{"id":3911,"date":"2020-11-12T08:30:41","date_gmt":"2020-11-12T08:30:41","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3911"},"modified":"2021-01-27T14:43:33","modified_gmt":"2021-01-27T14:43:33","slug":"der-katholische-beitrag-zum-christlichen-friedensseminar-koenigswalde-eine-skizze-fuer-die-jahre-bis-1989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2020\/11\/12\/der-katholische-beitrag-zum-christlichen-friedensseminar-koenigswalde-eine-skizze-fuer-die-jahre-bis-1989\/","title":{"rendered":"Der katholische Beitrag zum Christlichen Friedensseminar K\u00f6nigswalde &#8211; eine Skizze f\u00fcr die Jahre bis 1989"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3912\" aria-describedby=\"caption-attachment-3912\" style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3912 size-full\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-scaled.jpg 2560w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-370x247.jpg 370w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-768x512.jpg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9367-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3912\" class=\"wp-caption-text\">In der Jakobikirche des heutigen Werdauer Ortsteils K\u00f6nigswalde tagte das weit \u00fcber S\u00fcdwestsachsen hinaus bekannte Christliche Friedensseminar seit 1979. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eHoffnung\u201c, hatte V\u00e1clav Havel einst gesagt, \u201eist nicht die \u00dcberzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Diese Hoffnung hat viele Menschen, die in der DDR mit der gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit unzufrieden waren, angetrieben \u2013 auch im S\u00fcdwesten des heutigen Freistaats Sachsen, im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt, Kreis Werdau.<\/p>\n<p>So sammelten sich in K\u00f6nigswalde, heute ein Werdauer Ortsteil, am 19. Mai 1973 erstmals 28 Teilnehmer<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, um dem evangelischen <!--more-->Pfarrer Rudolf Albrecht zuzuh\u00f6ren. In seinem Vortrag sprach er \u00fcber \u201eFrieden schaffen ohne Waffen \u2013 was spricht daf\u00fcr?\u201c Initiator des aus dieser Zusammenkunft hervorgehenden Christlichen Friedensseminars, das fortan jeweils in Fr\u00fchjahr und Herbst Jahr f\u00fcr Jahr bis 2019 tagte, war Hansj\u00f6rg Weigel (1943 bis 2020), geboren in Chemnitz, seit 1945 wohnhaft in K\u00f6nigswalde, ausgebildeter Kraftfahrzeugelektriker, verheiratet, Vater. \u201e\u201aStaatsfeindliche Hetze\u2018 brachte ihn 1980 drei Monate in Untersuchungshaft.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Obwohl er zun\u00e4chst in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) Gruppenratsvorsitzender geworden war und in der paramilit\u00e4rischen Gesellschaft f\u00fcr Sport und Technik (GST) Schie\u00dfausbilder, sich 1961 freiwillig zum Dienst an der Waffe meldete (aber abgelehnt wurde), verweigerte er zwei Jahre sp\u00e4ter den Waffendienst und trat 1966\/67 aus Gewissensgr\u00fcnden als Bausoldat an.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Am 29. April 2020 starb Weigel im Alter von 77 Jahren.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Ausgangspunkt des ersten Friedensseminars im Mai 1973 war der Wunsch der Teilnehmer, ihre Bausoldatenzeit zu verarbeiten, daraus f\u00fcr das eigene Leben nach Dienstzeitende Konsequenzen abzuleiten, dies in Gemeinschaft und auf christlicher Grundlage zu tun und jenen, die f\u00fcr sich erwogen, k\u00fcnftig Bausoldaten zu werden, geistiges, geistliches und gegen\u00fcber Dritten jedweder Couleur (etwa staatlichen Stellen) argumentatives R\u00fcstzeug zu geben. \u201eAb 1979 tagte das Seminar in der Dorfkirche. Die Teilnehmerzahl stieg \u2013 vor allem nach Einf\u00fchrung des Wehrkundeunterrichts \u2013 dramatisch an. Am 1. Mai 1980\u201c, so Hansj\u00f6rg Weigel in einem Vortrag, den er im Wintersemester 2004\/05 an der TU Chemnitz hielt, \u201etrafen sich evangelische und katholische Jugendliche zum ersten Friedensgebet in K\u00f6nigswalde\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Beim Herbstseminar 1982 wurden bereits rund 550 Teilnehmer gez\u00e4hlt \u2013 vielen, die sich angemeldet hatten, musste wegen \u00dcberf\u00fcllung abgesagt werden.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p><strong>Lebendige \u00d6kumene<\/strong><\/p>\n<p>Den \u00f6kumenischen Seminarcharakter, der auch auf die Teilnahme konfessionell Ungebundener setzte, hat Hansj\u00f6rg Weigel, selbst als junger Erwachsener evangelisch-lutherisch getauft, zeit seines Lebens gewollt und gef\u00f6rdert. Das Friedensseminar gewann \u201esowohl kirchlich als auch grenz\u00fcberschreitend an \u00f6kumenischer Weite. Katholische Christen arbeiteten verst\u00e4rkt mit und setzten dabei ganz eigene Akzente\u201c, hei\u00dft es in der Selbstdarstellung des Seminars<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>, das sich auch \u00f6kologischen, \u00f6konomischen und friedensethisch-gesellschaftspolitischen Fragen widmete.<\/p>\n<p>Zwar blieb die Anzahl der teilnehmenden Katholiken immer eine kleine Minderheit, doch trug diese auf unterschiedlichen Feldern direkt oder indirekt liturgische, kulturelle und dar\u00fcber hinausreichende Elemente bei. Aus der Pfarrei St. Franziskus zu Crimmitschau kam ein Gro\u00dfteil der r\u00f6misch-katholischen \u201eSeminaristen\u201c \u2013 nicht von ungef\u00e4hr. Die r\u00e4umliche N\u00e4he half gewiss. Doch trugen auch die dortigen Priester dazu bei, junge Leute aus ihren Reihen zu motivieren \u2013 etwa Andreas und Angela Bayer oder Paul Gr\u00fcnler.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Auch aus der benachbarten Pfarrei St. Bonifatius in Werdau nahmen wiederholt Interessierte teil.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Mit Pfarrer Joachim Wenzel (1925 bis 2005)<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> sowie Kaplan Michael Wyppler (1949 bis 2019)<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> standen zwei durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) gepr\u00e4gte Priester der Region den K\u00f6nigswalder Anliegen besonders aufgeschlossen gegen\u00fcber. Wenzel war von 1961 bis 1990 in Crimmitschau Pfarrer und blieb nach Eintritt in den Ruhestand in der Stadt. Wyppler wirkte nach seiner Priesterweihe von 1978 bis 1981<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> bei Wenzel, sp\u00e4ter als dessen Nachfolger bis 2003. Vor allem Wyppler wurde ein engagierter Wegbereiter von katholischer Seite. Von Mai 1979 an nahm er am Seminar teil. Er, Weigel sowie Paul Gr\u00fcnler trugen ma\u00dfgeblich zum Zustandekommen der \u00f6kumenischen Friedensgebete in K\u00f6nigswalde bei, zu denen erstmals am 1. Mai 1980 geladen wurde. Fortan stets an jenem \u201eKampf- und Feiertag der Werkt\u00e4tigen\u201c, wie er von offizieller Stelle hie\u00df, sowie an einem Sonntag um den 1. September fanden sie in der K\u00f6nigswalder Kirche statt.<\/p>\n<p><strong>Die Sehnsucht nach N\u00e4he in Abendmahl und Eucharistie war gro\u00df, die Praxis umstritten<\/strong><\/p>\n<p>Seitdem geh\u00f6rten dem \u201eVorbereitungskreis\u201c, jenem Gremium, das die Wochenenden jeweils inhaltlich und organisatorisch konzipierte, auch Katholiken an.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Abgeschlossen wurde jedes Seminar \u201emit einem \u00f6kumenischen Gottesdienst am Sonntagvormittag, und es b\u00fcrgert[e] sich ein, hier abwechselnd je einen evangelischen und einen katholischen Geistlichen predigen zu lassen\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Die katholische Beteiligung zeigte sich nicht nur im Wechsel des Priesters in Liturgie und Predigt mit dem evangelischen Amtsbruder. \u201eSelbst f\u00fcr Abendmahl und Eucharistie wurde eine Form entwickelt, die zeitgleich unter einem gemeinsamen Dach gefeiert werden konnte. Die Katholiken empfingen die Hostie am Altarplatz, f\u00fcr die Protestanten wurden Brot und Wein durch die Reihen gereicht.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Das sorgte in der katholischen Kirche auch f\u00fcr Kritik. Konrad Liebster, von 1972 bis 1986 katholischer Pfarrer in Werdau<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>, beschwerte sich \u00fcber die liturgische Praxis beim Bischof von Dresden-Mei\u00dfen, Gerhard Schaffran (1912 bis 1996). Infolgedessen musste sie modifiziert werden (wozu sich\u00a0laut Auskunft von Leiterin Birgit Mitzscherlich vom 19. Juni 2020 &#8222;keine Nachweise&#8220; im Archiv der Di\u00f6zese Dresden-Mei\u00dfen finden). Die Katholiken zogen nun \u201enach der Predigt zur Eucharistiefeier aus der Kirche\u201c. Angeh\u00f6rige beider Konfessionen solidarisierten sich daraufhin und schlossen sich der jeweils anderen Feier an.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Das soll den Bischof gegen\u00fcber Pfarrer Wenzel zum Einlenken bewogen haben.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> \u201eAbendmahl und Eucharistie durften seit Oktober 1981 wieder zeitgleich in der Kirche gefeiert werden.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p>Nach Hansj\u00f6rg Weigels Tod und dem Entschluss seiner Mitstreiter, das Seminar einzustellen, ver\u00f6ffentlichte der Vorbereitungskreis eine Erkl\u00e4rung. \u201eDankbar\u201c, hie\u00df es darin, \u201esind wir auch f\u00fcr die \u00f6kumenischen Gottesdienste mit dem Agapemahl, das uns konfessions\u00fcbergreifend miteinander verbunden hat.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Andreas Bayer aus Crimmitschau war einer jener Katholiken, die das Friedensseminar ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt hat; seit circa 1979 nahm er teil: \u201eMein erstes Seminar war f\u00fcr mich ein einschneidendes Erlebnis\u201c, so Bayer in der R\u00fcckschau. Er geh\u00f6rt zur Pfarrei St. Franziskus.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Die gemeinsame Feier von \u201eAbendmahl und Kommunion\u201c war und blieb f\u00fcr ihn \u201eein wesentlicher Schritt nach vorn\u201c, schrieb der gelernte Tischler auf Fragen, die er mit seiner ebenfalls katholischen und jahrelang im Seminar engagierten Ehefrau Angela auf Bitten des Autors beantwortete. Was ihn an K\u00f6nigswalde faszinierte, war die \u201eArt, sich in einer Kirche zu begegnen und vor allem Begegnung wirklich zu erleben und nicht nur als Ideal vor sich herzutragen\u201c.<\/p>\n<p>Das Ehepaar nahm bis 1990 \u201esehr regelm\u00e4\u00dfig\u201c an Seminaren teil, \u201esp\u00e4ter \u2026 zeitbedingt seltener\u201c, schrieb Angela Bayer, die im Alter von circa 14 Jahren um das Jahr 1980 dazu stie\u00df. Die gelernte Krankenschwester<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> war dann bis circa 1985 im Vorbereitungskreis, ihr Ehemann ebenfalls kurzzeitig. Die Anzahl der Katholiken, die zu den Seminaren kam, war zwar \u201eimmer sehr gering\u201c, Angela Bayer nannte maximal etwa 15 in den Jahren vor 1989\/90 \u2013 vorrangig Sch\u00fcler, Jugendliche, Auszubildende.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a>\u00a0Dass es nicht mehr waren, hing zweifellos mit der Diasporasituation der Katholiken in der Region zusammen, nach Meinung der beiden Crimmitschauer aber auch damit, dass viele ihrer Konfessionsgeschwister in der DDR eine eher unpolitische Einstellung an den Tag legten. Ihre katholische Pfarrei beschrieben sie durch \u201eArbeiter, Umsiedler und kaum durch Intellektuelle gepr\u00e4gt\u201c, doch mit lange vorhandener \u201ebesondere[r] \u00f6kumenische[r] Ausrichtung\u201c.<\/p>\n<p><strong>Kreuzweg, Impulsreferate, Bildhauerei, Gesang<\/strong><\/p>\n<p>Der katholische Beitrag beschr\u00e4nkte sich dabei nicht auf die Mitgestaltung \u00f6kumenischer Gottesdienste und Friedensgebete, auch wenn sie von zentraler Bedeutung waren. Bei den Fr\u00fchlingsseminaren 1981 und 1985 hielt mit dem geb\u00fcrtigen Magdeburger Joachim Garstecki zweimal ein Katholik das Einf\u00fchrungsreferat. Garstecki hatte 1960 bis 1965 in Erfurt katholische Theologie studiert. Ab 1971 wirkte er als katholischer \u201eGastarbeiter\u201c und Studienreferent f\u00fcr Friedensfragen im Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in Ost-Berlin.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Garstecki sprach 1981 \u00fcber \u201eErziehung zum Frieden\u201c und machte dazu f\u00fcnf Vorschl\u00e4ge: von der Negation zur Position gelangen; eine Sprache des Friedens w\u00e4hlen; Raumlassen f\u00fcr Alternativen in Denken, Urteilen, Handeln; die gesellschaftliche Umgebung beeinflussen; Sicherheit nicht gegen Andere, sondern mit ihnen \u2013 nichts davon hat an Relevanz verloren. 1985 referierte er \u00fcber \u201eGewaltfreiheit im Friedensdienst\u201c. Dabei ging er von der Pr\u00e4misse aus, dass Frieden nicht mit Gewalt zu erreichen sei, Sicherheit also nicht \u201eerr\u00fcstet werden kann\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>Seit 1987 lud das Seminar wiederholt \u2013 und zus\u00e4tzlich zu den beiden j\u00e4hrlichen Wochenenden \u2013 zu Kleinen Konzilien ein. Vom 6. bis 9. April 1989 fand die dritte derartige Zusammenkunft statt \u2013 mit mehreren Dutzend Teilnehmern, die aus der DDR, der Bundesrepublik, Polen, der Tschechoslowakei, aber auch aus dem nichtsozialistischen Ausland stammten. Dabei wurde zu einem \u201eGespr\u00e4chsweg\u201c geladen, der an einen katholischen Kreuzweg erinnerte und bei dem unter hohem pers\u00f6nlichen Risiko f\u00fcr die von der Stasi \u00fcberwachten Teilnehmer, bei Gebet und mit Kurzinformationen, neuralgische Punkte in der Umgebung abgeschritten wurden: darunter der GST-\u00dcbungsplatz, Schie\u00dfst\u00e4nde der Volkspolizei, ein \u00dcbungsplatz der Nationalen Volksarmee, Absetzteiche der Wismut-Uranw\u00e4sche, eine M\u00fclldeponie, ein \u201eFremdarbeiter\u201c-Grab, ein Denkmal f\u00fcr Weltkriegstote. Die \u00f6kumenischen Andachten w\u00e4hrend des konziliaren Treffens \u201ewurden durch polnisch-katholische und russisch-orthodoxe Elemente mitgepr\u00e4gt\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a>.<\/p>\n<p>Katholiken leisteten zudem k\u00fcnstlerische Beitr\u00e4ge: So stellte beim Herbstseminar 1983 die mit dem 1977 nach Regimekritik aus der DDR ausgeb\u00fcrgerten Schriftsteller Reiner Kunze befreundete Greizerin Elly-Viola Nahmmacher (1913 bis 2000) Holzplastiken in der Kirche aus. Werke von ihrer Hand sind in zahlreichen Gottesh\u00e4usern \u00fcber Sachsen und Th\u00fcringen hinaus vertreten, etwa in der katholischen St.-Bonifatius-Kirche zu Werdau. Zwei Jahre nach ihr kam der Dresdener Bildhauer Friedrich Press (1904 bis 1990) mit einer Auswahl Plastiken nach K\u00f6nigswalde.<\/p>\n<p>Auch wenn nun, nach 47 Jahren und 93 Veranstaltungen, nach Hansj\u00f6rg Weigels Tod das Seminar nicht fortgef\u00fchrt<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> wird, bleibt Teilnehmern auch die Erinnerung an das Jahr 1989. Beim Herbstseminar mit dem Motto \u201e40 Jahre DDR \u2013 was war, was ist, was wird?\u201c \u00fcberstiegen die mehr als 600 Teilnehmer alle organisatorischen M\u00f6glichkeiten. Die Tagung wurde flankiert von Berichten \u00fcber die damaligen Demonstrationen in Dresden, Karl-Marx-Stadt und Plauen, \u00fcber die Gr\u00fcndungsversammlung der DDR-Sozialdemokratie und das Neue Forum, dessen Mitgr\u00fcnder Martin B\u00f6ttger anwesend war \u2013 wie auch der sp\u00e4tere lutherische Landesbischof Volker Kre\u00df. \u201eAbends sangen die Dresdner Kapellknaben\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>, Angeh\u00f6rige des katholischen Kathedralchors. \u201eDie Brisanz vor dem Mauerfall war deutlich zu sp\u00fcren, auch in K\u00f6nigswalde war die Stimmung aufgeladen, die Diskussionen wurden noch offener gef\u00fchrt\u201c, schrieb Angela Bayer. Irritierend sei f\u00fcr sie die Teilnahme von Leuten gewesen, \u201edie auf den \u201aWendezug\u2018 aufgesprungen sind und sich dort als politische Aktivisten profilieren wollten. Aber das war in dieser Zeit ja an vielen Orten der Fall.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Verm\u00e4chtnis<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt f\u00fcr katholische Protagonisten von K\u00f6nigswalde? \u201eDas Friedensseminar bezeichne ich als meine Lebensschule: politisch, friedlich, fromm\u201c, so Angela Bayer. F\u00fcr ihren Mann bleiben \u201edie Freude am Formulieren der eigenen Meinungen und Gedanken; der Mut, vor gro\u00dfer Runde zu sprechen; die Bereitschaft querzudenken; der Reiz der Subversion; eine christliche Gemeinschaft, die ganz nahe am Leben ist, und die F\u00e4higkeit, andere Meinungen auszuhalten\u201c. Hansj\u00f6rg Weigel hatte darauf hingewiesen, dass Demokratie Arbeit macht, Verantwortung erfordert. Schon am 3. November 1989 hatte er beim ersten Friedensgebet in Werdau gesagt: \u201eAuch der politische Gegner ist zu achten, er ist ein Mensch, der politische Verantwortung mitzutragen bereit ist.\u201c Aber auch festgehalten: \u201eBeifall blieb aus.\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Doch \u201eSeminar\u201c sei \u201ePflanzschule\u201c. In K\u00f6nigswalde wurde Samen ausgestreut und in den Boden gebracht, unter katholischer Beteiligung und mit Havels Hoffnung.<a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Text ist auch in den &#8222;S\u00e4chsischen Heimatbl\u00e4ttern&#8220;, 66. Jahrgang, Heft 4 (2020), S. 423-427, erschienen.<\/strong><\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitiert nach: Kluge, Matthias: \u201eBleibe im Lande und wehre dich t\u00e4glich\u201c, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Friedliche Revolution und deutsche Einheit. S\u00e4chsische B\u00fcrgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2006, S. 62-74, hier: S. 68.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Auf der Internetseite des Friedensseminars ist von 26 Teilnehmern die Rede: <a href=\"http:\/\/www.friedensseminar.de\/index.php?nr=3&amp;goto=Vorstellung.htm\">http:\/\/www.friedensseminar.de\/index.php?nr=3&amp;goto=Vorstellung.htm<\/a>, Abruf am 25.9.2020. \u201e\u2026 vorausgegangen sind viele Abende in der Jungen Gemeinde und intensive Wochenenden im nahegelegenen R\u00fcstzeitenheim, die sich immer wieder mit Problemen des Wehrdienstes, der Wehrdienstverweigerung, christlicher Friedensarbeit und des gesellschaftlichen Engagements besch\u00e4ftigten, solange bis eben daraus der Wunsch entstand, dies in seminaristischer Arbeit und mit Hilfe von qualifizierten Referenten fortzuf\u00fchren \u2026 unter dem Dach der Kirche und im Schutz des damaligen Gemeindepfarrers Klaus Albers.\u201c Ebenda.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Jesse, Eckhard: Hansj\u00f6rg Weigel, in ders. (Hrsg.): Friedliche Revolution und deutsche Einheit. S\u00e4chsische B\u00fcrgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2006, S. 261-262, hier: S 261. Verurteilt worden war er zun\u00e4chst zu 18 Monaten Freiheitsentzug ohne Bew\u00e4hrung \u2013 wie vorher von MfS-Chef Erich Mielke festgelegt. Auf \u00f6ffentlichen Druck hin, der evangelischen Kirche und auch aus Westdeutschland, wurde die Strafe sp\u00e4ter zu zwei Jahren auf Bew\u00e4hrung ausgesetzt und Weigel im August 1980 entlassen. Vgl. Martin-Luther-King-Zentrum f\u00fcr Gewaltfreiheit und Zivilcourage (Hrsg.): Raum f\u00fcr G\u00fcte und Gewissen. Das christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt\/DDR 1973-1990. Berichte, Bild- und Tondokumente, Werdau 2004, S. 76.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. zu seinem Werdegang: Weigel, Hansj\u00f6rg: \u201eMan wandelt nur das, was man annimmt\u201c, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Friedliche Revolution und deutsche Einheit. S\u00e4chsische B\u00fcrgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2006, S. 156-167, hier: S. 156-158. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr seinen Einstellungswandel gegen\u00fcber dem SED-Staat k\u00f6nnen hier nicht wiedergegeben werden. An anderer Stelle ist dies bereits wiederholt dargelegt worden. Vgl. statt vieler: Kluge, Matthias: Das Christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde bei Werdau. Ein Beitrag zu den Urspr\u00fcngen der ostdeutschen Friedensbewegung in Sachsen, Leipzig 2004.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Freie Presse (Lokalteil Werdau) vom 4. Mai 2020, <a href=\"https:\/\/www.freiepresse.de\/zwickau\/werdau\/hansjoerg-weigel-verstorben-artikel10785757\">https:\/\/www.freiepresse.de\/zwickau\/werdau\/hansjoerg-weigel-verstorben-artikel10785757<\/a>, Abruf am 11.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Weigel, Hansj\u00f6rg: \u201eMan wandelt nur das, was man annimmt\u201c, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Friedliche Revolution und deutsche Einheit. S\u00e4chsische B\u00fcrgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2006, S. 158-159. Laut einer Stellungnahme des Vorbereitungskreises des Friedensseminars vom 29. August 2020 soll an den Friedensgebeten festgehalten werden; vgl. <a href=\"http:\/\/www.friedensseminar.de\/download\/Wort%20des%20Vorbereitungskreises.pdf\">http:\/\/www.friedensseminar.de\/download\/Wort%20des%20Vorbereitungskreises.pdf<\/a>, Abruf am 25.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Martin-Luther-King-Zentrum f\u00fcr Gewaltfreiheit und Zivilcourage (Hrsg.): Raum f\u00fcr G\u00fcte und Gewissen. Das christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt\/DDR 1973-1990. Berichte, Bild- und Tondokumente, Werdau 2004, S. 102.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Wie Link in Anm. 2.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Kluge, Matthias: Die Blume aus dem Stahlhelm. Das Friedensseminar K\u00f6nigswalde als Kristallisationspunkt einer alternativen Gegen\u00f6ffentlichkeit in der DDR, Dresden 2017, S. 58.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Nach Auskunft von Pfarrer Werner Klose (geboren 1940), von 1988 bis 2011 Pfarrer von St. Bonifatius zu Werdau, Telefonat vom 28.8.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. den Nachruf auf <a href=\"http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/pfarreien-aktuell\/aktuelle-informationen\/a2005\/pfarrer-wenzel-verstorben.htm\">http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/pfarreien-aktuell\/aktuelle-informationen\/a2005\/pfarrer-wenzel-verstorben.htm<\/a>l, Abruf am 25.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. den Nachruf auf <a href=\"http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/pfarreien-aktuell\/aktuelle-informationen\/a2019\/pfarrer-i-r-michael-wyppler-verstorben.html\">http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/pfarreien-aktuell\/aktuelle-informationen\/a2019\/pfarrer-i-r-michael-wyppler-verstorben.html<\/a>, Abruf am 25.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Nach Auskunft von Andreas Bayer, der nach eigenen Angaben als Jugendlicher durch Kaplan Wyppler auf das Friedensseminar aufmerksam gemacht worden ist.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Martin-Luther-King-Zentrum f\u00fcr Gewaltfreiheit und Zivilcourage (Hrsg.): Raum f\u00fcr G\u00fcte und Gewissen. Das christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt\/DDR 1973-1990. Berichte, Bild- und Tondokumente, Werdau 2004, S. 70.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Wie Anm. 7.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Wie Anm. 14.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/gemeinde-st-bonifatius-werdau\/geschichte\/priestergalerie.html\">http:\/\/www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de\/gemeinde-st-bonifatius-werdau\/geschichte\/priestergalerie.html<\/a>, Abruf am 26.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Angela Bayer berichtete: Mit Horst Hoffmann (gestorben 1990), katholischer Dekan und Pfarrer von St. Johann Nepomuk (Zwickau), \u201ewar ein Treffen mit dem Vorbereitungskreis geplant, um die Situation zu kl\u00e4ren. Dieser Termin wurde wegen Krankheit des Dekans sehr kurzfristig abgesagt. F\u00fcr uns katholische Mitglieder des Vorbereitungskreises war das ein schwerer Schlag. Wir waren damals sehr jung \u2013 zwei M\u00e4dchen von circa 15 und 16 Jahren, vielleicht ein wenig \u00e4lter \u2013 und daher ein St\u00fcck weit unbefangen. Wir fuhren sofort \u2026 mit dem Moped nach Zwickau, um Dekan Hoffmann \u201azur Rede zu stellen\u2018, warum er das Treffen abgesagt hatte. \u2026 Wir traten [gegen\u00fcber der Haush\u00e4lterin] vehement auf \u2026 Daraufhin kam Dekan Hoffmann, stark erk\u00e4ltet und wahrscheinlich fiebernd, an die T\u00fcr. \u2026 Allerdings mussten wir einsehen, dass er wirklich krank war. \u2026\u00a0 Wenn ich mich nicht t\u00e4usche, kam das Treffen sp\u00e4ter nicht mehr zustande. \u2026 Es wurde den katholischen Priestern untersagt, diese Form des gemeinschaftlichen Mahlhaltens weiterzuf\u00fchren. Das war ein sehr herber Schlag f\u00fcr den Vorbereitungskreis und viele der Teilnehmer. \u2026 F\u00fcr gro\u00dfe Teile der [katholischen] Crimmitschauer Gemeinde hatte das Verbot keine negative Bedeutung.\u201c Alle direkten und indirekten Zitate von Angela und Andreas Bayer im Text stammen aus einer achteinhalbseitigen Stellungnahme zu 19 Fragen des Autors, der f\u00fcr die umfangreiche Auskunft dankt.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Wie dieses Einlenken ausgesehen hat, ist aus erster Hand nicht \u00fcberliefert. Michael Gehrke, von 2003 bis 2015 katholischer Pfarrer in Crimmitschau und ebenfalls im Friedensseminar engagiert, berichtet in einem Gespr\u00e4ch mit dem Autor vom 13. Mai 2020 \u00fcber eine fr\u00fchere Unterredung mit Joachim Wenzel. Dieser habe ihm seinerzeit mitgeteilt, Bischof Schaffran wollte Wenzel in einem Telefonat \u00fcberzeugen, k\u00fcnftig von der kritisierten liturgischen Praxis in K\u00f6nigswalde abzusehen. Wenzel habe das abgelehnt. Daraufhin soll Schaffran ver\u00e4rgert das Telefonat beendet haben, ohne dass es zu Konsequenzen kam.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Wie Anm. 14.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.friedensseminar.de\/download\/Wort%20des%20Vorbereitungskreises.pdf\">http:\/\/www.friedensseminar.de\/download\/Wort%20des%20Vorbereitungskreises.pdf<\/a>, Abruf am 25.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> K\u00fcrzlich wurde diese mit neun weiteren s\u00fcdwests\u00e4chsischen Pfarreien zur Pfarrei Heilige Familie zusammengelegt. Vgl. <a href=\"https:\/\/www.freiepresse.de\/zwickau\/zwickau\/westsachsens-katholiken-gruenden-neue-grosspfarrei-artikel11111969\">https:\/\/www.freiepresse.de\/zwickau\/zwickau\/westsachsens-katholiken-gruenden-neue-grosspfarrei-artikel11111969<\/a>, Abruf am 26.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. zu den Berufsangaben des Ehepaars: Martin-Luther-King-Zentrum f\u00fcr Gewaltfreiheit und Zivilcourage (Hrsg.): Raum f\u00fcr G\u00fcte und Gewissen. Das christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt\/DDR 1973-1990. Berichte, Bild- und Tondokumente, Werdau 2004, S. 159.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Diese Angabe bezieht sich laut Angela und Andreas Bayer auf die Crimmitschauer Pfarrei.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. zum Lebenslauf: <a href=\"https:\/\/www.bundesstiftung-aufarbeitung.de\/de\/recherche\/kataloge-datenbanken\/biographische-datenbanken\/joachim-garstecki\">https:\/\/www.bundesstiftung-aufarbeitung.de\/de\/recherche\/kataloge-datenbanken\/biographische-datenbanken\/joachim-garstecki<\/a>, Abruf am 26.9.2020.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Martin-Luther-King-Zentrum f\u00fcr Gewaltfreiheit und Zivilcourage (Hrsg.): Raum f\u00fcr G\u00fcte und Gewissen. Das christliche Friedensseminar K\u00f6nigswalde im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt\/DDR 1973-1990. Berichte, Bild- und Tondokumente, Werdau 2004, S. 84-85, 123.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Ebenda, S. 150.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl. Aus f\u00fcr Christliches Friedensseminar, in: Der Sonntag vom 30. August 2020, Nr. 35, S. 6; Friedensseminar: Eine \u00c4ra endet, in: Freie Presse (Lokalteil Werdau) vom 1. September 2020, Nr. 204, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Weigel, Hansj\u00f6rg: \u201eMan wandelt nur das, was man annimmt\u201c, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Friedliche Revolution und deutsche Einheit. S\u00e4chsische B\u00fcrgerrechtler ziehen Bilanz, Berlin 2006, S. 163.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Ebenda.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/76F2EB03-0DC9-4136-8632-85C4A5FA622E#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Der Autor dankt dem Historiker Dr. Matthias Kluge (Crimmitschau-Frankenhausen) f\u00fcr seine gro\u00dfe Hilfsbereitschaft bei der Erschlie\u00dfung des Themas und bereitgestelltes Illustrationsmaterial.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHoffnung\u201c, hatte V\u00e1clav Havel einst gesagt, \u201eist nicht die \u00dcberzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.\u201c[1] Diese Hoffnung hat viele Menschen, die in der DDR mit der gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit unzufrieden waren, angetrieben \u2013 auch im S\u00fcdwesten des heutigen Freistaats Sachsen, im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt, Kreis Werdau.&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2020\/11\/12\/der-katholische-beitrag-zum-christlichen-friedensseminar-koenigswalde-eine-skizze-fuer-die-jahre-bis-1989\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Der katholische Beitrag zum Christlichen Friedensseminar K\u00f6nigswalde &#8211; eine Skizze f\u00fcr die Jahre bis 1989<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,13,10,9,1,14],"tags":[1666,1665,1286,664,1667,276,126,1677,108,1680,1676,385,695,1668,127,1679,1669,1663,1672,1681,1673,694,36,1675,1538,1674,1678,1072,275,1671,1181,662,1664,1685,1684,57,1682,1683,158,1670,164],"class_list":["post-3911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-geschichte","category-kultur","category-lokales","category-politik","category-religion","tag-andreas-bayer","tag-angela-bayer","tag-birgit-mitzscherlich","tag-bistum-dresden-meisen","tag-christliches-friedensseminar-koenigswalde","tag-crimmitschau","tag-ddr","tag-dresdener-kapellknaben","tag-eckhard-jesse","tag-elly-viola-nahmmacher","tag-erich-mielke","tag-evangelisch","tag-evangelisch-lutherische-landeskirche-sachsens","tag-friedensgebet","tag-friedliche-revolution","tag-friedrich-press","tag-gerhard-schaffran","tag-hansjoerg-weigel","tag-horst-hoffmann","tag-joachim-garstecki","tag-joachim-wenzel","tag-katholische-kirche","tag-kirche","tag-klaus-albers","tag-konigswalde","tag-konrad-liebster","tag-martin-boettger","tag-matthias-kluge","tag-michael-gehrke","tag-michael-wyppler","tag-ministerium-fur-staatssicherheit","tag-okumene","tag-opposition","tag-pfarrei-st-bonifatius-werdau","tag-pfarrei-st-franziskus-crimmitschau","tag-sachsen","tag-vaclav-havel","tag-volker-kress","tag-werdau","tag-werner-klose","tag-zwickau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3911"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3985,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3911\/revisions\/3985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}