30 Jahre Antiquariat Gerhard Eilert in Meißen

MEISSEN. Bei der Burg­stra­ße in Mei­ßen han­delt es sich wohl um die ein­zi­ge Klein­stadt­la­ge Sach­sens, in der ein Anti­qua­ri­at noch wirt­schaft­lich zuerst als Laden­ge­schäft betrie­ben wer­den kann. Ger­hard Eilert, gebo­ren wie die Kol­le­gen Wolf­gang Neu­bert (Thal­heim) und Claus Kun­ze (Dres­den) 1947, macht es seit 30 Jah­ren vor. Am 20. Okto­ber 1995 hat er im Haus Nr. 11 sein Geschäft eröff­net, damals mit dem Dresd­ner Kol­le­gen Hel­ge Hamm, der sich spä­ter zurückzog.

Eilerts Anfän­ge als Anti­quar lie­gen indes im Jah­re 1992, reich­lich 36 Kilo­me­ter elb­auf­wärts, Van-Gogh-Stra­ße 1 in Dres­den-Hos­ter­witz, unweit der berühm­ten Pill­nit­zer Wet­ti­ner-Som­mer­re­si­denz. Im Dres­de­ner Zen­trum sei in den frü­hen Jah­ren nach der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on kein Laden­ge­schäft zu haben gewe­sen. Eilert wich dank der Gewiss­heit in die Peri­phe­rie aus, dass ein Dresd­ner ein- bis zwei­mal jähr­lich eben­je­ner Som­mer­fri­sche mit dem berühm­ten Park sei­ne Auf­war­tung mache und dann, so die Hoff­nung, die­se oder jener bei ihm vor­stel­lig wer­den sollte.

Die Erwar­tung hat sich nicht erfüllt, aber ein Anfang war gemacht. „Damals hat­ten wir noch den lan­gen Don­ners­tag“, sagt Eilert beim Gespräch in sei­nem Meiß­ner Anti­qua­ri­at. Die Läden waren an dem Tag län­ger geöff­net als an den ande­ren. Man kam bei ihm zusam­men, in dem sich nach blei­er­nen Jah­ren her­aus­put­zen­den Vorort.

Der Stand­ort blieb Epi­so­de. Was folg­te, war der Umzug in die Dresd­ner Neu­stadt, Baut­z­ner Stra­ße 8. Da wie dort und nun an der Meiß­ner Burg­stra­ße sind die Ver­kaufs­räu­me über­schau­bar: 45, 55 Qua­drat­me­ter. Mehr waren es nie. Für eini­ge Jah­re hat er die Geschäf­te in Dres­den und Mei­ßen mit dem Com­pa­gnon par­al­lel betrie­ben. Nach des­sen Aus­stieg kon­zen­trier­te er sich auf Mei­ßen. Die Bedeu­tung der Tou­ris­ten ist hier ent­schei­dend: Sie mach­ten 70 Pro­zent der Kund­schaft aus; irgend­wann stand auch der frü­he­re Außen­mi­nis­ter Joseph „Josch­ka“ Fischer im Laden. Der Rest kom­me aus der Regi­on. Ein Fünf­tel des Umsat­zes stam­me von klei­nen Gemäl­den, gerahm­ten Land­kar­ten, sons­ti­gen Kunst­ge­gen­stän­den, ein Vier­tel aus topo­gra­phi­scher Gra­phik, alles ande­re aus Büchern, vor allem – für Mei­ßen als Wie­ge des Euro­päi­schen Por­zel­lans wenig ver­wun­der­lich – Lite­ra­tur über Por­zel­lan und dem Wei­ßen Gold selbst, dazu Büchern der Berei­che Saxo­ni­ca, Rei­se­füh­rern, His­to­ri­ca, Mili­ta­ria. An frü­hen Kin­der­bü­chern hän­ge sein Herz zwar, aber der Umsatz damit schwinde.

Mit­te der 1990er-Jah­re noch habe Gold­grä­ber­stim­mung geherrscht – der gebür­ti­ge Dresd­ner bezieht sein Urteil vor allem auf Ankäu­fe, denn die ein­hei­mi­sche Kund­schaft sei auf­grund der schwie­ri­gen Wirt­schafts­la­ge zurück­hal­tend gewe­sen. Auf ein­mal wur­de, wohl aus die­sem Grun­de, zum Kauf ange­bo­ten, was bis dato nie ver­füg­bar gewe­sen war, die Zeit­schrift „Saxo­nia“ in sel­te­ner Voll­stän­dig­keit etwa, auch wenn Eilert, der stu­dier­te Maschi­nen­bau­in­ge­nieur und Sei­ten­ein­stei­ger, die Jah­re vor­her nur aus Kun­den­per­spek­ti­ve kennt. Nun aber kauf­te er da eine Post­in­ku­na­bel im Meis­ter­ein­band, dort ein Ost­asi­en-Rei­se­al­bum mit Ori­gi­nal­auf­nah­men aus den Anfän­gen der Foto­gra­fie – Stü­cke, die jen­seits der Metro­po­len sel­ten auf Laden­ti­schen landen.

1990 noch war Eilert der Arbeit in sei­ner Pro­fes­si­on, dem Maschi­nen­bau, gen Süd­wes­ten nach­ge­zo­gen. Dar­aus erwuchs jedoch die Mög­lich­keit, in Stutt­gart und anders­wo durch die Anti­qua­ria­te zu strei­fen, bis der Ent­schluss gefasst war, nach Sach­sen zurück­zu­keh­ren, um das Hob­by zum Beruf zu machen. Sein Lehr­geld hat er wie vie­le gezahlt, den sel­te­nen Karl-May-Band für 10 statt 300 Mark dem Kun­den über­las­sen, der ihm spä­ter auf die Sprün­ge half.

Das in toto zufrie­de­ne Resü­mee, zu dem auch die Unter­stüt­zung sei­ner seit 25 Jah­ren ihn unter­stüt­zen­den Mit­ar­bei­te­rin Ilo­na Hick­mann ein Scherf­lein bei­getra­gen hat, glaubt man ihm gern.

Denn auf­ge­wach­sen ist er als Kind, das sich nach Lite­ra­tur sehn­te, ohne dass sie ihm, die Eltern aus­ge­bombt, in den frü­hen Nach­kriegs­jah­ren im Über­fluss zur Ver­fü­gung gestan­den hät­te. „In den Schutz­kel­ler mit­ge­nom­men hat­ten sie nur den Brot- und den Sil­ber­kof­fer, wie mir mei­ne Mut­ter spä­ter berich­te­te“, so Eilert. Bücher: Fehl­an­zei­ge. Sie ver­brann­ten, muss­ten von Ver­wand­ten, Nach­barn und aus dem anfangs dar­ben­den Han­del zusam­men­ge­tra­gen wer­den. Irgend­wann las er Heming­way, Mil­ler, Faul­k­ner, vie­le ande­re. Dabei ist es geblie­ben. Das Anti­qua­ri­at wei­ter­füh­ren möch­te Eilert, solan­ge er und sei­ne Mit­ar­bei­te­rin gesund­heit­lich dazu in der Lage sind.

Bewer­ten Sie die­sen Bei­trag: : 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loa­ding…
Share this: 
Share this page via Email Share this page via Facebook Share this page via Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert