbaren Bedrohungslage verhalten soll und ob Deutschland noch sicher<!--more--> ist.<\/p>\n<p><em>Michael Kunze: H\u00e4tten sich die Insassen des Zuges auf den Angriff am Montag vorbereiten k\u00f6nnen &#8211; was h\u00e4tten Sie ihnen geraten?<b> <\/b><\/em><\/p>\n<p>Heinz Kraft: Entscheidend ist, wo genau ein Angriff stattfindet. Daraus leiten sich die M\u00f6glichkeiten ab, die man hat. Sollte es sich in einem Zug um Sitzgruppen handeln, zwischen denen man attackiert wird, hat der Angreifer vielleicht jemand im R\u00fccken. So k\u00f6nnte man ihn in die Zange nehmen. Zweiersitze sind ung\u00fcnstiger, sie schr\u00e4nken die eigene Beweglichkeit ein.<\/p>\n<p><em>Sie empfehlen also, sich gegen einen Angreifer zu wehren? <\/em><\/p>\n<p>Das kommt darauf an. Der erste Reflex muss sein: sich in Sicherheit zu bringen, zu fl\u00fcchten. Nur wenn das nicht oder nicht mehr m\u00f6glich ist und man sich nicht verstecken kann, sollte man sich zur Wehr setzen.<\/p>\n<p><em>Was kann tun, wer nicht direkt betroffen ist, aber Zeuge eines Angriffs wird?<b> <\/b><\/em><\/p>\n<p>Nicht selbst eingreifen, denn die eigene Sicherheit hat Priorit\u00e4t. Wer jemand retten will, wird wom\u00f6glich selbst Opfer. Man sollte aber andere Menschen warnen, die die Lage vielleicht noch nicht richtig erfasst haben. Dann wegrennen, so schnell und so weit es geht, um schlie\u00dflich die Polizei zu verst\u00e4ndigen. Wichtig dabei: den genauen Ort nennen, wo der Angriff stattfindet.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr den Fall, dass man nicht wegrennen kann &#8211; was in einem Zug oder Bus schwierig ist &#8211; und man selbst Ziel eines Angriffs ist: Wie soll man sich verhalten?<b> <\/b><\/em><\/p>\n<p>Bei Terroristen oder Amokl\u00e4ufern haben Gespr\u00e4che, die den Angreifer von seiner Tat abbringen sollen, keinen Sinn. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re das Mittel der paradoxen Intervention.<\/p>\n<p><em>Worum geht es dabei?<b> <\/b><\/em><\/p>\n<p>Man versucht, den T\u00e4ter zu irritieren, ihn aus seinem Konzept zu bringen. Halten Sie ihm eine Aktentasche hin; damit rechnet er nicht. Oder man kann so tun, als befinde sich jemand hinter seinem R\u00fccken. Wichtig ist, das mit wenigen Worten und klarer K\u00f6rpersprache zu versuchen, denn nicht jeder Angreifer versteht Deutsch. Oft geht es nur um Sekunden, dann fliegt der eigene Schwindel auf. Die k\u00f6nnen aber ausreichen, um zu fl\u00fcchten oder vorher den Angreifer zu \u00fcberrumpeln.<\/p>\n<p><em>Wenn der sich umdreht, um nachzusehen: Was dann?<\/em><\/p>\n<p>Dann ist jedes Mittel recht. Ihn schubsen, zu Boden sto\u00dfen, ihm mit einem Hilfsmittel auf den Kopf schlagen. Es handelt nicht erst in Notwehr, wer verwundet ist. Die Konsequenzen tr\u00e4gt der Angreifer, er kann ja von seiner Tat ablassen.<\/p>\n<p><em>Was ist gef\u00e4hrlicher: Angriffe mit Messer, Axt oder Pistole?<\/em><\/p>\n<p>Der Messer- oder Axtangriff ist oft gef\u00e4hrlicher. Das wird untersch\u00e4tzt. Denn der T\u00e4ter steht einem r\u00e4umlich n\u00e4her; das verringert die Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den, der attackiert wird.<\/p>\n<p><em>Bei einem Messerangriff im Zug ist also guter Rat teuer?<\/em><\/p>\n<p>Wie bei jedem Angriff, denn der Attackierte ist immer erst einmal \u00fcberrascht. Aus dieser Schockstarre muss man so schnell wie m\u00f6glich heraus. Im Zug kann man sich vielleicht, wenn Zeit bleibt, vor dem T\u00e4ter verbarrikadieren &#8211; mit Gep\u00e4ck zum Beispiel.<\/p>\n<p><em>Ein anderes Beispiel: Eine Schulklasse hat das schon in ihrem Zimmer getan. Die T\u00fcr ist verrammelt. Dann merkt sie: Ein Sch\u00fcler steht noch drau\u00dfen, der kurz auf der Toilette war. Was tun?<\/em><\/p>\n<p>Das ist eine Frage von hohem ethischen Anspruch. In allen Schulungen zum Thema lautet das Credo: Die Sicherheit von vielen ist in so einem Fall wichtiger als die des einzelnen. Niemals bereits erreichte Sicherheitsstandards nochmals senken und damit das Wohl einer Gruppe abermals gef\u00e4hrden! Das sehen Juristen wom\u00f6glich anders.<\/p>\n<p><em>Bedeuten nun Angriffe wie der bei W\u00fcrzburg, dass sich jeder Gedanken machen muss, wo jeweils geeignete Fluchtwege sind &#8211; im Zug, im Gasthaus, \u00fcberall?<\/em><\/p>\n<p>Wer sich rechtzeitig \u00fcberlegt, was er in einer konkreten Situation tun kann, verk\u00fcrzt seine Reaktionszeit. Darum geht es auch dann, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, selbst betroffen zu sein.<\/p>\n<p><em>Ist Deutschland nicht mehr sicher?<\/em><\/p>\n<p>Niemand sollte in Alarmismus verfallen. Deutschland ist ein sicheres Land, nach wie vor. Kriminalit\u00e4t gab es immer. Doch die Gewaltbereitschaft ist gr\u00f6\u00dfer geworden, und politische S\u00fcppchen werden mitunter auf der Flamme der Angst gekocht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person: Heinz Kraft<\/strong><\/p>\n<p>Der studierte Diplom-Verwaltungswirt ist ausgebildeter Trainer f\u00fcr die Fortbildung der nordrhein-westf\u00e4lischen Polizei und von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Der 67-J\u00e4hrige aus Ennepetal (Nordrhein-Westfalen) unterrichtet zudem beispielsweise Mitarbeiter von Jobcentern im Umgang mit gewaltbereiten Kunden oder Sicherheits- und Wachpersonal, Pforten- und Empfangsdienste.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Angriff eines Asylbewerbers auf Reisende in einem Zug bei W\u00fcrzburg hat Michael Kunze mit dem Gewalt-Deeskalationstrainer und Polizeiausbilder Heinz Kraft gesprochen. 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