{"id":950,"date":"2014-03-17T19:00:02","date_gmt":"2014-03-17T19:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/?p=950"},"modified":"2020-05-22T11:53:04","modified_gmt":"2020-05-22T11:53:04","slug":"dresden-17-marz-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2014\/03\/17\/dresden-17-marz-2014\/","title":{"rendered":"Dresden, 17. M\u00e4rz 2014"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1005\" aria-describedby=\"caption-attachment-1005\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1005 size-medium\" src=\"http:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-300x225.jpg\" alt=\"Tschechiens fr\u00fcherer Au\u00dfenminister Karl zu Schwarzenberg (rechts) im Gespr\u00e4ch mit Dr. Joachim Klose, dem Leiter des Dresdener Bildungswerks der Konrad-Adenauer-Stiftung. Foto: Michael Kunze.\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-300x225.jpg 300w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-250x187.jpg 250w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto-624x468.jpg 624w, https:\/\/michael-kunze.net\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Foto.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1005\" class=\"wp-caption-text\">Tschechiens vormaliger Au\u00dfenminister Karl zu Schwarzenberg (rechts) im Gespr\u00e4ch mit Dr. Joachim Klose, dem Leiter des Dresdener Bildungswerks der Konrad-Adenauer-Stiftung. Foto: Michael Kunze.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWas ist, wenn Europa f\u00e4llt? Was ginge dann \u2013 in spenglerscher Diktion \u2013 (noch) unter?\u201c So fragte Karl zu Schwarzenberg, Tschechiens fr\u00fcherer Au\u00dfenminister, nicht. Er diagnostizierte vielmehr: \u201eEuropa ist in Gefahr.\u201c W\u00e4hrend die Mehrheit des Publikums \u2013 um die 350 G\u00e4ste waren der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung in die Dreik\u00f6nigskirche gefolgt \u2013 dabei an die derzeitige Krise zwischen Ukraine und Russland gedacht haben mag, f\u00fchrte sie Schwarzenberg, der 1937 in Prag geborene Nachfahre des Oberbefehlshabers der antinapoleonischen Truppen in der V\u00f6lkerschlacht, auf eine andere F\u00e4hrte. Zu sich und gegen sich als Europ\u00e4er,\u00a0lie\u00dfe sie sich beschreiben. Wenn Europa scheitere, lautete sein Credo, dann nicht an einem antiliberalen Russland, das den Europ\u00e4ern derzeit f\u00fcr ihre eigene Unentschlossenheit, ihre \u00fcber Jahrzehnte gef\u00e4hrlich einseitige Orientierung an Konsum und <!--more-->wirtschaftlicher Prosperit\u00e4t bei mangelnder Verteidigungsbereitschaft eine (Teil-?) Rechnung pr\u00e4sentiere, zu deren Deckung Amerika mittlerweile weder willens noch in der Lage sei. Europa &#8211; das hei\u00dft f\u00fcr Schwarzenberg zun\u00e4chst: die EU, der es vor allem an Integrationsbem\u00fchungen in den Bereichen\u00a0von Au\u00dfen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik\u00a0ermangele, w\u00e4hrend sie andernorts\u00a0zu weit getrieben worden seien\u00a0-,\u00a0Europa scheitere an den Europ\u00e4ern und zwar dann,\u00a0wenn sie nicht ihre Gemeinsamkeiten den Unterschieden voranstellten. Diesen Eindruck erweckten jedoch\u00a0die demoskopischen Untersuchungen im Vorfeld der Europawahl quer \u00fcber den Kontinent. Was seit Jahrzehnten fehle, sei eine\u00a0neue politische, eine gesellschaftliche\u00a0Idee, die B\u00fcrger und politische F\u00fchrung antreibe.\u00a0Und das Wissen um festen Grund, von dem aus sie entwickelt werden k\u00f6nne. Schwarzenberg lie\u00df das Publikum nicht im Ungef\u00e4hren dar\u00fcber,\u00a0worauf er sein Denken und Handeln gr\u00fcnde: auf das Bewusstsein\u00a0f\u00fcr \u201edie vier H\u00fcgel\u201c\u00a0&#8211;\u00a0den Sinai,\u00a0Golgatha (zwei Berge au\u00dferhalb des geografischen Europas &#8211;\u00a0keine neue zwar, doch eine nach wie vor bemerkenswerte\u00a0Klammer), die Athener Akropolis und\u00a0das r\u00f6mische Kapitol.\u00a0In seinem Vortrag zum Thema \u201eDemokratie in Gefahr? Die Bedeutung der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr L\u00e4nder in Mittel-\/Ost-Europa\u201c hielt sich\u00a0der 76-J\u00e4hrige\u00a0nicht lange auf mit Russlands Krim-Politik, wobei\u00a0ihm\u00a0die Reaktionen der Europ\u00e4er\u00a0symptomatisch f\u00fcr deren Orientierungslosigkeit zu stehen schienen.\u00a0Auf andere, vom Westen\u00a0aus kritisch be\u00e4ugte EU-L\u00e4nder wie\u00a0Rum\u00e4nien oder Ungarn ging er milde ein &#8211;\u00a0und brachte\u00a0Verst\u00e4ndnis auf f\u00fcr deren von Korruption (Rum\u00e4nien) und Dirigismus, von staatlicher Wirtschaftslenkung oder politischer Einsch\u00fcchterung (Ungarn)\u00a0gepr\u00e4gte\u00a0aktuelle Verfassung. Was manchen Zuh\u00f6rer verwundert haben mag. Schwarzenberg, der nach der Matura in Wien ebendort, in\u00a0Graz und M\u00fcnchen zun\u00e4chst Rechts-, dann Forstwissenschaften studierte,\u00a0nannte es \u201enachvollziehbar\u201c, dass die politische Kultur dieser und anderer\u00a0L\u00e4nder, die \u00fcber viele Dekaden unter diktatorischen, jedenfalls nicht rechtsstaatlichen Bedingungen existierten, nicht innert weniger Jahrzehnte einer Metamorphose unterzogen werden kann.\u00a0Der greise Herr riet zu Geduld.\u00a0Und erinnerte sich seiner Studienzeit im M\u00fcnchen der sp\u00e4ten f\u00fcnfziger Jahre, w\u00e4hrend der \u00fcber die Nazivergangenheit wesentlicher Politiker, Richter und Verwaltungsfachleute in Deutschland debattiert wurde.\u00a0Und deren fortbestehenden Einfluss dort, wo sie\u00a0noch immer eingesetzt waren.\u00a0\u201eDabei dauerte das \u201aDritte Reich\u2018 nur zw\u00f6lf Jahre\u201c, gab er zu bedenken, \u201enicht mehr als 70 wie der Kommunismus in Russland.\u201c\u00a0Schwarzenberg schloss mit einem Appell an die Europ\u00e4er, also auch die Sachsen und Dresdener, von denen er wei\u00df: Sie teilten das tschechische Schicksal der kommunistischen Unterdr\u00fcckung &#8211; und lassen sich dennoch mitunter\u00a0zu Zynismus \u00fcber die aktuelle Lage verleiten: \u201e\u00dcberlassen Sie\u00a0Europa nicht den Politikern, gehen Sie selbst ans Werk!\u201c Sagte der Politiker. Derart Selbstironisches \u2013 in vollem Bewusstsein um den Ernst der Lage \u2013 h\u00f6rt man hierzulande selten von Vertretern seiner Zunft. Wer sich an dieser Stelle Konkreteres dazu\u00a0gew\u00fcnscht h\u00e4tte, wie Europa voranzubringen w\u00e4re, wurde zwar entt\u00e4uscht. Ein Blick auf das bisherige <a title=\"Karel Schwarzenberg\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karel_Schwarzenberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leben<\/a> Schwarzenbergs mag jedoch Inspirationsquelle genug sein.<\/p>\n<p>[ratings]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas ist, wenn Europa f\u00e4llt? Was ginge dann \u2013 in spenglerscher Diktion \u2013 (noch) unter?\u201c So fragte Karl zu Schwarzenberg, Tschechiens fr\u00fcherer Au\u00dfenminister, nicht. Er diagnostizierte vielmehr: \u201eEuropa ist in Gefahr.\u201c W\u00e4hrend die Mehrheit des Publikums \u2013 um die 350 G\u00e4ste waren der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung in die Dreik\u00f6nigskirche gefolgt \u2013 dabei an die derzeitige&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/2014\/03\/17\/dresden-17-marz-2014\/\"><span class=\"screen-reader-text\">Dresden, 17. M\u00e4rz 2014<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\" aria-hidden=\"true\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[50,77,78,81,79,80],"class_list":["post-950","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-notizbuch","tag-demokratie","tag-europa","tag-europaische-union","tag-karel-schwarzenberg","tag-russland","tag-tschechien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/950","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=950"}],"version-history":[{"count":61,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/950\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3792,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/950\/revisions\/3792"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=950"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/michael-kunze.net\/category\/artikel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}