{"id":2087,"date":"2016-09-28T10:47:07","date_gmt":"2016-09-28T10:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2087"},"modified":"2020-05-22T09:24:21","modified_gmt":"2020-05-22T09:24:21","slug":"alexander-gauland-der-dom-muss-dom-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2016\/09\/28\/alexander-gauland-der-dom-muss-dom-bleiben\/","title":{"rendered":"Alexander Gauland: Der Dom muss Dom bleiben"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2195\" aria-describedby=\"caption-attachment-2195\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2195 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-1024x768.jpg\" alt=\"Das Haus der Kathedrale in der Dresdener Innenstadt war voll, denn mit AfD-Schwergewicht Alexander Gauland (rechts vorn im Bild) hatte sich ein f\u00fcr seine spitze Zunge bekannter Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr ZdK-Pr\u00e4sident Thomas Sternberg angesagt. Foto: Michael Kunze\" width=\"739\" height=\"554\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-300x225.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-250x187.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-624x467.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_1872-960x720.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2195\" class=\"wp-caption-text\">Das Haus der Kathedrale in der Dresdener Innenstadt war voll, denn mit AfD-Schwergewicht Alexander Gauland (rechts im Bild) hatte sich ein f\u00fcr seine spitze Zunge bekannter Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr ZdK-Pr\u00e4sident Thomas Sternberg angesagt. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Inhaltlich hei\u00df, in der Form eher wohltemperiert haben am Dienstagabend der AfD-Vize und der Pr\u00e4sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, in Dresden miteinander \u00fcber die &#8222;Angst ums Abendland&#8220; gestritten.<\/p>\n<p>DRESDEN. Der Pr\u00e4sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, ist zu einem Streitgespr\u00e4ch mit AfD-Bundesvize Alexander Gauland zusammengetroffen, nachdem das ZdK zum Katholikentag in Leipzig Vertretern der Partei noch den Zutritt zu Podien verwehrt hatte.\u00a0Zu der Veranstaltung am Dienstag\u00a0<!--more-->vor rund 200 G\u00e4sten, die unter dem Titel &#8222;Angst ums Abendland&#8220; stand, hatte die Katholische Akademie ins Haus der Kathedrale eingeladen. &#8222;Solange die M\u00f6glichkeit zum Dialog besteht, wollen wir ihn nicht enden lassen&#8220;, sagte Akademie-Direktor Thomas Arnold zum Auftakt. Sternberg aber beklagte daraufhin eine &#8222;Verrohung der Sprache&#8220; in der politischen Auseinandersetzung in Deutschland. Die beiden Sprengstoffanschl\u00e4ge in Dresden in der Nacht zu Dienstag h\u00e4tten wie andere Gewalttaten gewisserma\u00dfen eine verbale Vorgeschichte, auch wenn die Urheber noch nicht ermittelt seien. &#8222;Achten wir darauf, wie wir sprechen&#8220;, mahnte er, denn es gebe &#8222;Begriffe, die verbieten sich, weil sie die Gesellschaft vergiften&#8220;. Der 64 Jahre alte geb\u00fcrtige Sauerl\u00e4nder verwies dazu auf das durch den NS-Gebrauch belastete Wort &#8222;v\u00f6lkisch&#8220; und kritisierte die AfD f\u00fcr ihr &#8222;Spiel mit Begriffen&#8220;. W\u00e4hrend ein Parteivertreter ein belastetes Wort &#8222;fallenlasse&#8220;, dementiere es ein anderer. Doch dann sei es in der Welt, versch\u00f6ben sich Grenzen in Debatte und Umgang.<\/p>\n<p>Sternberg sprach sich zudem mit Verweis auf die Zeit des Eisernen Vorhangs f\u00fcr offene Grenzen und gegen eine \u00dcberh\u00f6hung des Nationalstaates aus; die europ\u00e4ische politische Tradition sei vor dem 19. Jahrhundert stets eine v\u00f6lker- und staats\u00fcbergreifende gewesen. Der geb\u00fcrtige Chemnitzer Gauland verwies darauf, dass gerade in einer globalisierten Welt der Nationalstaat nicht am Ende sei und dessen Grenzen gesch\u00fctzt werden m\u00fcssten &#8211; auch durch die Bundeswehr. Gleichzeitig sagte der 75-J\u00e4hrige, der auch Vorsitzender der brandenburgischen AfD-Landtagsfraktion ist, dass seine Partei hinter dem Grundgesetz stehe, das aber &#8211; wenn n\u00f6tig &#8211; wie in der Vergangenheit auch ge\u00e4ndert werden k\u00f6nne. Er stellte das darauf aufbauende derzeitige deutsche Asylrecht infrage, das seiner Meinung nach nicht unabh\u00e4ngig von Kulturkreis oder Religion gelten solle. W\u00e4hrend der sowohl als Germanist wie als Theologe promovierte Sternberg, der seit 2005 f\u00fcr die CDU im nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag sitzt, dem AfD-Mann zustimmte, dass die Integration von Migranten eine nach wie vor gro\u00dfe Herausforderung sei, stellte er sich gleichzeitig hinter Angela Merkels Satz: &#8222;Wir schaffen das.&#8220; Es gebe keinen Notstand, der Staat sei nach Startschwierigkeiten bei der Bew\u00e4ltigung der Migration handlungsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Der promovierte Jurist Gauland indes verwies auf den Unterschied, der zwischen &#8211; gegl\u00fcckten &#8211; Integrationsleistungen vergangener Jahrhunderte und den aktuellen Herausforderungen liege: Seien es einst etwa &#8222;katholische Polen&#8220; gewesen, die in gro\u00dfer Anzahl in Deutschland integriert wurden, habe man es nun mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu tun. Gleichzeitig \u00e4u\u00dferte der AfD-Politiker, er habe &#8222;keine Probleme&#8220; mit Zuwanderung &#8211; auch von vielen Muslimen -, &#8222;wenn sie auf die Scharia verzichteten&#8220;. Dass Kriegsfl\u00fcchtlinge aus Syrien aufgenommen werden, unterst\u00fctze er. Wer jedoch den Wunsch, in Deutschland aufgenommen zu werden, nur mit Wohlstandsfortschritten begr\u00fcndet, solle abgewiesen werden. Gauland warnte vor einer v\u00f6lligen Ver\u00e4nderung des Landes wie vor Parallelgesellschaften, die in manchen Ruhrgebietsst\u00e4dten oder Berliner Stadtvierteln l\u00e4ngst existierten. &#8222;Ich m\u00f6chte nicht, dass der K\u00f6lner oder der Speyerer Dom eines Tages in eine Moschee umgewandelt werden&#8220;, sagte er. Sternberg pl\u00e4dierte f\u00fcr Differenzierung: Nicht alle Muslime d\u00fcrften \u00fcber einen Kamm geschoren werden, und im Umkehrschluss sei nicht jeder,\u00a0der Christ sei, deswegen automatisch ein guter Mensch. Zudem habe sich das christliche Abendland stets dadurch ausgezeichnet, dass es offen war &#8211; f\u00fcr Zuwanderung, neue Ideen, Hilfe gegen\u00fcber Notleidenden und Verfolgten.<\/p>\n<p>Bei der Debatte mit dem Publikum kam es im Anschluss immer wieder &#8211; wie schon vorher &#8211; zu Zwischenrufen. Die Stimmung war streckenweise angespannt: Eine Dame stellte etwa infrage, ob man einen Vertreter der rechtspopulistischen AfD wie Gauland zu einer kirchlichen Veranstaltung als Gespr\u00e4chspartner \u00fcberhaupt einladen d\u00fcrfe. Thomas Sternberg, selbst von 1988 bis 2016 Direktor einer Katholischen Akademie, stellte sich aber unter Beifall hinter das Format.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhaltlich hei\u00df, in der Form eher wohltemperiert haben am Dienstagabend der AfD-Vize und der Pr\u00e4sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, in Dresden miteinander \u00fcber die &#8222;Angst ums Abendland&#8220; gestritten. DRESDEN. 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