{"id":3127,"date":"2018-11-20T06:57:34","date_gmt":"2018-11-20T06:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3127"},"modified":"2018-12-21T15:46:51","modified_gmt":"2018-12-21T15:46:51","slug":"gegen-gesprachsverbote-und-proll-hass-als-elitensport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/11\/20\/gegen-gesprachsverbote-und-proll-hass-als-elitensport\/","title":{"rendered":"Gegen Gespr\u00e4chsverbote und &#8222;Proll-Hass als Elitensport&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3131\" aria-describedby=\"caption-attachment-3131\" style=\"width: 263px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3131  \" alt=\"Warnt vor Falschzuschreibung, der oft Aneignung folge: der an der Universit\u00e4t Princeton forschende Politikwissenschaftler Jan-Werner M\u00fcller. Foto: Michael Kunze \" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--1024x768.jpeg\" width=\"263\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--300x225.jpeg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--250x187.jpeg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--624x467.jpeg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Jan-Werner-M\u00fcller-Tagung-des-SFB-1285-Invektivit\u00e4t-Penck-Hotel-DD-14.11.2018--960x720.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3131\" class=\"wp-caption-text\">Warnte in Dresden davor, jemand oder etwas vorschnell &#8222;populistisch&#8220; zu zeihen, denn oft sei Aneignung die Konsequenz: der an der Universit\u00e4t Princeton forschende Politologe Jan-Werner M\u00fcller. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Politologe Jan-Werner M\u00fcller hat in Dresden vor Fallen im Umgang mit Populisten gewarnt; eine Kollegin hielt der sozialwissenschaftlichen Zunft den Spiegel vor.<\/p>\n<p>DRESDEN. Wer \u00fcber &#8222;Populismus&#8220; spricht, kann die Schriften des an der amerikanischen Universit\u00e4t Princeton forschenden Jan-Werner M\u00fcller kaum ausklammern. Die sp\u00e4testens seit Pegida, AfD und Trump-Pr\u00e4sidentschaft dauererregte Debatte \u00fcber den Charakter derartiger Ph\u00e4nomene wurde zwar durch M\u00fcllers Essay &#8222;Was ist Populismus?&#8220; (2016) in mancher Hinsicht vom Bauch in den Kopf verlagert. Oder: h\u00e4tte dorthin verlagert werden k\u00f6nnen. Denn am n\u00fcchternen Blick fehlt es weiter, auch an Genauigkeit dabei, das Ph\u00e4nomen zu fassen und Konsequenzen f\u00fcr Wissenschaft, Politik oder Kultur abzuleiten.<!--more--><\/p>\n<p>So lag es nahe, dass sich die Organisatoren der j\u00fcngst in Dresden ausgerichteten Jahrestagung des dortigen <a href=\"https:\/\/tu-dresden.de\/gsw\/sfb1285\">TU-Sonderforschungsbereichs 1285 &#8222;Invektivit\u00e4t&#8220;<\/a> (&#8222;Herabw\u00fcrdigung&#8220;) den Gast aus \u00dcbersee eingeladen hatten. Der Politologe warnte in seinem Vortrag vor drei Fallstricken in der Auseinandersetzung mit Populisten: 1. Gespr\u00e4chs- und Kontaktverbote zu verh\u00e4ngen und Ausschl\u00fcsse von populistischen Politikern aus Debatten oder Gremien. &#8222;Das best\u00e4tigt sie in ihrer Kritik, dass sich die Eliten nicht auf die B\u00fcrger einlassen&#8220;, sagte er. Kein Mensch sei &#8222;unrettbar verloren&#8220;. M\u00fcller sieht keine Alternative dazu, gespr\u00e4chsbereit zu bleiben. 2. Imitiere die Konkurrenz populistische Parteien inhaltlich und dem Stil nach, st\u00e4rke dies die Originale. Und wer politische Gegner populistisch nenne, ohne dass dies zutreffe, oder in der Kritik \u00fcberziehe, m\u00fcsse damit rechnen, dass Zuschreibung Aneignung folge 3. Wer sich darin gefalle, Politiker wie Donald Trump L\u00fcgner zu nennen, sich selbst aber im alleinigen Besitz der Wahrheit w\u00e4hnt, sei nicht besser als die Kritisierten.<\/p>\n<p><strong>Nicht \u00fcber jedes St\u00f6ckchen &#8211; oder: Den Kreis der Dauererregung durchbrechen<\/strong><\/p>\n<p>M\u00fcllers Fazit: Populisten bleiben eine Herausforderung. Einen K\u00f6nigsweg im Umgang gibt es nicht. Jede politische Kraft muss in jedem Land zu jeder Zeit gesondert betrachtet werden. Die Auseinandersetzung sollte in der Sache gef\u00fchrt werden. Nicht auf jede Entgleisung muss reagiert werden, wohl aber die Zuschreibung &#8222;populistisch&#8220; pr\u00e4zise verwendet. Das ging an die Adresse der Politik, seiner Kollegen und der Medien.<\/p>\n<p>Auf das Gespenstische des Begriffs hatte, woran der Historiker Gerd Schwerhoff erinnerte, schon vor 33 Jahren der Soziologe Helmut Dubiel <a href=\"https:\/\/volltext.merkur-zeitschrift.de\/article\/mr_1985_08_0639-0651_0639_01\">in der Zeitschrift &#8222;Merkur&#8220;<\/a> verwiesen: &#8222;Bezeichnet \u2026 [Populismus] eine soziale Bewegung&#8220;, fragte der seinerzeit, &#8222;eine politische Ideologie, eine Form des politischen Verhaltens oder nur eine Mentalit\u00e4t?&#8220; Das liegt im Auge des Betrachters, dessen, der mit dieser Selbstbe- oder Zuschreibung hantiert. Den Populismus gebe es nicht. Wellenartig kehre das Ph\u00e4nomen immer wieder \u2013 und bleibt Forschungsgegenstand.<\/p>\n<p><strong>Blasen &#8211; da wie dort<\/strong><\/p>\n<p>Dabei m\u00f6gen auch Wissenschaftler auf der Hut sein, mahnte die Soziologin Karin Priester, denn in Blasen bef\u00e4nden sich nicht nur die anderen. Das gelte auch f\u00fcr &#8222;uns hier im Saal&#8220;, sagte sie. Ebenso sei die Suche nach S\u00fcndenb\u00f6cken keine, der nur Populisten verfallen. Priester warnte vor &#8222;Proll-Hass als Elitensport&#8220;, denn aktuelle \u00f6konomische Verwerfungen tr\u00e4fen nicht nur manche Angestellte, Arbeiter oder kleine Selbstst\u00e4ndige, sondern etwa in Griechenland, Spanien oder Italien l\u00e4ngst Akademiker (man mochte hinzuf\u00fcgen: nicht nur dort). Hinzu komme die rasante kulturelle &#8222;Modernisierung&#8220;, die mit einer dreifachen Spaltung einhergehe: nach Zentrum und Peripherie, zwischen den Generationen sowie nach sozialer Schichtung.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4ren dies Einfallstore f\u00fcr Antworten auf die Lage aus dem linken politischen Spektrum, sagte Karin Priester \u2013 doch die dort entwickelten f\u00e4nden wenig Zuspruch, auch durch dessen &#8222;Einstellung zur Nation&#8220;. Da linke Parteien das eigene Land und Grenzen oft kritisch betrachteten, erwarteten viele Verunsicherte von ihnen keinen Schutz gegen\u00fcber dem globalisierten Kapitalismus. Sie riet zu einem positiveren Bezug zum eigenen Land, der ein solidarisches Verh\u00e4ltnis gegen\u00fcber anderen Staaten einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Politologe Jan-Werner M\u00fcller hat in Dresden vor Fallen im Umgang mit Populisten gewarnt; eine Kollegin hielt der sozialwissenschaftlichen Zunft den Spiegel vor. DRESDEN. Wer \u00fcber &#8222;Populismus&#8220; spricht, kann die Schriften des an der amerikanischen Universit\u00e4t Princeton forschenden Jan-Werner M\u00fcller kaum ausklammern. 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