{"id":939,"date":"2014-02-24T08:00:30","date_gmt":"2014-02-24T08:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=939"},"modified":"2018-09-06T08:47:13","modified_gmt":"2018-09-06T08:47:13","slug":"ein-ipad-fur-den-industrieplaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2014\/02\/24\/ein-ipad-fur-den-industrieplaner\/","title":{"rendered":"So einfach wie mit dem iPad"},"content":{"rendered":"<p>Jan Schiller und Andr\u00e9 Heller entwickeln in der Plavis GmbH leicht bedienbare Planungssoftware f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen.<\/p>\n<p>CHEMNITZ. Flink wandern Jan Schillers Finger \u00fcber einen Bildschirm, der sich durch Ber\u00fchrungen steuern l\u00e4sst. Der heute 33-J\u00e4hrige hat 2006 die Softwarefirma Plavis GmbH in Chemnitz gegr\u00fcndet. Sechs Jahre zuvor war der geb\u00fcrtige Berliner zum <!--more-->Studium an die dortige TU gekommen &#8211; und geblieben, um am TU-Institut f\u00fcr Betriebswissenschaften und Fabriksysteme zu arbeiten. Nun \u00f6ffnet Schiller ein Computerprogramm. Dann schiebt er mit dem Zeigefinger rote und gr\u00fcne Rechtecke kreuz und quer \u00fcber die Mattscheibe, die mal breitere, mal schmalere Linien mit Pfeilsymbolen verbinden. Der Medieninformatiker f\u00fchrt kein Computerspiel vor, sondern das Produkt visTable, eine Software, die er mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerkollegen Andr\u00e9 Heller und sieben Mitstreitern weiterentwickelt hat. Je nach Farbe und Symbolik werden auf dem Bildschirm Maschinen angezeigt. Eine CNC-Fr\u00e4se zum Beispiel, eine Presse oder Stanze. &#8222;Aus einem Baukasten mit mehr als 1000 Maschinen, Anlagen und weiteren Ausr\u00fcstungen kann der Nutzer w\u00e4hlen, um seine Fabrik zu bauen, um sich Materialstr\u00f6me oder Wegebeziehungen anzeigen zu lassen&#8220;, sagt Schiller. Es sei dem Nutzer \u00fcberlassen, ob er das Lager an dieser oder jener Stelle positioniere, oder wo er die Werkstatt hinsetzt. Am Ende steht das ma\u00dfstabgetreue Modell einer Fabrik, die visTable nicht nur zwei-, sondern auch dreidimensional darstellen kann.<\/p>\n<p>&#8222;Neu ist nicht&#8220;, bekennt Kogesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heller, &#8222;dass wir eine Planungssoftware f\u00fcr Fabriken entwickelt haben, sondern dass wir eine derart komplexe Anwendung kleinen bis mittelgro\u00dfen Unternehmen zug\u00e4nglich machen k\u00f6nnen.&#8220; Konzerne hingegen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, unterhielten zum Zwecke solcher Planungen ganze Abteilungen. Auf diesem Feld seien sie kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen 15 oder 20 Jahre voraus. Schiller und Heller wollen dem Mittelstand ein Instrument an die Hand geben, das Wissens- und Erfahrungstr\u00e4ger, Produktionsleiter oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer nach einer Einweisung eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig bedienen k\u00f6nnen. &#8222;Intuitive Bedienbarkeit&#8220;, lautet das Credo f\u00fcr die Plavis-Entwickler, zu denen auch Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieure geh\u00f6ren. &#8222;Wer ein iPad bedienen kann&#8220;, sagt Heller schmunzelnd, &#8222;der kann auch unsere Software bedienen.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich vielerorts Planer noch immer \u00fcber Papierrisse beugten und zum Schluss kommen k\u00f6nnten, Maschine X doch besser an Standort B statt A zu positionieren, geschehe dies mit visTable am Bildschirm, erg\u00e4nzt der ebenfalls 33-J\u00e4hrige und schiebt nach: &#8222;Nur dass jetzt nicht mehr f\u00fcr jede \u00c4nderung ein Plan neu gezeichnet werden muss.&#8220; Dem Wortsinne nach Ber\u00fchrungs\u00e4ngste abbauen, das wollen sie bei den Beteiligten eines Fabrikplanungsprozesses. Fachkenntnisse \u00fcber klassische CAD-Systeme (Computer-aided Design), also computergest\u00fctzte Konstruktionssysteme seien nicht mehr vonn\u00f6ten. VisTable richte sich an produzierende Unternehmen, die nicht bestimmten prozessualen Besonderheiten unterliegen wie die chemische oder die Lebensmittelindustrie, sagt der geb\u00fcrtige Plauener, der auch schon in einer Softwareschmiede in der australischen Stadt Perth gearbeitet hat. Knapp 10.000 Euro muss f\u00fcr Software, Schulung und Anlaufunterst\u00fctzung auf den Tisch legen, wer die Layoutplanung in seine Firma zur\u00fcckholen will. Das tun immer mehr, denn in Zeiten k\u00fcrzer werdender Produktzyklen muss schnell handeln, wer den Anschluss an technische und prozessuale Entwicklungen nicht verpassen will. Deshalb sehen Schiller und Heller, die sich w\u00e4hrend des Studiums in einer gemeinsamen WG kennenlernten, f\u00fcr ihre Software betr\u00e4chtlichen Bedarf. Sie nennen Umsatzwachstumsraten von 30 bis 40 Prozent f\u00fcr die vergangenen Gesch\u00e4ftsjahre &#8211; freilich von niedrigem Niveau aus. An bald 200 Kunden haben sie ihre Anwendung verkauft. Der Kreiss\u00e4genhersteller mit 250 Besch\u00e4ftigten z\u00e4hlt genauso zum Kundenstamm wie der Industrieausr\u00fcster oder der Maschinenbauer mit je etwa 10.000 oder der Messger\u00e4teproduzent mit 700 Mitarbeitern. Kontakte gekn\u00fcpft werden vorrangig auf Fachschauen, der Logistikmesse Cemat oder der Hannover-Messe (beide in Hannover), auf der Logimat oder der Motek in Stuttgart.<\/p>\n<p>Interessant sind f\u00fcr die Macher von Plavis aber nicht nur Industrieunternehmen, sondern auch Planungsdienstleister, mehr noch Hochschulen oder Universit\u00e4tsinstitute, an denen Fabrikplaner ausgebildet werden. Die RWTH Aachen oder die TU Chemnitz z\u00e4hlen zu denen, die das Programm einsetzen. F\u00fcr die Zukunft haben sich Schiller und Heller vorgenommen, ihr Chemnitzer Domizil in einem Existenzgr\u00fcnderzentrum gegen eine dauerhafte Bleibe in der Stadt zu tauschen. Und sie wollen &#8211; &#8222;viel wichtiger&#8220; &#8211; ihre Software erweitern.\u00a0Dazu sollen\u00a0Planungsschritte integriert werden, die vor der bisher abgedeckten Layoutplanung, einem Teilschritt der Fabrikplanung, liegen. Deshalb widmen sich die Plavis-Entwickler derzeit der Wertstromanalyse. Mit ihr werden Durchlauf- und Transportzeiten untersucht. &#8222;Noch bevor konkrete Ma\u00dfst\u00e4be oder Geb\u00e4udegr\u00f6\u00dfen pr\u00e4zisiert werden, wird dabei der Produktionsablauf mit den jeweiligen Materialfl\u00fcssen festgelegt&#8220;, erl\u00e4utert Schiller. Plavis will eine Software entwickeln, die die dazu erforderliche Datenerhebung vereinfacht und leicht verst\u00e4ndlich zug\u00e4nglich macht.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Schiller und Andr\u00e9 Heller entwickeln in der Plavis GmbH leicht bedienbare Planungssoftware f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen. CHEMNITZ. Flink wandern Jan Schillers Finger \u00fcber einen Bildschirm, der sich durch Ber\u00fchrungen steuern l\u00e4sst. Der heute 33-J\u00e4hrige hat 2006 die Softwarefirma Plavis GmbH in Chemnitz gegr\u00fcndet. 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