
Benedikt XVI. ist erst vor drei Tagen aus der päpstlichen Sommerresidenz zurück nach Rom gefahren, während ich heute zufällig in der Kleinstadt oberhalb des Albaner Sees Zeuge einer Hochzeit wurde, in Berninis gar nicht so kleiner Kuppelkirche San Tommaso da Villanova, schräg gegenüber dem Villenkomplex. Zuerst schlugen die Fotografen auf. Dann trudelte die Gesellschaft ein, zuletzt die Braut, die von ihrem Vater zum Altar geleitet wurde. Soweit, so gewöhnlich. Vor dem Café gegenüber, auf der Piazza della Libertà sitzend, konnte ich all das sehen. Der Hitze wegen stand die Kirchentür die ganze Zeit offen. Kaum nahm indes die Zeremonie mit Mendelssohn Bartholdys bekannten Orgelklängen ihren Auftakt, verließ gewiss ein Fünftel der Gäste schnurstracks das Gotteshaus. Einzeln oder zu zweit, alle Altersgruppen, mehrheitlich Männer. Um sich noch auf den Treppenstufen eine Zigarette anzuzünden (bei der es nicht blieb), um zu telefonieren, im gegenüberliegenden Café, in dem ich saß, für ein Erfrischungsgetränk verschwindend. Zwanzig, dreißig Minuten dauerte das Schauspiel, begleitet von lauten Gesprächen, Lachen, wildem Gestikulieren. Dann verschwanden sie wieder unter der Kuppel, nicht ohne vorher die Asche vom Revers zu klopfen, die Krawatte zu richten. Dieser blaue Himmel! Der schöne Schein.
eine schöne Geschichte, gut aufgeschrieben. LG ulli