FRANKFURT/DRESDEN. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls blickt der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach zurück und voraus: wo und wie er den Mauerfall 1989 erlebte und die Jahre seit der deutschen Wiedervereinigung. Außerdem gibt der 68 Jahre alte Büchner- und Kleistpreisträger Auskunft darüber, was für ihn Europa mit der Europäischen Union zu tun hat und welche Rolle „„Mein Bild von Europa hat mit der aktuellen Organisationsform wenig zu tun““ weiterlesen
Aus einer andern Welt

Der Büchnerpreisträger Martin Mosebach las im Dresdner Kulturpalast aus seinem beklemmenden Reisebuch über koptische Martyrer.
DRESDEN. Über ein ernstes Thema hat der Frankfurter Schriftsteller, Büchner- und Kleistpreisträger Martin Mosebach am Freitagabend im Dresdner Kulturpalast gesprochen: den Tod von zwanzig Ägyptern und einem Ghanaer – allesamt Christen, bis auf jenen einen ihrer Herkunft nach Kopten. Sie sind 2015 vom Islamischen Staat enthauptet worden – vor der laufenden Kamera ihrer Mörder, nur weil sie ebendies waren. Das Video ging um die Welt. Der Katholik Mosebach wollte mehr über die Umstände wissen und jene seit der muslimischen Eroberung Ägyptens unter mal größerem, mal geringerem „Aus einer andern Welt“ weiterlesen
Von Veronika Bellmann zur Alternative, die keine wurde
Dirk Czaja hat lange für die Abgeordnete gearbeitet. Nach der Bundestagswahl ging er zu einem AfD-Neuling, verließ im Streit mit dem mittelsächsischen CDU-Kreischef seine damalige Partei. Nun ist er wieder bei der alten Chefin, schließt eines aber aus.
FREIBERG/BERLIN. Wen die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann in ihren Mail- und Presseverteiler aufgenommen hat, der konnte „Von Veronika Bellmann zur Alternative, die keine wurde“ weiterlesen
Dem Erbgut des Adels auf der Spur
Vor Jahren haben Münchener Forscher auf dem Erdmannsdorfer Friedhof in Mittelsachsen Gräber geöffnet. Seither laufen molekulargenetische Untersuchungen. Warum – und was wurde bislang herausgefunden? Eine lange Geschichte, die ihren Ursprung unweit von Ingolstadt hat.
ERDMANNSDORF/MÜNCHEN. Als im Juni 2013 ein Team von Münchner Medizinern auf dem Erdmannsdorfer „Dem Erbgut des Adels auf der Spur“ weiterlesen
„Man darf kein Publikum unterschätzen“
AUGUSTUSBURG/BERLIN. Schon vor zwei Jahren ist die Soloviolinistin Liv Migdal auf der Waldbühne in Augustusburg (Kreis Mittelsachsen) aufgetreten und wurde seinerzeit euphorisch vom Publikum gefeiert. In Aue war sie in dieser Saison bei der Erzgebirgischen Philharmonie zu hören. „„Man darf kein Publikum unterschätzen““ weiterlesen
Der Leuchtturm
Justus Geilhufe ist 2,02 Meter groß, 28 Jahre jung und durchläuft seit Herbst in Oederan seine Ausbildung zum Pfarrer. Nur rund ein Viertel der Sachsen sind Christen. Was treibt ihn an?
OEDERAN/FREIBERG/GERINGSWALDE. Die Schuhe sind blank geputzt, dazu Hemd und Jackett, den Schal darüber lässig um den Hals geschlungen – so grüßt er herzlich mit Handschlag vor dem Tor der Oederaner „Der Leuchtturm“ weiterlesen
Nach Eklat: Katholiken im Dialog mit sächsischem Linke-Fraktionschef

Wie viel Kirche braucht das Land? Darüber ist auf dem „Sachsen-Sofa“ in Schloss Rochlitz diskutiert worden. Ohne einen Streit im Januar hätte es die Veranstaltung wohl nicht gegeben.
ROCHLITZ. Dass nun in der mit knapp 50 Gästen gut gefüllten Fürstenstube des Rochlitzer Schlosses Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Sächsischen Landtag, Pater Ansgar Orgaß, Benediktinermönch in Wechselburg, sowie „Nach Eklat: Katholiken im Dialog mit sächsischem Linke-Fraktionschef“ weiterlesen
„Dass wir alles gut überstanden haben, war ein Wunder“
WECHSELBURG/MARBELLA. 2710 Kilometer und 26 Stunden Autofahrt sind es von Wechselburg, wo Rudolf Graf von Schönburg im September 1932 auf dem Schloss seiner Familie geboren wurde, nach Marbella, der nahe Gibraltar gelegenen spanischen Stadt am Mittelmeer. Dort lebt er seit 1956. Elf Jahre zuvor floh der damals Zwölfjährige mit Geschwistern und Mutter vor der Roten Armee aus der Heimat. Im Telefongespräch berichtet er von seinen Erlebnissen vor 74 Jahren.
Wann genau mussten Sie 1945 aufbrechen?
Am 18. Mai, bald nach Kriegsende, fuhr ein sowjetischer Privatwagen am Schloss in Wechselburg vor „„Dass wir alles gut überstanden haben, war ein Wunder““ weiterlesen
Vom tanzenden Faun und der Brikettgabel

Schloss Rochsburg zeigt Kunstwerke, einige 500 Jahre alt, deren Präsentation andere Museen ablehnten: Die ab 13. April zu sehenden Stücke sind von Zeit, Mensch und Natur teils arg geschundene. Daraus aber erwächst ihre Kraft.
ROCHSBURG. Das Antlitz des Bischofs ist entzweit. Von der Mitra, der Bischofsmütze, über die Stirn, dann rechts der Nase hinab „Vom tanzenden Faun und der Brikettgabel“ weiterlesen
„Das gab es bei den Medici und auch bei den Einsiedels“

Die einen malten, die andern kauften die Bilder – zwei Generationen hielt das ungewöhnliche Verhältnis zwischen der von den Wettinern geadelten Künstlerfamilie Vogel und den Grafen von Einsiedel. Eine vom Berliner Kunsthistoriker Gerd-Helge Vogel kuratierte Ausstellung auf Schloss Wolkenburg setzt es in Szene.
WOLKENBURG. Beinahe vierzig Ölgemälde, Kohlezeichnungen, Grafiken, dazu Dokumente zeigt die am Donnerstagabend auf Schloss Wolkenburg „„Das gab es bei den Medici und auch bei den Einsiedels““ weiterlesen
Als der Graf katholisch wurde

Vor 150 Jahren konvertierte der protestantische Carl von Schönburg-Glauchau. Ein langer, hart geführter Kulturkampf folgte, der über Sachsen hinaus beträchtliches Aufsehen erregte.
WECHSELBURG. „Graf unter Polizeischutz“, Kontroversen in der sächsischen Presse, von der römischen „ungebührlich aufgebauscht“, „erhebliche Unruhe in konservativen protestantischen Adelskreisen“, Untertanen verweigern Kirchengebet – so lauten „Als der Graf katholisch wurde“ weiterlesen
„Verpiss Dich aus unserm Bezirk!“
Gehören Juden heute zu Deutschland? Das fragt ein in Berlin aufgewachsener Israeli in seinem neuen Buch. Wegen des Antisemitismus in der Hauptstadt wanderte er einst aus.
DRESDEN/ZWICKAU. In Leipzig, Zwickau, Dresden, Bad Muskau ist der 41-Jährige im Herbst auf Lesereise gewesen. Arye Sharuz Shalicar, in Göttingen geborener und in Berlin-Spandau und ‑Wedding „„Verpiss Dich aus unserm Bezirk!““ weiterlesen
Alles, was jüdisch ist

Der Verlag Hentrich & Hentrich, spezialisiert auf jüdische Kultur und Geschichte, ist ein Unikum im deutschen Sprachraum, sagt dessen Chefin. Nun ist er von Berlin nach Leipzig gezogen.
LEIPZIG. Zwei helle Räume, tiefe Fenster und Schreibtische, darauf Computer und die Wände dicht bestückt mit Regalen voller Bücher – so sieht es aus, das neue Leipziger Domizil von Hentrich & Hentrich, dem „Alles, was jüdisch ist“ weiterlesen
Gegen Gesprächsverbote und „Proll-Hass als Elitensport“

Der Politologe Jan-Werner Müller hat in Dresden vor Fallen im Umgang mit Populisten gewarnt; eine Kollegin hielt der sozialwissenschaftlichen Zunft den Spiegel vor.
DRESDEN. Wer über „Populismus“ spricht, kann die Schriften des an der amerikanischen Universität Princeton forschenden Jan-Werner Müller kaum ausklammern. Die spätestens seit Pegida, AfD und Trump-Präsidentschaft dauererregte Debatte über den Charakter derartiger Phänomene wurde zwar durch Müllers Essay „Was ist Populismus?“ (2016) in mancher Hinsicht vom Bauch in den Kopf verlagert. Oder: hätte dorthin verlagert werden können. Denn am nüchternen Blick fehlt es weiter, auch an Genauigkeit dabei, das Phänomen zu fassen und Konsequenzen für Wissenschaft, Politik oder Kultur abzuleiten. „Gegen Gesprächsverbote und „Proll-Hass als Elitensport““ weiterlesen
Weltkulturerbe auf Katholisch

Die ehemalige Stiftskirche in Wechselburg ist als erste jenseits Berlins in Ostdeutschland zur „Basilica minor“ erhoben worden. Was bedeutet das?
WECHSELBURG. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Ehrentitel „Basilica minor“ von den Päpsten in Rom an besondere Kirchen weltweit verliehen – nun auch an die frühere Wechselburger Stifts- und heutige Pfarr‑, Kloster- und Wallfahrtskirche „Heilig Kreuz“. Längst wird „Weltkulturerbe auf Katholisch“ weiterlesen
Radikale im Namen des Herrn

DRESDEN. Die Anzahl der Christen nimmt in Deutschland zwar ab. Laut der Publizistin Liane Bednarz, Autorin des Buches „Die Angstprediger“, gibt es unter ihnen indes einflussreiche Rechte, die in Parteien und Kirchen aktiv sind und vor „Islamisierung“, „Ehe für alle“ oder „Genderwahn“ warnen. Ein Gespräch über aktuelle Entwicklungen.
Unter Christen dürften Rechte, die Sie von den Konservativen abgrenzen, eine kleine Minderheit sein. Braucht es da Ihr Buch?
Ja, das braucht es, da es zwar um eine, gemessen an der Gesamtzahl der Kirchenmitglieder, kleine Gruppe geht. Doch die ist nicht nur in sozialen und anderen Medien „Radikale im Namen des Herrn“ weiterlesen
Mit punktgenauer Hitze gegen Plastikberge
Die Verpackungsindustrie wollte sie anfangs nicht. Deshalb haben Forscher mit ihrer Kunststofftechnologie die Firma Watttron gegründet – und eine andere Branche ins Boot geholt.
FREITAL. Wie sich der Kunststoffverbrauch verringern lässt, ist eines der Forschungsfelder der Verpackungsindustrie. Das dachten sich vor Jahren vier Wissenschaftler in Dresden. Doch weit gefehlt: Denn als die seinerzeit am dortigen „Mit punktgenauer Hitze gegen Plastikberge“ weiterlesen
Sachsen, immer wieder Sachsen – warum?
Der Osten ist in aller Empörten Munde und Sachsen besonders, seit nach der Tötung eines Familienvaters, mutmaßlich durch Asylbewerber, am Rande des Chemnitzer Stadtfestes nicht nur demonstriert, sondern auch Gewalt auf die Straße getragen wurde – Ideenkreise zu einer seit Jahren andauernden Debatte.
CHEMNITZ/DRESDEN. Es ist in der Tat empörend, wenn ein Mensch gewaltsam stirbt und dessen Tod instrumentalisiert „Sachsen, immer wieder Sachsen – warum?“ weiterlesen
Suchen nach Beckett

Monatelang hat der spätere Literaturnobelpreisträger 1936/37 Deutschland durchstreift – eine deutsche Ausgabe der Reisetagebücher fehlt aber noch. Bekannt ist, dass er in Leipzig und Dresden war. Seine Übersetzerin gab nun mehr preis über den Aufenthalt in Sachsen.
FREIBERG/BREITUNGEN. Sechs Monate lang ist der seinerzeit noch unbekannte Samuel Beckett vom Herbst 1936 an durch Deutschland gestreift, bis er im April des Folgejahres nach Irland zurückkehrte. Von seinem 1953 uraufgeführten „Suchen nach Beckett“ weiterlesen
Die vergessenen Opfer
In der DDR gab es Zwangsadoptionen, die jahrzehntelanges Leid über Betroffene brachten. Vielfach hält es weiter an – die Politik will die Fälle besser aufarbeiten lassen.
LEIPZIG/BERLIN. Was der Leipziger Andreas Laake erlebt hat, kann sich kein Drehbuchautor ausdenken. In der Nacht auf den 11. April 1984 will der in der DDR unangepasste 23-Jährige mit seiner schwangeren Frau in einem Schlauchboot „Die vergessenen Opfer“ weiterlesen