{"id":3306,"date":"2018-07-07T08:46:48","date_gmt":"2018-07-07T08:46:48","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3306"},"modified":"2019-03-28T09:19:09","modified_gmt":"2019-03-28T09:19:09","slug":"nah-an-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2018\/07\/07\/nah-an-den-menschen\/","title":{"rendered":"Nah an den Menschen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3312\" aria-describedby=\"caption-attachment-3312\" style=\"width: 316px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3312\" alt=\"Pater Ansgar Orga\u00df vom Wechselburger Benediktinerpriorat bei einem \u00f6kumenischen Gottesdienst auf dem Rochlitzer Schlossplatz im Jahr 2015. 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Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was Mittelsachsen \u00fcber ihren Landkreis sagen, der vor zehn Jahren gegr\u00fcndet worden ist. Heute: Pater Ansgar, Benediktinerm\u00f6nch und katholischer Pfarrer von Wechselburg und Burgst\u00e4dt.<\/p>\n<p>WECHSELBURG. 25 Jahre ist Pater Ansgar im August in Wechselburg zu Hause, mit wenigen Unterbrechungen &#8211; etwa f\u00fcr sein Theologiestudium Anfang der 1990er-Jahre. Seit 2010 leitet der Benediktinerm\u00f6nch die hiesige katholische Pfarrei, zu der seit 2005 auch Burgst\u00e4dt geh\u00f6rt. Die Zusammenlegung der vormals selbstst\u00e4ndigen Landkreise in mehreren Etappen zu einem gro\u00dfen hat er daher miterlebt.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Verwaltungsreform, die lange die Gem\u00fcter erregte, lie\u00df ihn dennoch einigerma\u00dfen unger\u00fchrt. Zwar stehen auch die Strukturen der katholischen Kirche mangels junger Pfarrer und wegen schrumpfender Gl\u00e4ubigenzahl unter Druck &#8211; auf dem Gebiet der Pfarrei seien nur etwa 1,8 Prozent der B\u00fcrger Katholiken, sachsenweit sind es knapp 4 Prozent. Zur Kreisgebietsreform stand das aber in keiner Verbindung. <!--more-->Ge\u00e4ndert hat sich gleichwohl der Ansprechpartner f\u00fcr das mit Basilika und Kloster verbundene einstige Schloss der Grafen von Sch\u00f6nburg-Glauchau. F\u00fcr das fr\u00fchere Krankenhaus, das sich in Kreisbesitz befindet, haben die M\u00f6nche nach Jahren, in denen es andere Hoffnungen gab, allerdings keine eigenen Pl\u00e4ne mehr.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Allein mit einem Sich-abgrenzen-Wollen k\u00f6nnen wir nicht argumentieren&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Mit Blick auf die Ver\u00e4nderungen seit 2008 kommt der Pater auf sein altes Autokennzeichen &#8211; &#8222;MW&#8220; &#8211; zu sprechen, das er gegen das zun\u00e4chst obligatorische &#8222;FG&#8220; eintauschen musste. &#8222;Mir gefiel das ganz gut, da ich es mir mit &#8218;Monasterium Wechselburgensis&#8216; ausbuchstabiert habe&#8220;, so der 63-j\u00e4hrige Priester schmunzelnd. Die lateinische Formulierung steht f\u00fcr &#8222;Kloster Wechselburg&#8220;. Das Ausma\u00df, das die Nummernschild-Debatte in Mittelsachsen angenommen hatte, sah er allerdings am\u00fcsiert. &#8222;Allein mit einem Sich-abgrenzen-Wollen k\u00f6nnen wir als Katholiken ohnehin nicht argumentieren&#8220;, sagt der Pater.<\/p>\n<p>Zwar tauge ein Kennzeichen dazu, in einer un\u00fcbersichtlicher werdenden Welt Identit\u00e4t, Herkunft, Zugeh\u00f6rigkeit sowie Unterscheidung und Abgrenzung von anderen auszudr\u00fccken. Geografische Identit\u00e4t sei f\u00fcr ihn aber nicht die entscheidende, sagt der in Hamburg geborene Mittelsachsen-&#8222;Zuwanderer&#8220;. F\u00fcr sein Theologiestudium in W\u00fcrzburg, M\u00fcnchen und Erfurt ist er viel gereist. &#8222;Ich f\u00fchle mich da wohl, wo ich angenommen und willkommen gehei\u00dfen werde und wo die, die das nicht k\u00f6nnen, immerhin neugierig sind&#8220;, so der Diplom-Kaufmann, der vor seinem Eintritt in den Benediktinerorden bei der Bundeswehr Wirtschafts- und Organisationswissenschaften studierte.<\/p>\n<p>&#8222;Hinzu kommt, dass mich mein Dienst immer wieder auch im Gro\u00dfkreis in verschiedene Regionen f\u00fchrt&#8220;, sagt der fr\u00fchere Offizier, der 1989\/90 in die oberbayerische Benediktinerabtei Ettal eintrat. Seine Erfahrung: Die Mittelsachsen unterschieden sich in seinen Haupteinsatzregionen kaum voneinander, was kein Widerspruch dazu sei, dass es den Mittelsachsen schlechthin f\u00fcr ihn nicht gebe. Es komme stets aufs Neue darauf an, auf den Einzelnen und seine Situation zu schauen: Pater Ansgar &#8211; sein Ordensname verweist auf den gleichnamigen Erzbischof von Hamburg und Bremen aus dem 9. Jahrhundert &#8211; ist nicht nur Polizei-, sondern auch ehrenamtlicher Notfallseelsorger.<\/p>\n<p>Einerseits ist er also Beistand f\u00fcr Polizisten, beispielsweise nach Eins\u00e4tzen, oder in anderen seelsorgerischen oder psychologischen Fragen. Dabei gehe es etwa um den Umgang damit, wenn ein Polizist im Dienst Gewalt erlebt, angegriffen wurde oder die Waffe eingesetzt hat. Mit m\u00f6glichen Folgen d\u00fcrften Beamte nicht alleingelassen werden.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6nchisches Leben habe sich nicht \u00fcberlebt<\/strong><\/p>\n<p>Anderseits unterst\u00fctzt er Einsatzkr\u00e4fte in den Bereichen D\u00f6beln und Mittweida, wenn diese Angeh\u00f6rigen Trauernachrichten \u00fcberbringen m\u00fcssen. In derartigen Umst\u00e4nden sind f\u00fcr ihn die oft betonten Unterschiede zwischen den Erzgebirgsregionen auf der einen Seite und jenen im Chemnitzer oder Leipziger Umland auf der anderen Seite nicht von Belang. Dann sei Beistand n\u00f6tig, Trost, Innehalten, es w\u00fcrden die gro\u00dfen Fragen des Lebens gestellt. &#8222;Es geht auch darum, niemanden allein zu lassen&#8220;, sagt der durch Zusatzausbildungen qualifizierte M\u00f6nch, der nicht nur dabei seinen christlichen Glauben als Hilfe zum Leben versteht. Erst wenn Verwandte oder Freunde vor Ort seien, ziehe er sich &#8211; nach dem Verweis auf die M\u00f6glichkeit, in Kontakt zu bleiben &#8211; zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Einher geht dieser Dienst mit der besonderen Sichtbarkeit des &#8222;Diensthabenden&#8220;, auch nach zweieinhalb Jahrzehnten Leben im Kloster: Die vier Wechselburger M\u00f6nche fallen auf der Stra\u00dfe immer noch auf. &#8222;Unser schwarzer Habit, die Ordenstracht, erregt Neugier, auch wenn sie \u00fcber die Jahre etwas nachgelassen hat&#8220;, so der Priester. &#8222;Nach wie vor kommt man leicht ins Gespr\u00e4ch&#8220;. Kinder riefen ihm ab und an schelmisch ein &#8222;Halleluja&#8220; oder &#8222;Amen&#8220; hinterher. Mit der Pr\u00e4senz der M\u00f6nche im Landkreis will er mit seinen Mitbr\u00fcdern auch deutlichmachen, dass das m\u00f6nchische Leben sich mit dem Mittelalter nicht erledigt habe &#8211; egal, wo die Kreisgrenzen gezogen werden.<\/p>\n<p>Das &#8222;Nummernschildproblem&#8220; seit dem Abschied von &#8222;MW&#8220; l\u00f6ste er \u00fcbrigens, indem er sich bei der Buchstabenkennung nach dem &#8222;FG&#8220; f\u00fcr &#8222;KW&#8220; entschied, was wiederum f\u00fcr &#8222;Kloster Wechselburg&#8220; steht. Und die Ziffer &#8222;850&#8220; verweist auf das gro\u00dfe Wechselburger Kirchweih- und Ortsjubil\u00e4um in diesem Jahr.<\/p>\n<p><strong>Geb\u00fcrtiger Hamburger bewarb sich einst auch beim Bundesnachrichtendienst<\/strong><\/p>\n<p>Bernhard Orga\u00df, der nach dem Eintritt bei den Benediktinern als Ordensnamen &#8222;Ansgar&#8220; w\u00e4hlte, wurde im Juni 1954 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur trat er in die Panzertruppe der Bundeswehr ein, der er von 1975 bis 1988 angeh\u00f6rte. Orga\u00df wurde Zugf\u00fchrer und Fernmeldeoffizier in einem Bataillonsstab. \u00dcber einen Milit\u00e4rpfarrer kam der Kontakt zur Benediktinerabtei Ettal zustande, zu der Kloster Wechselburg geh\u00f6rt. Dabei h\u00e4tte alles anders kommen k\u00f6nnen: Zun\u00e4chst hatte er sich nach der Bundeswehr beim Bundesnachrichtendienst beworben. Seit Gr\u00fcndung des Ettaler Tochterklosters im Jahre 1993 ist Pater Ansgar in Wechselburg &#8211; &#8222;die l\u00e4ngste Zeit meines Lebens&#8220;, sagt er. Er war zun\u00e4chst Kaplan in Geithain und Bad Lausick und ist heute auch in der berufsethischen Ausbildung angehender Beamter an der Polizeifachschule in Chemnitz t\u00e4tig.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Mittelsachsen \u00fcber ihren Landkreis sagen, der vor zehn Jahren gegr\u00fcndet worden ist. 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