{"id":2318,"date":"2017-06-03T06:25:43","date_gmt":"2017-06-03T06:25:43","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2318"},"modified":"2020-05-22T09:16:43","modified_gmt":"2020-05-22T09:16:43","slug":"volkswirt-hauser-im-bauhausstil-werden-problemimmobilien-der-2030er-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2017\/06\/03\/volkswirt-hauser-im-bauhausstil-werden-problemimmobilien-der-2030er-jahre\/","title":{"rendered":"Volkswirt: &#8222;H\u00e4user im Bauhausstil werden Problemimmobilien der 2030er-Jahre&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2333\" aria-describedby=\"caption-attachment-2333\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2333 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-1024x682.jpg\" alt=\"Flachd\u00e4cher und eint\u00f6nige Fassaden dominieren: zwei H\u00e4uer im Bauhausstil im Dresdener Stadtteil Blasewitz. Wie vielerorts schlie\u00dfen sie hier Baul\u00fccken, umgeben fast durchweg von traditioneller Bebauung. Foto: Michael Kunze\" width=\"739\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-300x200.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-250x166.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-624x416.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_7954-960x640.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2333\" class=\"wp-caption-text\">Flachd\u00e4cher und eint\u00f6nige Fassaden dominieren: zwei H\u00e4uer im Bauhausstil im Dresdener Stadtteil Blasewitz. Wie vielerorts schlie\u00dfen sie hier Baul\u00fccken, umgeben fast durchweg von traditionell errichteten\u00a0H\u00e4usern mit Spitzdach und reicher gegliederten Fassaden. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>CHEMNITZ\/DRESDEN. Architektur schafft Lebensqualit\u00e4t &#8211; so lautet zumindest das Motto des Tages der Architektur Ende Juni in Sachsen. Doch in der Realit\u00e4t herrscht bei Ein- und Mehrfamilienhausneubauten seit Jahren der Bauhaustypus vor. Meist hat er gro\u00dfe Fenster, eine wei\u00dfe Fassade, dazu ein Flachdach.\u00a0Ein Gespr\u00e4ch\u00a0mit dem\u00a0Volkswirt <a href=\"https:\/\/www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/bwl4\/thiessen.php\">Friedrich Thie\u00dfen<\/a> von der TU Chemnitz, der mit seinen Mitarbeitern vier Befragungen in vier St\u00e4dten <!--more-->zum Thema durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Sie haben untersucht, wie der vor allem bei L\u00fcckenschl\u00fcssen verbreitete Bauhaustypus ankommt. Mit welchem Ergebnis? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Wir sind auf einen \u00fcberraschend starken Gegensatz gesto\u00dfen: Zwar stimmt es, dass dieser Typus von privaten H\u00e4uslebauern wie auch Bautr\u00e4gern nach wie vor, und zwar deutschlandweit, oft gew\u00e4hlt wird. Ich erinnere nur an die gro\u00dfe Anzahl derartiger Neubauten in Dresdener Stadtteilen wie Striesen oder Blasewitz oder etwa im Frankfurter Europaviertel. An der Bernhardstra\u00dfe in Chemnitz wurde eine ganze Siedlung errichtet &#8211; und es gibt viele weitere Beispiele. Nur k\u00f6nnen die allermeisten der mehr als 600 befragten B\u00fcrger mit dem Stil wenig anfangen.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Inwiefern?<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Wie die Studien zeigen, lehnen die Leute fast durchweg die karge und kantige Bauweise der H\u00e4user mit schlichten, ornamentfreien Fassaden ab &#8211; gebaut vorrangig aus Glas, Stahl und Beton.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Was wollen die\u00a0Befragten anstelle dieses Stils, f\u00fcr den Walter Gropius mit seiner Bauhauskunstschule ab 1919 die Grundlagen legte? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">In \u00fcbergro\u00dfer Mehrheit das, was wir als klassischen Stil bezeichnen: schr\u00e4ge D\u00e4cher, gegliederte, verzierte Fassaden in homogenen, also in einem Stil gestalteten Vierteln, wenigstens Stra\u00dfenz\u00fcgen. Das gilt in Chemnitz, Hamburg, Frankfurt und M\u00fcnchen gleicherma\u00dfen. In diesen St\u00e4dten fanden die Untersuchungen statt, in denen ein repr\u00e4sentativer Schnitt der Bev\u00f6lkerung ausgew\u00e4hlt wurde.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Wie viel Abweichung tolerieren die Leute auf ihrer Stra\u00dfe? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Ein oder zwei stilistisch abweichende H\u00e4user werden akzeptiert. Wenn aber in etwa mehr als jedes zehnte abweicht, sinkt die Zustimmung rapide; das best\u00e4tigen auch Studien aus Amerika.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Also schauen die Leute nicht nur auf ihre eigenen vier W\u00e4nde? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">So ist es. Ein Haus wird nicht allein wahrgenommen, sondern immer in seinem Umfeld. Selbst Plattenbaugebiete k\u00f6nnen gut gelitten sein, wenn sie homogen gestaltet, durch Sanierungen, Farbe an den Fassaden oder Gr\u00fcnanlagen aufgewertet wurden. Grunds\u00e4tzlich gilt: Spitzd\u00e4cher sind weit beliebter als flache, gro\u00dfe Fenster punkten mehr als kleine. Und H\u00e4user im Bauhaus-Stil werden aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden eher abgelehnt. Ihr Plus ist, dass sie neu sind. Neuheit signalisiert Wohlstand.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Sind Sie auf Unterschiede zwischen Ost und West, Wohlhabenderen und weniger Beg\u00fcterten gesto\u00dfen? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Die Baustilvorlieben der Befragten in Ost wie West sind sehr \u00e4hnlich. Wir haben Einkommen, Alter, Bildungsgrad und Geschlecht abgefragt. Es stellte sich heraus, dass in einer Siedlung im Westen die Zahlungsbereitschaft, f\u00fcr \u00e4sthetische Vorlieben einzutreten, etwas h\u00f6her war. Sonst gab es keine Unterschiede. Generell ist die Bereitschaft, f\u00fcr die stilistische Aufwertung einer Immobilie Geld in die Hand zu nehmen, nicht sonderlich hoch. Etwa die H\u00e4lfte zeigte keine ausreichende Zahlungsbereitschaft. Das hei\u00dft indes: Die andere H\u00e4lfte hat sie, und die Bauindustrie produziert das Falsche.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Welche Schl\u00fcsse ziehen Sie f\u00fcr die Wertentwicklung von Immobilien im Bauhausstil? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Obwohl Wiedervermietungs- und Wiederverkaufschancen auch von Kriterien wie Lage und Konjunktur abh\u00e4ngen, geh\u00f6rt nicht viel Fantasie dazu, dass es sich bei derartigen H\u00e4usern um die Problemimmobilien der 2030er-Jahre handeln d\u00fcrfte. Ich rechne mit weitaus schlechterer Wertentwicklung als bei klassischen Typen mit Spitzdach oder bei Gr\u00fcnderzeith\u00e4usern.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Was sollten Bautr\u00e4ger und Privatleute beachten, wenn sie neu bauen oder eine derartige Immobilie kaufen wollen? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Der Bauhausstil wird im Vergleich mit anderen Stilen nur von einer Minderheit bevorzugt. Das legt die Frage nahe, wie sich anders bauen oder vorhandene Geb\u00e4ude anpassen lie\u00dfen: Statt der g\u00e4ngigen Fassadenfarbe Wei\u00df k\u00f6nnen sich viele Befragte eine Alternative vorstellen. Selbst Bauh\u00e4user, denen nachtr\u00e4glich schr\u00e4ge D\u00e4cher aufgesetzt werden, stehen h\u00f6her im Kurs als die Originale. Wo deren Fassaden nachtr\u00e4glich mit Holz oder Naturstein aufgewertet und gr\u00f6\u00dfere Fenster eingebaut werden &#8211; wir haben das anhand von Vergleichsfotos abgefragt -, kommen sie besser an. Vor allem sollten Bautr\u00e4ger und Privatleute aufh\u00f6ren, H\u00e4user zu bauen, die kontr\u00e4r zu einem vorherrschenden Stil in einer Stra\u00dfe entworfen wurden. Das ist wertmindernd f\u00fcr alle &#8211; auch die Bestandsgeb\u00e4ude.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Ist das ein Alarmsignal f\u00fcr Stadtplaner, Architekten und f\u00fcr Bautr\u00e4ger? <\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri; font-size: medium;\">Unbedingt. Jeder hat im Rahmen der orts\u00fcblichen Vorgaben das Recht, zu bauen, wie er will. Wir k\u00f6nnen aber belegen, dass die Mehrzahl der Befragten es nicht guthei\u00dft, wenn traditionelle Bauensembles aufgerissen werden, um diese durch Geb\u00e4ude im Bauhausstil zu ersetzen oder zu erg\u00e4nzen. \u00dcber Jahre und in Gr\u00f6\u00dfenordnung an den W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen der B\u00fcrger vorbeizubauen, wird sich r\u00e4chen. Mit einem Hausbau werden ja stadtplanerische und gestalterische Entscheidungen getroffen, die Jahrzehnte wirken und fatal sein k\u00f6nnen, wenn die Nachfrage einmal wegbricht, weil die Wohnungsnot nicht mehr so gro\u00df ist und sich die Menschen mehr aussuchen k\u00f6nnen, wo sie einziehen.<\/span><\/p>\n<p><b>Die vollst\u00e4ndige Untersuchung<\/b> ist im Internet abrufbar unter <a href=\"http:\/\/www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/bwl4\/pub\/WWDP_130_Fassaden_2017.pdf\">www.tu-chemnitz.de\/wirtschaft\/bwl4\/pub\/WWDP_130_Fassaden_2017.pdf <\/a><\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHEMNITZ\/DRESDEN. Architektur schafft Lebensqualit\u00e4t &#8211; so lautet zumindest das Motto des Tages der Architektur Ende Juni in Sachsen. Doch in der Realit\u00e4t herrscht bei Ein- und Mehrfamilienhausneubauten seit Jahren der Bauhaustypus vor. 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