{"id":2170,"date":"2016-12-17T07:28:19","date_gmt":"2016-12-17T07:28:19","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2170"},"modified":"2020-05-22T09:23:32","modified_gmt":"2020-05-22T09:23:32","slug":"suser-westen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2016\/12\/17\/suser-westen-2\/","title":{"rendered":"S\u00fc\u00dfer Westen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2176\" aria-describedby=\"caption-attachment-2176\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2176 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_7711-1024x682.jpg\" alt=\"Verf\u00fchrerisch: Schaufenster der Aachener Printenb\u00e4ckerei Nobis. 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Eine Entdeckungstour.<\/p>\n<p>K\u00d6LN\/AACHEN. Wer nach K\u00f6ln f\u00e4hrt, hat Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Kathedrale auf der Agenda oder schippert \u00fcber den Rhein. Ist im Museum Ludwig aus <!--more-->auf Werke von Beuys bis Warhol. Geht zum Karneval oder zu Farina, in das Gesch\u00e4ft der weltweit \u00e4ltesten Parfum-Fabrik. Oder er verbindet manches davon mit Abstechern zu s\u00fc\u00dfen Versuchungen, die neben K\u00f6ln auch das nahe Aachen bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zum Auftakt in ein verl\u00e4ngertes Wochenende taugt ein Abstecher ins K\u00f6lner Schokoladenmuseum besonders gut. Es wurde 1993 im Rheinauhafen er\u00f6ffnet und war ein Geschenk des damaligen Stollwerck-Aufsichtsratschefs Hans Imhoff an die Stadt. Hier erf\u00e4hrt man eine Menge \u00fcber die wichtigsten Anbaugebiete des f\u00fcr die Schokoladenherstellung unentbehrlichen Kakaos und die L\u00e4nder, in denen er den \u00c4quator entlang gedeiht. Frisch geerntet, ist Kakao wegen vieler Bitterstoffe allerdings noch ungenie\u00dfbar, erkl\u00e4rt Museumsf\u00fchrerin Heide Matz.<\/p>\n<p>Allein ein Zehntel des j\u00e4hrlich weltweit hergestellten Kakaos wird, wie sie berichtet, in Deutschland verarbeitet. Verzehrt werden hierzulande im Schnitt 10,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr. &#8222;Das ist Platz 2.&#8220; Den Azteken habe Kakao gar als W\u00e4hrung gedient: zehn Bohnen f\u00fcr ein Kaninchen, eine Bohne je Tomate. Pr\u00e4sentiert wird zudem eine umfangreiche Sammlung historischer Schokoladenautomaten, die man sich wie solche f\u00fcr Zigaretten vorstellen muss &#8211; nur pr\u00e4chtiger. Viele davon stammen aus Dresden.<\/p>\n<p><strong>Als eine Tafel Schokolade umgerechnet noch 40 Euro kostete<\/strong><\/p>\n<p>Je Tafel musste um 1900 umgerechnet etwa 40 Euro hinlegen, wer der s\u00fc\u00dfen Versuchung erlag. Schokolade als Luxusgut. Wem bei all den Informationen der Sinn danach steht, selbst zu probieren, der kann schon im Museum von der ger\u00f6steten Kakaobohne \u00fcber Kakaobutter, wei\u00dfer, ohne Kakao hergestellter Schokolade \u00fcber Milchschokolade bis zur bitteren &#8222;Herren&#8220;-Tafel w\u00e4hrend der F\u00fchrung kosten.<\/p>\n<p>Stellt sich der Zuckerschock ein, lockt als Gegenprogramm ein Abstecher in die \u00e4lteste Senfm\u00fchle Deutschlands, &#8222;Anno 1810&#8220;, gleich gegen\u00fcber, sagt Stadtf\u00fchrerin Monika Brieskorn. Schlie\u00dflich fu\u00dflahm, klingt der Abend in einem Gasthaus aus \u2013 etwa in der K\u00f6lsch-Traditionsbrauerei zur Malzm\u00fchle am Heumarkt. Es geht aber auch etwas extravaganter und dabei nicht weniger l\u00e4ssig: in der zw\u00f6lften Etage des &#8222;Pullman Cologne&#8220;-Hotels. Die Design-Bar dort bietet unverstellten Dom-Blick. DJs legen auf, Cocktails werden mit Parfum-Essenzen verfeinert. In der Karnevalssaison logiert im Haus das K\u00f6lner Dreigestirn, sagt Hotelchef Henk van Oostrum.<\/p>\n<p>Wem der Trubel zu viel ist, der f\u00e4hrt die 85 Kilometer bis zur belgischen Grenze. Eine halbe Stunde dauert das mit dem ICE &#8211; um auszusteigen in Bad Aachen, auch wenn die Stadt mit dem Zusatz mittlerweile fast unbekannt ist. Dabei ist die Karlsstadt Kurort. Das sp\u00fcrt, wer im &#8222;Quellenhof&#8220; absteigt, dem nicht von ungef\u00e4hr am weitl\u00e4ufigen Kurpark gelegenen, ersten Haus der Stadt. Von hier sind es kaum mehr als zehn Gehminuten zu Dom, Rathaus und den Meistern der Printen-Backkunst, f\u00fcr die die Stadt so viel Lorbeer f\u00fcr sich geltend macht wie N\u00fcrnberg f\u00fcr Lebkuchen. &#8222;Eigentlich&#8220;, sagt Stadtf\u00fchrer Bj\u00f6rn Wickmann, &#8222;handelt es sich da wie dort um nichts anderes.&#8220;<\/p>\n<p>Die Printen verdankten ihren Namen dem Einpressen des Teigs in die Backformen. Wie eine Printe aussieht, schmeckt, woraus sie besteht, ist von B\u00e4ckerei zu B\u00e4ckerei verschieden. Fest steht, dass man vom Gesch\u00e4ft mit der Leckerei, die hier ganzj\u00e4hrig, nicht nur um Weihnachten verkauft wird, gut leben kann. Die Firma Klein, gegr\u00fcndet 1912, hat sich gar ausschlie\u00dflich auf deren Herstellung verlegt: kleine Laibe mit Orangen-, Bitter- oder wei\u00dfer Schokolade \u00fcberzogen oder Mandeln best\u00fcckt \u2013 das Angebot ist vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p><strong>Printen = Lebkuchen?<\/strong><\/p>\n<p>Zu den Urgesteinen der Zunft z\u00e4hlen die B\u00e4ckereien Nobis und Lambertz. Dazu gesellen sich kleinere H\u00e4user wie das von Leo van den Daele im Jahre 1890 gegr\u00fcndete. Am besten kostet man sich von einem zum andern. Was drin ist in den Printen variiert je nach Rezept. Bei Klein wird im Schaufenster auf Koriander verwiesen, Nelken, Kandis, dunkles Weizenmehl und R\u00fcbensirup, Farinzucker, Zimt, Anis. Geheim ist das Mischungsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Michael Nobis, Chef der gleichnamigen und fast 160 Jahre alten B\u00e4ckerei, weist zudem auf die Rolle des Zuckers hin: &#8222;Mindestens 50 Prozent einer Printe bestehen aus verschiedenen Sorten. Das ist auch ein Unterschied zu den N\u00fcrnbergern&#8220;, sagt er. Die haben weniger Zucker, auch keinen Kandis. Ob eine Printe hart ist oder nicht, sei kein Qualit\u00e4tsmerkmal. Die Aachener kommen jedoch, anders als die N\u00fcrnberger, ohne Oblaten aus, da der Teig fester ist. Unterschieden wird im Dreil\u00e4ndereck zwischen der \u2013 klassischen \u2013 Kr\u00e4uter- und der Weichprinte; letztere wird nach der Herstellung feuchtem Klima ausgesetzt und dann zum Beispiel mit Schokolade versiegelt.<\/p>\n<p>Wer sich rund- und sattgefuttert hat, kann im &#8222;Quellenhof&#8220; ausspannen. Frankreichs fr\u00fcherer Pr\u00e4sident Jacques Chirac und Altkanzler Gerhard Schr\u00f6der, sagt Hotelchef Walter Hubel, haben sich w\u00e4hrend ihrer Amtszeit im Haus immer wieder auf etwa halbem Wege zwischen Paris und Berlin zu Gespr\u00e4chen getroffen. Ob dabei Printen verzehrt wurden, ist nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p><strong>Die Recherche<\/strong>\u00a0f\u00fcr diesen Beitrag wurde durch die Pullman-Hotelgruppe unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln wie Aachen, nur eine halbe Zugstunde voneinander entfernt, bieten zu jeder Jahreszeit gro\u00dfe Dome, Geschichte, Kultur. Jeder wei\u00df das. Weniger bekannt sind die kulinarischen Seiten beider St\u00e4dte. Eine Entdeckungstour. K\u00d6LN\/AACHEN. Wer nach K\u00f6ln f\u00e4hrt, hat Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Kathedrale auf der Agenda oder schippert \u00fcber den Rhein. 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