{"id":4215,"date":"2023-06-01T05:50:39","date_gmt":"2023-06-01T05:50:39","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4215"},"modified":"2023-10-18T15:55:38","modified_gmt":"2023-10-18T15:55:38","slug":"als-flaneur-an-der-donau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2023\/06\/01\/als-flaneur-an-der-donau\/","title":{"rendered":"Als Flaneur an der&nbsp;Donau"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4219\" aria-describedby=\"caption-attachment-4219\" style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4219 size-full\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-scaled.jpeg\" alt width=\"2560\" height=\"1517\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-370x219.jpeg 370w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-1024x607.jpeg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-768x455.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-1536x910.jpeg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-2048x1214.jpeg 2048w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0321-300x178.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\"><figcaption id=\"caption-attachment-4219\" class=\"wp-caption-text\">Das Caf\u00e9 Pr\u00fcckel z\u00e4hlt zu den weni\u00adgen, die an der Wie\u00adner Ring\u00adstra\u00ad\u00dfe \u00fcber\u00adlebt haben und zu den authen\u00adtischs\u00adten H\u00e4u\u00adsern der Innen\u00adstadt oben\u00addrein. Foto: Micha\u00adel&nbsp;Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wo ist Wien zu fin\u00adden; was macht es aus? Das h\u00e4ngt davon ab, was man sucht. Ein Spaziergang.<\/p>\n<p>WIEN. Wien! \u201eWer die Stadt nennt\u201c, schrieb Hel\u00admuth Bur\u00adgert 1937, \u201eh\u00f6rt einen Gei\u00adgen\u00adton mit\u00adschwin\u00adgen.\u201c Als wir uns am Tag nach Chris\u00adti Him\u00admel\u00adfahrt den Weg vom Fr\u00fch\u00adst\u00fcck im ehr\u00adw\u00fcr\u00addi\u00adgen Caf\u00e9 Pr\u00fcckel \u00fcber die Woll\u00adzei\u00adle in die Stadt bah\u00adnen, t\u00f6nen von Fer\u00adne ande\u00adre Kl\u00e4n\u00adge. Die USC Tro\u00adjan Mar\u00adching Band aus Los Ange\u00adles, einst mit Micha\u00adel Jack\u00adson oder Dia\u00adna Ross auf der B\u00fch\u00adne, gibt am Ste\u00adphans\u00adplatz ein Kon\u00adzert mit Pau\u00adken und Trom\u00adpe\u00adten, Tuben, Saxo\u00adfo\u00adnen. Son\u00adne satt, wie in Kali\u00adfor\u00adni\u00aden, brennt auf die auch mit Tanz\u00adein\u00adla\u00adgen auf\u00adwar\u00adten\u00adde Kapel\u00adle und die Men\u00adschen\u00adscha\u00adren vor<!--more--> ihr. Nach kur\u00adzem Inne\u00adhal\u00adten l\u00f6sen sich Tou\u00adris\u00adten\u00adschn\u00fc\u00adre her\u00adaus und zie\u00adhen in den Dom ein und bald wie\u00adder her\u00adaus. Andacht kommt drin\u00adnen kei\u00adne auf, der Ger\u00e4usch\u00adpe\u00adgel ist hoch; immer\u00adfort blit\u00adzen Kame\u00adras. Das Gewim\u00admel dr\u00e4ngt wei\u00adter auf den Gra\u00adben mit der Pest\u00ads\u00e4u\u00adle, Hof\u00adburg und Nobel\u00adge\u00adsch\u00e4f\u00adten ent\u00adge\u00adgen. Wien hat sich l\u00e4ngst zu einem Tou\u00adris\u00adten\u00adma\u00adgne\u00adten inter\u00adna\u00adtio\u00adna\u00adlen Ran\u00adges gemau\u00adsert; unab\u00adl\u00e4s\u00adsig sin\u00adken Flug\u00adzeu\u00adge aus aller Welt her\u00adnie\u00adder und stei\u00adgen sp\u00e4\u00adter wie\u00adder&nbsp;auf.<\/p>\n<p>Die Stadt, deren kul\u00adtu\u00adrel\u00adle Relik\u00adte aus der Zeit der Kaf\u00adfee\u00adhaus\u00adli\u00adte\u00adra\u00adten vom Fin de Si\u00e8\u00adcle bis zum Ende der Drei\u00ad\u00dfi\u00adger\u00adjah\u00adre ich mit einer klei\u00adnen Grup\u00adpe auf\u00adzu\u00adsp\u00fc\u00adren suche, jenes Wien, das Fried\u00adrich Tor\u00adberg schon 1968 nur in der R\u00fcck\u00adschau das sei\u00adner Tr\u00e4u\u00adme nann\u00adte, gibt es nicht mehr: das \u201eder Lie\u00adder \u2026 die Kai\u00adser\u00adstadt, Haupt- und Resi\u00addenz\u00adstadt des eins\u00adti\u00adgen 50-Mil\u00adlio\u00adnen-Rei\u00adches, die Metro\u00adpo\u00adle, in der sich die\u00adses Rei\u00adches V\u00f6l\u00adker\u00adschaf\u00adten (ihrer zehn oder zw\u00f6lf) amal\u00adga\u00admier\u00adten, in deren Umgangs\u00adspra\u00adche sich sla\u00adwi\u00adsche, unga\u00adri\u00adsche, j\u00fcdi\u00adsche und ita\u00adlie\u00adni\u00adsche Bro\u00adcken misch\u00adten: ein geo\u00adgra\u00adphi\u00adscher, poli\u00adti\u00adscher und geis\u00adti\u00adger Mit\u00adtel\u00adpunkt von unge\u00adheu\u00adrer Anzie\u00adhungs\u00adkraft und Aus\u00adstrah\u00adlung, die noch im ent\u00adle\u00adgens\u00adten Nest an der gali\u00adzisch-rus\u00adsi\u00adschen Gren\u00adze, noch im dal\u00adma\u00adti\u00adni\u00adschen Fischer\u00addorf sp\u00fcr\u00adbar&nbsp;blieb\u201c.<\/p>\n<p>Die\u00adses Wien, dia\u00adgnos\u00adti\u00adzier\u00adte der Publi\u00adzist nach sei\u00adner R\u00fcck\u00adkehr aus dem ame\u00adri\u00adka\u00adni\u00adschen Exil, in das er als Jude geflo\u00adhen war, \u00fcber\u00adleb\u00adte den Zusam\u00admen\u00adbruch der Mon\u00adar\u00adchie um zwan\u00adzig Jah\u00adre. Es ging unter mit der \u201eHeim\u00adkehr\u201c ins Tau\u00adsend\u00adj\u00e4h\u00adri\u00adge Reich, aus dem die Stadt nach sie\u00adben Jah\u00adren und anf\u00e4ng\u00adli\u00adchem Jubel frei\u00adkam, doch uner\u00adsetz\u00adli\u00adcher K\u00f6p\u00adfe beraubt und abge\u00adschnit\u00adten von den Bin\u00addun\u00adgen nach Nor\u00adden, S\u00fcden, Osten. In dies alte \u00d6ster\u00adreich, in dem Wie\u00adner F\u00e4den bis Czer\u00adno\u00adwitz, Lem\u00adberg und Prag, Lai\u00adbach oder Tri\u00adest reich\u00adten, gab es kein Zur\u00fcck. Auch f\u00fcr uns gibt es kei\u00adnes. Wir neh\u00admen Wien, wie es uns heu\u00adte ent\u00adge\u00adgen\u00adtritt, stau\u00adnen etwa \u00fcber die Ring\u00adstra\u00ad\u00dfen\u00adar\u00adchi\u00adtek\u00adtur, die im deut\u00adschen Sprach\u00adraum ein\u00adma\u00adlig welt\u00adst\u00e4d\u00adtisch daher\u00adkommt, und manch ande\u00adre Fle\u00adckerl. Vie\u00adle Sehens\u00adw\u00fcr\u00addig\u00adkei\u00adten \u2013 von der Hof\u00adburg bis zum Pra\u00adter \u2013 ste\u00adhen nicht auf dem Pro\u00adgramm, sind l\u00e4ngst abgeschritten.<\/p>\n<p>Wir las\u00adsen uns fort\u00adtra\u00adgen im Gew\u00fchl des Gra\u00adbens und spa\u00adzie\u00adren \u00fcber die Nag\u00adler\u00adgas\u00adse und den Hei\u00adden\u00adschu\u00df auf die Frey\u00adung zur Schot\u00adten\u00adkir\u00adche. Jen\u00adseits der Lit\u00adur\u00adgien oft nur bis zum Git\u00adter unter der Empo\u00adre zu betre\u00adten, ent\u00adz\u00fcn\u00adden wir in einer Nische zum gleich\u00adna\u00admi\u00adgen Bene\u00addik\u00adti\u00adner\u00adstift hin eine Ker\u00adze f\u00fcr die Fami\u00adlie \u2013 und drei Domi\u00adni\u00adka\u00adner-Dia\u00adko\u00adne. Am Sams\u00adtag wer\u00adden sie in der Kir\u00adche des Ordens, S. Maria Rotun\u00adda, von Chris\u00adtoph Kar\u00addi\u00adnal Sch\u00f6n\u00adborn zu Pries\u00adtern geweiht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4220\" aria-describedby=\"caption-attachment-4220\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4220\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-278x370.jpeg\" alt width=\"278\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-278x370.jpeg 278w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-1536x2048.jpeg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-225x300.jpeg 225w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0348-scaled.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\"><figcaption id=\"caption-attachment-4220\" class=\"wp-caption-text\">Das alte Caf\u00e9 Cen\u00adtral wur\u00adde 1943 geschlos\u00adsen; bis dahin war es Hei\u00admat zahl\u00adrei\u00adcher Schrift\u00adstel\u00adler. Im Jah\u00adre 1975 sperr\u00adte es aber\u00admals auf und ist heu\u00adte v\u00f6l\u00adlig \u00fcber\u00adlau\u00adfen. Foto: Micha\u00adel&nbsp;Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach einem Vater\u00adun\u00adser stre\u00adben wir wei\u00adter, Aus\u00adschau hal\u00adtend nach einer Rast, durch die Fers\u00adtel-Pas\u00adsa\u00adge auf die Her\u00adren\u00adgas\u00adse. Im Caf\u00e9 Cen\u00adtral, \u00fcber das der Feuil\u00adle\u00adto\u00adnist Alfred Pol\u00adgar 1946 eine \u201eTheo\u00adrie\u201c ver\u00ad\u00f6f\u00adfent\u00adlich\u00adte, als es schon drei Jah\u00adre lang geschlos\u00adsen war (1975 \u00f6ff\u00adne\u00adte es aber\u00admals), ist kein Platz frei. Dut\u00adzen\u00adde Tou\u00adris\u00adten, in lan\u00adger Schlan\u00adge sich vor den T\u00fcren win\u00addend, begeh\u00adren Ein\u00adlass. Um schnel\u00adle Fotos zu knip\u00adsen f\u00fcr die sozia\u00adlen Netz\u00adwer\u00adke? Immer\u00adhin z\u00e4hl\u00adten Freud, Frie\u00addell, Hof\u00admanns\u00adthal, Perutz zu den Stamm\u00adg\u00e4s\u00adten. Auch Musil, Schnitz\u00adler, Zweig und Pol\u00adgar kamen gern. Ob die War\u00adten\u00adden letz\u00adte\u00adren gele\u00adsen haben? \u201eTeil\u00adhaf\u00adtig der eigent\u00adli\u00adchen Rei\u00adze die\u00adses wun\u00adder\u00adli\u00adchen Kaf\u00adfee\u00adhau\u00adses\u201c, hat\u00adte er notiert, \u201ewird allein der, der dort nichts will als dort sein. Zweck\u00adlo\u00adsig\u00adkeit hei\u00adligt den Auf\u00adent\u00adhalt.\u201c Nur wer dies ver\u00adste\u00adhe, sei dem Flui\u00addum des Ortes auf der Spur. Sei\u00adner\u00adzeit. Das heu\u00adti\u00adge \u201eCen\u00adtral\u201c taugt daf\u00fcr kaum&nbsp;noch.<\/p>\n<p>Wir wan\u00addern nach einem Abste\u00adcher in den Schmet\u00adter\u00adlings\u00adzoo im Pal\u00admen\u00adhaus des Burg\u00adgar\u00adtens, nun m\u00fcden Schrit\u00adtes, in Rich\u00adtung Stall\u00adburg\u00adgas\u00adse zum \u201eBr\u00e4u\u00adner\u00adhof\u201c. Es war des \u00f6ster\u00adrei\u00adchi\u00adschen Skan\u00addal\u00adschrift\u00adstel\u00adlers Tho\u00admas Bern\u00adhard Lieb\u00adlings\u00adca\u00adf\u00e9. In der Span\u00adnung sei\u00adnes \u00fcber\u00adspann\u00adten, von Krank\u00adheit gepei\u00adnig\u00adten Lebens ver\u00adlieh er sei\u00adner Sym\u00adpa\u00adthie vor allem so Aus\u00addruck, dass er\u2019s immer wie\u00adder ansteu\u00ader\u00adte, sich dar\u00adin, schrieb er, wie zu Hau\u00adse f\u00fchl\u00adte. Obgleich er es hass\u00adte, auch das liest man in sei\u00adner Erz\u00e4h\u00adlung \u201eWitt\u00adgen\u00adsteins Nef\u00adfe\u201c (1982), \u201eweil alles in ihm ganz gegen mich ist\u201c, lie\u00df er sein Alter Ego bekunden.<\/p>\n<p>Ich bestel\u00adle ein St\u00fcck Top\u00adfen\u00adstru\u00addel. Zei\u00adtun\u00adgen lie\u00adgen auf und wan\u00addern, wenn auch sel\u00adte\u00adner als fr\u00fc\u00adher, von einem zum n\u00e4chs\u00adten, auch unserm Tisch. Der Ober ser\u00adviert gespritz\u00adten Apfel\u00adsaft, Melan\u00adge, Ver\u00adl\u00e4n\u00adger\u00adten. Durch die offe\u00adnen Fens\u00adter weht eine sanf\u00adte Bri\u00adse das lei\u00adse Stim\u00admen\u00adge\u00adwirr \u00fcber die Tische. In stil\u00adler Schau der Umst\u00e4n\u00adde stellt sich f\u00fcr den Gast eine Ahnung ein davon, was sie meint: Pol\u00adgars Rede vom Flui\u00addum. Mehr nicht. \u201eWos vor\u00adbei is, is vor\u00adbei\u201c, sang Johann H\u00f6lzel.<\/p>\n<p>W\u00e4h\u00adrend\u00addes\u00adsen reift die Idee zum Ent\u00adschluss: Wenn Kaf\u00adfee\u00adh\u00e4u\u00adser und Pracht\u00adstra\u00ad\u00dfen nicht gen\u00fc\u00adgen, die Sehn\u00adsucht nach dem Ges\u00adtern zu stil\u00adlen \u2013 ange\u00adle\u00adsen und ver\u00adkl\u00e4rt zwar, doch gera\u00adde dar\u00adum m\u00e4ch\u00adtig \u2013, dann (mehr Ges\u00adtern geht nicht) auf ins Anti\u00adqua\u00adri\u00adat! Auf zu L\u00f6cker an der Anna\u00adgas\u00adse, am Ort seit 50 Jah\u00adren; es sind nur sie\u00adben Minu\u00adten Fu\u00dfweg.<\/p>\n<p>Stil\u00adle da, end\u00adlich, inne\u00adre Ein\u00adkehr. Was ist hier eine Drei\u00advier\u00adtel\u00adstun\u00adde? B\u00fccher bis zur Decke, Druck\u00adgra\u00adphik, ver\u00adglas\u00adte Vitri\u00adnen mit Erst\u00adaus\u00adga\u00adben. Eine von Dode\u00adrers \u201eMero\u00adwin\u00adgern\u201c, zwei Tor\u00adberg-B\u00e4n\u00adde, Bur\u00adgerts B\u00fcch\u00adlein \u00fcber \u201eDas Wie\u00adner Kaf\u00adfee\u00adhaus\u201c, Hub\u00admanns Foto\u00adre\u00adtro\u00adspek\u00adti\u00adve \u201eCaf\u00e9 Hawel\u00adka\u201c und eine klei\u00adne, unle\u00adser\u00adlich signier\u00adte Radie\u00adrung \u2013 wohl aus der Zwi\u00adschen\u00adkriegs\u00adzeit \u2013, die von der Reit\u00adschul\u00adgas\u00adse den Blick frei\u00adgibt auf die Michae\u00adler\u00adkir\u00adche: Sie alle lan\u00adden nach freu\u00addi\u00adgem Bestau\u00adnen in zwei T\u00fcten und sp\u00e4\u00adter in Dres\u00adden, von wo die Rei\u00adse ins ver\u00adl\u00e4n\u00adger\u00adte Wochen\u00aden\u00adde ange\u00adtre\u00adten wor\u00adden&nbsp;war.<\/p>\n<p>Mag vie\u00adles von einst ver\u00adlo\u00adren sein, ver\u00adgan\u00adgen. Es ist nicht zu \u00e4ndern. \u201e[E]in biss\u00adchen gol\u00adde\u00adner Nach\u00adglanz der Kai\u00adser\u00adzeit, ein St\u00fcck Sacher\u00adtor\u00adte, die schw\u00fc\u00adle Ero\u00adtik eines Gus\u00adtav Klimt, die zart\u00adli\u00adla Unschuld des Wie\u00adner Jugend\u00adstils, der Pomp der Oper, die Wort\u00admacht des Burg\u00adthea\u00adters\u201c \u2013 all das l\u00e4sst sich fin\u00adden, nach wie vor, schrieb der Jour\u00adna\u00adlist Mar\u00adtin Tschech\u00adne. Auf Insze\u00adnie\u00adrung ver\u00adst\u00fcn\u00adden sie sich, die Wie\u00adner. \u201eBit\u00adte, h\u00f6f\u00adlichst\u201c, sagt am Mon\u00adtag\u00admor\u00adgen der Ober im Caf\u00e9 Schwar\u00adzen\u00adberg, dem \u00e4ltes\u00adten sei\u00adner Art an der Ringstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Bevor wir uns auf die R\u00fcck\u00adfahrt \u00fcber Br\u00fcnn und Prag bege\u00adben, f\u00fchrt der Weg \u00fcber die gepflas\u00adter\u00adte H\u00f6hen\u00adstra\u00ad\u00dfe hin\u00adauf zum Kah\u00adlen\u00adberg im 19. Bezirk. Mit 484 Metern ist er der h\u00f6chs\u00adte Aus\u00adl\u00e4u\u00adfer der bis an die Donau rei\u00adchen\u00adden Kalk\u00advor\u00adal\u00adpen. Die kos\u00adten\u00adfrei zug\u00e4ng\u00adli\u00adche Aus\u00adsichts\u00adter\u00adras\u00adse bie\u00adtet gran\u00addio\u00adsen Aus\u00adblick \u00fcber die Stadt. Im Sep\u00adtem\u00adber 1983 hat Papst Johan\u00adnes Paul II. die Anh\u00f6\u00adhe besucht, auf der sich das Natio\u00adnal\u00adhei\u00adlig\u00adtum der in \u00d6ster\u00adreich leben\u00adden Polen befin\u00addet: eine Kopie der Schwar\u00adzen Madon\u00adna von Tschenstochau.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4217\" aria-describedby=\"caption-attachment-4217\" style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4217\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-scaled.jpeg\" alt width=\"2560\" height=\"1205\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-370x174.jpeg 370w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-1024x482.jpeg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-768x361.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-1536x723.jpeg 1536w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-2048x964.jpeg 2048w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/IMG_0315-300x141.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\"><figcaption id=\"caption-attachment-4217\" class=\"wp-caption-text\">Wie\u00adner Stadt\u00adpan\u00adora\u00adma, vom heu\u00adti\u00adgen Kah\u00adlen\u00adberg aus gese\u00adhen. Einst trug der nun\u00admeh\u00adri\u00adge Leo\u00adpolds\u00adberg die\u00adsen Namen, was immer\u00adfort zu Ver\u00adwechs\u00adlun\u00adgen f\u00fchrt. Foto: Micha\u00adel&nbsp;Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Josefs\u00adkir\u00adche, in der sie ver\u00adehrt wird, steht indes \u201ef\u00e4lsch\u00adlich mit der T\u00fcr\u00adken\u00adbe\u00adla\u00adge\u00adrung in Ver\u00adbin\u00addung\u201c. Dar\u00adan erin\u00adnert der His\u00adto\u00adri\u00adker Felix Czei\u00adke in sei\u00adnem Wien-F\u00fch\u00adrer. Denn der urspr\u00fcng\u00adlich Kah\u00adlen\u00adberg gehei\u00ad\u00dfe\u00adne heu\u00adti\u00adge Leo\u00adpolds\u00adberg liegt einen halb\u00adst\u00fcn\u00addi\u00adgen Fu\u00df\u00admarsch ent\u00adfernt. Was immer\u00adfort zu Ver\u00adwech\u00adse\u00adlun\u00adgen f\u00fchrt, blie\u00adbe ohne Belang, w\u00e4re nicht davon die Loka\u00adli\u00adsie\u00adrung der ber\u00fchm\u00adten Feld\u00admes\u00adse vor der Ent\u00adsatz\u00adschlacht Wiens (1683) betrof\u00adfen, die hier zele\u00adbriert wur\u00adde. Der pol\u00adni\u00adsche K\u00f6nig Jan III. Sobie\u00adski hat\u00adte dabei minis\u00adtriert, das Ent\u00adsatz\u00adheer, das danach den t\u00fcr\u00adki\u00adschen Bela\u00adge\u00adrungs\u00adring brach, teilgenommen.<\/p>\n<p>Wien war und ist in sehr wei\u00adtem Sin\u00adne \u201eVor\u00adstadt Euro\u00adpas\u201c (Hans Weigel). Wir keh\u00adren ihr nun den R\u00fccken, so Gott will: nicht f\u00fcr&nbsp;lange.<\/p>\n\n<div class=\"jwsharethis\">\nShare&nbsp;this:&nbsp;<br>\n<a href=\"mailto:?subject=Als%20Flaneur%20an%20der%26nbsp%3BDonau&amp;body=https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2023%2F06%2F01%2Fals-flaneur-an-der-donau%2F\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/email.png\" alt=\"Share this page via Email\">\n<\/a>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2023%2F06%2F01%2Fals-flaneur-an-der-donau%2F&amp;t=Als+Flaneur+an+der%26nbsp%3BDonau\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/fb.png\" alt=\"Share this page via Facebook\">\n<\/a>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?text=I+like+https%3A%2F%2Fmichael-kunze.net%2Fcategory%2Fartikel%2F2023%2F06%2F01%2Fals-flaneur-an-der-donau%2F&amp;title=Als+Flaneur+an+der%26nbsp%3BDonau\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/plugins\/jw-share-this\/twitter.png\" alt=\"Share this page via Twitter\">\n<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo ist Wien zu fin\u00adden; was macht es aus? Das h\u00e4ngt davon ab, was man sucht. Ein Spa\u00adzier\u00adgang. WIEN. Wien! \u201eWer die Stadt nennt\u201c, schrieb Hel\u00admuth Bur\u00adgert 1937, \u201eh\u00f6rt einen Gei\u00adgen\u00adton mit\u00adschwin\u00adgen.\u201c Als wir uns am Tag nach Chris\u00adti Him\u00admel\u00adfahrt den Weg vom Fr\u00fch\u00adst\u00fcck im ehr\u00adw\u00fcr\u00addi\u00adgen Caf\u00e9 Pr\u00fcckel \u00fcber die Woll\u00adzei\u00adle in die Stadt bah\u00adnen,\u2026 <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2023\/06\/01\/als-flaneur-an-der-donau\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Als Fla\u00adneur an der&nbsp;Donau<\/span> wei\u00adter\u00adle\u00adsen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[19,13,10,14],"tags":[1878,1780,1900,1852,1879,1643,1885,1901,1897,1898,104,694,36,1896,218,561,1884,1899,1251,531,106],"class_list":["post-4215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-geschichte","category-kultur","category-religion","tag-alfred-polgar","tag-antiquariat","tag-arthur-schnitzler","tag-donau","tag-egon-friedell","tag-felix-czeike","tag-friedrich-torberg","tag-hans-weigel","tag-heimito-von-doderer","tag-hugo-von-hofmannsthal","tag-kaffeehaus","tag-katholische-kirche","tag-kirche","tag-leo-perutz","tag-osterreich","tag-predigerorden","tag-robert-musil","tag-sigmund-freud","tag-stefan-zweig","tag-thomas-bernhard","tag-wien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4215"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4215\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4276,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4215\/revisions\/4276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}