{"id":4112,"date":"2022-04-27T10:35:02","date_gmt":"2022-04-27T10:35:02","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4112"},"modified":"2022-04-27T11:10:11","modified_gmt":"2022-04-27T11:10:11","slug":"das-abendland-als-thema-nur-wenige-interessiert-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2022\/04\/27\/das-abendland-als-thema-nur-wenige-interessiert-es\/","title":{"rendered":"Das Abendland ist Thema &#8211; nur wenige interessiert es"},"content":{"rendered":"<div>\n<figure id=\"attachment_4114\" aria-describedby=\"caption-attachment-4114\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4114 size-medium\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-370x278.jpeg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-370x278.jpeg 370w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-768x576.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-2048x1536.jpeg 2048w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/IMG_1915-300x225.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4114\" class=\"wp-caption-text\">Joachim Klose, von 2000 bis 2007 Gr\u00fcndungsdirektor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Mei\u00dfen, im Gespr\u00e4ch mit dem Politikwissenschaftler Hans Maier am Abend des 25. Aprils 2022 im Freiberger Schlossquartier. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der fr\u00fchere CSU-Politiker und Politikwissenschaftler Hans Maier hat in der Bergakademie Freiberg an einen ihrer bedeutendsten Studenten erinnert: den Dichter Novalis, dessen 250. Geburtstag ansteht. Nur drei Dutzend Zuh\u00f6rer waren gekommen.<\/p>\n<\/div>\n<p>FREIBERG. Was w\u00fcrde Novalis, der vor rund 220 Jahren an der Bergakademie studiert hat, Europa heute ins Stammbuch schreiben? Das fragte der Politikwissenschaftler Hans Maier, der zu den bedeutendsten deutschen Intellektuellen seiner Generation z\u00e4hlt, am Montagabend im Schlossplatzquartier beim Novalisforum der Katholischen Akademie.\u00a0W\u00e4re dieser, so Maier, auch heute so spontan, k\u00fchn, unberechenbar, anst\u00f6\u00dfig wie zu Lebzeiten? K\u00f6nnte der Naturwissenschaftler und Poet, der eigentlich Friedrich von Hardenberg (1772-1801) hie\u00df und zu<!--more--> den namhaftesten Vertretern der Fr\u00fchromantik z\u00e4hlte, dar\u00fcber hinwegsehen, \u201edass das Christentum in Europa in vielen L\u00e4ndern in die Minderheit geraten ist\u201c? W\u00fcrde ihn dies herausfordern? \u201eDie Meinung von der Negativit\u00e4t des Christentums ist vortrefflich\u201c, notierte Novalis zehn Jahre nach Ausbruch der Franz\u00f6sischen Revolution provozierend in einer religionskritischen Gemengelage. Im Widerspruch zu gro\u00dfen Kreisen seiner und unserer Zeit sah er das Christentum auf dem Weg zur Grundlage \u201eeines lebendigen moralischen Raums\u201c, erinnerte Maier.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Dar\u00fcber mag streiten, wer in einer Region lebt, in der weniger als ein Viertel der B\u00fcrger einer Kirche angeh\u00f6rt. Der Relevanz des Themas ist damit in einer Zeit andauernder betr\u00e4chtlicher Migration nichts genommen. In gro\u00dfer Anzahl gelangen Menschen aus der Ukraine und seit Jahren etwa aus Nordafrika auch nach Sachsen, mit ihren Pr\u00e4gungen.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Fragen, so lie\u00dfe sich die Diskussion zwischen Maier und dem einstigen Akademie-Gr\u00fcndungsdirektor Joachim Klose zusammenfassen, sind auch dann zu stellen, wenn man sie nicht an sich richtet, sondern andere sie aufwerfen. Novalis hat die Debatte \u00fcber die Rolle der Religion gef\u00fchrt, im Christentum und dessen Werten Tragendes f\u00fcr seine Zeit gesehen \u2013 und ebenfalls in einer Phase gro\u00dfer Gewaltt\u00e4tigkeit gelebt, so Maier.<\/p>\n<p>\u201eEs wird solange Blut \u00fcber Europa str\u00f6men\u201c, zitierte dieser den Romantiker mit bemerkenswerter Aktualit\u00e4t, \u201ebis die Nationen ihren f\u00fcrchterlichen Wahnsinn gewahr werden, der sie im Kreise herumtreibt.\u201c Das noch heute in diesem Zusammenhang viel beachtete Manifest \u201eDie Christenheit oder Europa\u201c entstand 1799. Europa war geistig und politisch zerbrochen, Goethes Begegnung mit Napoleon in Erfurt habe nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen k\u00f6nnen. Der Nationalismus habe sich durchgesetzt. Was tr\u00e4gt unter diesen Umst\u00e4nden?, lautete eine Frage des Abends. \u201eEuropa \u2013 geeint durch Religion?\u201c, so war das Abendmotto angek\u00fcndigt. Davon kann derzeit keine Rede sein; was die Zukunft bringt, ist indes offen.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Novalis hat die H\u00e4nde nicht in den Scho\u00df gelegt, die Verantwortlichen der Akademie auch nicht, als sie 2002 das Forum ins Leben riefen. Dass nur knapp drei Dutzend Interessierte der Vortragseinladung gefolgt waren, wirft jedoch Fragen auf. Absicht zur Gr\u00fcndung vor zwanzig Jahren war es laut einer Ank\u00fcndigung, eine \u201eaktive Gespr\u00e4chskultur\u201c an einem Universit\u00e4tsstandort zu pflegen, dem eine geisteswissenschaftliche Fakult\u00e4t fehlt. Novalis als Namensgeber zu w\u00e4hlen, kann auch durch dessen Bez\u00fcge zu Freiberg als gl\u00fccklich gelten, entdeckte er doch w\u00e4hrend der Studien von Bergwerkskunde, Mathematik und Chemie seine dichterische Ader und w\u00e4hlte hier sein Pseudonym. Dass die Resonanz auf einen zur abendl\u00e4ndischen Kulturgeschichte selten kundigen Referenten, der andernorts Hunderte Zuh\u00f6rer anzieht, auch in Coronazeiten derart gering ausgefallen ist, obwohl Charakter und Zukunft des \u201eAbendlandes\u201c auch in Freiberg seit Jahren Gegenstand oft hitziger Debatten sind, stimmt dennoch nachdenklich.<\/p>\n<div><\/div>\n<p><strong>Hans Maier<\/strong> wurde\u00a01931 in Freiburg\/Breisgau geboren, studierte in seiner Geburtsstadt, in M\u00fcnchen und Paris Geschichte, Germanistik, Romanistik, Philosophie. Seit 1962 war er Professor f\u00fcr politische Wissenschaft am Geschwister-Scholl-Institut in M\u00fcnchen, von 1970 bis 1986 bayerischer Kultusminister. Er schied im Streit mit Ministerpr\u00e4sident Franz-Josef Strau\u00df aus dem Amte. Sp\u00e4ter lehrte er Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie auf dem Romano-Guardini-Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t und war Pr\u00e4sident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Der verheiratete Vater von sechs T\u00f6chtern ist passionierter Organist, lebt in M\u00fcnchen und h\u00e4lt zahlreiche W\u00fcrden und Ehren aus dem In- und Ausland. Im Jahre 2011 legte er seine Autobiographie &#8222;B\u00f6se Jahre, gute Jahre. Ein Leben 1931 ff.&#8220; im Verlag C.H. Beck, M\u00fcnchen, vor.<\/p>\n<div><\/div>\n<div>[ratings]<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr\u00fchere CSU-Politiker und Politikwissenschaftler Hans Maier hat in der Bergakademie Freiberg an einen ihrer bedeutendsten Studenten erinnert: den Dichter Novalis, dessen 250. Geburtstag ansteht. Nur drei Dutzend Zuh\u00f6rer waren gekommen. FREIBERG. Was w\u00fcrde Novalis, der vor rund 220 Jahren an der Bergakademie studiert hat, Europa heute ins Stammbuch schreiben? Das fragte der Politikwissenschaftler Hans&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2022\/04\/27\/das-abendland-als-thema-nur-wenige-interessiert-es\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Abendland ist Thema &#8211; nur wenige interessiert es<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,13,10,1,14,11],"tags":[664,213,82,1454,1507,508,83,1778,57,1723],"class_list":["post-4112","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-geschichte","category-kultur","category-politik","category-religion","category-wissenschaft","tag-bistum-dresden-meisen","tag-christentum","tag-freiberg","tag-hans-maier","tag-joachim-klose","tag-katholische-akademie","tag-mittelsachsen","tag-novalis","tag-sachsen","tag-technische-universitaet-bergakademie-freiberg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4112"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4131,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4112\/revisions\/4131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}