{"id":65,"date":"2013-04-15T10:45:17","date_gmt":"2013-04-15T10:45:17","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/?p=65"},"modified":"2014-07-03T12:33:56","modified_gmt":"2014-07-03T12:33:56","slug":"produktszenografen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/04\/15\/produktszenografen\/","title":{"rendered":"Produktszenografen"},"content":{"rendered":"<p>Knut Krowas, Mark Offermann und Lars Schmieder k\u00f6nnen sogar Beton etwas Geschmeidiges abgewinnen.<!--more--><\/p>\n<p>DRESDEN. M\u00f6bel aus Beton: vermooste Parkb\u00e4nke zum Beispiel oder klobige Tische auf Autobahnrastst\u00e4tten. Wer kennt sie nicht? Randalierern machen sie das Handwerk schwer. Einladend aber sind sie deshalb nicht &#8211; immer entweder zu kalt oder zu warm, je nach Witterung. Schwer, langweilig, jede Bequemlichkeit fehlt. Knut Krowas, ausgebildeter Produktgestalter, Mark Offermann, Architekt, und der studierte Kaufmann Lars Schmieder, alle drei Anfang 30, wussten um den schweren Stand des Au\u00dfenmobiliars \u2013 und doch: Genau auf dieses Material wollten sie setzen und gr\u00fcndeten vor zwei Jahren das Unternehmen \u201ePaulsberg\u201c. Die Dresdner entwerfen, bauen und vermarkten M\u00f6bel aus Beton f\u00fcr drinnen und drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Da die physikalischen und bautechnischen Eigenschaften des Materials mit den Funktionen, die M\u00f6bel erf\u00fcllen m\u00fcssen, nur schwer in Einklang zu bringen sind, entwickelten die drei Jungunternehmer den Werkstoff weiter. M\u00f6glich wurde dies, weil Forscher der TU Dresden aus dem grauen Zement-Sand-Wasser-Gemisch einen flexiblen, karbonverst\u00e4rkten Multifunktionswerkstoff entwickelt haben, den die Freunde, die sich noch aus der Schulzeit kennen, f\u00fcr sich entdeckten. Der Spezialbeton kann dank eines beschichteten, mit Glasfaser vern\u00e4hten Karbonnetzes, das als Bindegewebe dient, nicht nur wenige Millimeter d\u00fcnn verarbeitet werden. Das allein spart Material und Gewicht. \u201eDie neue Armierung, die das in der Bauindustrie \u00fcbliche geh\u00e4rtete Eisen im Stahlbeton ersetzt, ist auch wesentlich besser gegen Korrosion gesch\u00fctzt\u201c, sagt Schmieder.<\/p>\n<p>Doch wenn Startkapital fehlt, ist aller Anfang steinig. Die Macher von Paulsberg meistern die Gr\u00fcndungsphase mit einem Exist-Stipendium \u00fcber 72 000 Euro. Begrenzt auf ein Jahr, erh\u00e4lt jeder von ihnen jeweils 2000 Euro monatlich. Das Geld kommt vom Bundesministerium f\u00fcr Wissenschaft und Technologie und vom Europ\u00e4ischen Sozialfonds. Das war 2010\/11. Dann sprang die Hausbank mit einem auf sechs Jahre angelegten Darlehen f\u00fcr Investitionen ein, w\u00e4hrend das laufende Gesch\u00e4ft heute die Einkommen der Gesellschafter und von drei Mitarbeitern aufbringt.<\/p>\n<p>Betonm\u00f6bel, mehrfach pr\u00e4mierte sogar \u2013 das ist das eine. Die junge Firma steht aber auf drei Beinen. Neben selbst entwickelten Produkten, bislang St\u00fchle, Tische, B\u00e4nke \u2013 mit denen das eigene Label gezielt bekannt gemacht werden soll \u2013 und deren Verkauf, entwickelt Paulsberg Produkte f\u00fcr einen konkreten Bedarf Dritter; k\u00fcnstlerische Wandbespannungen aus Pr\u00e4gebeton zum Beispiel f\u00fcr ein Hotel oder B\u00e4nke und St\u00fchle f\u00fcr einen Klassenraum im Freien eines Dresdner Gymnasiums. Als klassische Manufaktur jedoch versteht sich Paulsberg nicht \u2013 l\u00e4ngst werden M\u00f6bel des eigenen Sortiments in Betonfertigteilwerken hergestellt \u2013, sondern als Designstudio. Die eigenen Erzeugnisse, die nicht auf den Werkstoff Beton beschr\u00e4nkt bleiben sollen, sind seh- und tastbare T\u00fcr\u00f6ffner zu anderen Kunden. \u201eSie zeigen, dass wir uns mit einem abstrakten Material auseinandersetzen, dass wir Produkte entwickeln und sie inszenieren k\u00f6nnen\u201c, sagt Schmieder. \u201eEigentlich wollen wir Geschichten erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Auf dem Gebiet der Produktszenografie hinke nicht nur der deutsche Markt wenigstens 20 Jahre hinterher, meint der 32-J\u00e4hrige. Deshalb will das Unternehmen gerade hier k\u00fcnftig wachsen: Die Dresdner arrangieren f\u00fcr Firmenkunden deren Erzeugnisse, Marken, Materialien \u2013 auf Messen, Pr\u00e4sentationen, in so genannten Pop-up-Stores \u2013 L\u00e4den, die nur f\u00fcr kurze Zeit bestehen, um bestimmte Produkte oder Ideen jenseits des wachsenden Internetmarktes bekannt zu machen.<\/p>\n<p>Mit Erfolg. F\u00fcr den Glash\u00fctter Uhrenhersteller Nomos \u2013 auch der Wiener Zementgigant Holcim z\u00e4hlt zu den Kunden \u2013, entwarfen Schmieder und seine Kollegen einen Pr\u00e4sentationsraum. In einem Fabelwald wurde sechs Uhrenmodellen je ein Fabelwesen zugeschrieben. Deren individuelle Charaktere sollten f\u00fcr eine bestimmte Kundengruppe stehen. Auch auf das Erzgebirge als Herkunftsort von Nomos habe man mit dem Wald hinweisen wollen. Beton jedenfalls spielte bei diesem Auftrag keine Rolle. Und das soll Schule machen. \u201eDenn\u201c, betont Schmieder, \u201ewir sind keine Handwerker. Wir k\u00f6nnen uns gut mit abstrakten Situationen auseinandersetzen.\u201c Der Umsatz des Unternehmens wachse, sagt er, ohne ihn nennen zu wollen. Und w\u00e4hrend der relative Umsatzanteil aus dem Verkauf von Kollektionsm\u00f6beln sinke, steige der aus Projekten.<\/p>\n<p>Noch aber sind die M\u00f6bel wichtig, die je zur H\u00e4lfte Privatleute und Firmenkunden vor allem aus den Metropolregionen Deutschlands, \u00d6sterreichs und der Schweiz kauften. Jeder dritte Zugriff auf die Firmenwebsite stamme aber schon jetzt aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland; das dahinterstehende Kundenpotential soll k\u00fcnftig st\u00e4rker gehoben werden. Helfen k\u00f6nnte dabei, dass Paulsberg mit M\u00f6bel- und Materialgalerien kooperiert \u2013 nicht nur am Herkunftsort in Dresden, sondern auch in Hamburg, M\u00fcnchen, Wien oder London. Neben dem Eigen- und dem klassischen M\u00f6belvertrieb haben Krowas, Offermann und Schmieder Architekten ins Boot geholt, die ihre Kunden auf die Produkte und Werkstoffe, auf die Dresdner Ideen- und Designschmiede aufmerksam machen sollen. Das neueste M\u00f6belst\u00fcck \u2013 ein lederbespannter Schaukelstuhl, der dem Schalensitz eines Rennwagens \u00e4hnelt \u2013 wird in diesen Tagen auf der renommierten Mail\u00e4nder M\u00f6belmesse pr\u00e4sentiert, sagt Mark \u00a0Offermann, der nach seinem Architekturstudium in Dresden einen Szenografie-Master in Z\u00fcrich anh\u00e4ngte. Mit Mittelma\u00df wollen er und seine Kollegen sich nicht zufrieden geben.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knut Krowas, Mark Offermann und Lars Schmieder k\u00f6nnen sogar Beton etwas Geschmeidiges abgewinnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,8],"tags":[31,32,49],"class_list":["post-65","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel","category-wirtschaft","tag-dresden","tag-grunder","tag-ostdeutschland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1160,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65\/revisions\/1160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}