{"id":3143,"date":"2018-11-01T10:49:31","date_gmt":"2018-11-01T10:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3143"},"modified":"2019-02-20T10:53:42","modified_gmt":"2019-02-20T10:53:42","slug":"radikale-im-namen-des-herrn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/11\/01\/radikale-im-namen-des-herrn\/","title":{"rendered":"Radikale im Namen des Herrn"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3145\" aria-describedby=\"caption-attachment-3145\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3145 \" alt=\"Die Juristin und politische Publizistin Liane Bednarz. Foto: privat \" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-1024x768.jpg\" width=\"375\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-300x225.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-250x187.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-624x468.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz-960x720.jpg 960w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Foto-Liane-Bednarz.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3145\" class=\"wp-caption-text\">Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz warnt vor &#8222;Angstpredigern&#8220; in den Kirchen. Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>DRESDEN. Die Anzahl der Christen nimmt in Deutschland zwar ab. Laut der Publizistin Liane Bednarz, Autorin des Buches <a href=\"https:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/9558322\/die-angstprediger\">&#8222;Die Angstprediger&#8220;<\/a>, gibt es unter ihnen indes einflussreiche Rechte, die in Parteien und Kirchen aktiv sind und vor &#8222;Islamisierung&#8220;, &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; oder &#8222;Genderwahn&#8220; warnen. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber aktuelle Entwicklungen.<\/p>\n<p><em style=\"font-size: 1rem;\"><\/em><em>Unter Christen d\u00fcrften Rechte, die Sie von den Konservativen abgrenzen, eine kleine Minderheit sein. Braucht es da Ihr Buch?<\/em><\/p>\n<p>Ja, das braucht es, da es zwar um eine, gemessen an der Gesamtzahl der Kirchenmitglieder, kleine Gruppe geht.\u00a0Doch die ist nicht nur in sozialen und anderen Medien <!--more-->sehr\u00a0aktiv.<\/p>\n<p><em>Worin liegt aus Ihrer Warte die Gefahr?<br \/>\n<\/em><br \/>\nDarin, dass rechte Christen Themen salonf\u00e4hig machen, die von Pegida bis zur AfD aufgegriffen werden. Dazu nutzen sie den nach wie vor vorhandenen Vertrauensvorschuss, den viele Christen \u2013 oft ja zu Recht \u2013 genie\u00dfen. Au\u00dferdem befinden sich in Ost wie West unter &#8222;rechten Christen&#8220; nicht nur Kirchg\u00e4nger, sondern auch &#8222;Kulturchristen&#8220; &#8211; ob als Kirchenmitglieder oder Konfessionslose. Das &#8222;christliche Abendland&#8220; wird als Identit\u00e4tsmarker instrumentalisiert f\u00fcr eine rechte Gedankenwelt, das Christentum der N\u00e4chstenliebe zu einer nationalen Kulturgemeinschaft umgedeutet.<em><\/em><\/p>\n<p><em>Wie gro\u00df und relevant ist das Milieu?<\/em><\/p>\n<p>Eine Allensbach-Umfrage zur Anzahl der christlichen AfD-W\u00e4hler vom Fr\u00fchjahr 2018 zeigt: Kirchennahe Christen w\u00e4hlen die Partei weit seltener als kirchenferne oder Konfessionslose. Es sind circa drei bis vier Prozent. Grund zu Entwarnung ist das nicht. Denn das entspricht hochgerechnet immerhin \u00fcber 100.000 Personen. Und das Gedankengut ist nicht auf die Partei beschr\u00e4nkt, sondern reicht bis in Unionskreise.<br \/>\n<em><br \/>\nGibt es eine Art Typus, wie ihn die Forschung f\u00fcr Pegida-Demonstranten skizziert hat?<\/em><\/p>\n<p>Es sind Menschen, die das konservative Denken sprengen und Schwarz-Wei\u00df-Kategorien verhaftet sind. Klare Hierarchien spielen eine wichtige Rolle. Sie werten andere Menschen oft ab und sich auf, pflegen ihre Gruppenzusammengeh\u00f6rigkeit stark und befassen sich mit den immer gleichen Themen. Oft aufgefallen ist mir die Freudlosigkeit, der Kulturpessimismus. Dabei k\u00f6nnen Christen froh vorausschauen, nach dem Motto: Wir wollen als Salz der Erde Freude am Glauben vermitteln.<em><\/em><\/p>\n<p><em>Wie wirkt sich das auf die Themen aus, die behandelt werden?<\/em><\/p>\n<p>Der Umgang ist von Angst getrieben: etwa bei der Fixierung auf eine strenge Sexualmoral, die alles Nicht-Heterosexuelle diskreditiert und vor &#8222;Fr\u00fchsexualisierung in Schulen&#8220; warnt. Wladimir Putin soll als &#8222;Garant christlicher Werte&#8220; gegen politische Korrektheit und moralischen Verfall helfen, auch gegen den Islam, der undifferenziert als Feindbild dient, das bis in atheistische rechte Kreise anschlussf\u00e4hig ist. Die Religionsfreiheit wird von vielen infrage gestellt, getreu dem katholischen Motto aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Keine Freiheit f\u00fcr den Irrtum.<em><\/em><\/p>\n<p><i>Haben Sie Hochburgen ausmachen k\u00f6nnen?<\/i><\/p>\n<p><i><\/i>Bei Katholiken sehe ich keine geografischen Schwerpunkte. Bei Protestanten betrifft es vorrangig Regionen, in denen der Pietismus stark ist oder das Evangelikale \u2013 die Gegenden um Wetzlar, das Sieger- und das Bergische Land, Pforzheim, Stuttgart, Augsburg und das jeweilige Umland sowie in Sachsen der Bibelg\u00fcrtel im und nahe dem Erzgebirge.<br \/>\n<em><br \/>\nIn ihrem Buch verweisen Sie auf einen &#8222;moralischen Alleinvertretungsanspruch&#8220; unter rechten Christen. Ist die Tendenz dazu nicht Zeichen jeder Gruppierung, die nach Geltung strebt?<\/em><\/p>\n<p>Nein, eigentlich nicht. Es geht nicht nur um markige Spr\u00fcche. Die Rechten propagieren nicht blo\u00df politische Gegnerschaft, sondern Feindschaft. Andere Kr\u00e4fte, etwa die Gr\u00fcnen, werden als &#8222;Moralisten&#8220;, &#8222;Altparteien&#8220; bezeichnet. Wenn aber die aus biblischer Perspektive je nach Auslegung durchaus kritisierbare Homo-Ehe von dem von rechten Christen oft verteidigten Schriftsteller Akif Pirin\u00e7ci als &#8222;Familienmodell &#8218;Papa, Papa, Strichjunge'&#8220; bezeichnet wird, lassen ihm das viele durchgehen.<br \/>\n<em><br \/>\nStehen auch Kleriker in Verbindung zur AfD und rechtem Gedankengut?<br \/>\n<\/em><br \/>\nJa, zum Beispiel der im Rheinland einflussreiche katholische Sozialethiker und Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels, der etwa dadurch auff\u00e4llt, dass er im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung sitzt und r\u00e4t, Bisch\u00f6fe, die die Partei kritisieren, mit &#8222;Herr Hohlkopf&#8220; anzusprechen.<em><\/em><\/p>\n<p><em>Zum Kompass des Milieus geh\u00f6rt es auch, die Rolle der Frau traditionell auszudeuten. Wie wird das begr\u00fcndet?<\/em><\/p>\n<p>Rechte Christen f\u00fchren biblische Motive an \u2013 &#8222;Seid fruchtbar und mehret Euch!&#8220; Frauen mit vielen Kindern brauchen viel Zeit f\u00fcr die Familie. Das Thema spiegelt sich aber auch darin wider, dass Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte abgelehnt werden. Frauen wollen eigentlich keine Karriere, hei\u00dft es. Und wer kinderlos ist, muss sich fragen lassen: warum.<em><\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Wie umgehen mit rechten Positionen aus christlichem Mund?&#8220;, hei\u00dft das letzte Kapitel Ihres Buches. Was raten Sie?<\/em><\/p>\n<p>Dass sich moderate konservative Kr\u00e4fte, wie auch jenseits der Kirchen, deutlicher zu Wort melden. Aus dem Gespr\u00e4ch mit AfD-Aussteigern wei\u00df ich: Ausgrenzung und Bevormundung bewirken nichts. Sie schlie\u00dfen die Reihen. Als Christ muss man zwischen Haltung und Person unterscheiden. Vielen Leuten ist die Zuspitzung ihrer Positionen, die oft schleichend geschieht, gar nicht bewusst. N\u00f6tig sind gute Argumente und Geduld. \u00dcberzeugung ist ein Prozess, bis die eigenen Zweifel zu gro\u00df sind.<em><\/em><\/p>\n<p><em>Gibt es Grenzen im Gespr\u00e4ch?<\/em><\/p>\n<p>Ja, wo nur Hass oder Beleidigungen verbreitet werden, wird es schwierig. Wie soll da ein Gespr\u00e4ch gelingen? Nicht nur die Kirchen haben aber mittlerweile eine Reihe guter Handreichungen erarbeitet, wie der Einstieg dazu klappen kann.<em><\/em><\/p>\n<p><strong>Liane Bednarz<\/strong>, Dr. iur., ist Publizistin und Juristin. Sie besch\u00e4ftigt sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Populismus und religi\u00f6sen Bewegungen. J\u00fcngst leitete sie zum Thema einen Workshop bei der im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden ausgerichteten Tagung &#8222;Die neue Mitte? Rechte Ideologien und Bewegungen in Europa&#8220;. Ihr Buch &#8222;Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirche unterwandern&#8220; ist im Droemer-Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 16,99 Euro.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DRESDEN. Die Anzahl der Christen nimmt in Deutschland zwar ab. Laut der Publizistin Liane Bednarz, Autorin des Buches &#8222;Die Angstprediger&#8220;, gibt es unter ihnen indes einflussreiche Rechte, die in Parteien und Kirchen aktiv sind und vor &#8222;Islamisierung&#8220;, &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; oder &#8222;Genderwahn&#8220; warnen. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber aktuelle Entwicklungen. 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