{"id":3921,"date":"2021-01-26T06:58:29","date_gmt":"2021-01-26T06:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=3921"},"modified":"2021-02-13T06:31:12","modified_gmt":"2021-02-13T06:31:12","slug":"der-meister-ist-an-seinem-125-geburtstag-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2021\/01\/26\/der-meister-ist-an-seinem-125-geburtstag-vergessen\/","title":{"rendered":"An seinem 125. Geburtstag ist der Meister vergessen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3992\" aria-describedby=\"caption-attachment-3992\" style=\"width: 694px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3992 size-large\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-694x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"694\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-694x1024.jpeg 694w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-251x370.jpeg 251w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-768x1134.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-1041x1536.jpeg 1041w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-1388x2048.jpeg 1388w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-203x300.jpeg 203w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/13D3C9AF-2E2A-445A-8A44-3A59AA4DAAA2-scaled.jpeg 1734w\" sizes=\"auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3992\" class=\"wp-caption-text\">Einer von Leopold W\u00e4chtlers Farbholzschnitten. Er tr\u00e4gt den Titel \u201eAm Obersee&#8220;. Foto: Michael Kunze\/Antiquariat zum Dom Bautzen<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-size: 1rem;\">Im Herbst 1896 ist in Penig mit Leopold W\u00e4chtler ein sp\u00e4ter \u00fcber Sachsen hinaus angesehener Scheren- und Holzschnitt-K\u00fcnstler geboren worden. Noch immer werden seine Werke antiquarisch gehandelt, doch in seiner Geburtsstadt erinnert wenig an ihn. Ob sich das \u00e4ndert? Eine Spurensuche.<\/span><\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p>PENIG\/LEIPZIG. Er hat sie alle portr\u00e4tiert \u2013 Komponisten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Philosophen, einen Diktator: Bach, Reger, Schubert und Wagner, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Tolstoi und Marie Curie, Marx, Stalin und unz\u00e4hlige mehr. Mehrfach auch Christus.<\/p>\n<p>Leopold W\u00e4chtler war am Main und an der Ostsee, in Italien und den oberbayerischen Alpen. Er hielt Ansichten von seiner sp\u00e4teren Wahlheimat Leipzig auch nach kriegsbedingter Zerst\u00f6rung fest, dazu von Dresden, Madeira, Spitzbergen, Marokko und entwarf klassische Blumenstillleben. Dutzende der teils mehrfarbig gestalteten Bl\u00e4tter des geb\u00fcrtigen Penigers verwahrt heute das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig. Auf dessen im Internet zug\u00e4nglicher <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum.leipzig.de\/ete?action=query&amp;sstate=eJztVt1u2zYU9k8bZ2qCZGxSBAE6bNwwDINq2LLlJM7N2sQL2qbrNu1uKQRZomUiFOmJVOsm8JPsQfYAu97FXmTPsEPJkpNNRotgyMVQXdjnjx-_Qx6SZ7WK2gYiwaT5S0Lit02pPB54cbD5x6-__bW2U8H1gAZfVfcr31SfrebOXdO4r4cwIc6TSTEGVXYreN2opP91xc6_rsDILfzQaBw_OXFPX56gzcGU-IkiP-jJjkRMdqr4z7sL_-93L7ErRRL7BPcvMeU-SwIicf9n7PvYxIHwI6I8kHzBlUc5iV2w8SQakvifVvV2QvQYGuBXMxOnCWrUEWWKxCTQcmEcCsH0f5RIBdOB4Cl_7HpMW2ezV2bqcbnQXtDkWCQs0PIMPtCTMCR66CUoo1hEuN8CK72ARCwbJBFnuK70IW_cx5CXj2cmWBJg2MeeVgHZC0Opmbjf0ikJHv0EWbhaB86RzPgTPTN25wlmkxxkn-byhgxdylXscaKKhShDKA3MAe1_QUkviljCw3djFZHLwYbkglB_zN8L72rwcsjAU5TE7wW4CL0GNw2GgQp46fjcd2UAjAA8_zzbU4hWcUJmUNOGUR-0W6jaBnldy210ZywiXe6bWrVQQwm_OY0YWD7Xlg7alWHEHk2SIaM-nCnWZIROLmjYDEiO2M0Q72nZRjUuckcPVVs59h5qfCfSA5aH7qOaZYPysVYO0CrsdBIRrsD0kVEbWBnqGnitFtIHPtfaqA5VOc_BstEdLjiZo1o9VCuYWfsZhobrZFw2QOyixkjEb-BuSONqAyBtaedTkA_Q4yGsXb9ttg8p93xFX5NDRmHdPZXEh63say-EEh9AnaZQx5JMPHCKOMW7MdqLFG2Qr1AKJgkjviLBDeCcFO45AGi0axz7N-b4PAU9KjhaprU0YWshlPhui2HH7Cxl2FkIJb7bYtg1u0sZdhdCie-2GNqmvZShvRBKfP_5IXmWoj2ZH22ov-VY76y_Dbg9nDZa6eztdfc683Zg4KT314d24EM78D9pB2pQ49lzuWPUHesAbWRl95S_ppIO2fxVdTq9-Vv9EBTbQluOgiMjT0VIOfyEJHiZ6Hf7E-3uoO1rWYwSBphT7X-g_V20Dr25ov4RnIPsvd_WdhutScpDRn4kMmEqaxwcu3e1cbgPll4LGZqexhA8awOcnlW0MhtatdGKVGTS0s__lrEejNzIm2bJSVTVqXxqrIw8nyiJtsoqDCI-KyK2S-sGQr4oQnaWlQJE4SLqQfn-ppnlMY35HoLxS-Me5RRoww2pxmj7uH_mnLw4dR9_75yNhVRwk4zOdqp_A7ylAu0*&amp;desc=Leopold+w\u00e4chtler&amp;refine=Suchen\">Sammlungsdatenbank<\/a> lassen sich zahlreiche St\u00fccke betrachten. Das Museum Schloss Hinterglauchau hat ebenfalls ein Blatt im Bestand. Es zeigt einen von Wind und Wetter gegerbten Lappl\u00e4nder.<!--more--><\/p>\n<p>Entstanden sind die Aquarelle und Radierungen, Holz-, Linol- und Scherenschnitte wohl fast durchweg nach jener Kunstpostkarte, die W\u00e4chtler f\u00fcr ein Peniger Heimatfest entworfen hatte. \u201e700-Jahr-Feier 1927\u201c hei\u00dft auf der R\u00fcckseite des gerade neun mal vierzehn Zentimeter messenden Hochformats in Schwarz-Wei\u00df, dessen Schauseite von der Stadtkirche bekr\u00f6nt wird, zu der Treppen hinauff\u00fchren. \u201eAus Penig. Leopold W\u00e4chtler\u201c, mehr steht nicht unter dem Motiv. Hergestellt wurde die Karte in der \u00f6rtlichen Druckerei von Karsta H\u00f6nickes Gro\u00dfvater Fritz Hausemann. In den R\u00e4umen des 1974 geschlossenen Unternehmens befindet sich heute ihr Kleines Kino.<\/p>\n<p>Leopold W\u00e4chtler ist in der Stadt weithin vergessen. Auf einer Liste von Pers\u00f6nlichkeiten der Stadtgeschichte, die der kommunale Internetauftritt aufweist, sucht man seinen Namen vergeblich. Dabei galt er nach seinem Umzug nach Leipzig als Meister seines Fachs. In den 1920er- bis 40er-Jahren erschienen Arbeiten im Kalender \u201eKunst und Leben\u201c des Berliner Verlegers Fritz Heyder. Sie reihten sich ein zwischen Werke der Gro\u00dfen seiner Zeit: von Grosz \u00fcber Klinger bis Kollwitz, Pechstein, Slevogt, Franz von Stuck, Zille. Immer wieder wurden damals popul\u00e4re Mappen mit Werken von seiner Hand aufgelegt, mit Portr\u00e4ts wie Stadtansichten. 1937 trug er Exponate zu einer Sonderausstellung im sechs Jahre sp\u00e4ter bei einem Bombenangriff zerst\u00f6rten Leipziger K\u00fcnstlerhaus bei, 1942 zudem f\u00fcr eine Scherenschnittschau im Leipziger Museum. Noch immer werden seine akribisch gearbeiteten St\u00fccke antiquarisch gehandelt, auch die raren mit Bezug zu seiner Heimat: So wirbt ein Anbieter im Internet mit einem Farbholzschnitt, der Schloss Rochsburg zeigt.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist aus W\u00e4chtlers Leben relativ wenig \u00fcberliefert; auch ein Werkverzeichnis fehlt offenbar. Dem Autor ist kein Foto von ihm bekannt. Immerhin enth\u00e4lt Hans Vollmers sechsb\u00e4ndiges \u201eAllgemeines Lexikon der bildenden K\u00fcnstler des 20. Jahrhunderts\u201c (1953-1962) einen Namensbeitrag, in dem von einem Studium an der Leipziger Akademie f\u00fcr Graphische K\u00fcnste bei dem deutsch-\u00f6sterreichischen Maler Alois Kolb (1875-1942) die Rede ist, zudem von Aufenthalten in Frankreich, Spanien, Italien, Nordafrika, auf dem Balkan, in der Schweiz. Das l\u00e4sst R\u00fcckschl\u00fcsse zu auf manche Motivwahl. Wie es aber etwa zu dem Stalin-Farblinolschnitt kam, ob es sich um eine Auftragsarbeit handelte \u2013 wenn ja, von wem \u2013 ist unklar. Das Hochformat zeigt den Diktator, der den Betrachter au\u00dfer Acht l\u00e4sst, an ihm vorbeischaut, mit buschigem Schnurrbart, leicht zusammengekniffenen Augen, ernst, doch ohne Strenge.<\/p>\n<p>Das Licht der Welt erblickte W\u00e4chtler am 30. Oktober 1896 in Penig, wo er laut Kirchenbucheintrag am 27. Dezember getauft wurde und \u201eihm sein Vater fr\u00fchzeitig bestrebt war, die Sch\u00f6nheiten der milden Landschaft des Muldentales zu erschlie\u00dfen\u201c, schrieb Alfred Lehmann in der Einf\u00fchrung zu einem Mappenwerk des Leipziger Verlags Max M\u00f6hring. Lehmann weist zudem darauf hin, dass W\u00e4chtler nicht nur von Kolb, sondern auch dem von Max Klinger gesch\u00e4tzten Maler, Grafiker, Schrift- und Exlibris-K\u00fcnstler Bruno H\u00e9roux (1868-1944) unterrichtet wurde.<\/p>\n<p>Der Peniger war das zweite Kind der Eheleute Hugo Oskar und Adolphine W\u00e4chtler, geborene Riesel. Seine Schwester Louise ist 1892 geboren worden und starb 1969 in Leipzig. Der Vater, so ist es auf beider Geburtsurkunden vermerkt, wirkte als Porzellan- und Obermaler; im Adressbuch von 1930 ist er als Malermeister vermerkt. Die Familie lebte laut der Ausgabe von 1910 an der Poststra\u00dfe 10 \u2013 das Haus steht noch.<\/p>\n<p>Wie seine Schwester, stirbt auch Leopold W\u00e4chtler in Leipzig &#8211; am 19. Juni 1988. Zeugnisse aus Penig versiegen fr\u00fch. Das Leipziger Adressbuch von 1948 verzeichnet ihn als \u201eKunstmaler\u201c, in der 1939er-Ausgabe wird er als \u201eLehrer\u201c genannt. Dies passt zu einem Fund im Bestand der S\u00e4chsischen Landesbibliothek (SLUB) in Dresden, der mehrere von W\u00e4chtler signierte Bl\u00e4tter, u.a. ein Goethe-Portr\u00e4t sowie Stadtansichten, beinhaltet \u2013 versehen mit dem K\u00fcrzel \u201eSch.\u201c f\u00fcr \u201eSch\u00fcler\u201c, den Jahreszahlen 1917 und 1919 sowie dem Zusatz \u201eWaldenburg\/Sa. F\u00fcrstlich Sch\u00f6nburgsches Seminar\u201c. W\u00e4chtler k\u00f6nnte Sch\u00fcler dieser Lehrerausbildungsst\u00e4tte gewesen sein und hat wohl in Leipzig, wo genau und in welchem Fach auch immer, in dem Beruf gearbeitet.<\/p>\n<p>Dass heute mit dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig ein so gro\u00dfes Haus in \u00fcberschaubarer Entfernung zu W\u00e4chtlers Geburtsort einen repr\u00e4sentativen Querschnitt seiner Werke aufbewahrt, ist Falk Armin H\u00fcchelheim zu danken. Der 1944 geborene Leipziger Musikp\u00e4dagoge im Ruhestand, dessen Mutter Brigitte Ulbricht-Lorenz (1918-2005) einst wie W\u00e4chtler Scherenschnitte entwarf, vermachte seine umfangreiche Sammlung dem Haus im Jahre 2016. \u201eIch habe W\u00e4chtler, der hier in der Kleiststra\u00dfe 13 wohnte, zwar nie pers\u00f6nlich kennengelernt\u201c, sagt er, \u201eaber mein Sammelgebiet umfasst eher wenig beachtete Leipziger K\u00fcnstler, deren Werk es verdient, erinnert zu werden.\u201c<\/p>\n<p>In Penig wird nun wohl an W\u00e4chtler erinnert, w\u00e4hrend das Leipziger Museum nach Auskunft der stellvertretenden Direktorin Ulrike Dura trotz rundem Geburtstag &#8222;leider nichts&#8220; plant. Karsta H\u00f6nicke, die R\u00e4ume ihres Kleinen Kinos auch als Galerie nutzt und mit einer Chemnitzer W\u00e4chtler-Sammlerin befreundet ist, will f\u00fcr den Herbst eine Ausstellung mit Werken des K\u00fcnstlers vorbereiten. Wom\u00f6glich wird auf dem Weg dahin das eine oder andere weitere Detail aus W\u00e4chtlers Leben zutage gef\u00f6rdert, der, soviel ist bekannt, verheiratet war und laut Falk H\u00fcchelheim eine Tochter gehabt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst 1896 ist in Penig mit Leopold W\u00e4chtler ein sp\u00e4ter \u00fcber Sachsen hinaus angesehener Scheren- und Holzschnitt-K\u00fcnstler geboren worden. Noch immer werden seine Werke antiquarisch gehandelt, doch in seiner Geburtsstadt erinnert wenig an ihn. Ob sich das \u00e4ndert? Eine Spurensuche. PENIG\/LEIPZIG. Er hat sie alle portr\u00e4tiert \u2013 Komponisten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Philosophen, einen Diktator: Bach,&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2021\/01\/26\/der-meister-ist-an-seinem-125-geburtstag-vergessen\/\"><span class=\"screen-reader-text\">An seinem 125. 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