{"id":3237,"date":"2019-01-23T09:37:55","date_gmt":"2019-01-23T09:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3237"},"modified":"2020-05-22T11:39:26","modified_gmt":"2020-05-22T11:39:26","slug":"alles-was-judisch-ist-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2019\/01\/23\/alles-was-judisch-ist-2\/","title":{"rendered":"Alles, was j\u00fcdisch ist"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3242\" aria-describedby=\"caption-attachment-3242\" style=\"width: 739px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3242 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-1024x682.jpg\" alt=\"Im Leipziger &quot;Haus des Buches&quot; und neuen Domizil des 1982 in Berlin gegr\u00fcndeten Verlags Hentrich &amp; Hentrich: Thomas Schneider, Kaufm\u00e4nnischer und Herstellungsleiter, Verlegerin Nora Pester sowie Lektorin Wilma Sch\u00fctze. Foto: Michael Kunze\" width=\"739\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-300x200.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-250x166.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-624x416.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/IMG_9231-960x640.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3242\" class=\"wp-caption-text\">Im Leipziger &#8222;Haus des Buches&#8220; und neuen Domizil des 1982 in Berlin gegr\u00fcndeten Verlags Hentrich &amp; Hentrich: Thomas Schneider, Kaufm\u00e4nnischer und Herstellungsleiter, Verlegerin Nora Pester (Mitte) sowie Lektorin Wilma Sch\u00fctze. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Verlag Hentrich &amp; Hentrich, spezialisiert auf j\u00fcdische Kultur und Geschichte, ist ein Unikum im deutschen Sprachraum, sagt dessen Chefin. Nun ist er von Berlin nach Leipzig gezogen.<\/p>\n<p>LEIPZIG. Zwei helle R\u00e4ume, tiefe Fenster und Schreibtische, darauf Computer und die W\u00e4nde dicht best\u00fcckt mit Regalen voller B\u00fccher &#8211; so sieht es aus, das neue Leipziger Domizil von Hentrich &amp; Hentrich, dem\u00a0<!--more-->nach eigenen Angaben einzigen eigenst\u00e4ndigen Verlag f\u00fcr j\u00fcdische Kultur und Zeitgeschichte im deutschen Sprachraum. Im Sp\u00e4tsommer 2018 ist er von der Spree an die Plei\u00dfe gezogen.<\/p>\n<p>Mittlerweile hat man sich eingerichtet am traditionsreichen Standort \u201eHaus des Buches\u201c, Gerichtsweg\/Ecke Prager Stra\u00dfe. Bis zur Zerst\u00f6rung 1943 durch Bomben befand sich hier das schmucke Buchh\u00e4ndlerhaus des B\u00f6rsenvereins. Der Verlag zog in R\u00e4ume, die zuvor das 2017 insolvente, auf Kunst und Kunstgeschichte spezialisierte Traditionshaus Seemann-Henschel nutzte.<\/p>\n<p>\u201eHentrich war mehr als drei\u00dfig Jahre in Berlin\u201c, sagt Verlegerin Nora Pester. Seit der Gr\u00fcndung 1982, ab 1998 unter dem heutigen Namen. Doch der Mietvertrag an der Wilhelmstra\u00dfe lief aus. \u201eH\u00e4tten wir zentral in der Hauptstadt bleiben wollen, w\u00e4re eine Mieterh\u00f6hung von 150 Prozent einzuplanen gewesen\u201c, so die 41-J\u00e4hrige. Wegen der schwierigen Verkehrslage und langer Wege sei ein Wechsel an die Berliner Peripherie nicht infrage gekommen, wenngleich wieder eine kleine Dependance an der Spree er\u00f6ffnen soll.<\/p>\n<p><strong>Neustart in einer Stadt, in der das Bewusstsein f\u00fcr das Medium weiter stark ist<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die geb\u00fcrtige Leipzigerin und promovierte Politikwissenschaftlerin, die Hentrich &amp; Hentrich als Nicht-J\u00fcdin im Januar 2010 nach dem Tod des Gr\u00fcnders Gerhard Hentrich (1924-2009) von dessen Sohn Harald, Antiquar in Berlin-Steglitz, \u00fcbernommen hatte, war es eine R\u00fcckkehr in die Heimat. \u201eMeine Herkunft war aber kein Argument\u201c, erkl\u00e4rt sie, der Wechsel aber die Chance zum Neustart in einer Buchstadt, in der das Bewusstsein f\u00fcr dieses Medium weiter stark ist und die bezahlbare R\u00e4ume bietet.<\/p>\n<p>Die dreik\u00f6pfige Mannschaft, die nach Bedarf freiberufliche Grafiker oder Lektoren hinzuzieht und mit einer Handvoll Druckereien kooperiert, bringt j\u00e4hrlich rund 50 Neuerscheinungen heraus \u201e\u00fcber alles, was j\u00fcdisch ist\u201c, so Pester. Von den aktuell etwa 400 lieferbaren Titeln, mit denen zuletzt rund eine halbe Million Euro Umsatz erwirtschaftet wurde, entfallen wenige auf Belletristik. Doch das Spektrum ist weit: Es reicht vom politischen Sachbuch \u00fcber j\u00fcdische Gebets-, Ethiktexte und Ausstellungskataloge bis zu Biografien, Schul-, Kinder- und Jugendliteratur.<\/p>\n<p>Von den konventionellen Verk\u00e4ufen k\u00f6nne ein kleiner Verlag aber kaum mehr leben. Das Werbebudget ist schmal. Zielgruppengenau sortierte B\u00fcchertische bei Veranstaltungen und Mindestabnahmen durch Museen, Stiftungen, Bildungstr\u00e4ger bei konkret vereinbarten Buchprojekten w\u00fcrden immer wichtiger, da der Handel mit hohen Rabattforderungen gewaltig Druck aus\u00fcbe \u2013 ein Los, das weiten Teilen der Verlagswelt zugefallen ist.<\/p>\n<p>Unter den Autoren sind weniger bekannte wie auch namhafte, so der Schriftsteller Stefan Zweig, der Historiker Julius Schoeps oder der einstige Generalsekret\u00e4r des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer. Auch Nichtjuden publizieren; dazu kommen Themen, die \u00fcber das j\u00fcdische Milieu hinausweisen. So erschien 2016 Karl Kardinal Lehmanns Portr\u00e4t \u00fcber den von den Nazis ermordeten Priester und Pazifisten Max Josef Metzger.<\/p>\n<p>Auch regionale Themen sind pr\u00e4sent, etwa in Daniel Ristaus Band \u201eBruchst\u00fccke\u201c, der sich den Novemberpogromen von 1938 in Sachsen widmet. Die Reihe \u201eJ\u00fcdische Miniaturen\u201c verzeichnet eine umfangreiche Brosch\u00fcre \u00fcber die G\u00f6rlitzer Synagoge. Ein anderes Buch stellt den Alten J\u00fcdischen Friedhof in Dresden vor. Dennoch wolle man kein Regionalia-Verlag werden, macht Pester deutlich, die vor Hentrich beim Leipziger Forum-Verlag t\u00e4tig war, bei Passagen in Wien oder Matthes &amp; Seitz in Berlin.<\/p>\n<p><strong>\u00c4ngste nach &#8222;Chemnitz&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>In Sachsen sei man mit offenen Armen empfangen worden. Selbst der Impuls, sich in Leipzig niederzulassen, kam aus dem Freistaat. \u201eEine Zwickauer Hochschulprofessorin\u201c, sagt die Verlegerin, \u201ebrachte mich auf die Idee.\u201c Schnell wurden F\u00fchler in die Messestadt ausgestreckt. Bereits Ende August \u2013 im zeitlichen Kontext zum gewaltsamen Tod eines Chemnitzer Familienvaters, mutma\u00dflich durch Asylbewerber, und den folgenden Ausschreitungen \u2013 konnten die R\u00e4ume bezogen werden. \u201eEiner unserer Autoren\u201c, erg\u00e4nzt sie, \u201eschrieb mir daraufhin, er werde nie wieder einen Fu\u00df auf s\u00e4chsischen Boden setzen.\u201c Dabei sei die Sicherheitslage mit der in Berlin, wo es mitunter vor allem Probleme mit der linksextremistischen Anti-Israel-Lobby gegeben habe, nicht vergleichbar und bis dato viel besser. Darum habe sie sich gefreut, als ein aus Israel stammender anderer Autor damals trotz Bedenken seine Lesereise antrat \u2013 und sich begeistert gezeigt habe von Neugier und Offenheit bei Terminen in Dresden, Leipzig, Zwickau, Bad Muskau.<\/p>\n<p>Was Pester wie viele Verlagsleute auch umtreibt, ist die Sorge um die Lesekompetenz in der Gesellschaft. Die F\u00e4higkeit, l\u00e4ngere Texte zu erfassen, nehme ab. \u201eWir werden zu \u00dcberschriftenscannern.\u201c Darauf b\u00f6ten auch E-Books keine Antwort; diese fehlen \u2013 anders als etwa DVDs von Konzertmitschnitten \u2013 im Programm. Nora Pester mahnt: \u201eWir d\u00fcrfen das Lesen nicht verlernen.\u201c<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verlag Hentrich &amp; Hentrich, spezialisiert auf j\u00fcdische Kultur und Geschichte, ist ein Unikum im deutschen Sprachraum, sagt dessen Chefin. Nun ist er von Berlin nach Leipzig gezogen. LEIPZIG. Zwei helle R\u00e4ume, tiefe Fenster und Schreibtische, darauf Computer und die W\u00e4nde dicht best\u00fcckt mit Regalen voller B\u00fccher &#8211; so sieht es aus, das neue Leipziger&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2019\/01\/23\/alles-was-judisch-ist-2\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Alles, was j\u00fcdisch ist<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,13,10,1,14,8],"tags":[1261,607,1253,120,1266,1260,526,1263,1254,1262,1255,1248,1239,832,1257,1250,1258,1256,62,970,121,1259,927,1246,49,1264,1247,57,1251,1252,1265,1249],"class_list":["post-3237","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-geschichte","category-kultur","category-politik","category-religion","category-wirtschaft","tag-alter-judischer-friedhof-dresden","tag-berlin","tag-borsenverein-des-deutschen-buchhandels","tag-bucher","tag-buchhandel","tag-daniel-ristau","tag-ethik","tag-forum-verlag-leipzig","tag-gerhard-hentrich","tag-gorlitzer-synagoge","tag-harald-hentrich","tag-haus-des-buches","tag-hentrich-und-hentrich","tag-judentum","tag-jugendliteratur","tag-julius-schoeps","tag-karl-lehmann","tag-kinderliteratur","tag-leipzig","tag-linksextremismus","tag-literatur","tag-max-josef-metzger","tag-miete","tag-nora-pester","tag-ostdeutschland","tag-passagen-verlag-wien","tag-sachbuch","tag-sachsen","tag-stefan-zweig","tag-stephan-kramer","tag-verlag-matthes-und-seitz-berlin","tag-verlag-seemann-henschel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3237","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3237"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3237\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3781,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3237\/revisions\/3781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3237"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}