{"id":3894,"date":"2020-08-13T08:53:53","date_gmt":"2020-08-13T08:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3894"},"modified":"2020-10-23T16:54:53","modified_gmt":"2020-10-23T16:54:53","slug":"keine-verpackung-ist-auch-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2020\/08\/13\/keine-verpackung-ist-auch-keine-loesung\/","title":{"rendered":"Keine Verpackung ist keine L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<p>Kunststoff war schon abgeschrieben. Doch den Wert einer guten H\u00fclle macht nicht nur das Coronavirus deutlich. Ein Freitaler Unternehmen will die Herstellung optimieren.<\/p>\n<p>FREITAL. Seit Jahren dr\u00e4ngen Kunden und Politik Konsumg\u00fcterindustrie und Einzelhandel zu Produkten, die bestenfalls ohne Verpackung auskommen \u2013 der Umwelt zuliebe. Wo dies nicht m\u00f6glich ist, zum Beispiel aus hygienischen Gr\u00fcnden, sollen Materialien aus biologisch gut abbaubaren Rohstoffen <!--more-->bei der Konfektionierung helfen. Denn die Verpackungsfrage ist in Konsumgesellschaften eine entscheidende.<\/p>\n<p>Geeignete Antworten daf\u00fcr zu entwickeln, h\u00e4ngt auch von Heizsystemen ab, die energie- wie materialarm, zuverl\u00e4ssig und hygienisch Joghurt, Tabletten, Shampoos und vieles mehr verpacken helfen. Das Unternehmen Watttron, 2016 in Freital im Landkreis S\u00e4chsische Schweiz-Osterzgebirge gegr\u00fcndet, hat ein Matrix-Heizsystem entwickelt, das den Verbrauch von Energie und Material gegen\u00fcber bisherigen Verfahren um rund 30 Prozent senkt. Die Technik, mit der Kunststoff bei der Umformung punktgenau erhitzt wird, ist in der Lage, neben bew\u00e4hrten, aber oft aus zahlreichen Rohstoffen bestehenden und darum schwer recycelbaren Verpackungen auch sogenannte Monomaterialien zu verarbeiten. Diese neuartigen Kunststoffe ohne oder mit nur wenigen Zus\u00e4tzen lassen sich gut wiederverwerten. Einige sind auch biologisch besser abbaubar, m\u00fcssen jedoch teils noch unter Beweis stellen, dass sie sich gleicherma\u00dfen eignen, Produkte sicher und haltbar zu verpacken.<\/p>\n<p>Daran wollte Watttron fr\u00fch gemeinsam mit markterfahrenen Verpackungsmaschinenherstellern arbeiten. Das schlug jedoch fehl. Der kaufm\u00e4nnische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Marcus Stein holte sich einen Korb nach dem andern. \u201eDie Chancen, die in unserer Technologie liegen\u201c, sagt der 31-J\u00e4hrige, \u201ewurden nicht erkannt oder als Konkurrenz wahrgenommen. Man hat wohl gehofft, dass wir bald wieder weg vom Fenster sind.\u201c Mittlerweile stellen sie ihre Technik selbst her, suchten zudem Kontakt zu den Kunden ihrer urspr\u00fcnglich ins Auge gefassten Partner, damit die ihre Verpackungsmaschinen mit der innovativen Freitaler Technik nachr\u00fcsten. Procter &amp; Gamble in den USA oder der britische Reinigungsmittel- und Haushaltswarenhersteller Reckitt Benckiser z\u00e4hlen zu den Kunden.<\/p>\n<p>\u201eDauerhaft derartige Weltkonzerne zu beliefern und Service zu gew\u00e4hrleisten erwies sich bei Wachstum aus eigener Kraft aber als eine Nummer zu gro\u00df\u201c, bekennt Marcus Stein. \u201eWir brauchen finanziellen Spielraum f\u00fcr den globalen Markteinstieg und die Weiterentwicklung der Matrixtechnik zur Serienreife.\u201c Den verschaffen zwei deutsche und ein \u00f6sterreichischer Wagniskapitalgeber, darunter mit Skion ein Unternehmen der reichsten Frau Deutschlands, Susanne Klatten. Zusammen mit dem Technologiegr\u00fcnderfonds Sachsen werden insgesamt 3,4 Millionen Euro bereitgestellt. Das kommt der mittlerweile 30 Mitarbeiter z\u00e4hlenden Firma sehr zupass, die aus dem Institut f\u00fcr Naturstofftechnik der TU Dresden sowie einer Fraunhofer-Einrichtung hervorgegangen ist.<\/p>\n<p>Marcus Stein, der Technische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Sascha Bach (42), Produktionsleiter Ronald Claus von Nordheim (38) sowie die f\u00fcr das operative Gesch\u00e4ft verantwortliche Michaela Wachtel (36) wollen mit Watttron nun \u201eMarktf\u00fchrer f\u00fcr eine Produktkategorie werden, die wir Intelligente Temperiersysteme nennen\u201c, sagt Stein.<\/p>\n<p>Erreicht werden soll das einerseits mit dem Matrix-Heizsystem. Es basiert auf einer d\u00fcnnen Heizplatte aus Keramik. Im Siebdruckverfahren werden Heizkreise aufgetragen. Diese k\u00f6nnen fast beliebig angeordnet werden. Die haltbaren, schmalen Platten lassen sich schnell und \u2013 das ist das Besondere \u2013 punktgenau erhitzen. Integrierte Sensoren erm\u00f6glichen es, die Temperatur in Echtzeit zu steuern. \u201eWir montieren und programmieren die Systeme aus Komponenten, die wir einkaufen, und nehmen sie beim Kunden in Betrieb\u201c, sagt Stein.<\/p>\n<p>Neben der Matrixtechnik, die derzeit Langzeittests durchl\u00e4uft, bauen die Freitaler auf ein Siegelheizsystem, mit dem sie diesen Schritt schon gemeistert haben. Damit k\u00f6nnen Kunststoffe nicht nur in Ringformen zu unterschiedlichen Durchmessern geschwei\u00dft werden, sondern auch mit unregelm\u00e4\u00dfigen Verpackungsgeometrien. Der steigenden Nachfrage f\u00fcr beide Systeme Rechnung tragend, ist der Standort im Gr\u00fcnderzentrum Freital gewachsen. Der Umsatz ist von 100.000 Euro (2016) auf eine Million Euro (2019) gestiegen. F\u00fcr 2020 wird mit 1,5 Millionen Euro kalkuliert. In zwei Jahren sollen Gewinne erwirtschaftet werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend derzeit j\u00e4hrlich rund 100 Heizsysteme die Produktion verlassen, sollen es in f\u00fcnf Jahren zwanzigmal so viele sein \u2013 zun\u00e4chst f\u00fcr Kunden in Europa und Amerika. Mit dem neueingeworbenen Geld sollen die Gesch\u00e4ftsbeziehungen auf dem amerikanischen Markt stabilisiert, die Erschlie\u00dfung Asiens soll begonnen werden. Neben dem Verpackungssektor seien die Temperiersysteme in der Chemischen Industrie und der Biotechnologie einsetzbar, in der 3D-Elektronik oder Medizintechnik.<\/p>\n<p>Die Belegschaft soll deshalb bis 2024 auf mindestens 65 Mitarbeiter wachsen, vor allem mit Elektronikern, Technologen sowie Fachkr\u00e4ften f\u00fcr Qualit\u00e4tsmanagement. Um einen \u00fcber Europa hinaus belastbaren Vertrieb mit Service aufzubauen, soll mit Maschinenbauern und regionalen Wartungsfirmen kooperiert werden. Impulse erhofft sich die Firma auch von der f\u00fcr die Branche bedeutenden Messe Interpack in D\u00fcsseldorf, die wegen Corona auf 2021 verschoben wurde. Dort wollen die Verpackungsfachleute der Fachwelt vorf\u00fchren, dass Watttron reif ist f\u00fcr den gro\u00df angelegten Markteintritt.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunststoff war schon abgeschrieben. Doch den Wert einer guten H\u00fclle macht nicht nur das Coronavirus deutlich. Ein Freitaler Unternehmen will die Herstellung optimieren. FREITAL. Seit Jahren dr\u00e4ngen Kunden und Politik Konsumg\u00fcterindustrie und Einzelhandel zu Produkten, die bestenfalls ohne Verpackung auskommen \u2013 der Umwelt zuliebe. 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