{"id":646,"date":"2013-12-09T22:03:09","date_gmt":"2013-12-09T22:03:09","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=646"},"modified":"2014-07-03T12:35:04","modified_gmt":"2014-07-03T12:35:04","slug":"lichtblick-auf-dreizehngrad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/12\/09\/lichtblick-auf-dreizehngrad\/","title":{"rendered":"Lichtblick auf Dreizehngrad"},"content":{"rendered":"<p>Alexander Paul Finke und J\u00f6rg Zinser verkaufen Holzfurnierleuchten.<\/p>\n<p>DRESDEN. Der eine kam aus Greifswald im Nordosten Deutschlands, der andere aus Freudenstadt im S\u00fcdwesten &#8211; getroffen haben sich beide nicht ganz auf halbem Wege, aber fast, n\u00e4mlich in Dresden. Auf dem dreizehnten L\u00e4ngengrad noch dazu, denn auf ihm liegt die Stadt, die der jungen Firma bei der Namenswahl Pate<!--more--> stand &#8211; sie hei\u00dft: Dreizehngrad.<\/p>\n<p>Hier studierten Alexander Paul Finke und J\u00f6rg Zinser gemeinsam Produktgestaltung an der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft (HTW), nachdem der eine sich in Brandenburg zum Tischler hatte ausbilden lassen und der andere in Baden-W\u00fcrttemberg zum technischen Zeichner. Vor drei Jahren machten sie sich im s\u00e4chsischen Florenz an der Elbe gemeinsam selbst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Das Produkt, mit dem sie ihr Geld verdienen, hatten sie auf dem Weg zum Diplom bereits ausgiebig erprobt. F\u00fcr ihre damalige Abschlusspr\u00fcfung entwarfen und bauten die beiden Stehleuchten, deren Schirme aus Tischlerfurnier, also einer hauchd\u00fcnnen Holzschicht bestehen, durch die das Licht so sanft wie wohlig-warm hindurchschimmert und die Holzmaserung zur Geltung bringt. Als transluzent bezeichnen Fachleute diese Eigenschaft, das Material ist zwar licht-, nicht aber blickdurchl\u00e4ssig wie bei Glas. Mit ihren Furnierleuchten in klassisch-eleganten Formen, die mit Preisen zwischen 250 und 750 Euro &#8211; Ma\u00dfanfertigungen sind teurer &#8211; im Mittelfeld liegen, geh\u00f6ren sie nach eigenen Angaben heute zur kleinen Schar von blo\u00df drei oder vier Anbietern in ganz Europa.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren jedenfalls, im April, nahmen Finke und Zinser mit ihren Leuchten an der Frankfurter Leuchtenfachmesse &#8222;Light and Building&#8220; teil, die ihnen den letzten Motivationsschub verlieh, nachdem sie auch ihr damaliger Professor ermutigt hatte, den Weg in die Selbst\u00e4ndigkeit zu wagen. &#8222;Zur Messe gefahren sind wir noch ohne jede Erwartung&#8220;, sagt der 32-j\u00e4hrige Finke, &#8222;und waren v\u00f6llig \u00fcberrascht, als es schon dort erste Bestellungen gab.&#8220;<\/p>\n<p>Seither entwerfen die beiden Leuchten, die stehen oder h\u00e4ngen, und bringen sie auf den Markt; mittlerweile ist die vierte eigene und dazu eine Fremdkollektion erschienen, die sie von einem K\u00f6lner Designb\u00fcro entwerfen lie\u00dfen. Jedes Jahr soll eine weitere eigene Reihe hinzukommen, die bei Online-Shops, im Fachhandel oder direkt bei Dreizehngrad bestellt werden kann. Aus bescheidenen 100 Leuchten, die sie 2011 absetzten, wurden im Folgejahr 350, in diesem wird mit 600 Exemplaren gerechnet. Im n\u00e4chsten Jahr sollen es 1000 sein. &#8222;Unser Weg f\u00fchrt langsam, aber stetig bergauf&#8220;, sagt Finke. &#8222;Wir kommen ohne Fremdkapital aus.&#8220;<\/p>\n<p>Schwierig war anfangs vor allem, die betriebswirtschaftlichen H\u00fcrden zu meistern, denn keiner der beiden hatte damit wirkliche Erfahrung. Hilfe kam von der Hochschule, von Beh\u00f6rden und von der S\u00e4chsischen Aufbaubank (SAB). Nach dem Studienende 2009 schrieben sie zun\u00e4chst einen Businessplan, warben erfolgreich bei der SAB einen Gr\u00fcnderzuschuss ein. \u00dcber neun Monate bedeutete dies je 1000 Euro f\u00fcr jeden von ihnen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, dar\u00fcber hinaus ein Privatdarlehen. F\u00fcr zwei Jahre stellte die HTW ein B\u00fcro am Campus, voll ausgestattet und mietfrei, wo sie von den Erfahrungen anderer Jungunternehmer profitierten. All das liegt hinter ihnen. Zusch\u00fcsse gibt es keine mehr, das B\u00fcro an der Hochschule haben sie getauscht gegen eine halbe Etage eines in die Jahre gekommenen Hinterhofgeb\u00e4udes, wenige hundert Meter von der Dresdner Altstadt mit Semperoper und Zwinger entfernt.<\/p>\n<p>Besucher stolpern in der Kreativschmiede beinahe auf Schritt und Tritt \u00fcber Leuchtenmodelle, Papierzeichnungen, Prototypen, Studien aus Pappkarton und Konkurrenzprodukte. Auf den Computern flackern eigene 3D-Entw\u00fcrfe, Tabellen, Diagramme. W\u00e4hrend J\u00f6rg Zinser vom heimischen Schwarzwald aus, wo der ebenfalls 32-J\u00e4hrige mit Frau und Kind lebt, Warenbeschaffung und Einkauf regelt, h\u00e4lt sein Kompagnon mit einem Werkstudenten und einer Designpraktikantin in Sachsen die Stellung, k\u00fcmmert sich um Kundenkontakte, entwirft neue Modelle und organisiert die Produktion. Diese wiederum findet im anderthalb Autostunden von Dresden entfernten Ehrenfriedersdorf statt, einem erzgebirgischen Zentrum der Holzschnitzkunst.<\/p>\n<p>Dort ist vorerst eine ihrer Mitarbeiterinnen damit besch\u00e4ftigt, in angemieteten R\u00e4umen die nur 0,3 bis 0,4 Millimeter d\u00fcnnen Leuchtenschirme aus Kirschholz oder Birke, (Satin) Nussbaum oder Ahorn in Form zu bringen und zu verkleben, dann die elektrischen Bauteile einzusetzen, die zugekauft werden, die fertigen Leuchten zu konfektionieren und zu verpacken. Dann gehen die Pendel-, Steh-, Tisch- oder Wandleuchten auf ihre Reise zu den Kunden; bis zu drei\u00dfig oder &#8211; je nach Modell &#8211; einhundert St\u00fcck k\u00f6nnen das derzeit t\u00e4glich sein. Mit Stolz wickelt man gerade einen Gro\u00dfauftrag f\u00fcr Esprit ab. Mehr als 350 sogenannte Pendelleuchten des Modells &#8222;Swing&#8220; haben sie bislang an die Modekette ausgeliefert, die sie europaweit in ihren Gesch\u00e4ften einbauen l\u00e4sst. Eine wichtige Visitenkarte sei das, von der sich Finke und Zinser Folgeauftr\u00e4ge erwarten, doch schon jetzt verkaufen sie ihr Sortiment, das mittlerweile auch um eine glasbeschirmte pure, beinahe grobe Linie erg\u00e4nzt wurde, weit \u00fcber Deutschlands Grenzen hinaus in aller Herren L\u00e4nder.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Paul Finke und J\u00f6rg Zinser verkaufen Holzfurnierleuchten. DRESDEN. 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