{"id":3452,"date":"2019-09-16T09:38:26","date_gmt":"2019-09-16T09:38:26","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3452"},"modified":"2020-05-07T10:04:36","modified_gmt":"2020-05-07T10:04:36","slug":"aus-einer-andern-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2019\/09\/16\/aus-einer-andern-welt\/","title":{"rendered":"Aus einer andern Welt"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3455\" aria-describedby=\"caption-attachment-3455\" style=\"width: 372px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3455\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-1024x768.jpeg\" alt=\"Der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach hat am 13. September im Dresdener Kulturpalast aus seinem Buch \u00fcber die koptischen Martyrer gelesen, das er nach einer Reise nach \u00c4gypten geschrieben hatte. Er diskutierte dar\u00fcber mit Joachim Hake, dem Direktor der Katholischen Akademie Berlin. Foto: Michael Kunze\" width=\"372\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-300x225.jpeg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-250x187.jpeg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-624x468.jpeg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/82E1D181-2C72-4C75-8A24-60AB5CCA7F57-960x720.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3455\" class=\"wp-caption-text\">Schriftsteller Martin Mosebach (links) las am 13. September 2019 in Dresden aus dem Buch &#8222;Die 21&#8220; \u00fcber christliche Martyrer und diskutierte mit Joachim Hake, Direktor der Katholischen Akademie Berlin. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der B\u00fcchnerpreistr\u00e4ger Martin Mosebach las im Dresdner Kulturpalast aus seinem beklemmenden Reisebuch \u00fcber koptische Martyrer.<\/p>\n<p>DRESDEN. \u00dcber ein ernstes Thema hat der Frankfurter Schriftsteller, B\u00fcchner- und Kleistpreistr\u00e4ger Martin Mosebach am Freitagabend im Dresdner Kulturpalast gesprochen: den Tod von zwanzig \u00c4gyptern und einem Ghanaer \u2013 allesamt Christen, bis auf jenen einen ihrer Herkunft nach Kopten.\u00a0Sie sind 2015 vom Islamischen Staat enthauptet worden \u2013 vor der laufenden Kamera ihrer M\u00f6rder, nur weil sie ebendies waren. Das Video ging um die Welt. Der Katholik Mosebach wollte mehr \u00fcber die Umst\u00e4nde wissen und jene seit der muslimischen Eroberung \u00c4gyptens unter mal gr\u00f6\u00dferem, mal geringerem <!--more-->Druck lebende betr\u00e4chtliche Minderheit, deren Schicksal im Westen kaum bekannt ist.<\/p>\n<p>Das kommt \u2013 neben mangelndem Interesse n\u00f6rdlich des Mittelmeers \u2013 nicht von ungef\u00e4hr; ihre Kirche mit eigenem Papst verlie\u00df die Einheit mit der von Rom lange vor der Orthodoxie, hatte keine Reformation, Gegenreformation, erkennt die Taufe anderer nicht an, sei von der Erwartung der Apokalypse, der Endzeit, wie sie die Bibel schildert, durchdrungen und lebe darauf hin. Insofern ist es kein Zufall, wenn die, die ihr angeh\u00f6ren, den Tod von S\u00f6hnen, Ehem\u00e4nnern, Freunden an einem Strand in Libyen so deuten: Standhaftigkeit im Glauben mehr w\u00fcrdigend als sie das damit verbundene Verbrechen beklagen. Wer das islamische Bekenntnis \u201eEs gibt keinen Gott au\u00dfer Gott. Mohammed ist der Gesandte Gottes\u201c gesprochen h\u00e4tte, w\u00e4re wohl seinem Schicksal entronnen.<\/p>\n<p>Mosebach hat das umgetrieben; vor zweieinhalb Jahren brach er zu einer \u201eReise ins Land der koptischen Martyrer\u201c auf, \u00fcber die er das Buch \u201eDie 21\u201c ver\u00f6ffentlichte. Nun las er auf Einladung von Zentralbibliothek und Katholischer Akademie vor rund sechzig Zuh\u00f6rern daraus vor.<\/p>\n<p>Entstanden ist ein beklemmender, geradezu scheuer, aus der l\u00e4rmenden Gegenwart fortf\u00fchrender Text, der einer Welt n\u00e4herzukommen sucht, die hierzulande fremd (geworden) ist. Mosebach schildert sie nicht glattgezogen, einer Art idyllischem Arkadien entsprungen, das man eher mit solcher Glaubensfestigkeit assoziierte \u2013 wie auf Darstellungen alter Malerei. Er zeigt sie in ihren Widerspr\u00fcchen mit gewaltigen \u00f6kologischen Problemen, verweist auf die Arbeitslosigkeit, die die M\u00e4nner trotz bekannter Gefahren ins Nachbarland zwang, auf st\u00e4dtebauliche W\u00fcsten. Nicht nur die Anzahl der Muslime w\u00e4chst, auch die der Kopten; Kl\u00f6ster platzten aus allen N\u00e4hten, die Religion spiele im Alltag eine gewaltige Rolle. Viele der 21 \u201ekonnten weder lesen noch schreiben\u201c, sagte er. Sie fielen ihren H\u00e4schern in einer Arbeiterunterkunft in die H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Trotz ihres Todes sei bei Hinterbliebenen selten Trauer sp\u00fcrbar: Im Vordergrund gestanden habe die Freude, nun einen F\u00fcrsprecher im Himmel zu wissen. Dass Mosebach, der als Verfechter einer hierarchischen Kirche immer wieder kritisiert wird, ein Signal setzen wollte angesichts vielfacher Ignoranz hierzulande gegen\u00fcber Christen, die in Unterdr\u00fcckung leben, liegt auf der Hand: \u201eDieses Martyrium ist ja etwas anderes als das Abschlachten von Unschuldigen\u201c, sagte er und verwies auf die schon bei Jesus am Kreuz ersichtliche \u201ePassivit\u00e4t des Leidens\u201c, die doch eine bestimmte, unerh\u00f6rte Aktivit\u00e4t zeige.<\/p>\n<p>Kritiker haben ihm vorgeworfen, er \u00fcbernehme \u00fcber Geb\u00fchr das Selbstbild der Kopten, um damit kirchenpolitische Debatten zu beeinflussen. Das kann man so sehen. Dass zur Lesung bei diesem Thema keine f\u00fchrenden Verantwortlichen hiesiger Kirchen zugegen waren, d\u00fcrfte eher den Kritikern solcher Einw\u00fcrfe Recht geben.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der B\u00fcchnerpreistr\u00e4ger Martin Mosebach las im Dresdner Kulturpalast aus seinem beklemmenden Reisebuch \u00fcber koptische Martyrer. 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