{"id":2980,"date":"2018-08-30T07:14:35","date_gmt":"2018-08-30T07:14:35","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=2980"},"modified":"2020-05-17T21:50:32","modified_gmt":"2020-05-17T21:50:32","slug":"domkapitel-sucht-kaufer-fur-sachsisches-castel-gandolfo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/08\/30\/domkapitel-sucht-kaufer-fur-sachsisches-castel-gandolfo\/","title":{"rendered":"Domkapitel sucht K\u00e4ufer f\u00fcr s\u00e4chsisches Castel Gandolfo"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2981\" aria-describedby=\"caption-attachment-2981\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2981 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-1024x682.jpg\" alt=\"Das Mittel- (vorn) sowie das n\u00f6rdliche Seitenzimmer im zweiten Obergeschoss erregen der einstigen Sommerresidenz des Domkapitels Sankt Petri zu Bautzen erregen in diesen Wochen besondere Aufmerksamkeit. Wird ein K\u00e4ufer gefunden, d\u00fcrfte es der \u00d6ffentlichkeit nur mehr selten vor Augen gef\u00fchrt werden. Foto: Michael Kunze \" width=\"739\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-300x200.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-250x166.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-624x416.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IMG_9155-960x640.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2981\" class=\"wp-caption-text\">Mittel- (vorn) und n\u00f6rdliches Seitenzimmer (hinten links) im zweiten Obergeschoss der einstigen Sommerresidenz erregen in diesen Wochen besondere Aufmerksamkeit &#8211; auch bei Fernsehteams. Wird ein K\u00e4ufer f\u00fcr das einstige Domizil des Domkapitels Sankt Petri zu Bautzen gefunden, d\u00fcrften die R\u00e4ume mit wertvollen, jedoch teils dringend sanierungsbed\u00fcrftigen Bildtapeten der \u00d6ffentlichkeit nur mehr selten vor Augen gef\u00fchrt werden. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die einstige Sommerresidenz hoher katholischer W\u00fcrdentr\u00e4ger ist mit historischen Panoramatapeten einer Manufaktur von Weltrang ausgestattet. Doch die Kirche will das s\u00fcdlich von Bautzen gelegene Sankt-Pius-Haus verkaufen.<\/p>\n<p>SCHIRGISWALDE. Seit dem Jahr 2006 sind die Lichter aus im barocken Sankt-Pius-Haus in Schirgiswalde. 14 Kilometer s\u00fcdlich von Bautzen gelegen, erhebt sich inmitten von 10.800 Quadratmetern Park mit altem Baumbestand die ehemalige Sommerresidenz des katholischen Domkapitels Sankt Petri zu Bautzen mit 600 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che. Idylle, Abgeschiedenheit, Platz f\u00fcr <!--more-->Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die bislang keiner tr\u00e4umen will, obwohl das Anwesen mit Nebengeb\u00e4ude seit dem Auszug des katholischen Kindergartens in eine benachbarte ausgebaute Scheune leersteht und die Kirche K\u00e4ufer sucht, sagt Domdekan Andreas Kutschke, der zugleich Generalvikar des Bistums Dresden-Mei\u00dfen ist. Auch bei Auktionen am Donnerstag vergangener Woche in Dresden und zwei Tage sp\u00e4ter in Leipzig fanden sich keine Bieter, trotz der als Startgebot aufgerufenen 195.000 Euro. Jahrelang hatte das Domkapitel in Branchenkreisen als viel zu hoch eingesch\u00e4tzte 465.000 Euro zu erzielen gehofft. Doch Lage und sanierungsbed\u00fcrftiger Zustand d\u00fcrften abschrecken, obwohl das Dach und die 1992 eingebaute kombinierte Gas- und Festbrennstoff-Heizung intakt sind. Doch der Putz br\u00f6ckelt, das Mauerwerk ist in Bodenn\u00e4he feucht, an den Holzkastendoppelfenstern schl\u00e4gt die Farbe Blasen, in den Sanit\u00e4rr\u00e4umen reiht sich nach wie vor kindgerecht Miniwaschbecken an Mini-WC. \u201eDas ist ein Liebhaber- und kein Spekulationsobjekt, f\u00fcr das es eine durchdachte Nutzung braucht\u201c, so der zust\u00e4ndige Repr\u00e4sentant der Deutschen Grundst\u00fccksauktionen AG, G\u00fcnter Thielicke, beim Rundgang durchs Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcrsorgeheim, Kindergarten &#8211; und nun?<\/strong><\/p>\n<p>Dass derartige Sommerresidenzen aus der Mode kommen, ist sp\u00e4testens bekannt, seit Papst Franziskus die seine, Castel Gandolfo unweit von Rom, vor zwei Jahren zum Museum gemacht hat. Das Anwesen im bis ins 19. Jahrhundert zum habsburgischen B\u00f6hmen und kirchlich zum Bistum Leitmeritz geh\u00f6renden Schirgiswalde ist l\u00e4ngst keine Sommerfrische mehr. Diente es nach dem Krieg Mitgliedern des Domkapitels und dem damaligen Bischof Petrus Legge (1882-1951) noch als Unterkunft, nachdem dessen Haus unweit des Bautzener Doms beschossen und zerst\u00f6rt worden war, zog Ende der 1950er-Jahre eine Kirchenmusikschule ein. In dieser Zeit wurde das Geb\u00e4ude nach dem 1954 heiliggesprochenen Papst Pius X. benannt, da dieser den Gregorianischen Choral gef\u00f6rdert hatte. Neben einem F\u00fcrsorgeheim f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen (das kaum zwanzig Jahre blieb) zog 1972 der Kindergarten in das um 1700 errichtete, zun\u00e4chst zwei-, l\u00e4ngst dreist\u00f6ckige, unter Denkmalschutz stehende Haus mit wuchtigen Gew\u00f6lben im Erdgeschoss und Resten der einstigen Kapelle, Stuckdecken weiter oben und einer Besonderheit von \u00fcberregionaler Bedeutung, sagt Veronika Paul. Sie ist beim Domkapitel f\u00fcr Bauangelegenheiten zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Laurenz Tammer, Pfarrer in Dresden, der in Schirgiswalde aufwuchs, kennt diese gut. Er geh\u00f6rte als Kind einem Knabenchor an, mit dem die Musiksch\u00fcler im Palais das Dirigieren \u00fcbten. \u201eAls die Hauskapelle damals erneuert wurde, fand die Heilige Messe vor\u00fcbergehend in einem der Tapetenzimmer statt\u201c, erinnert sich der 64-J\u00e4hrige. Zwei R\u00e4ume sind \u00fcberreich mit in den 1820er-Jahren gedruckten Bildtapeten ausgekleidet, ein weiterer in Richtung S\u00fcden mit in neugotische S\u00e4ulen und Ma\u00dfwerkb\u00f6gen gegliederter Architekturtapete unbekannter Herkunft sowie einer den Raumeindruck verst\u00e4rkenden gemalten illusionistischen Kassettendecke. Im n\u00f6rdlichen Zimmer zeigen zwanzig Bahnen mit dem Titel \u201eLes F\u00eates Grecques\u201c die olympischen Feste der alten Griechen. Sie wurden 1824 von Dufour &amp; Leroy in Paris gedruckt und zeugen von der Antikenbegeisterung im fr\u00fchen 19. Jahrhundert. \u201eDa gab es f\u00fcr mich als Ministranten was zu gucken w\u00e4hrend der Messe. Man musste achtgeben, den Ablauf der Liturgie nicht zu verpassen\u201c, sagt Tammer schmunzelnd.<\/p>\n<p><strong>Madonna, Mubarak, Meier?<\/strong><\/p>\n<p>Die Tapeten m\u00fcssen erhalten werden, hei\u00dft es vom Denkmalschutz. Die drei R\u00e4ume \u201egeh\u00f6ren zu den ganz wenigen vollst\u00e4ndig erhaltenen Interieurs aus der Zeit um 1830 in Sachsen\u201c, schrieb die S\u00e4chsische Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack im M\u00e4rz 2010 in einer Einsch\u00e4tzung. Sie stellen \u201eein \u00fcberregional bedeutsames Zeugnis der Wohn- und Repr\u00e4sentationskultur des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts dar und nicht zuletzt auch ein Dokument f\u00fcr die Geschichte des Bistums Dresden-Mei\u00dfen\u201c. Wegen mancher Sch\u00e4den an den Bahnen im Mittelzimmer mit farbigen Szenen von der Landnahme der Europ\u00e4er in S\u00fcdamerika, die Segelschiffe, Dschungel und Plantagen voller Indianer zeigen, werden die Tapeten dort schon mit St\u00fctzen an den W\u00e4nden gehalten. Domdekan und Bischof Ignaz Bernhard Mauermann hatte sie wie die anderen im Zuge eines 1833 begonnenen Umbaus anbringen lassen.<\/p>\n<p>Was die von Hand in unz\u00e4hligen Arbeitsschritten bedruckten Bahnen im Mittelzimmer besonders macht: Sie sind nicht nur 190 Jahre alt, sondern stammen aus der nach wie vor existierenden, seit 1797 im els\u00e4ssischen Rixheim ans\u00e4ssigen Manufaktur Jean Zuber &amp; Cie mit Schaur\u00e4umen in New York, Paris, Moskau oder Dubai. Neudrucke der in Schirgiswalde angebrachten Exemplare aus der Serie \u201eLes Vues de Br\u00e9sil\u201c k\u00f6nnen nach wie geordert werden. Zuber &amp; Cie verf\u00fcgt \u00fcber ein Depot mit zehntausenden Druckst\u00f6cken aus Birnenholz. John F. Kennedys Frau Jacqueline lie\u00df 1961 den sogenannten <a href=\"https:\/\/www.whitehousehistory.org\/the-diplomatic-reception-rooms-historic-wallpaper\">Diplomatic Reception Room<\/a> im Washingtoner Wei\u00dfen Haus mit aus dem Jahr 1834 stammenden Zuber-Bildtapeten ausstatten, die zuvor in einem Geb\u00e4ude abgenommen worden waren, das abgerissen wurde. Popmusikerin Madonna z\u00e4hlt ebenso zu den Kunden wie einst der ehemalige \u00e4gyptische Machthaber Husni Mubarak, recherchierte die Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c. Eine historische Zuber-Panoramatapete aus 32 Bahnen erzielte vor Jahren auf einer Auktion 40.500 US-Dollar und galt seinerzeit als teuerste je verkaufte.<\/p>\n<p>Dass sich angesichts des papiernen bildgewaltigen Schatzes, der auf Zeichnungen des deutschen Malers und Forschungsreisenden Moritz Rugendas (1802-1858) zur\u00fcckgeht, noch kein K\u00e4ufer f\u00fcr das Sankt-Pius-Haus gefunden hat, \u201eist sehr schade\u201c, so Domdekan Kutschke, der mangels einer geeigneten kirchlichen Nutzung weiter auf Interessenten in der sogenannten Nachverkaufszeit zu den j\u00fcngsten Auktionen hofft. \u201eWenn sich bis zu deren Ablauf in einigen Wochen niemand findet, m\u00fcssen wir im Domkapitel neu beratschlagen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Auf der Internetseite der Manufaktur Zuber &amp; Cie zeigt ein <a href=\"http:\/\/www.zuber.fr\/fr\/video\"><strong>Kurzfilm<\/strong><\/a>, wie deren Bildtapeten hergestellt werden.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einstige Sommerresidenz hoher katholischer W\u00fcrdentr\u00e4ger ist mit historischen Panoramatapeten einer Manufaktur von Weltrang ausgestattet. Doch die Kirche will das s\u00fcdlich von Bautzen gelegene Sankt-Pius-Haus verkaufen. SCHIRGISWALDE. Seit dem Jahr 2006 sind die Lichter aus im barocken Sankt-Pius-Haus in Schirgiswalde. 14 Kilometer s\u00fcdlich von Bautzen gelegen, erhebt sich inmitten von 10.800 Quadratmetern Park mit altem&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/08\/30\/domkapitel-sucht-kaufer-fur-sachsisches-castel-gandolfo\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Domkapitel sucht K\u00e4ufer f\u00fcr s\u00e4chsisches Castel Gandolfo<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,13,10,14],"tags":[1085,1089,1090,664,1096,1095,228,1493,31,1092,1087,1102,1100,1492,36,659,1101,1098,1091,49,1097,1094,1099,1093,1088,1086,1104],"class_list":["post-2980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-geschichte","category-kultur","category-religion","tag-andreas-kutschke","tag-bautzen","tag-bautzener-dom","tag-bistum-dresden-meisen","tag-bistum-leitmeritz","tag-bohmen","tag-castel-gandolfo","tag-domkapitel-sankt-petri","tag-dresden","tag-elsass","tag-gunter-thielicke","tag-husni-mubarak","tag-ignaz-bernhard-mauermann","tag-jacqueline-kennedy","tag-kirche","tag-laurenz-tammer","tag-madonna","tag-manufaktur-dufour-leroy","tag-manufaktur-zuber-cie","tag-ostdeutschland","tag-petrus-legge","tag-pius-x","tag-rosemarie-pohlack","tag-sankt-pius-haus","tag-schirgiswalde","tag-veronika-paul","tag-weises-haus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2980"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3704,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980\/revisions\/3704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}