{"id":2560,"date":"2017-11-03T08:11:18","date_gmt":"2017-11-03T08:11:18","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2560"},"modified":"2020-05-22T09:22:35","modified_gmt":"2020-05-22T09:22:35","slug":"brieffreunde-uber-systemgrenzen-hinweg-nach-knapp-60-jahren-erstes-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2017\/11\/03\/brieffreunde-uber-systemgrenzen-hinweg-nach-knapp-60-jahren-erstes-treffen\/","title":{"rendered":"Sie lebte in der DDR, er in S\u00fcdfrankreich &#8211; Brieffreunde begegnen sich nach knapp 60 Jahren erstmals"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2564\" aria-describedby=\"caption-attachment-2564\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2564 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-1024x697.jpg\" alt=\"Erst nach knapp 60 Jahren sahen sie sich erstmals: die langj\u00e4hrige Gitarrelehrerin an der St\u00e4dtischen Musikschule Chemnitz, Ute Loos, und ihr Brieffreund aus den 1950ern, Claude Michel. Links im Bild: Michels Ehefrau Marie-Catherine. Beide wohnen in S\u00fcdfrankreich. Foto: Michael Kunze \" width=\"739\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-1024x697.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-300x204.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-250x170.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-624x424.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus-960x653.jpg 960w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Foto-Loos-Michel-Madame-Juni-2016-Oberneus.jpg 1974w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2564\" class=\"wp-caption-text\">Erst nach knapp 60 Jahren sahen sie sich erstmals: die langj\u00e4hrige Gitarrelehrerin an der St\u00e4dtischen Musikschule Chemnitz, Ute Loos, und ihr Brieffreund aus den 1950ern, Claude Michel. Links im Bild: Michels Ehefrau Marie-Catherine. Beide wohnen in S\u00fcdfrankreich. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>44 Jahre lang hat\u00a0Ute Loos an der Chemnitzer Musikschule Gitarre unterrichtet. In den 1950ern verband\u00a0sie mit\u00a0Claude Michel aus S\u00fcdfrankreich eine Brieffreundschaft. Doch begegnet sind die beiden sich nie &#8211; bis\u00a0ein <a href=\"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/11\/15\/ich-habe-nie-das-gefuhl-gehabt-der-arbeit-mude-geworden-zu-sein\/\">Zeitungsartikel<\/a> alles ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>CHEMNITZ\/OBERGNEUS. 74 Jahre alt ist die geb\u00fcrtige Hohenstein-Ernstthalerin Ute Loos mittlerweile, Claude Michel aus Milhaud in S\u00fcdfrankreich<!--more-->\u00a0ein Jahr j\u00fcnger. Vor bald 60 Jahren schrieben sie einander Briefe. Loos erinnert sich: \u201eIch hatte seinerzeit an das Lyzeum in N\u00eemes geschrieben und um die Vermittlung eines Brieffreundes gebeten\u201c, sagt die Gitarrelehrerin im Ruhestand, die die meisten ihrer 47 Berufsjahre an der St\u00e4dtischen Musikschule in Chemnitz unterrichtet hat, bevor sie\u00a02013 in den Ruhestand trat.<\/p>\n<p>Auf die Idee, f\u00fcr den Austausch nach einem Kontakt in der Ferne zu suchen, brachte sie seinerzeit ihre Schwester. \u201eIn ihrer Oberschule in Lichtenstein war es Mode, eine interessante Stadt auf der Karte zu suchen und dann dahin zu schreiben, meist nach Italien oder Frankreich\u201c, erinnert sich die Absolventin der Weimarer Musikhochschule, deren Gro\u00dfvater einst den Posaunenchor in der Ernstthaler St.-Christophori-Kirche leitete.<\/p>\n<p>Loos\u2018 schrieb ihren ersten Brief im Alter von etwa 15 Jahren Ende der 1950er. Claude Michel erhielt ihn aber nicht \u00fcber seine Schule. \u201eWohl ein\u00a0Lehrer kannte eine aus Nordhausen stammende, mit einem franz\u00f6sischen Diplomaten verheiratete Dame, die in Claudes Nachbarschaft wohnte\u201c, erkl\u00e4rt Loos die Hintergr\u00fcnde, wie der Austausch zustande kam. Die ehemalige Th\u00fcringerin habe an den Jungen gedacht, der in der Schule Deutsch lernte, und den Brief weitergereicht. Was folgte, war ein Briefwechsel \u00fcber zwei, drei Jahre mit dem Sohn eines Weingro\u00dfh\u00e4ndlers, der heute mit seiner Familie in Montelimar lebt. Irgendwann schlief das Ganze\u00a0ein. \u201eWir tauschten uns ja, wie das \u00fcblich war, \u00fcber ziemlich Belangloses aus. Nur ein Brief ist erhalten geblieben\u201c, so Loos. \u201eIn der Fremdsprache zu schreiben, war auch noch ziemlich m\u00fchsam\u201c, erg\u00e4nzt sie.<\/p>\n<p>Wie aber gelang die Kontaktaufnahme nach beinahe sechs Jahrzehnten, ohne dass sich die beiden bis dato gesehen hatten? R\u00fcckblende: Im\u00a0Chemnitzer Lokalteil der \u201eFreien Presse\u201c war im Herbst 2013 ein Bericht \u00fcber Loos erschienen, als sie sich aus der Musikschule in den th\u00fcringischen Saale-Holzland-Kreis verabschiedete, wo sie seit Jahrzehnten lebt. Auf diesen Beitrag war Claude Michel einige Zeit sp\u00e4ter, selbst gerade in Rente gegangen, \u00fcbers Internet aufmerksam geworden. \u201eClaude war damals sehr krank und musste sich einer schweren Operation unterziehen\u201c, sagt Ute Loos. \u201eDa hat er auch an Sachen gedacht, die er unbedingt noch machen wollte \u2013 zum Beispiel die einstige Brieffreundin wenigstens einmal zu treffen.\u201c Er recherchierte im Internet, stie\u00df auf den Zeitungsartikel und nahm mit dem Autor Kontakt auf, der Ute Loos informierte.<\/p>\n<p>Dann ging alles schnell:\u00a0Im Advent 2014 k\u00fcndigte Claude Michel seinen ersten Besuch in Th\u00fcringen an. \u201eIch war anfangs nicht so\u00a0begeistert, schlie\u00dflich kannten wir uns gar nicht. Hinzu kam der Austausch \u00fcber die Sprachbarriere hinweg\u201c, r\u00e4umt Loos ein. \u201eAber es war ganz einfach: Wir hatten schnell gemeinsame Themen entdeckt \u2013 Literatur, Musik, zumal Claude in der Kulturszene seiner Heimat sehr engagiert ist, und &#8230; Landkarten\u201c, sagt sie. Bald brach Loos\u00a0zum Gegenbesuch nach S\u00fcdfrankreich auf. K\u00fcrzlich war Michel, der einst Jura und Politikwissenschaft studierte und einige Jahre in Westdeutschland bei einer Bank gearbeitet hat, mit seiner Ehefrau wieder im th\u00fcringischen Obergneus\u00a0zu Gast \u2013 diesmal mit Entdeckungstouren zu den Dornburger Schl\u00f6ssern, zum Naumburger Dom, nach Erfurt.<\/p>\n<p>Langweilig wird ihnen nie, im Gegenteil. \u201eEs ist f\u00fcr uns alle noch immer ein unglaubliches Gl\u00fcck \u2013 diese unerwartete Begegnung nach so vielen Jahren\u201c, sagte dabei Claude Michel.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>44 Jahre lang hat\u00a0Ute Loos an der Chemnitzer Musikschule Gitarre unterrichtet. In den 1950ern verband\u00a0sie mit\u00a0Claude Michel aus S\u00fcdfrankreich eine Brieffreundschaft. Doch begegnet sind die beiden sich nie &#8211; bis\u00a0ein Zeitungsartikel alles ver\u00e4nderte. 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