Tag Archives: Migration

Der Politikwissenschaftler Frank Schale. Foto: peroptato.de

Der Politologe Frank Schale hat bis Dezember 2017 an der TU Chemnitz die Ideen von konservativen Intellektuellen der frühen Bundesrepublik erforscht. Foto: peroptato.de

CHEMNITZ. Konservative Wissenschaftler, Publizisten, Intellektuelle haben nach dem Zweiten Weltkrieg in der frühen Bundesrepublik den Neuanfang gewagt, auf den sie in der DDR keinen Einfluss hatten. Ein Gespräch (Teil I: hier) über Denktraditionen, die Abkehr davon und darüber, was das mit der Neuen Rechten zu tun hat - mit den Chemnitzer Politologen Frank Schale und Sebastian Liebold, die zum Thema einen Sammelband publiziert haben.

Warum ignoriert - oder verachtet - die Neue Rechte die Erfahrungen vieler Konservativer, die nach 1945 ihren Frieden machten mit Parteiendemokratie, Gewaltenteilung und Minderheitenrechten?

Frank Schale: Weil die Neue Rechte nicht konservativ ist. Sie will verteidigen, was es nie gab: die Einheit des Abendlandes. In der frühen Bundesrepublik haben sich Konservative schnell von solchen Romantizismen verabschiedet. Die Mehrheit der Neuen Rechten folgt nicht traditionellen konservativen Denkern wie Edmund Burke. Sie ist Wiedergängerin der Konservativen ... weiter lesen

Am Abklingen: Noch bilden sich Trauben von Neugierigen mit Gesprächsbedarf entlang der Bühne bei den Schriftstellern Uwe Tellkamp, der aber schnell verschwindet, und Durs Grünbein, die am 8. März 2018 im Dresdener Kulturpalast zeitweise hitzig über Meinungsfreiheit diskutiert haben. Foto: Michael Kunze

Auch nach dem Streitgespräch über Meinungsfreiheit bilden sich am 8. März im Dresdener Kulturpalast Trauben von Neugierigen mit Gesprächsbedarf vor der Bühne bei den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein. Zeitweise hitzig haben beide zuvor auch über die Migrationspolitik diskutiert. Foto: Michael Kunze

Die in Dresden geborenen Schriftsteller Durs Grünbein und Uwe Tellkamp haben im Kulturpalast der Stadt über Meinungsfreiheit diskutiert. Die Atmosphäre war hitzig, das Interesse gewaltig. Was bleibt?

DRESDEN. Die Organisatoren haben nichts dem Zufall überlassen wollen. Sogar Handzettel mit Verhaltensregeln, erstellt vom Kulturhauptstadtbüro der Stadtverwaltung als Veranstalter, werden vor der Diskussion ausgereicht, die sich dem Thema „Streitbar! Wie frei sind wir mit unseren Meinungen?“ widmet. Dann erst – und nicht vor erwarteten 350 Zuhörern im ... weiter lesen

Wenn Eliten nicht nach rechts integrieren, sinken die Themen, die dort liegen, auf den "sprachlosen Grund des Unverstandenen", der "nicht selten braun" sei, schreibt Ulrich Greiner. Und plädiert für das Gegenteil. Cover: Verlag

Der Journalist Ulrich Greiner will Verständnis dafür, dass Demokratie kompliziert ist - und dabei auf den Wettstreit zwischen beiden Polen des politischen Spektrums angewiesen.

BERLIN. Wo es Linke, Progressive gibt, muss es Rechte, Konservative geben dürfen - und sie müssen gleichberechtigt vernehmbar sein im öffentlichen Diskurs. Davon ist Ulrich Greiner, früher Feuilletonchef der "Zeit", überzeugt. Die Realität sei aber eine andere: Das politische Spektrum jenseits der Extremismen, schreibt er in der Streitschrift "Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen", werde medial nicht mit gleichem Maßstab ausgeleuchtet. Dabei bekennt der 72-Jährige, nie CDU noch Liberale gewählt zu haben, sondern vorrangig SPD und Grüne. Spät wurde er konservativ - und macht nun eine Tendenzwende aus in der Bundesrepublik, die zutage trete etwa in der Entstehung von Pegida oder AfD-Wahlerfolgen.

Überall Angst - nicht nur bei Anhängern der "Patriotischen Europäer", auch in Parteien und der "kommentierenden Klasse in den Medien", der er selbst angehörte. Für letztere stehe die Macht auf dem Spiel, die in der Öffentlichkeit geltenden ... weiter lesen

Die Kanzlerin - ein Scheinriese? So wird Angela Merkel von 22 Publizisten und Wissenschaftlern in einem neuen Sammelband gedeutet. Cover: Verlag.

Die Kanzlerin - ein Scheinriese? So wird Angela Merkel von 22 Publizisten und Wissenschaftlern in einem neuen Sammelband gedeutet. Cover: Verlag.

„Sie kennen mich!“, warb Angela Merkel vor vier Jahren um ihre Wiederwahl. Aber stimmt das? 22 Publizisten und Wissenschaftler gehen Politik und Person der Kanzlerin auf den Grund - multiperspektivisch und polemisch.

BERLIN/MÜNCHEN. Angela Merkel – das ist die Frau ohne Kompass, die in der DDR Angepasste, nun autoritäre Parteivorsitzende, machtpolitisch zwar versierte, aber auch ideologisch-planwirtschaftlich ... weiter lesen

Der Politikwissenschaftler Dr. Steven Schäller erforscht an der TU Dresden auch den Populismus. Foto: Bildermann.de

Der Politologe Dr. Steven Schäller erforscht an der TU Dresden auch den Populismus. Foto: Bildermann.de

DRESDEN. Das Schlagwort vom "Populisten" ist in aller Munde. Was den einen als selbstbewusster Ausweis von Volksnähe dient, verwenden andere gegen sie. Ein Gespräch mit dem Politologen Steven Schäller von der Technischen Universität Dresden über Freund-Feind-Denken auf beiden Seiten, das nur selten eine vorurteilsfreie Diskussion möglich macht.

Wer die öffentliche Debatte verfolgt, muss zu dem Schluss kommen: Populismus ist gefährlich. Warum?

Steven Schäller: Das liegt im Auge des Betrachters. Fakt ist, dass die umgangssprachliche Verwendung dieses Begriffs, gern mit dem Präfix "Rechts", meist darauf aus ist, zu diffamieren. Natürlich sind Wissenschaftler auch nur Menschen, die sich bei ihrer Arbeit, ähnlich wie Journalisten, oft schwertun, die eigene Einstellung außen vor zu lassen. Das ist das eine. Das andere: Den Populismus gibt es nicht, also gibt es auch nicht die eine ... weiter lesen