{"id":4084,"date":"2022-01-04T16:39:19","date_gmt":"2022-01-04T16:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4084"},"modified":"2023-09-24T17:33:55","modified_gmt":"2023-09-24T17:33:55","slug":"ein-grosser-mittler-zwischen-den-kulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2022\/01\/04\/ein-grosser-mittler-zwischen-den-kulturen\/","title":{"rendered":"Kenntnisreich, von freudigem Ernst: Der Japanologe Joachim Glaubitz ist gestorben"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4085\" aria-describedby=\"caption-attachment-4085\" style=\"width: 351px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4085 size-full\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CCI05062014_00000.jpg\" alt=\"\" width=\"351\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CCI05062014_00000.jpg 351w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/CCI05062014_00000-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 351px) 100vw, 351px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4085\" class=\"wp-caption-text\">Saarbr\u00fccken 1982 &#8211; zwei Ostasienkenner w\u00e4hrend einer Tagung ins Gespr\u00e4ch vertieft: Joachim Glaubitz (1929-2021, li.) sowie der ungarische Jesuit L\u00e1szl\u00f3 Lad\u00e1ny (1914-1990). Foto: Archiv Joachim Glaubitz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der seit 1996 in Chemnitz-Euba heimische Ostasienwissenschaftler Joachim Glaubitz ist tot. 92-j\u00e4hrig starb er, der f\u00fchrende Vertreter aus Politik und Wirtschaft beriet und das Goethe-Institut in Tokio geleitet hat, am 9. November 2021 nach kurzer Krankheit in Chemnitz \u2013 R\u00fcckschau auf ein langes Leben anhand eines Interviews aus dem Jahr 2014.<\/p>\n<p>CHEMNITZ. Der erste Kontakt mit Chemnitz kam vor rund 40 Jahren zustande, 1981. Damals nahm Joachim Glaubitz in Karl-Marx-Stadt an einer wissenschaftlichen Tagung teil, die sich dem spannungsreichen chinesisch-sowjetischen Verh\u00e4ltnis widmete. Das Treffen, das von der Ost-Berliner Humboldt-Universit\u00e4t organisiert worden war, fand im Beisein angesehener Politik- und Sozialwissenschaftler aus dem In- und dem Ausland im \u201eChemnitzer<!--more--> Hof\u201c statt, wie Glaubitz\u00a0in der R\u00fcckschau <span style=\"font-size: 1rem;\">berichtete. Untergebracht war er im damaligen \u201eInter-Hotel\u201c (sp\u00e4ter \u201eMercure\u201c). \u201eDie Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re\u201c, urteilte der Forscher \u00fcber die Zusammenkunft, \u201ewar ziemlich offen.\u201c Das konfliktbehaftete deutsch-deutsche Verh\u00e4ltnis au\u00dfen vor lassend, l\u00f6ste sich manche in der DDR bei offiziellen Anl\u00e4ssen sonst verkrampfte Zunge. Dass Glaubitz ab 1996 in\u00a0Chemnitz heimisch werden w\u00fcrde, war zu jener Zeit nicht absehbar.<\/span><\/p>\n<p>Mit dem am 11. M\u00e4rz 1929 im niederschlesischen, heute zu Polen geh\u00f6renden Hennersdorf bei G\u00f6rlitz Geborenen hat die Stadt einen (auch in seiner Generation) selten umfassend gebildeten und weitgereisten Europa- und Ostasienkenner verloren. Seine besondere Begeisterung galt dem und Begabung lag im Studium der Sprachen. Russisch und Japanisch hatte er gelernt, dar\u00fcber hinaus sich zeitweilig intensiv etwa mit Mandarin, Sanskrit und Arabisch befasst, auch mit dem Lateinischen und weiteren Sprachen. Zeugnis vom hohen Ansehen, das er genoss, legte die bei der Trauerfeier trotz Corona-Pandemie gutgef\u00fcllte St.-Joseph-Kirche auf dem Chemnitzer Sonnenberg ab. Zu den G\u00e4sten z\u00e4hlten der ehemalige Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert (CDU) und die neugew\u00e4hlte Chemnitzer Sozialb\u00fcrgermeisterin Dagmar Ruscheinsky.<\/p>\n<p>Glaubitz\u2018 Weg war ihm nicht in die Wiege gelegt. Die Familie \u2013 der Vater Bahnbeamter, die Mutter Hausfrau \u2013 zog 1942 nach Jahren in Greiffenberg (Kreis L\u00f6wenberg i. Schlesien) in den westlich der Nei\u00dfe liegenden Teil von G\u00f6rlitz (wo er sechs Jahre sp\u00e4ter sein Abitur bestand). So vor Flucht und Vertreibung bewahrt, lie\u00df er sich nach Kriegsende \u2013 dem Volkssturm durch einen wohlwollenden Arzt entkommen, der Atteste ausstellte \u2013 in Mei\u00dfen und Leipzig zum Russischlehrer ausbilden. Das Examen kaum in der Tasche, nahm er 1950 in Leipzig ein Sinologie-Studium auf. Was sich anschickte, die konzentrierte Erkundung eines Orchideenfachs zu werden \u2013 \u201ewir waren anfangs nicht mehr als vier, f\u00fcnf Studenten\u201c \u2013, stand nach Maos Sieg unter geh\u00f6riger Aufmerksamkeit der DDR-Offiziellen: \u201eMan brauchte nun Leute\u201c, sagte Glaubitz, \u201edie Chinesisch k\u00f6nnen.\u201c So str\u00f6mte, vom Staat gef\u00f6rdert, eine Vielzahl \u201epolitisch bewusster\u201c Kr\u00e4fte ins Fach, manche tagein, tagaus im Blauhemd der FDJ. Der Philosoph Ernst Bloch, in seinen Vorlesungen Pfeife rauchend, z\u00e4hlte zu Glaubitz\u2018 Lehrern. Freier Diskurs, den er in fr\u00fchen Semestern sch\u00e4tzte, wurde schnell riskant. 1948 bereits war der prominenteste Studentenf\u00fchrer in der SBZ, Wolfgang Natonek (1919-1994), Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei, verhaftet worden. Er hatte sich der Gleichschaltung der Hochschulen widersetzt \u2013 die Strafe, drakonisch: 25 Jahre Zwangsarbeit; 1956 konnte Natonek in die Bundesrepublik ausreisen.<\/p>\n<p>Glaubitz plante nun seinen Weggang akribisch. Anfang 1953 \u2013 zwei Koffer f\u00fcr sein Gep\u00e4ck mussten gen\u00fcgen \u2013 fuhr er \u00fcber Berlin davon. Dann kam der Volksaufstand, in dessen Nachgang die Repression vor\u00fcbergehend nachlie\u00df. \u201eHerr Glaubitz\u201c, so habe man ihn bei Familienbesuchen in der DDR nun konfrontiert, \u201ewarum sind Sie gegangen? Es ist doch nicht so schlimm bei uns.\u201c\u00a0Glaubitz blieb bei seiner Entscheidung, hat sie nie bereut \u2013 schnell wurden die Z\u00fcgel wieder straffgezogen; er aber nahm an der Uni Hamburg ein Studium der Japanologie auf, wurde 1958 im Fach promoviert. Sein Ruf als Sprachenfachmann eilte ihm schon voraus: Die Zeitschrift \u201eOsteuropa\u201c bat um Analysen zur sino-sowjetischen Frage und stellte daf\u00fcr die \u201ePrawda\u201c wie auch die chinesische Parteizeitung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Der Anfang in der Bundesrepublik war gleichwohl schwierig, noch w\u00e4hrend seines Studiums hatte er im Hamburger Hauptbahnhof Teller gesp\u00fclt. Nach dessen Abschluss waren Stellen f\u00fcr Geistes-, Sprach- und Sozialwissenschaftler rar. Glaubitz bewarb sich 1959 bei dem im Aufbau befindlichen Goethe-Institut als Deutschlehrer. Die Kulturvermittler schulten \u2013 besonders in Kleinst\u00e4dten wie Bad Reichenhall oder Grafing bei M\u00fcnchen \u2013 Gastarbeiter und Studenten aus dem Ausland, die meist in einheimischen Familien unterkamen und so schnell Fortschritte machten.<\/p>\n<p>Die beiden Jahre galten Glaubitz nicht als vertane Zeit, sondern Chance zum \u201eKennenlernen meiner Muttersprache\u201c, bis 1962 das Angebot kam, die Tokioter Institutsleitung zu \u00fcbernehmen. In Genua schiffte er sich im Mai desselben Jahres mit seiner ersten Ehefrau und der zweij\u00e4hrigen Tochter auf einem Passagierfrachter ein. Es ging durch den Suezkanal nach Dschibuti \u2013 Singapur \u2013 Manila \u2013 Hongkong \u2013 Yokohama \u2013 Tokio. Auch f\u00fcr den der Sprache M\u00e4chtigen war im Land der aufgehenden Sonne \u201ealles neu\u201c.\u00a0Europ\u00e4ern sei es schwer, Japanern nahezukommen \u2013 \u201eInnen\u201c und \u201eAu\u00dfen\u201c werden deutlich markiert. Dabei wurde Glaubitz\u00a0\u2013 was Wenigen verg\u00f6nnt ist \u2013 zu Hochzeiten und Geburtstagen eingeladen, nahm an Beerdigungen teil, lebte im Hause eines Freundes \u2013 etwas ganz und gar Besonderes. \u201eIl est tatamiser\u201c, sagen die Franzosen. \u201eEr ist tatamisiert\u201c, in der japanischen Kultur angekommen, ihr zugerechnet wie die Reisstrohmatte. Glaubitz empfand es nicht so, f\u00fchlte stattdessen seine Zugeh\u00f6rigkeit zum europ\u00e4ischen Kulturkreis in jenen Jahren besonders stark, so gro\u00df waren und blieben die kulturellen Gegens\u00e4tze: \u201eDas Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die uneigenn\u00fctzige Hilfe f\u00fcr einen Fremden\u201c, fasste er sie 2014 in ein Bild, \u201eist in Ostasien unbekannt.\u201c<\/p>\n<p>In Tokio blieb die Familie bis 1965,\u00a0ein Sohn ward vor der R\u00fcckkehr nach Deutschland geboren.\u00a0Glaubitz kam schlie\u00dflich 1974 f\u00fcr einige Monate ins Land zur\u00fcck, auch sp\u00e4ter. Gern h\u00e4tte man ihn begleitet. 1964 bereiste er mit Erlaubnis des rotchinesischen Au\u00dfenministeriums den Koloss auf dem Festland, \u201ezu dem Japan eine kulturelle Affinit\u00e4t empfindet, jedoch mit schlechtem Gewissen\u201c. Die Besatzungszeit ist nicht vergessen \u2013 auf beiden Seiten. Mit der Eisenbahn gelangte er, ganz auf sich gestellt und doch von Parteistellen fest an die Hand genommen, von Hongkong nach Shanghai, das die koloniale, baulich erkennbare Vergangenheit noch nicht abgestreift hatte und bedeutender wirkte als Peking. Es gab keine Touristen, auch nicht in Kanton, nicht an der Chinesischen Mauer. Die Hauptstadt wiederum erschien als gro\u00dfes Dorf, autofrei und voller Fahrr\u00e4der. Auf den Zugstrecken dazwischen: \u201eDunkel, Dunkel, Dunkel; nichts, nichts, nichts\u201c. Die Auswirkungen des verheerenden \u201eGro\u00dfen Sprungs nach vorn\u201c waren noch sp\u00fcrbar, auch aber ein leichter Aufschwung. Dazu im Gegensatz Hongkong, die britische Kronkolonie: eine \u201esprudelnde, funkelnde, kapitalistische Metropole\u201c.<\/p>\n<p>Als Glaubitz 1966 mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Irkutsk reiste, von dort weiter mit dem Flugzeug nach Peking, \u201ewar alles bunter\u201c. Er erlebte \u201eeine Lebendigkeit, die beeindruckte\u201c. Das n\u00e4chste Gro\u00dfexperiment der chinesischen F\u00fchrung, die Kulturrevolution, zeigte noch keine Auswirkungen.\u00a0Trotz all der Eindr\u00fccke, Erfahrungen: Glaubitz suchte Ver\u00e4nderung. Der Politikwissenschaftler Richard L\u00f6wenthal (1908-1991) gab einen Tipp: \u201eEr empfahl mir das Bundesinstitut f\u00fcr ostwissenschaftliche und internationale Studien.\u201c Der Ostasienkenner\u00a0stieg in K\u00f6ln ein, forschte zum Sino-Kommunismus, schrieb Analysen. Doch die Ausrichtung der Sowjeto- und Sinologen behagte ihm nicht \u2013 die Enge. Das Angebot, als Forschungsreferent f\u00fcr die Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen t\u00e4tig zu werden, kam 1968 gerade recht. Er beriet f\u00fchrende Vertreter aus Politik und Wirtschaft, trug Berthold Beitz (1913-2013) pers\u00f6nlich vor. Der SWP, gr\u00f6\u00dfte Einrichtung ihrer Art in Europa, hielt Glaubitz bis zur Pensionierung 1992 die Treue, habilitierte sich 1973 mit der Arbeit: \u201eChina und die Sowjetunion: Aufbau und Zerfall einer Allianz\u201c und erhielt eine au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Professur an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen. Ins Jahr seines Eintritts in den Ruhestand fiel die Ver\u00f6ffentlichung des Bandes \u201eFremde Nachbarn: Tokyo und Moskau \u2013 ihre Beziehungen vom Beginn der 70er Jahre bis zum Ende der Sowjetunion\u201c.<\/p>\n<p>Fr\u00fchzeitig trat er zudem als \u00dcbersetzer hervor, etwa bei der Herausgabe des aufsehenerregenden Bandes \u201eOpposition gegen Mao: Abendgespr\u00e4che am Yenshan und andere politische Dokumente\u201c (1969). L\u00e4ngst in Chemnitz, \u00fcbersetzte er bis 2011 die von Aleksandr Galkin und Anatolij Tschernjajew in russischer Sprache publizierte, viele Hundert Seiten umfassende Dokumentation \u201eMichail Gorbatschow und die deutsche Frage: Sowjetische Dokumente 1986-1991\u201c. Zum Umzug nach Sachsen kam es, da Glaubitz\u2018 zweite Ehefrau Beate Neuss, die sp\u00e4ter stellvertretende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung geworden ist, einen Ruf an die TU Chemnitz auf die Professur f\u00fcr Internationale Politik annahm. Das gemeinsame Haus wurde ein Ort gro\u00dfer Gastfreundschaft und des tiefsinnigen Gespr\u00e4ches, auch mit Studenten.<\/p>\n<p>Joachim Glaubitz war ein stiller Arbeiter, ein Gelehrter alter Schule, bis ins hohe Alter zugewandt, von freudigem Ernst, nie auf billigen Effekt aus, vielmehr Klarheit und Pr\u00e4zision, ein Mann der Form in Auftreten und Wortwahl: \u201eT\u00e4glich\u201c, schrieb er einmal, \u201eerleben wir den gedankenlosen Umgang mit Sprache oder die Misshandlung dieses herrlichen Instruments.\u201c Er trat daf\u00fcr ein, Worte wohl zu w\u00e4gen, erkannte die Sprachen in ihrer Verschiedenheit als wesentliche Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Kulturen. Den Andern zu verstehen, das bedeutete ihm, Mentalit\u00e4t und Denkmuster zu ergr\u00fcnden. Sprache und Schrift sprechen dabei selbst. Stundenlang konnte man sich mit ihm \u00fcber japanische und chinesische Schriftzeichen austauschen, ihren Wandel, gegenseitige Einfl\u00fcsse. Verst\u00e4ndigung anzustreben, hie\u00df ihm nicht, kulturelle oder andere Unterschiede einzuebnen \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n<p>Alle Kulturen der Welt haben nach den ewigen Dingen gefragt, nach Gott, Endlichkeit und Unendlichkeit. Glaubitz, der\u00a0\u201edie ostdeutsche Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber religi\u00f6sen Glaubensfragen\u201c traurig nannte, hatte dazu einen kundigen Gespr\u00e4chspartner, seinen Schulfreund Georg Zur (1930-2019), Vatikandiplomat, Nuntius, Pr\u00e4sident der P\u00e4pstlichen Diplomatenakademie. Der Kontakt hielt \u00fcber Zeiten und r\u00e4umliche Distanzen. Glaubitz besuchte Zur in dessen Alterssitz im sp\u00e4ter als Wohnstatt von Papst Franz bekanntgewordenen Domus Sanctae Martae. Auch wenn die Authentizit\u00e4t des Werner Heisenberg zugeschriebenen Zitats umstritten ist, erw\u00e4hnte er es gern, nahm es in die Gespr\u00e4che mit seinem Freund in Rom:\u201eDer erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch\u201c, soll der Nobelpreistr\u00e4ger gesagt haben, \u201eaber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.\u201c<\/p>\n<p>Seinem bis zum Tode unb\u00e4ndigen Interesse an gro\u00dfen Fragen ging Glaubitz oft in der in Euba so gesch\u00e4tzten Stille nach, wenn er sich nicht mathematischen Fragestellungen widmete oder zum Schach in seinen Chemnitzer Verein eilte \u2013 was w\u00f6rtlich zu nehmen ist, sein Fahrstil war flott \u2013 oder mit seiner Frau reiste, fr\u00fch schon und auch zuletzt vielfach in den Alpenraum, wo die Kulturen des Kontinents so fruchtbar ineinanderflie\u00dfen. Noch im Sommer wagte er in S\u00fcdtirol einen Gleitschirm-Tandemsprung. Er fertigte Kalligrafien \u2013 von griechisch \u201ek\u00e1llos\u201c (\u201eSch\u00f6nheit\u201c). Joachim Glaubitz war ein Mensch, der seine Sinne einsetzte, der (zu-) h\u00f6rte, sah (auch mit dem heimischen Teleskop zu den Sternen) und f\u00fchlte, die Ger\u00fcche der bereisten L\u00e4nder und der Jahreszeiten aufnahm und schmeckte (und dazu vorz\u00fcgliche Adressen zu nennen wusste).<\/p>\n<p>Der seit Jahren anschwellende (Kultur-) Pessimismus war ihm fremd,\u00a0die Zukunft offen. Wandel \u00e4ngstigte ihn nicht; er strebte danach, ihn zu verstehen und f\u00fcr diesen Anspruch\u00a0zu werben.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der seit 1996 in Chemnitz-Euba heimische Ostasienwissenschaftler Joachim Glaubitz ist tot. 92-j\u00e4hrig starb er, der f\u00fchrende Vertreter aus Politik und Wirtschaft beriet und das Goethe-Institut in Tokio geleitet hat, am 9. 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