{"id":3575,"date":"2020-02-28T07:21:05","date_gmt":"2020-02-28T07:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3575"},"modified":"2020-03-18T07:48:41","modified_gmt":"2020-03-18T07:48:41","slug":"runter-vom-gas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2020\/02\/28\/runter-vom-gas\/","title":{"rendered":"Runter vom Gas!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3576\" aria-describedby=\"caption-attachment-3576\" style=\"width: 203px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3576\" alt=\"Sag mir, wo Du stehst - als Konservativer! Keine ganz einfache Aufgabe, wenn man es mit einem Begriff zu tun hat, der nicht auf eine unverf\u00fcgbare Substanz bezogen ist, sondern in den Zeitl\u00e4uften je verschieden in Relation zu den Umst\u00e4nden definiert wird. Cover: Verlag\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/978-3-525-31117-2_600x600-203x300.jpg\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/978-3-525-31117-2_600x600-203x300.jpg 203w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/978-3-525-31117-2_600x600-250x369.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/978-3-525-31117-2_600x600.jpg 406w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3576\" class=\"wp-caption-text\">Sag mir, wo Du stehst &#8211; als Konservativer! Keine einfache Aufgabe, wenn man es mit einem Begriff zu tun hat, der nicht auf eine unverf\u00fcgbare Substanz bezogen ist, sondern sich \u00fcber die Zeiten wandelt. Cover: Verlag<\/figcaption><\/figure>\n<p>Konservative wollen sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht verweigern, ihn aber verlangsamen, steuern. Ein neuer Sammelband, herausgegeben vom Dresdener Repr\u00e4sentanten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Joachim Klose, und dem einstigen Bundestagspr\u00e4sidenten Norbert Lammert, gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie.<\/p>\n<p>DRESDEN. Was ist konservativ, wer, wozu? Woran l\u00e4sst sich konservative Politik ablesen? Seit selbst der einst dem Maoismus nahestehende baden-w\u00fcrttembergische Gr\u00fcnen-Ministerpr\u00e4sident\u00a0Winfried Kretschmann f\u00fcr &#8222;eine neue Idee des Konservativen&#8220; wirbt, ist Verwirrung \u00fcber diese und andere Fragen\u00a0naheliegend, wird das Dilemma der Konservativen deutlich, die, parteipolitisch jahrzehntelang vorrangig an die Union gebunden, zwischen AfD,\u00a0Gr\u00fcnen\u00a0und &#8211; wie Th\u00fcringen zeigt &#8211; manchmal auch der\u00a0Linkspartei\u00a0zerrieben zu werden\u00a0drohen.<\/p>\n<p>Ein neuer Sammelband, herausgegeben vom s\u00e4chsischen Landesbeauftragten der Adenauerstiftung, Joachim Klose, sowie von Ex-Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert, nimmt nun Anlauf, verlorenes Terrain zur\u00fcckzuerobern. Klose und Lammert suchen nach einem modernen, gar progressiven Konservatismus. Das\u00a0wirkt zun\u00e4chst arg glatt, verdeutlicht aber die Herausforderung, vor <!--more-->der Konservative stehen: dass das, wof\u00fcr sie eintreten, ohne dessen Verh\u00e4ltnis\u00a0zu Innovation nicht zu denken ist und sich\u00a0beides in Abh\u00e4ngigkeit voneinander fortw\u00e4hrend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>So verstanden, sagt das Konservative eher etwas aus \u00fcber die sich weiterentwickelnde\u00a0Einstellung zu gesellschaftlichen, politischen, \u00f6konomischen, technischen, kulturellen Ver\u00e4nderungen \u2013 weniger \u00fcber die eigene Position auf dem jeweiligen Feld. Das Konservative ist selbst Objekt von Ver\u00e4nderung, will aber auch Subjekt sein, realistischerweise ein schwaches. Ziel ist es, Ver\u00e4nderungen &#8222;f\u00fcr alle&#8220; ertr\u00e4glich zu machen, sie also vor allem zu verlangsamen \u2013 im Wissen darum, dass sich Wandel nicht per se unterbinden l\u00e4sst. Darin sieht Lammert einen Unterschied zu Traditionalisten und Reaktion\u00e4ren.<\/p>\n<p>Konservatismus, schreibt er, sei darum &#8222;immer auch modern&#8220; \u2013 andernfalls belanglos. Kritikern, die darin zu viel Zeitgeist-Opportunismus ausmachen, wird schwer\u00a0widersprechen k\u00f6nnen, wer eine so weitgefasste Deutung f\u00fcr das Tor zu Profillosigkeit h\u00e4lt, deren Konsequenz Belanglosigkeit sein kann. L\u00e4ngst ist?<\/p>\n<p>Wenn die Herausgeber den Band also mit &#8222;Balanceakt f\u00fcr die Zukunft&#8220; betiteln, zielt das auf den Kern der Probleme, mit denen sich Konservative auseinanderzusetzen haben, wollen sie relevant bleiben und sich nicht vorrangig\u00a0von Wettbewerbern zuschreiben lassen, wer sie sind.<\/p>\n<p>Hier bietet das Buch reichlich Stoff, wenn auch f\u00fcr jene, die sich mit den Herausforderungen schon l\u00e4nger befassen, manches bekannt ist. Das liegt auch an einigen in der Debatte dauerpr\u00e4senten Autoren: Werner Patzelt etwa, Michael St\u00fcrmer, J\u00f6rg Baberowsi. Hinzu kommen weniger bekannte wie der Chemnitzer Sebastian Liebold, Henry Krause aus Dresden oder die Orban-nahen Zolt\u00e1n Balog und Zolt\u00e1n Szalai. Was aber ist mit den Frauen? Gerade zwei der mehr als zwei Dutzend Texte stammt von weiblicher Hand. Haben sie\u00a0nichts beizutragen, wurden nicht gefragt?<\/p>\n<p>Dabei ist die inhaltliche und politische Bandbreite, ja Distanz nicht nur zwischen den Ungarn und Lammert gewaltig, was das Buch lesenswert und vor dem Hintergrund der\u00a0Angst vor einer &#8222;autorit\u00e4ren Wende&#8220; relevant macht, erst recht nach &#8222;Th\u00fcringen&#8220;.<\/p>\n<p>Soll sich, wer unzufrieden ist, nun erst recht (partei-) politisch engagieren oder &#8222;ins Private&#8220; zur\u00fcckziehen? Wer hier Klarheit f\u00fcr sich schaffen will, findet Antworten, etwa in Eckhard Jesses Text \u00fcber die Frage &#8222;Braucht Deutschland eine bundesweit w\u00e4hlbare, konservative CSU?&#8220;. Denn gesellschaftliche oder politische Ver\u00e4nderungen scheinen sich zu beschleunigen. Der Band arbeitet heraus: Das ist nichts Neues und k\u00f6nnte in der dauergereizten Grundstimmung hierzulande zur Beruhigung taugen. Stattdessen scheinen Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und \u2013 durchaus plausibel begr\u00fcndbar \u2013 der Wunsch nach Grenzen in vielerlei Hinsicht zuzunehmen. Mit dem Festhalten des Status quo ist es nicht getan, schreibt Henry Krause. Das n\u00e4mlich wollte auch Erich Honecker.<\/p>\n<p><em>Joachim Klose\/Norbert Lammert (Hrsg.): Balanceakt f\u00fcr die Zukunft. Konservatismus als Haltung, Verlag Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen 2019, 373 Seiten, 37,99 Euro.<\/em><\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konservative wollen sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht verweigern, ihn aber verlangsamen, steuern. Ein neuer Sammelband, herausgegeben vom Dresdener Repr\u00e4sentanten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Joachim Klose, und dem einstigen Bundestagspr\u00e4sidenten Norbert Lammert, gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie. DRESDEN. Was ist konservativ, wer, wozu? Woran l\u00e4sst sich konservative Politik ablesen? 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