{"id":587,"date":"2013-12-09T07:44:38","date_gmt":"2013-12-09T07:44:38","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=587"},"modified":"2014-02-10T16:20:31","modified_gmt":"2014-02-10T16:20:31","slug":"dresden-3-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/12\/09\/dresden-3-dezember\/","title":{"rendered":"Dresden, 9. Dezember 2013"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ossis neuen Typs&#8220; hat sie eine Sprecherin der Bundesstiftung Aufarbeitung k\u00fcrzlich genannt. Gemeint hat die Dame die sogenannte 3te Generation Ost, eine Gruppierung von Ostdeutschen, die von Mitte der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre geboren wurde &#8211;\u00a0junge Leute also,\u00a0die die DDR nurmehr\u00a0im Kindheits- oder fr\u00fchen<!--more--> Jugendalter\u00a0erlebt haben. Und sie wom\u00f6glich gerade deswegen heute beinahe mehr vermissen als altgediente fr\u00fchere SED-Kader. Diese Mittdrei\u00dfiger treten auf (selbst organisierten) Kongressen, Tagungen oder Seminaren immer \u00f6ffentlichkeitswirksamer gemeinsam auf, um sich\u00a0ihrer Erlebnisse von einst zu versichern. Stolz wird davon berichtet, wie das Pionierhalstuch getragen\u00a0und der Kindergarten besucht wurde.\u00a0Ist das mehr als ein recht peinlicher, doch\u00a0in\u00a0dem naiven\u00a0Gestus\u00a0fast wieder be\u00e4ngstigend daherkommender Blick zur\u00fcck?\u00a0Vielleicht. Abh\u00e4ngig zu machen w\u00e4re es davon, f\u00fcr wen genau und wie viele die Zonenkinder nicht nur vorgeben zu sprechen, sondern es auch tun.\u00a0&#8222;Sie schauen zur\u00fcck und gleichzeitig nach vorn&#8220;,\u00a0sagte Roland Jahn einmal, der Leiter der Stasiunterlagenbeh\u00f6rde. Das stimmt, nur\u00a0bleibt die Frage, wie sie dies tun. Michael Pilz schrieb neulich in der &#8222;Welt&#8220;: &#8222;Dass diese R\u00fcckschau dabei weniger\u00a0pragmatisch ausf\u00e4llt als bei \u00e4lteren Ostdeutschen und umso sehns\u00fcchtiger, liegt in der Natur dieser Generation.&#8220; Sie habe auf ihrem &#8222;Eilmarsch durch die westlichen Institutionen&#8220; nicht blo\u00df gelernt, Netzwerke zu kn\u00fcpfen, sondern sich auch\u00a0ein eigenes Selbstverst\u00e4ndnis zurechtgezimmert. &#8222;Die DDR&#8220; &#8211; man mag noch einmal daran erinnern: die sie\u00a0inmitten ihres Zerfallsprozesses\u00a0nur als Kinder kennengelernt haben &#8211; &#8222;wird mit den Jahren immer schicker und geheimnisvoller&#8220;,\u00a0meinte Pilz treffend.\u00a0Obwohl &#8211; oder: gerade weil? &#8211; die Vertreter der &#8222;3ten Generation Ost&#8220; nach der Wiedervereinigung meist ihre Karrieren im Westen oder im Ausland begonnen haben, bevor sie nach Berlin, Dresden, Leipzig oder Erfurt zur\u00fcckkehrten,\u00a0schauen sie auf das Land ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern, als sei es ihr eigenes gewesen. Durch eine\u00a0Brille, die all die Grau- und Schwarzt\u00f6ne in ein buntes Farbspiel taucht.\u00a0Nicht zuf\u00e4llig tragen sie darum heute vielfach Trainingsjacken mit FDJ-Schriftzug,\u00a0schw\u00f6ren auf &#8222;Ostrock&#8220;, loben ihre eigene Anpassungsf\u00e4higkeit\u00a0nach dem\u00a0Systemwechsel von\u00a01989\/90, der ihnen gegen\u00fcber Gleichaltrigen im Westen\u00a0einen Erfahrungsvorsprung verschafft habe, oder faseln bei einer Begegnung zwischen zwei Fu\u00dfballmannschaften aus den neuen L\u00e4ndern vom &#8222;Ostderby&#8220;. &#8222;Daran&#8220;, schrieb Pilz, &#8222;ist nicht nur das Ged\u00e4chtnis schuld mit seinen T\u00fccken. Nach fast 25 Jahren seltsam quellenunkritischer Aufarbeitung sieht die DDR aus wie das Abbild ihrer Aktenlage.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ossis neuen Typs&#8220; hat sie eine Sprecherin der Bundesstiftung Aufarbeitung k\u00fcrzlich genannt. 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