{"id":701,"date":"2013-12-29T14:29:33","date_gmt":"2013-12-29T14:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=701"},"modified":"2020-05-26T20:20:05","modified_gmt":"2020-05-26T20:20:05","slug":"dresden-29-dezember-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2013\/12\/29\/dresden-29-dezember-2014\/","title":{"rendered":"Dresden, 29. Dezember 2013"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_731\" aria-describedby=\"caption-attachment-731\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-731 size-medium\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/IMG_6074a-300x289.jpg\" alt=\"F\u00fcr den Arzt und Gulag-Insassen Wilhelm Starlinger lag China in den f\u00fcnfziger Jahren zwar zun\u00e4chst einmal &quot;hinter Russland&quot;, worauf auch der Titel seines Buches hinwies. Dass das Land schon damals dabei war, sich aus dieser Randlage herauszuarbeiten, war Starlinger im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen aber nicht verborgen geblieben: &quot;Die Zeit geht heute schnell - [...] auch [...] im Morgenland, seit China sich entschlo\u00df, nicht mehr Jahrhunderte zu meditieren, sondern in Jahren und Jahrzehnten zielbewu\u00dft zu handeln!&quot; Foto: Michael Kunze.\" width=\"300\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/IMG_6074a-300x289.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/IMG_6074a-1024x986.jpg 1024w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/IMG_6074a-624x601.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/IMG_6074a-960x925.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-731\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr Wilhelm Starlinger lag China in den f\u00fcnfziger Jahren zwar zun\u00e4chst einmal &#8222;hinter Russland&#8220;, worauf der Titel seines Buches hinwies. Dass das Land aber dabei war, sich aus dieser Randlage herauszuarbeiten, war Starlinger im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen nicht verborgen geblieben: &#8222;Die Zeit geht heute schnell &#8211; [&#8230;] auch [&#8230;] im Morgenland, seit China sich entschlo\u00df, nicht mehr Jahrhunderte zu meditieren, sondern in Jahren und Jahrzehnten zielbewu\u00dft zu handeln!&#8220; Foto: Michael Kunze<\/figcaption><\/figure>Gehypt wird China nicht erst seit Monaten, sondern Jahren &#8211; von westlichen Medien, Politikern auf der ganzen Welt und von Unternehmen sowieso. Es stimmt auch: Das Land hat einen beispiellosen Aufholprozess gegen\u00fcber dem Westen zur\u00fcckgelegt &#8211; vor allem unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten. Denn kulturell anziehend und interessant war es auch in der Zeit des <span style=\"font-size: 1rem;\"><span style=\"font-size: 1rem;\">politischen und wirtschaftlichen Niedergangs. Heute zeugen Schie\u00dfpulver und Porzellan, die Gro\u00dfe Mauer oder die Terrakotta-Armee h\u00f6chstens in historischen Betrachtungen von der Bedeutung des Landes, w\u00e4hrend die, die sich mit der Gegenwart besch\u00e4ftigen, auf die rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung schauen, die seit einigen Jahren von einem geh\u00f6rigen politischen Selbstbewusstsein flankiert wird. Inwieweit es begr\u00fcndet ist, wird die Zukunft zeigen. Der amerikanische Politologe David Shambaugh hat jedenfalls in seiner neuen Studie &#8222;China Goes Global. The Partial Power&#8220;, erschienen bei Oxford University Press, vorderhand Zweifel angemeldet: China sei keine Weltmacht, auch wenn es Boden gutgemacht habe; der \u00f6ffentlich vertretene Anspruch decke sich, wenigstens bislang, nicht mit der recht beschr\u00e4nkten milit\u00e4rischen und diplomatischen Potenz. Auch unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten best\u00fcnden Defizite: Die gro\u00dfen Unternehmen des Landes l\u00e4gen in puncto Internationalisierung ihrer Belegschaften und H\u00f6he der Auslandsinvestitionen nach wie vor abgeschlagen hinter westlicher Konkurrenz. <!--more--><\/span><\/span><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sei es China nicht gelungen, belastbare Freundschaftsbande zu anderen L\u00e4ndern zu kn\u00fcpfen &#8211; es lie\u00dfe sich einschieben: so wie sie zwischen Deutschland und seinen Nachbarn bestehen, besonders zu Frankreich, den Benelux-L\u00e4ndern, \u00d6sterreich. China kennt in seiner Liga nur gegen\u00fcber Russland engere Bindungen, die traditionell aber nie spannungsarm waren. Dar\u00fcber t\u00e4uscht auch die Kooperation im UN-Sicherheitsrat nicht hinweg. Vorbehaltlos als Partner und Verb\u00fcndeten oder gar Freund betrachtet kaum ein Land China, weder Japan, mit dem es in Fehde liegt (f\u00fcr die die Ursachen auf beiden Seiten zu suchen sind), oder Europa, auch nicht der gro\u00dfe asiatische Wettbewerber Indien, noch die direkten s\u00fcdostasiatischen Nachbarn, die seit jeher die chinesische Dominanz f\u00fcrchten. Niemand kann sich China sicher sein. In Betracht ziehen jedoch, lie\u00dfen sich Shambaughs Ausf\u00fchrungen weiterspinnen, muss das Land heute politisch und \u00f6konomisch jeder, milit\u00e4risch gilt dies immerhin f\u00fcr den ost- und s\u00fcdostasiatischen Raum. Nicht nur die Regierung, sondern auch immer mehr B\u00fcrger des Landes wissen um die politische Stellung Chinas, worauf sie gern mit rasselnden S\u00e4beln aufmerksam machen. Dennoch macht Shambaugh eine &#8222;Diskrepanz zwischen dem diplomatischen Aktionismus und der starken Zur\u00fcckhaltung [&#8230;] bei der Bew\u00e4ltigung globaler Probleme&#8220; aus, wie J\u00fcrgen Kahl in einer Besprechung des Buches f\u00fcr die &#8222;Neue Z\u00fcrcher Zeitung&#8220; schrieb. China gelte als &#8222;z\u00f6gerlich, risikoscheu und in sehr engem Sinne vom Eigennutz bestimmt&#8220;, gibt Kahl Shambaughs Urteil wieder. Gro\u00df sei die Gefahr, die vom &#8222;Land der Mitte&#8220; ausgehe, dann, bekundet der Politologe, wenn es \u00fcbersch\u00e4tzt werde oder sich selbst \u00fcbersch\u00e4tze. Mit Ratschl\u00e4gen f\u00fcr den Westen, wie mit China umzugehen sei, h\u00e4lt er sich indes zur\u00fcck. Die Frage nach der Ursache daf\u00fcr, die Kahl aufwirft, beantwortet dieser sich gleich selbst mit Bezug auf den Untertitel der Studie: &#8222;Das mag daran liegen, dass Shambaugh sonst einr\u00e4umen m\u00fcsste, dass es China weltweit mit Gro\u00dfm\u00e4chten zu tun hat, die allesamt selbst nur noch als &#8218;partial powers&#8216; in Erscheinung treten.&#8220; Die Gewichte verschieben sich. Dennoch w\u00e4re es zu fr\u00fch, dem Niedergang des Westens und seiner Vorreiterrolle in Amerika das Wort zu reden.<\/p>\n<p><!--more--><!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gehypt wird China nicht erst seit Monaten, sondern Jahren &#8211; von westlichen Medien, Politikern auf der ganzen Welt und von Unternehmen sowieso. Es stimmt auch: Das Land hat einen beispiellosen Aufholprozess gegen\u00fcber dem Westen zur\u00fcckgelegt &#8211; vor allem unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten. 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