{"id":4403,"date":"2023-12-17T11:45:49","date_gmt":"2023-12-17T11:45:49","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4403"},"modified":"2024-01-03T12:21:06","modified_gmt":"2024-01-03T12:21:06","slug":"kloster-st-marienthal-in-ostsachsen-verkauft-bibliothek-an-den-freistaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2023\/12\/17\/kloster-st-marienthal-in-ostsachsen-verkauft-bibliothek-an-den-freistaat\/","title":{"rendered":"Abtei St. Marienthal verkauft Bibliothek an Freistaat Sachsen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_4409\" aria-describedby=\"caption-attachment-4409\" style=\"width: 1746px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4409\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571.jpeg\" alt=\"\" width=\"1746\" height=\"1795\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571.jpeg 1746w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-360x370.jpeg 360w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-996x1024.jpeg 996w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-50x50.jpeg 50w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-768x790.jpeg 768w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-1494x1536.jpeg 1494w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/IMG_4571-292x300.jpeg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 1746px) 100vw, 1746px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4409\" class=\"wp-caption-text\">Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), \u00c4btissin M. Elisabeth Vaterodt OCist sowie der Generalsekret\u00e4r der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, Martin Hoernes, betrachten zwei besondere St\u00fccke der St. Marienthaler Bibliothek. F\u00fcr kurze Zeit sind sie in der Schatzkammer der SLUB ausgestellt. Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Gro\u00dfteil der Drucke bleibt als Dauerleihgabe im Kloster, w\u00e4hrend Handschriften und Urkunden nach Leipzig und Dresden gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DRESDEN\/OSTRITZ. Die Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienthal im s\u00fcdosts\u00e4chsischen Ostritz hat ihre Bibliothek an den Freistaat Sachsen verkauft: insgesamt rund 2700 Titel. Nach mehr als zwei Jahren Verhandlung sind daf\u00fcr 5,5 Millionen Euro geflossen.<!--more--> Eine Million Euro steuerte die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung bei. Dar\u00fcber haben nun in Dresden die \u00c4btissin Maria Elisabeth Vaterodt sowie Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Stiftung informiert.<!--more--><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N\u00f6tig geworden ist der Verkauf, da das Kloster durch das Nei\u00dfe-Hochwasser (2010) stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Trotz Hilfen des Freistaats, die offenbar nicht ausreichten, hatten die Nonnen eine kleine Auswahl hochkar\u00e4tiger St\u00fccke der Bibliothek mit Urkunden, Handschriften und Drucken des 12. bis 19. Jahrhunderts \u00fcber einen schweizerischen H\u00e4ndler auf dem Kunstmarkt angeboten. Daf\u00fcr hagelte es Kritik von Archivaren, Wissenschaftlern, Politikern, die Verlust ins Ausland, Zerschlagung des Bestandes und Unzug\u00e4nglichkeit f\u00fcr Forscher f\u00fcrchteten. Daraufhin aufgenommene Verhandlungen mit dem Freistaat seien \u201ekein leichter Weg\u201c gewesen, r\u00e4umte die \u00c4btissin ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit dem Ergebnis indes zeigten sich alle Beteiligten zufrieden. Die s\u00e4chsische Staatsministerin f\u00fcr Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch (CDU), sieht in dem Ankauf die Chance, Kulturgut in Sachsen zu halten, bei dem es sich um einen zentralen \u201eBeitrag zur Erz\u00e4hlung der s\u00e4chsischen Geschichte\u201c handele.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Neuer Eigent\u00fcmer der Sammlung von religi\u00f6sen und weltlichen St\u00fccken wird die S\u00e4chsische Landesbibliothek \u2013 Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek (SLUB) in Dresden. Zu den Titeln z\u00e4hlen 35 Urkunden, die k\u00fcnftig im Hauptstaatsarchiv der Landeshauptstadt verwahrt werden, 21 Inkunabeln (Fr\u00fchdrucke) und acht besonders wertvolle Handschriften, die sp\u00e4ter in das Handschriftenzentrum der Uni Leipzig \u00fcberf\u00fchrt werden sollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eingerichtet worden ist die Marienthaler Bibliothek zu den Themen Theologie, Askese, Spiritualit\u00e4t, aber auch mit geschichtswissenschaftlichen, geographischen und juristischen Schriften im Wesentlichen ab dem 17. Jahrhundert. Sie diente der Bildung der Schwestern und half bei der Verwaltung kl\u00f6sterlichen Grundbesitzes. Das Gros bleibt als Dauerleihgabe im Kloster.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">SLUB-Generaldirektorin Katrin Stump w\u00fcrdigte den Ankauf als Gl\u00fccksfall. Wurden in j\u00fcngerer Zeit Sammlungen kl\u00f6sterlicher Bildungskultur, die auch die Rekonstruktion von Wissensnetzwerken erm\u00f6glichen, zum Verkauf angeboten, habe die \u00d6ffentliche Hand kaum je etwas komplett erstehen k\u00f6nnen, oft nur einzelne St\u00fccke. F\u00fcr das Jahr 2025 k\u00fcndigte sie eine gro\u00dfe Ausstellung mit Objekten aus der Bibliothek an. Auch f\u00fcr die Landesausstellung \u201e1100 Jahre Sachsen\u201c (2029) sowie die 800-Jahr-Feier des Klosters (2034) d\u00fcrfe mit Kooperationen zwischen Freistaat und Kloster zu rechnen sein, verrieten Andeutungen der Protagonisten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zwei der wertvollsten St\u00fccke sind bis 6. Januar 2024 in der im SLUB-Hauptgeb\u00e4ude untergebrachten Schatzkammer kostenfrei zu besichtigen: der bis zur Reformation im Kloster Altzelle, einer der Grablegen der Wettiner, verwahrte St. Marienthaler Psalter aus dem 13. Jahrhundert sowie das sogenannte Kapiteloffiziumsbuch aus dem 12. Jahrhundert. Es stammt aus dem Kloster Pforte bei Naumburg, geh\u00f6rte zum Altzeller Gr\u00fcndungsbestand und enth\u00e4lt etwa ein Martyrologium und ein Verzeichnis mit Sterbedaten von 15 der 34 Altzeller \u00c4bte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von internationaler Bedeutung ist der Psalter, ein in Franken entstandenes Prachtgebetbuch mit Rankinitialen. Er gew\u00e4hrt als einzig bekanntes Exemplar seiner Art Einblicke in die Kultur des obers\u00e4chsischen Hochadels der Zeit. Europaweit sind nur zwei vergleichbare Schriften erhalten. Zeugnisse wie diese sind auf dem Gebiet der Reformation \u00e4u\u00dferst selten, wie Fachleute vom Handschriftenzentrum ausf\u00fchrten, da der konfessionelle Bruch einen Totalverlust des bis dato gebr\u00e4uchlichen, liturgischen Schrifttums mit sich gebracht habe. Beide B\u00e4nde, um 1530 vom gleichen Mei\u00dfener Buchbinder neugebunden, konnten ins seinerzeit b\u00f6hmische und also katholische St. Marienthal, eine Altzeller Tochtergr\u00fcndung, gerettet werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf die Frage, ob mit dem Verkauf die Finanzprobleme des Klosters gel\u00f6st seien, antwortete die \u00c4btissin mit \u201eja\u201c. Man m\u00fcsse nun alles daf\u00fcr tun, eine vergleichbare Situation k\u00fcnftig zu vermeiden und hoffe, sich jetzt wieder auf die eigentlichen Anliegen konzentrieren zu k\u00f6nnen: Gebet, Arbeit, Studium. \u201eWir vertrauen darauf\u201c, sagte sie, \u201edass Gott es f\u00fcgt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Konvent z\u00e4hlen neun Schwestern, eine ernsthafte Interessentin und zwei Frauen, die ein freiwilliges Ordensjahr absolvieren.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gro\u00dfteil der Drucke bleibt als Dauerleihgabe im Kloster, w\u00e4hrend Handschriften und Urkunden nach Leipzig und Dresden gehen. DRESDEN\/OSTRITZ. Die Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienthal im s\u00fcdosts\u00e4chsischen Ostritz hat ihre Bibliothek an den Freistaat Sachsen verkauft: insgesamt rund 2700 Titel. 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