{"id":3104,"date":"2018-11-15T07:34:25","date_gmt":"2018-11-15T07:34:25","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3104"},"modified":"2020-05-22T11:39:46","modified_gmt":"2020-05-22T11:39:46","slug":"weltkulturerbe-auf-katholisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/11\/15\/weltkulturerbe-auf-katholisch\/","title":{"rendered":"Weltkulturerbe auf Katholisch"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3109\" aria-describedby=\"caption-attachment-3109\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3109 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-1024x682.jpg\" alt=\"Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovi\u0107, ist am 12. November im mittels\u00e4chsischen Wechselburg zu Gast gewesen. Anlass daf\u00fcr war die Erhebung der Kirche zur ersten &quot;Basilica minor&quot; jenseits Berlins in Ostdeutschland durch Papst Franziskus. Foto: Michael Kunze\" width=\"739\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-300x200.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-250x166.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-624x416.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/DSC_6797-960x640.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3109\" class=\"wp-caption-text\">Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovi\u0107, ist am 12. November im mittels\u00e4chsischen Wechselburg zu Gast gewesen. Anlass daf\u00fcr war die Erhebung der ehemaligen Stiftskirche zur &#8222;Basilica minor&#8220;. Foto: Michael Baudisch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die ehemalige Stiftskirche in Wechselburg ist als erste jenseits Berlins in Ostdeutschland zur &#8222;Basilica minor&#8220; erhoben worden. Was bedeutet das?<\/p>\n<p>WECHSELBURG. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Ehrentitel &#8222;Basilica minor&#8220; von den P\u00e4psten in Rom an besondere Kirchen weltweit verliehen &#8211; nun auch an die fr\u00fchere Wechselburger Stifts- und heutige Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche &#8222;Heilig Kreuz&#8220;.\u00a0L\u00e4ngst wird<!--more--> sie im Volksmund &#8222;Basilika&#8220; genannt, tr\u00e4gt fortan aber jenen Zusatz, der auf mehr als nur den Bautypus hinweist und w\u00f6rtlich zun\u00e4chst nur &#8222;kleinere&#8220; bedeutet. Prior Maurus Kra\u00df vom benachbarten Benediktinerkloster, das die Kirche seit 25 Jahren mitnutzt, und der Bischof von Dresden-Mei\u00dfen, Heinrich Timmerevers, haben die p\u00e4pstliche Ehrung im September bei einer Wallfahrt vor 2700 Gl\u00e4ubigen in Wechselburg (Kreis Mittelsachsen) verk\u00fcndet.<\/p>\n<p>Was aber bedeutet sie, und wie kommt die Wechselburger Kirche dazu? Seit der r\u00f6mischen Antike werden bestimmte Kirchen aufgrund ihrer Bauart &#8222;Basilika&#8220; genannt. Auch das vor 850 Jahren erstmals erw\u00e4hnte sp\u00e4tromanische Wechselburger Gotteshaus z\u00e4hlt zu diesem Typus. \u00dcbernommen und weiterentwickelt haben ihn die fr\u00fchen Christen im vierten Jahrhundert von bis dato als Handels-, Geldgesch\u00e4fts- oder Gerichtsorten weltlich genutzten r\u00f6mischen Vorl\u00e4uferanlagen zum Bau ihrer liturgischen Versammlungsst\u00e4tten. Die Innenr\u00e4ume der oft nach den Stifterfamilien benannten Geb\u00e4ude zeichneten sich durch meist zwei oder drei parallele Schiffe aus mit umlaufenden S\u00e4ulen- oder Pfeilerreihen, abgeschlossen durch eine flache oder in der Kaiserzeit oft eingew\u00f6lbte Decke.<\/p>\n<p><strong>Detaillierter Fragebogen aus Rom<\/strong><\/p>\n<p>Als am 12. November der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovi\u0107, als Botschafter des Papstes in Deutschland nach Mittelsachsen kam, w\u00fcrdigte er aber nicht nur einen bedeutenden Kirchenbau durch die formale Erhebung zur &#8222;Basilica minor&#8220; \u2013 der vom Wechselburger Benediktinerkloster beantragten und vom Bistum unterst\u00fctzten Ehrung hatte zun\u00e4chst auch die Deutsche Bischofskonferenz zustimmen m\u00fcssen. Die Hoffnung auf einen positiven Bescheid verbanden die Einreicher des Antrags, Benediktiner-Pater Maurus Kra\u00df aus Wechselburg und Abt Barnabas B\u00f6gle in der Mutterabtei Ettal, die schon seit 1920 den gleichen Titel tr\u00e4gt, mit dem Wunsch, mehr als Steine, Geschichte und Kunst hervorzuheben.<\/p>\n<p>&#8222;Wir wollten dreierlei&#8220;, sagt Pater Maurus: die Katholiken w\u00fcrdigen, die in der DDR unter vielen Entbehrungen diesen Ort als durchbeteten erhielten. &#8222;Das h\u00e4tte auch ein Museum werden k\u00f6nnen&#8220;, sagt er. Au\u00dferdem gehe es um jene, die heute in der Pfarrei mittun, auf deren Terrain nur 1,8 Prozent der B\u00fcrger Katholiken sind \u2013 die mittun, um das Gotteshaus zu erhalten, zu schm\u00fccken, die zu Gebet und Liturgie zusammenkommen. Schlie\u00dflich, sagt der Prior, sollte auch an die gedacht und denen gedankt werden, die seit der deutschen Wiedervereinigung in Wechselburg Seelsorge geleistet haben und leisten. J\u00fcngst ist mit Pater Gabriel Heuser einer der Gr\u00fcndungsm\u00f6nche in Wechselburg 78-j\u00e4hrig verstorben, dessen Wirken \u00fcberkonfessionelle Anerkennung weit \u00fcber die Region hinaus genoss.<\/p>\n<p>&#8222;Unabh\u00e4ngig davon ist der Titel eine Empfehlung an die \u00d6ffentlichkeit, dass das ein besonderer Ort ist&#8220;, sagt Pater Maurus. Er war es auch, der den zw\u00f6lfseitigen, durchweg in Latein abgefassten Fragebogen von der vatikanischen Kongregation f\u00fcr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ausf\u00fcllte. &#8222;Das ist das Antragsverfahren f\u00fcr eine Art Unesco-Weltkulturerbe auf Katholisch&#8220;, sagt er schmunzelnd. Gefordert waren aus Rom detaillierte Angaben zu Baugeschichte und Ausstattung der Kirche, Gottesdiensten, die t\u00e4glich stattfinden m\u00fcssen, und regelm\u00e4\u00dfigem Stundengebet. Au\u00dferdem habe er l\u00fcckenlos f\u00fcr das vergangene Jahr s\u00e4mtliche Wallfahrten aus Nah und Fern aufgelistet. Eine umfangreiche Fotodokumentation von Kirche, Lettner, Altar und vielem anderen sei angefertigt worden. Der Bischof von Dresden-Mei\u00dfen musste schriftlich Stellung nehmen. Pater Maurus hatte Heinrich Timmerevers schon bei dessen Antrittsbesuch in Wechselburg 2016 mit Blick auf das in diesem Jahr gefeierte 850. Kirchweihjubil\u00e4um angesprochen und einen derartigen Antrag ins Gespr\u00e4ch gebracht, den die Gottesdienstkongregation schlie\u00dflich pr\u00fcfte und positiv beschied.<\/p>\n<p>&#8222;Durch den Titel soll die Bedeutung dieser Kirche f\u00fcr das Umland hervorgehoben und die Verbindung mit der Kirche von Rom und dem Heiligen Vater gest\u00e4rkt werden&#8220;, erkl\u00e4rt Bischof Heinrich Timmerevers. Als \u00e4u\u00dferes Erkennungszeichen ziert den Eingang des Geb\u00e4udes bald das Wappen des jeweils regierenden Papstes. Der Ehrentitel sei &#8222;immer Verpflichtung und Ansporn&#8220;, so der Bischof.<\/p>\n<p><strong>Weltweit etwa 1770 Basilicae minores<\/strong><\/p>\n<p>Der Liturgiewissenschaftler Heinzgerd Brakmann weist zudem darauf hin, dass in einer &#8222;Basilica minor&#8220; jene kirchlichen Feste feierlich zu begehen seien, die in Beziehung zum Apostel Petrus und dem Papstamt stehen; Predigt- und Beichtdienst solle besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, dazu der religi\u00f6sen Bildungsarbeit, die in Wechselburg durch die Benediktiner l\u00e4ngst \u00fcberregionale Resonanz findet. Schlie\u00dflich, so Brakmann in seinem Beitrag f\u00fcr das &#8222;Lexikon f\u00fcr Theologie und Kirche&#8220;, seien dabei &#8222;die r\u00f6mischen Verlautbarungen zu studieren und zu verbreiten&#8220;.<\/p>\n<p>Der Titel &#8222;Basilica minor&#8220; wurde zuletzt 2015 an Gottesh\u00e4user in den Bist\u00fcmern Trier und Hildesheim verliehen. Von den weltweit etwa 1770 derart geehrten Kirchen befinden sich 77 in Deutschland, darunter die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen in Oberfranken, die 1897 die erste in Deutschland so gew\u00fcrdigte war. Dass es bislang nicht mehr derartige Basiliken in Ostdeutschland gibt, erkl\u00e4rt Pater Maurus auch mit der Reformationsgeschichte. Zahlreiche herausragende Kirchen wie die Dome in Magdeburg, Halberstadt, Mei\u00dfen, Naumburg sind seinerzeit evangelisch geworden.<\/p>\n<p>Diese kleinen p\u00e4pstlichen Basiliken in aller Welt besitzen gegen\u00fcber den wenigen, s\u00e4mtlich in Rom und Assisi befindlichen &#8222;Basilicae maiores&#8220;, die schon vor dem 18. Jahrhundert als &#8222;Papstkirchen&#8220; firmierten, zwar eine niedere liturgische Rangstufe, hat Ulrich Nersinger einst in der Zeitung &#8222;Die Tagespost&#8220; geschrieben. Auch verf\u00fcgten sie \u00fcber weniger Vorrechte. Sie stehen aber jeder nicht derart privilegierten Kirche voran.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ehemalige Stiftskirche in Wechselburg ist als erste jenseits Berlins in Ostdeutschland zur &#8222;Basilica minor&#8220; erhoben worden. Was bedeutet das? WECHSELBURG. Seit dem 18. 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