{"id":4204,"date":"2023-02-17T11:47:05","date_gmt":"2023-02-17T11:47:05","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4204"},"modified":"2023-05-25T12:08:03","modified_gmt":"2023-05-25T12:08:03","slug":"von-bmw-ins-kloster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2023\/02\/17\/von-bmw-ins-kloster\/","title":{"rendered":"Von BMW ins Kloster"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4208\" aria-describedby=\"caption-attachment-4208\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4208 size-medium\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-278x370.jpeg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-278x370.jpeg 278w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-225x300.jpeg 225w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_8314-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4208\" class=\"wp-caption-text\">Schwester Maria Mechtild Buttala ist Priorin des Zisterzienserklosters Marienthal im s\u00fcdosts\u00e4chsischen Ostritz. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie hatte alles, wovon viele Menschen tr\u00e4umen: eine gute Anstellung, eine sch\u00f6ne Wohnung, ein schnelles Auto. Doch Iris Buttala fand darin keine Erf\u00fcllung und w\u00e4hlte einen andern Weg.<\/p>\n<p>MARIENTHAL. Fassungslos seien ihre Eltern gewesen. Die Mutter w\u00e4hnt sie in einer Midlife-Crisis. Arbeitskollegen reagieren nicht anders. \u201eH\u00e4tte ich eine Bank ausgeraubt\u201c, so Schwester Maria Mechtild Buttala beim Gespr\u00e4ch im Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal, \u201ew\u00e4ren die \u00c4u\u00dferungen nicht schlimmer vorstellbar gewesen.\u201c Dabei sind es Reaktionen von Familie und Freunden auf den Entschluss, Nonne zu werden.<\/p>\n<p>Geboren 1958 im hessischen Darmstadt, w\u00e4chst sie mit zwei j\u00fcngeren Geschwistern im S\u00fcdwesten Bayerns auf \u2013 die Mutter katholisch, der Vater lutherisch. Sie erlebt in der Familie die seinerzeit verbreiteten konfessionellen Spannungen, wird r\u00f6misch-katholisch getauft.\u00a0In ein Kloster einzutreten, einen Orden \u2013 in ihrer Jugend sei das kein Thema gewesen, obwohl die famili\u00e4ren Umst\u00e4nde eher halfen, ihre Glaubenspraxis zu <span style=\"font-size: 1rem;\">vertiefen. \u201eIch habe immer gebetet und gegen\u00fcber meiner evangelischen Gro\u00dfmutter, die gern ein wenig provozierte, meinen Glauben verteidigt\u201c, sagt sie in der R\u00fcckschau. Auch Buttala durchlebt Phasen, in denen beispielsweise die Sonntagsmesse f\u00fcr sie nicht obligatorisch ist. <\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1rem;\">W\u00e4hrenddessen fasst sie Fu\u00df im Berufsleben bei BMW, reist um die Welt. 1992 geht es in die israelische W\u00fcste. Dort erscheint ihr, fest in der Erinnerung verwurzelt, Christus in einer Vision mit flammendem Herzen. Sie ist Mitte 30. \u201eDas hat meine Glaubenspraxis intensiviert\u201c, sagt sie. Doch der Eifer legte sich.\u00a0<\/span>Die Karriere, wie sie f\u00fcr viele Menschen als erstrebenswert gilt, nimmt hingegen Fahrt auf: Berufsbegleitend studiert sie Betriebswirtschaftslehre, steigt ins mittlere Konzernmanagement auf: sehr gutes Einkommen, Dienstwagen, eine ger\u00e4umige Wohnung. \u201eIch wollte Freiheit und Herr meiner Entschl\u00fcsse sein\u201c, gibt sie ihre damaligen Vorstellungen wieder. Eine Familiengr\u00fcndung spielt f\u00fcr sie keine Rolle.<\/p>\n<p><strong>\u201eUnscheinbares\u201c Berufungserlebnis<\/strong><\/p>\n<p>Sieht so Erf\u00fcllung aus? Der Sommer 2001 s\u00e4t bei Iris Buttala \u2013 so ihr b\u00fcrgerlicher Name \u2013 Zweifel. Alles beginnt unscheinbar mit einem Tagesausflug, den sie mit den Eltern in die Benediktinerabtei Ottobeuren (Di\u00f6zese Augsburg) unternimmt. \u201eWir sind auch zum Chorgebet geblieben\u201c, sagt Schwester Mechtild. \u201eAlles, was atmet, lobe den Herrn\u201c, lesen die M\u00f6nche aus dem 150. Psalm. Das ergreift sie. Wenn es ein Berufungserlebnis gegeben hat, sagt sie, so muss man es in diesen Minuten sehen. \u201eIch will auch den Herrn loben\u201c \u2013 auf diese Weise, habe sie damals gedacht. Sie nimmt mit dem Gastpater Kontakt auf und verbringt einige Tage im Kloster. Er verweist auf die Wiederbesiedlung des Klosters Helfta (Bistum Magdeburg), deren Gr\u00fcndungspriorin Maria Assumpta Schenkl sie sp\u00e4ter im Bayerischen Rundfunk h\u00f6rt. Sie schreibt ihr. Schenkl l\u00e4dt sie nach Sachsen-Anhalt ein: \u201eEs w\u00e4re ein Wunder\u201c, gibt sie die Worte der 2009 Verstorbenen wieder, \u201ewenn Sie zu uns k\u00e4men.\u201c Buttala kommt.<\/p>\n<p>Dabei ist sie in diesen Monaten hin- und hergerissen. Der Schritt w\u00e4re ein gro\u00dfer. Fast jeder r\u00e4t ab. Was sie sich aufgebaut hat! Dazu ihre Freiheit. Doch die \u00dcberzeugung reift: \u201eJetzt, jetzt, jetzt! Wenn du es jetzt nicht tust, wirst du es lebenslang bereuen\u201c \u2013 so schildert sie die Gedanken, die sie beim ersten Aufenthalt in Helfta in der Klosterkirche bewegen. Angst bleibt dennoch. Dass sie es schaffe, habe keiner vermutet. Doch sie k\u00fcndigt den Job, l\u00f6st die Wohnung auf, gibt das Auto weg. Im Juni 2002 bricht sie nach Helfta auf.<\/p>\n<p>\u201eDie ersten zehn Jahre waren hart. Ruhe und Stillsein\u201c, bekennt sie freim\u00fctig, \u201esind mir schwergefallen.\u201c Dann wieder gr\u00e4mt sie sich, nicht viel fr\u00fcher eingetreten zu sein. \u201eIrgendwann aber kam die Erkenntnis, dass es Gottes Plan war, mich mit meinem beruflichen Hintergrund zu berufen.\u201c Aus eigener Erfahrung kenne sie die Leiden bestimmter Berufe dieser Zeit: \u00dcberlastung, st\u00e4ndiger Termindruck, Stress bis zum Burnout. Darum absolviert sie im Kloster eine dreij\u00e4hrige Seelsorgeausbildung.<\/p>\n<p><strong>Wechsel in \u00e4ltestes Zisterzienserinnenkloster<\/strong><\/p>\n<p>Sie kommt nach Helfta und f\u00fchlt sich wohl; der Konvent ist jung. Von \u00fcberallher zieht der Ort Frauen an. Dennoch wechselt sie 2019 nach Marienthal. Die Motive sind vielf\u00e4ltig: Das \u00e4lteste Zisterzienserinnenkloster Deutschlands soll Bestand haben. Dank weiterer Eintritte und Wechsel leben hier nun zw\u00f6lf Schwestern. Gemessen an sp\u00e4teren Gr\u00fcndungen, seien die kl\u00f6sterlichen Traditionen urspr\u00fcnglicher. Schwester Mechtild ist mittlerweile Priorin und auch f\u00fcr die Wirtschaftsf\u00fchrung verantwortlich.<\/p>\n<p>Ein wichtiger spiritueller Grund zu bleiben, sei dieser gewesen: \u201eIch erkannte, beinahe mit Erschrecken, in der Christusdarstellung am Herz-Jesu-Altar der Kirche meine W\u00fcstenvision von 1992.\u201c Dass der Weg f\u00fcr sie ein guter gewesen ist, h\u00e4tten ihre Eltern erkannt. Sie sp\u00fcrten die innere Zufriedenheit der Tochter. Schwester Mechtild versucht nun \u2013 dank ihrer Ausbildung \u2013 im Einkehrprogramm des Klosters etwas davon an G\u00e4ste weiterzugeben. Eines der Angebote tr\u00e4gt nicht zuf\u00e4llig den Titel \u201eMit den Psalmen beten lernen\u201c.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie hatte alles, wovon viele Menschen tr\u00e4umen: eine gute Anstellung, eine sch\u00f6ne Wohnung, ein schnelles Auto. 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