{"id":334,"date":"2013-11-07T13:26:59","date_gmt":"2013-11-07T13:26:59","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/?p=334"},"modified":"2014-02-10T16:27:44","modified_gmt":"2014-02-10T16:27:44","slug":"chemnitz-7-november-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/11\/07\/chemnitz-7-november-2013\/","title":{"rendered":"Chemnitz, 7. November 2013"},"content":{"rendered":"<figure style=\"width: 625px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Christopher Clark (links) und Frank-Lothar Kroll, auf dessen Einladung hin er nach Chemnitz kam. Foto: Michael Kunze.\" alt=\"IMG_5868\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/IMG_5868-1024x682.jpg\" width=\"625\" height=\"416\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Christopher Clark (links) und Frank-Lothar Kroll, auf dessen Einladung hin er nach Chemnitz kam. Foto: Michael Kunze.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Christopher Clark, der\u00a0australische, in Cambridge lehrende und bekannterma\u00dfen germanophile Deutschland-Historiker, hat sich angesagt. Er\u00a0spricht\u00a0an der Technischen Universit\u00e4t \u00fcber sein <!--more-->neues Buch (deutsch: &#8222;Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog&#8220;), das, kaum dass\u00a0es erschienen ist, zum Bestseller wurde. Nicht nur, aber vor allem hierzulande.\u00a0Woran das liegt? Einer der Diskutanten liefert\u00a0nach\u00a0Clarks Vortrag eine m\u00f6gliche Begr\u00fcndung: &#8222;Sie haben\u00a0die Schuld der\u00a0Deutschen am Ausbruch des Ersten Weltkrieges etwas kleiner, die der Briten etwas gr\u00f6\u00dfer gemacht.&#8220;\u00a0Und die Konsequenz daraus, n\u00e4mlich das Buch zu kaufen,\u00a0passt ja auch:\u00a0Viele Deutsche lieben es, wenn ihnen\u00a0Ausl\u00e4nder schmeicheln, sie wollen gefallen. \u00dcber sich selbst urteilten sie im konkreten Fall\u00a0einst weit kritischer, wie Fritz Fischers Buch &#8222;Griff nach der Weltmacht&#8220; zeigte. Fischer hat\u00a0darin 1961 die vorrangige Schuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkriegs\u00a0nachzuweisen versucht,\u00a0die auch im Versailler Vertrag von 1919\u00a0gegen sch\u00e4rfsten Protest aus Deutschland festgehalten worden war. Dabei h\u00e4lt der Australier die\u00a0Kl\u00e4rung der Schuldfrage nach eigenen Worten heute nicht einmal f\u00fcr eine zentrale: &#8222;Es geht nicht mehr darum, den &#8218;richtigen&#8216; zum Schuldigen zu machen&#8220;, sagt er in seinem Vortrag.\u00a0Freilich: Mit seinem Buch hat er\u00a0gerade die Diskussion um eine Neubewertung\u00a0der\u00a0Kriegsschuldfrage angesto\u00dfen,\u00a0er hat\u00a0Deutsche, \u00d6sterreicher und Ungarn\u00a0ein St\u00fcck weit entlastet, die Schuld am Kriegsausbruch stattdessen\u00a0&#8211; mehr als\u00a0dies bislang in seiner Zunft geschah\u00a0&#8211; auf die Schultern von Serben und\u00a0Russen, Franzosen und\u00a0Briten verteilt. Methodisch macht er sich dabei f\u00fcr die von vielen Historikern lange f\u00fcr \u00fcberholt gehaltene Ereignisgeschichte stark,\u00a0deren Deutungskraft ihm\u00a0die Balkankriege der neunziger Jahre, vor allem aber die Anschl\u00e4ge vom\u00a011. September 2001 unter Beweis stellen. Seine These: &#8222;Die Julikrise von 1914 war ein modernes Ereignis&#8220;, die\u00a0Politik damals\u00a0schon multipolar und interaktiv.\u00a0Sozial-, Struktur- oder Gesellschaftsgeschichte erwiesen sich hier als unzul\u00e4nglich, verkennten sie doch beispielsweise die Bedeutung von Zuf\u00e4llen f\u00fcr den Verlauf der Geschichte.\u00a0Ob es nicht aber dennoch zu weit greift, den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zugespitzt als eine Art\u00a0&#8222;Kommunikationspanne&#8220; und\u00a0Abfolge politischer Kurzschl\u00fcsse zu erkl\u00e4ren, steht auf einem anderen Blatt. Dieses reicht Clark denn auch gener\u00f6s weiter an\u00a0zweifelnde\u00a0Kollegen. Beschreiben aber m\u00fcssten sie es schon selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christopher Clark, der\u00a0australische, in Cambridge lehrende und bekannterma\u00dfen germanophile Deutschland-Historiker, hat sich angesagt. 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