{"id":2192,"date":"2017-02-27T07:29:55","date_gmt":"2017-02-27T07:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2192"},"modified":"2020-05-22T09:19:47","modified_gmt":"2020-05-22T09:19:47","slug":"das-schwarze-brett-furs-handy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2017\/02\/27\/das-schwarze-brett-furs-handy\/","title":{"rendered":"Das Schwarze Brett f\u00fcrs Handy"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2199\" aria-describedby=\"caption-attachment-2199\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2199 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Ataffbase-Dezember-2016-Chemnitz-1024x768.jpeg\" alt=\"Silicon Valley von Chemnitz: Die Softwareschmiede Staffbase setzt auf tierischen Beistand. Wichtiger aber: Sie hat eine App entwickelt, mit der auch Besch\u00e4ftigte erreicht werden k\u00f6nnen, die keinen PC-Arbeitsplatz haben. 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Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nicht jeder Mitarbeiter hat Laptop oder PC am Arbeitsplatz. Erreichbar ist er dennoch &#8211; dank einer App der Chemnitzer Softwareschmiede Staffbase.<\/p>\n<p>CHEMNITZ. Das eigene Firmenlogo neben Whatsapp auf den Privat-Smartphones der Belegschaft &#8211; wie das geht? Die Antwort d\u00fcrfte manchem Unternehmenschef auch L\u00f6sungen f\u00fcr andere Herausforderungen <!--more-->verschaffen: schnell in Erfahrung zu bringen etwa, wer eine Sonderschicht \u00fcbernimmt oder um durchzugeben, dass morgen der Betriebsparkplatz gesperrt ist. Das klappt mit einem Aushang oder per E-Mail l\u00e4ngst nicht mehr zuverl\u00e4ssig &#8211; besonders dann, wenn ein Gro\u00dfteil der Mitarbeiter keine Firmen-Mailadresse hat, keinen PC-Arbeitsplatz oder Zugriff aufs Intranet.<\/p>\n<p>Der Ausweg f\u00fcr Chefs von Zugbegleitern, Vertretern, Monteuren: Sie k\u00f6nnten zum H\u00f6rer greifen, die betreffenden Leute anrufen &#8211; oder sich die App der Chemnitzer Firma Staffbase unter die Lupe nehmen. Das im Dezember 2014 gegr\u00fcndete Unternehmen konnte laut Martin B\u00f6hringer, einem der drei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, seit Gr\u00fcndung immerhin rund 2,5 Millionen Euro Wagniskapital f\u00fcr das dahintersteckende Konzept bei Finanziers wie Capnamic oder Kizoo einsammeln.<\/p>\n<p><strong>Individuelle Gestaltung dank eines Baukastensystems<\/strong><\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsidee: eine mobil verf\u00fcgbare Mitarbeiter- und Intranet-Software, die vor allem f\u00fcr Firmen mit vielen Besch\u00e4ftigten bestimmt ist, die \u00fcber keinen Rechnerarbeitsplatz verf\u00fcgen, wohl aber \u00fcber ein eigenes Handy. \u201eWir haben eine Anwendung f\u00fcr Personal ohne Zugriff auf firmeninterne Netzwerke entwickelt\u201c, sagt der promovierte Wirtschaftsinformatiker. Staffbase macht es Unternehmen m\u00f6glich, mit wenigen Klicks eine eigene App zu aktivieren, die auf Basis eines Baukastensystems individuell ausgestaltet und bei der Inhalte \u00fcber eine Browseranwendung verwaltet werden k\u00f6nnen. Eine geschlossene Entwicklungsumgebung soll gew\u00e4hrleisten, Firmeninterna auch \u00fcber externe Kan\u00e4le sicher teilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zwischen Zimmergr\u00fcn und von viel Glas umgeben, in den hohen, weiten R\u00e4umen einer ehemaligen, backsteinernen Fabrikhalle schafft das innerhalb eines Jahres von zehn auf zwanzig Mitarbeiter gewachsene Staffbase-Team daf\u00fcr die Voraussetzungen. In f\u00fcr die s\u00fcdwests\u00e4chsische Industriestadt ungew\u00f6hnlichem Hipster-Chic und nur einen Steinwurf entfernt vom Gunzenhauser-Museum, das voll ist mit moderner Kunst von Dix bis Jawlensky, M\u00fcnter bis Schmidt-Rottluff, t\u00fcfteln Software-Entwickler an neuen Funktionen, werben Vertriebsleute Kunden, w\u00e4hrend die Labradorh\u00fcndinnen Coco und Polly von Zeit zu Zeit f\u00fcr Ablenkung sorgen. \u201eLieber Dog-In als Burn-Out\u201c, lautet das Credo des 31-j\u00e4hrigen B\u00f6hringer \u00fcber die vierbeinige Gesellschaft im 350 Quadratmeter gro\u00dfen B\u00fcro.\u00a0Ab und an schallt Gel\u00e4chter durch die Halle, w\u00e4hrend der Familienvater, der in Chemnitz und im s\u00fcdostenglischen Norwich studierte, Firmen mit mindestens 500 Mitarbeitern als Hauptzielgruppe unter seinen Kunden benennt. Doch auch deutlich gr\u00f6\u00dfere stehen in der Kartei \u2013 etwa T-Systems oder Viessmann, Adidas, Paulaner, die Berliner Verkehrsbetriebe, Siemens.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wenn Firmen mutig sind, lassen sie Mitarbeiterkommentare zu&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Etwa 100 Neukunden seien 2016 gewonnen worden \u2013 weil sie via Internetsuche selbst auf Staffbase aufmerksam wurden, bei Fachmessen, durch Vertriebspartner in L\u00e4ndern von den USA \u00fcber S\u00fcdafrika bis Australien.\u00a0\u201eMit unserer App k\u00f6nnen Firmen ihre Mitarbeiter umgehend erreichen \u2013 egal, wo sie gerade sind und bevor die \u201aBild\u2018-Zeitung berichtet\u201c, sagt B\u00f6hringer schmunzelnd. Das klappt sowohl konzernweit wie auf bestimmte Teams begrenzt oder einzelne Personen \u2013 mit Dokumenten, Mitarbeiter- und Telefonverzeichnissen, der Arbeitszeiterfassung, Schichtpl\u00e4nen, Auftr\u00e4gen. \u201eWenn Firmen mutig sind, lassen sie Mitarbeiterkommentare zu, etwa zu getroffenen strategischen Entscheidungen, oder einen anonymen Kummerkasten\u201c, erg\u00e4nzt er.<\/p>\n<p>Abgerechnet wird die App \u00fcber einen Laufzeitvertrag wie bei einem Handy, der ab 900 Euro f\u00fcr einmalige Einrichtungskosten und je 100 Euro monatlich f\u00fcr eher kleinere Firmen zu haben ist. Die Betr\u00e4ge steigen signifikant \u2013 abh\u00e4ngig davon, welchen Software-Paketumfang ein Kunde kauft und wie viele Mitarbeiter versorgt werden sollen.\u00a0Da schon jetzt die H\u00e4lfte der Kunden au\u00dferhalb Deutschlands sitze \u2013 vorranging in den Branchen Transport und Logistik, Produktion oder Promotion \u2013, hat sein 41 Jahre alter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerkollege Frank Wolf, der einst 14 Jahre in der Industrie arbeitete, mit der Unternehmenstochter Staffbase Inc. im vergangenen Jahr ein Standbein in New York errichtet.<\/p>\n<p><strong>In Chemnitz &#8222;sind wir die Rockstars&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u201eH\u00e4tten wir das nicht gemacht, w\u00fcrden wir schon profitabel arbeiten, k\u00f6nnten aber nicht so schnell wachsen \u2013 unser Umsatz hat sich innerhalb eines Jahres verf\u00fcnffacht\u201c, sagt B\u00f6hringer, der w\u00e4hrenddessen mit dem promovierten Betriebswirt Lutz Gerlach als Drittem im Bunde die Gesch\u00e4fte vom Chemnitzer Standort aus koordiniert. Mit der Region, aus der nicht nur die Gr\u00fcnder, sondern auch viele Mitarbeiter stammen, ist er zufrieden. Sie \u00fcberzeuge durch mehrere Technische Universit\u00e4ten und Fachhochschulen und biete gutes Potential, geeignete Mitarbeiter zu finden: \u201eW\u00e4hrend wir in Berlin nur ein Unternehmen unter vielen w\u00e4ren und dort Entwickler l\u00e4ngst Mangelware sind\u201c, sagt B\u00f6hringer, \u201esind wir hier die Rockstars.\u201c Klappern geh\u00f6rt zum Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Neben Informatikern sind vor allem Anglisten im Team, auch ein Politologe. Ein Drittel der Mitarbeiter ist weiblich, viele haben Familie, l\u00e4nger als bis 18 Uhr dauert f\u00fcr die meisten selten ein Arbeitstag. Das ist so gewollt, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und verweist auf den Altersschnitt der Kollegen von etwa 30 Jahren, den er selbst nur leicht hebt. Obwohl er auch Deutschland lobt, in dem wegen vieler Familienunternehmen interne Kommunikation traditionell wichtig sei, gelten ihm die USA schon jetzt ebenfalls als einer der wichtigsten M\u00e4rkte. Innerhalb von f\u00fcnf Jahren peilt die Softwareschmiede dort den B\u00f6rsengang an. 200 eigene Mitarbeiter h\u00e4lt er f\u00fcr m\u00f6glich. Die Voraussetzungen f\u00fcr die gesteckten Ziele sch\u00e4tzt B\u00f6hringer als gut ein, auch da der Jahresumsatz mittlerweile bei monatlich 15 Prozent Wachstum einen siebenstelligen Euro-Betrag erreicht habe. \u201eEin Verkauf der Firma ist daher nicht unser prim\u00e4res Ziel.\u201c Nach \u201eSag niemals nie\u201c klingt das ein bisschen \u2013 dem B\u00f6hringer ambitioniert nachsetzt: \u201eWir wollen globaler Marktf\u00fchrer werden.\u201c<\/p>\n<p>Dass dies gelingen k\u00f6nnte, auch wenn es Zeit braucht, sieht er damit untermauert, dass amerikanische Firmen ausgerechnet auf dem von Staffbase beackerten Gesch\u00e4ftsfeld derzeit noch nicht vorwegst\u00fcrmten. Doch Unternehmen wie McKinsey, Microsoft und Startups wie seines seien mittlerweile auf das Metier der S\u00fcdwestsachsen aufmerksam geworden und dabei, \u00e4hnliche Produkte auf den Markt zu bringen.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht jeder Mitarbeiter hat Laptop oder PC am Arbeitsplatz. Erreichbar ist er dennoch &#8211; dank einer App der Chemnitzer Softwareschmiede Staffbase. CHEMNITZ. Das eigene Firmenlogo neben Whatsapp auf den Privat-Smartphones der Belegschaft &#8211; wie das geht? 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