{"id":2416,"date":"2017-08-01T07:13:41","date_gmt":"2017-08-01T07:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2416"},"modified":"2020-05-22T09:21:24","modified_gmt":"2020-05-22T09:21:24","slug":"zu-besuch-in-der-hostienbackerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2017\/08\/01\/zu-besuch-in-der-hostienbackerei\/","title":{"rendered":"Zu Besuch in der Hostienb\u00e4ckerei"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2421\" aria-describedby=\"caption-attachment-2421\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2421 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-1024x683.jpg\" alt=\"Mit einer durch Fu\u00dfdruck zu bet\u00e4tigenden Stanze werden die einzelnen Hostien in der B\u00e4ckerei der Dresdener Diakonissen aus einer Teigplatte herausgel\u00f6st. Foto: Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden\" width=\"739\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-250x166.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-624x416.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Foto-3-960x640.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2421\" class=\"wp-caption-text\">Mit einer durch Fu\u00dfdruck zu bet\u00e4tigenden Stanze werden die einzelnen Hostien in der B\u00e4ckerei der Dresdener Diakonissen aus einer Teigplatte herausgel\u00f6st. Foto: Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gelebte \u00d6kumene: Die Diakonissen in der Dresdener Neustadt z\u00e4hlen auch Priester\u00a0zu ihren\u00a0Kunden.<\/p>\n<p>DRESDEN. Seit dem Jahr 1866 backen die evangelischen Diakonissenschwestern in der Dresdener Neustadt Hostien. Die B\u00e4ckerei befindet sich inmitten eines weitl\u00e4ufigen Krankenhausgel\u00e4ndes mit Betreutem Wohnen und Kirche, nur<!--more--> einen Steinwurf entfernt von der Elbe. \u201eIm Zweiten Weltkrieg\u201c, sagt Pfarrer und Rektor Thilo Daniel beim Rundgang \u00fcber das Gel\u00e4nde, \u201egab es hier gro\u00dfe Zerst\u00f6rungen.\u201c Mehr als drei Viertel der Geb\u00e4udesubstanz waren zerst\u00f6rt worden. \u201eLange war man sich sp\u00e4ter unsicher, ob die Anlage wieder aufgebaut werden soll.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Impulse daf\u00fcr stark genug wurden und der Wiederaufbau unter DDR-Bedingungen realisiert werden konnte, war ausgerechnet auch Freiwilligen aus dem englischen Coventry mit zu verdanken, das von deutschen Flugzeugen im Zweiten Weltkrieg bombardiert worden war. Im Jahr 1965 aber waren es Menschen aus dieser Stadt, die bei einem mehrmonatigen Einsatz am Wiederaufbau in Dresden mitwirkten. Sie best\u00e4rkten die verantwortlichen Stellen vor Ort, das Werk fortzusetzen. Eines der ber\u00fchmten Nagelkreuze ist noch heute sichtbares Zeichen der damaligen Auss\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Die Hostienb\u00e4ckerei wiederum ist in einem der Geb\u00e4ude untergebracht, die 1945 kaum in Mitleidenschaft gezogen worden waren, sagt Thilo Daniel. Darum konnte sie noch im gleichen Jahr ihre Arbeit wieder aufnehmen. Die Anregung dazu, die feinen Oblaten in Dresden herzustellen, kam im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts indes aus dem Diakonissenhaus im mittelfr\u00e4nkischen Neuendettelsau. Dort hatte Pastor Wilhelm L\u00f6he begonnen, die Liturgie der Evangelisch-Lutherischen Kirche zu erneuern. Er war der Meinung, dass zu einer guten, die Menschen ansprechenden Predigt eine w\u00fcrdige Abendmahlsfeier geh\u00f6re, in der besonderes Brot und ausgew\u00e4hlter Wein verwendet werden m\u00fcssten. Das Brot sollten Diakonissen backen.<\/p>\n<p>Seit 1866 stellt die Dresdener Diakonissenanstalt Hostien nun her \u2013 w\u00e4hrend eines Jahres etwa eine Million St\u00fcck, die vorrangig an Gemeinden in Sachsen, Th\u00fcringen, Berlin, Brandenburg, aber auch dar\u00fcber hinaus geliefert werden,\u00a0bis in die Vereinigten Staaten. Auch Priester sowie andere Vertreter katholischer Pfarreien kaufen, wie eine Sprecherin der Diakonissenanstalt Dresden sagt, immer wieder Hostien aus der Hostienb\u00e4ckerei vor Ort oder haben welche bestellt, wenn sie das Haus besuchten.<\/p>\n<p>In der Dresdner B\u00e4ckerei arbeiten drei bis f\u00fcnf Frauen. Nach traditionellem Rezept r\u00fchren sie den Teig mit 1,25 Liter Wasser auf ein Kilogramm Weizenmehl an \u2013 \u201ewie beim mit unges\u00e4uertem Brot begangenen Passahmahl Jesu mit seinen J\u00fcngern, an das am Gr\u00fcndonnerstag erinnert wird\u201c, erl\u00e4utert Schwester Petra K\u00fchn.<\/p>\n<p>Hergestellt auf einem elektrisch beheizten und etwa 140 Grad Celsius hei\u00dfen Eisen, auf dem je Arbeitstag sechs Kilogramm Teig verarbeitet werden, entstehen aus den Hostienplatten von 37 Zentimetern Durchmesser sp\u00e4ter je 69 kleine und eine gro\u00dfe Schauhostie. Landet eine Kelle Teig auf dem Eisen, zischt und qualmt es. \u201eDas erfordert einige Aufmerksamkeit, sonst bilden sich schnell Blasen\u201c, betont K\u00fchn, die nach dem Backvorgang mit einer Spachtel die Reste vom Eisen schabt. Da frische Oblaten sehr trocken und br\u00fcchig sind, kommen sie \u00fcber Nacht in einen ausgefliesten, voller Regale stehenden und vor allem luftbefeuchteten Raum. Schlie\u00dflich werden die Hostien einzeln mit einer per Fu\u00df zu bet\u00e4tigenden Stanze aus der Teigplatte gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Jede der beigefarbenen Oblaten ziert durch entsprechende Motive auf dem Backeisen entweder das Osterlamm mit Siegesfahne oder der Gekreuzigte, die gro\u00dfen Schauhostien aber das Christusmonogramm \u2013 das Konstantinische Kreuz aus den \u00fcbereinandergeschriebenen griechischen Buchstaben Chi-Rho. \u201eEs gibt auch einfachere Varianten \u2013 nicht zuletzt aus dem Internet-Versandhandel \u2013, die wir aber nicht herstellen und die nicht verziert sind, daf\u00fcr dicker und preisg\u00fcnstiger\u201c, sagt K\u00fchn. Verpackt in Schachteln, gehen die Dresdener Hostien unter dem Gebet der Schwestern f\u00fcr die Empf\u00e4nger auf den Weg.<\/p>\n<p>F\u00fchrungen k\u00f6nnen telefonisch gebucht werden. \u201eDas Angebot nehmen sehr viele Leute wahr, weit mehr, als wir vermutet haben, seit wir es 2016 zur 150-Jahr-Feier mehr publik gemacht haben\u201c, so K\u00fchn. Bei einer F\u00fchrung wird um eine Spende gebeten, die f\u00fcr den Umzug der B\u00e4ckerei vom bisherigen Standort inmitten des Areals in ein Haus mit gro\u00dfem Schaufenster zur Bautzner Stra\u00dfe hin gedacht ist, nur wenige Meter entfernt schr\u00e4g gegen\u00fcber von Pfunds legend\u00e4rer Molkerei, die t\u00e4glich unz\u00e4hlige Dresden-Touristen aufsuchen. \u201eWir wollen\u201c, begr\u00fcndet Rektor Daniel den Plan, \u201emit diesem wichtigen Dienst k\u00fcnftig f\u00fcr die Leute auf der Stra\u00dfe einfach sichtbarer sein.\u201c<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelebte \u00d6kumene: Die Diakonissen in der Dresdener Neustadt z\u00e4hlen auch Priester\u00a0zu ihren\u00a0Kunden. DRESDEN. Seit dem Jahr 1866 backen die evangelischen Diakonissenschwestern in der Dresdener Neustadt Hostien. 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