{"id":4532,"date":"2025-12-19T20:15:50","date_gmt":"2025-12-19T20:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=4532"},"modified":"2026-05-22T13:46:26","modified_gmt":"2026-05-22T13:46:26","slug":"30-jahre-antiquariat-gerhard-eilert-in-meissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2025\/12\/19\/30-jahre-antiquariat-gerhard-eilert-in-meissen\/","title":{"rendered":"30 Jahre Antiquariat Gerhard Eilert in Mei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">MEISSEN. Bei der Burgstra\u00dfe in Mei\u00dfen handelt es sich wohl um die einzige Kleinstadtlage Sachsens, in der ein Antiquariat noch wirtschaftlich zuerst als Ladengesch\u00e4ft betrieben werden kann. Gerhard Eilert, geboren wie die Kollegen Wolfgang Neubert (Thalheim) und Claus Kunze (Dresden) 1947<!--more-->, macht es seit 30 Jahren vor. Am 20. Oktober 1995 hat er im Haus Nr. 11 sein Gesch\u00e4ft er\u00f6ffnet, damals mit dem Dresdner Kollegen Helge Hamm, der sich sp\u00e4ter zur\u00fcckzog.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eilerts Anf\u00e4nge als Antiquar liegen indes im Jahre 1992, reichlich 36 Kilometer elbaufw\u00e4rts, Van-Gogh-Stra\u00dfe 1 in Dresden-Hosterwitz, unweit der ber\u00fchmten Pillnitzer Wettiner-Sommerresidenz. Im Dresdener Zentrum sei in den fr\u00fchen Jahren nach der Friedlichen Revolution kein Ladengesch\u00e4ft zu haben gewesen. Eilert wich dank der Gewissheit in die Peripherie aus, dass ein Dresdner ein- bis zweimal j\u00e4hrlich ebenjener Sommerfrische mit dem ber\u00fchmten Park seine Aufwartung mache und dann, so die Hoffnung, diese oder jener bei ihm vorstellig werden sollte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Erwartung hat sich nicht erf\u00fcllt, aber ein Anfang war gemacht. \u201eDamals hatten wir noch den langen Donnerstag\u201c, sagt Eilert beim Gespr\u00e4ch in seinem Mei\u00dfner Antiquariat. Die L\u00e4den waren an dem Tag l\u00e4nger ge\u00f6ffnet als an den anderen. Man kam bei ihm zusammen, in dem sich nach bleiernen Jahren herausputzenden Vorort.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Standort blieb Episode. Was folgte, war der Umzug in die Dresdner Neustadt, Bautzner Stra\u00dfe 8. Da wie dort und nun an der Mei\u00dfner Burgstra\u00dfe sind die Verkaufsr\u00e4ume \u00fcberschaubar: 45, 55 Quadratmeter. Mehr waren es nie. F\u00fcr einige Jahre hat er die Gesch\u00e4fte in Dresden und Mei\u00dfen mit dem Compagnon parallel betrieben. Nach dessen Ausstieg konzentrierte er sich auf Mei\u00dfen. Die Bedeutung der Touristen ist hier entscheidend: Sie machten 70 Prozent der Kundschaft aus; irgendwann stand auch der fr\u00fchere Au\u00dfenminister Joseph \u201eJoschka\u201c Fischer im Laden. Der Rest komme aus der Region. Ein F\u00fcnftel des Umsatzes stamme von kleinen Gem\u00e4lden, gerahmten Landkarten, sonstigen Kunstgegenst\u00e4nden, ein Viertel aus topographischer Graphik, alles andere aus B\u00fcchern, vor allem \u2013 f\u00fcr Mei\u00dfen als Wiege des Europ\u00e4ischen Porzellans wenig verwunderlich \u2013 Literatur \u00fcber Porzellan und dem Wei\u00dfen Gold selbst, dazu B\u00fcchern der Bereiche Saxonica, Reisef\u00fchrern, Historica, Militaria. An fr\u00fchen Kinderb\u00fcchern h\u00e4nge sein Herz zwar, aber der Umsatz damit schwinde.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitte der 1990er-Jahre noch habe Goldgr\u00e4berstimmung geherrscht \u2013 der geb\u00fcrtige Dresdner bezieht sein Urteil vor allem auf Ank\u00e4ufe, denn die einheimische Kundschaft sei aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage zur\u00fcckhaltend gewesen. Auf einmal wurde, wohl aus diesem Grunde, zum Kauf angeboten, was bis dato nie verf\u00fcgbar gewesen war, die Zeitschrift \u201eSaxonia\u201c in seltener Vollst\u00e4ndigkeit etwa, auch wenn Eilert, der studierte Maschinenbauingenieur und Seiteneinsteiger, die Jahre vorher nur aus Kundenperspektive kennt. Nun aber kaufte er da eine Postinkunabel im Meistereinband, dort ein Ostasien-Reisealbum mit Originalaufnahmen aus den Anf\u00e4ngen der Fotografie \u2013 St\u00fccke, die jenseits der Metropolen selten auf Ladentischen landen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1990 noch war Eilert der Arbeit in seiner Profession, dem Maschinenbau, gen S\u00fcdwesten nachgezogen. Daraus erwuchs jedoch die M\u00f6glichkeit, in Stuttgart und anderswo durch die Antiquariate zu streifen, bis der Entschluss gefasst war, nach Sachsen zur\u00fcckzukehren, um das Hobby zum Beruf zu machen. Sein Lehrgeld hat er wie viele gezahlt, den seltenen Karl-May-Band f\u00fcr 10 statt 300 Mark dem Kunden \u00fcberlassen, der ihm sp\u00e4ter auf die Spr\u00fcnge half.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das in toto zufriedene Res\u00fcmee, zu dem auch die Unterst\u00fctzung seiner seit 25 Jahren ihn unterst\u00fctzenden Mitarbeiterin Ilona Hickmann ein Scherflein beigetragen hat, glaubt man ihm gern.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn aufgewachsen ist er als Kind, das sich nach Literatur sehnte, ohne dass sie ihm, die Eltern ausgebombt, in den fr\u00fchen Nachkriegsjahren im \u00dcberfluss zur Verf\u00fcgung gestanden h\u00e4tte. \u201eIn den Schutzkeller mitgenommen hatten sie nur den Brot- und den Silberkoffer, wie mir meine Mutter sp\u00e4ter berichtete\u201c, so Eilert. B\u00fccher: Fehlanzeige. Sie verbrannten, mussten von Verwandten, Nachbarn und aus dem anfangs darbenden Handel zusammengetragen werden. Irgendwann las er Hemingway, Miller, Faulkner, viele andere. Dabei ist es geblieben. Das Antiquariat weiterf\u00fchren m\u00f6chte Eilert, solange er und seine Mitarbeiterin gesundheitlich dazu in der Lage sind.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MEISSEN. Bei der Burgstra\u00dfe in Mei\u00dfen handelt es sich wohl um die einzige Kleinstadtlage Sachsens, in der ein Antiquariat noch wirtschaftlich zuerst als Ladengesch\u00e4ft betrieben werden kann. 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