{"id":3428,"date":"2019-06-27T09:09:41","date_gmt":"2019-06-27T09:09:41","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3428"},"modified":"2019-07-07T09:32:46","modified_gmt":"2019-07-07T09:32:46","slug":"man-darf-kein-publikum-unterschatzen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2019\/06\/27\/man-darf-kein-publikum-unterschatzen-2\/","title":{"rendered":"&#8222;Man darf kein Publikum untersch\u00e4tzen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>AUGUSTUSBURG\/BERLIN. Schon vor zwei Jahren ist die Soloviolinistin Liv Migdal auf der Waldb\u00fchne in Augustusburg (Kreis Mittelsachsen) aufgetreten und wurde seinerzeit euphorisch vom Publikum gefeiert. In Aue war sie in dieser Saison bei der Erzgebirgischen Philharmonie zu h\u00f6ren. <!--more-->Am 6. Juli musiziert sie nun zur als Benefizkonzert des \u00f6rtlichen <a href=\"http:\/\/www.lions-floeha-augustusburg.de\">Lionsclubs<\/a> ausgerichteten Operettengala, die unter dem Motto &#8222;Zigeunerliebe&#8220; steht, ebenfalls mit dem Auer Orchester. Ein Gespr\u00e4ch mit der Berlinerin \u00fcber ihren Weg zur Musik, das Programm des Abends sowie das Verh\u00e4ltnis zur Region.<\/p>\n<p><em>Sie sind k\u00fcrzlich in der Hamburger Elbphilharmonie aufgetreten; demn\u00e4chst steht die Berliner Philharmonie auf Ihrem Konzertprogramm. Was macht den Reiz einer kleinen B\u00fchne wie in Augustusburg aus?<\/em><\/p>\n<p>Schon vor zwei Jahren war das Publikum au\u00dfergew\u00f6hnlich. Dazu das Gespr\u00e4ch im Nachgang mit dem B\u00fcrgermeister und anderen G\u00e4sten: Mich haben Offenheit, Neugier und W\u00e4rme bewegt. Auch das Wetter war gro\u00dfartig. Ich freue mich sehr auf das Konzert.<\/p>\n<p><em>Was bedeuten die \u00f6rtlichen Umst\u00e4nde f\u00fcr Ihre Vorbereitung?<\/em><\/p>\n<p>Man darf kein Publikum untersch\u00e4tzen, ob es ein gro\u00dfes Auditorium ist oder ein kleines, erfahren oder weniger. Ich sehe meine Aufgabe ein ums andere Mal darin, die Zuh\u00f6rer aus ihrem Alltag zu entf\u00fchren, sie emotional auf eine sch\u00f6ne Achterbahnfahrt mitzunehmen, die nach Ende des Konzerts nachwirkt und sich am sch\u00f6nsten vielleicht sogar derart widerspiegelt, wenn jemand sich dann schwertut, das Erlebte in Worte zu fassen, weil das bei Musik nun einmal nicht immer gelingt.<\/p>\n<p><em>Wie kam der Kontakt in die Region zustande?<\/em><\/p>\n<p>Vor etwa neun Jahren wurde ich angesprochen. Bei einem Privatkonzert in Nordrhein-Westfalen kam ein Gast auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen k\u00f6nnte, im Erzgebirge aufzutreten. Daraufhin kam es zu einer Reihe von Terminen mit der Erzgebirgischen Philharmonie in Aue, allein in dieser Saison drei, und 2017 in Augustusburg.<\/p>\n<p><em>Es war k\u00fcrzlich von einer Art Abschied aus Aue zu lesen, angesichts Ihres vollen Kalenders \u2026<\/em><\/p>\n<p>&#8230; das sah ich auch in der Zeitung und kann es mir nicht recht erkl\u00e4ren. Denn ich hoffe, auch nach Aue wiederkommen zu k\u00f6nnen, selbst wenn das in der H\u00e4ufigkeit, in der es zuletzt der Fall war, sicher nicht klappt. Ich w\u00fcrde mich jedenfalls freuen.<\/p>\n<p><em>Ihr im Jahr 2015 nach schwerer Krankheit verstorbener Vater war Klavierprofessor. Wie sind Sie angesichts dieser Pr\u00e4gung zur Violine gekommen?<\/em><\/p>\n<p>Mein Papa war mein gr\u00f6\u00dfter musikalischer Begleiter. Er hat mich sehr beeinflusst. Dass ich aber im Alter von drei Jahren begonnen habe, Geige zu lernen, hing mit meiner vier Jahre \u00e4lteren Schwester zusammen. Sie war schon dabei \u2013 da konnte ich nicht anders; ich reagierte sehr auf den Klang und musste unbedingt spielen.<\/p>\n<p><em>Spielen Sie auch andere Instrumente?<\/em><\/p>\n<p>Ein wenig Klavier und klassische Gitarre f\u00fcr meinen privaten Seelenfrieden, da ich fr\u00fcher auch Lieder geschrieben habe, die ich dann spielen wollte. Es ist aber kein beachtenswertes Niveau.<\/p>\n<p><em>Das Konzert in Augustusburg steht diesmal unter dem Motto &#8222;Zigeunerliebe&#8220; in Anlehnung an Franz Leh\u00e1rs gleichnamige Operette.<\/em> <em>Spielen Sie selbst Operetten?<\/em><\/p>\n<p>Auf meinem Programm f\u00fcr den Abend steht Maurice Ravels &#8222;Tzigane&#8220;, eine 1924 komponierte Rhapsodie f\u00fcr Violine und Orchester, die mit Themen der Zigeunermusik und deren musikalischer Verarbeitung in zeitgen\u00f6ssischer Manier spielt. Wir kennen das auch von Brahms oder Liszt.<\/p>\n<p><em>Das St\u00fcck ist, anders als man es bei dem Thema erwartet, ganz streng durchkomponiert.<\/em><\/p>\n<p>Das stimmt. \u00dcber etwa zehn Minuten hat es Ravel mit allen Finessen gespickt, technisch herausfordernd, in der Stimmung mal schmelzend, dann sehr rasant.<\/p>\n<p><em>Was geben Sie noch?<\/em><\/p>\n<p>Henryk Wieniawskis dritten Satz aus seinem Violinkonzert d-Moll. Der Komponist und Violinist, 1835 im polnischen Lublin geboren und 1880 in Moskau w\u00e4hrend einer Tournee gestorben, hat damit ein klassisch romantisches St\u00fcck geschrieben, sehr virtuos, mit hohen technischen Anforderungen. Au\u00dferdem bereite ich, falls das Publikum es w\u00fcnscht, noch ein drittes St\u00fcck vor. Worum es sich dabei handelt, wird noch nicht verraten.<\/p>\n<p><em>Wie proben Sie mit dem Orchester angesichts der r\u00e4umlichen Distanz?<\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal macht das jeder f\u00fcr sich \u2013 das Orchester und auch ich. Einen Tag aber werden wir uns treffen und gemeinsam das Programm durchgehen, Tempi abstimmen, dazu die Dynamiken, gewisserma\u00dfen unsere separat vorbereiteten Partien zusammensetzen, damit sie beim Konzert als harmonische Einheit wahrgenommen werden.<\/p>\n<p><em>Wie finden Sie das Anliegen des Lionsclubs, den Abend als Benefizveranstaltung auszurichten? Alle Beteiligten leisten harte Arbeit. Gute Musik muss bezahlt werden.<\/em><\/p>\n<p>Dieses Benefizkonzert ist mir wichtig, auch wenn, wer nur derartige Formate spielte, wohl nicht davon leben k\u00f6nnte. Wie vor zwei Jahren spende ich einen Teil des Erl\u00f6ses der am Abend verkauften CDs. Es gibt immer Leute, denen es schlechtergeht oder die sich in einer Situation befinden, in der sie Hilfe ben\u00f6tigten. Wir d\u00fcrfen sie nicht vergessen.<\/p>\n<p><em>Kommen Sie 2020 wieder?<\/em><\/p>\n<p>Es gab dar\u00fcber noch keine Gespr\u00e4che mit dem Veranstalter. Ich w\u00fcrde mich freuen, da ich die Region liebengelernt habe. So ergibt sich auch die M\u00f6glichkeit, wunderbare Menschen wiederzutreffen, die ich \u00fcber die Jahre kennenlernte.<\/p>\n<p><strong>Liv Migdal<\/strong> wurde 1988 in Herne (Nordrhein-Westfalen) als Tochter des 1948 in Polen geb\u00fcrtigen und sp\u00e4ter nach Schweden emigrierten Pianisten und Professors Marian Migdal geboren. Die Musikerin, deren Schwester Nadia Schauspielerin ist, studierte an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater in Rostock sowie am Mozarteum in Salzburg, jeweils mit Auszeichnung. Im Fr\u00fchjahr erschien ihre CD &#8222;Refuge&#8220; mit Solowerken von Johann Sebastian Bach, Paul Ben-Haim und B\u00e9la Bart\u00f3k. Diesen Sommer f\u00fchren sie Tourneen mit verschiedenen Programmen nach Australien, Frankreich, Norwegen und Schottland.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AUGUSTUSBURG\/BERLIN. Schon vor zwei Jahren ist die Soloviolinistin Liv Migdal auf der Waldb\u00fchne in Augustusburg (Kreis Mittelsachsen) aufgetreten und wurde seinerzeit euphorisch vom Publikum gefeiert. 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