Ein beinahe vergessener Bistumspatron

In einem kunst­voll mit Sze­nen aus sei­nem Leben ver­zier­ten Altar-Mar­mor­auf­satz ist der Hei­li­ge Dona­tus im Dom von Arez­zo bei­gesetzt. Die Gebei­ne wur­den 1340 von der alten Kathe­dra­le in die neu errich­te­te über­führt. Foto: Micha­el Kun­ze

Das gro­ße Leid der Men­schen süd­lich der Alpen in der Coro­na-Pan­de­mie lässt auch vie­le hier­zu­lan­de nicht kalt. Doch kaum bekannt ist: Frei­berg weist wie kei­ne ande­re Stadt in der Diö­ze­se Dres­den-Mei­ßen Bezü­ge zu einem Nord­ita­lie­ner auf, der nicht nur ein auch unter Katho­li­ken kaum bekann­ter Für­spre­cher ist, son­dern nach dem in der Sil­ber­stadt etwa der eins­ti­ge Pest­fried­hof benannt wur­de.

FREIBERG/AREZZO. Stadt und Pro­vinz Arez­zo sind wie ande­re in Ober­ita­li­en der­zeit vom Coro­na­vi­rus beson­ders geplagt. Ver­glei­che mit Pest­epi­de­mien kur­sie­ren. Der Fried­hof, auf dem in Frei­berg frü­her Seu­chen­op­fer bei­gesetzt wur­den, trägt den Namen eines Man­nes, der einst in Nord­ita­li­en wirk­te.

Nur: Was hat ein in der Kir­che ver­ehr­ter Bischof, wohl um das Jahr 362 wegen sei­nes Glau­bens ermor­det und von Papst Juli­us I. als „Apos­tel der Tos­ka­na“ bezeich­net, mit der Berg­bau­stadt zu tun? War­um tra­gen Orte, Gebäu­de, Stra­ßen sei­nen Namen? Ein Ken­ner städ­ti­scher Kir­chen­ge­schich­te, der evan­ge­li­sche Theo­lo­ge Karl-Her­mann Kan­d­ler, weiß Rat: „Dona­tus von Arez­zo“, sagt er, „ist einer der Schutz­pa­tro­ne des 968 gegrün­de­ten Bis­tums Mei­ßen und des Meiß­ner Doms.“

Donats­gas­se, ‑ring, ‑turm, das im 19. Jahr­hun­dert abge­ris­se­ne Tor im gleich­na­mi­gen Frei­ber­ger Vier­tel ver­dan­ken ihren Namen einer erst­mals 1225 und nach Abriss und Wie­der­auf­bau zuletzt 1521 erwähn­ten Dona­ti­kir­che. „Es kann mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit ange­nom­men wer­den, dass sie vor dem Donats­tor auf dem Gelän­de des heu­ti­gen Donats­fried­hofs stand“, schreibt Kan­d­ler in sei­ner „Kir­chen­ge­schich­te Frei­bergs“. Der Fried­hof wur­de auf Initia­ti­ve des Arz­tes und spä­te­ren Bür­ger­meis­ters Ulrich Rülein von Calw vor der Stadt ange­legt und bald Begräb­nis­stät­te für Pest­op­fer.

War­um der ost­frän­ki­sche König und spä­te­re Kai­ser Otto (912 bis 973) für das Bis­tum das Patro­nat des dann bis Frei­berg „aus­strah­len­den“ Hei­li­gen wünsch­te, von dem noch heu­te Reli­qui­en im Haupt­al­tar der Kathe­dra­le von Arez­zo ruhen, ist damit nicht geklärt. Laut Kunst­his­to­ri­ker und Archäo­lo­ge Mat­thi­as Donath rüh­re dies daher, dass sich Otto am Dona­tus­tag des Jah­res 936 in Aachen zum König krö­nen ließ. Seit alters her ist der 7. August mit jenem Bischof ver­bun­den, der als Patron der Bäcker und Epi­lep­ti­ker gilt und oft mit Kelch, Buch, Dra­chen, Schwert dar­ge­stellt wird. Der­ar­ti­ge Bezü­ge hat­ten in mit­tel­al­ter­li­chen Fröm­mig­keits­vor­stel­lun­gen gro­ße Bedeu­tung – in jener Ottos „ein fast magi­scher Glau­be an … die Für­spra­che der Hei­li­gen“, schrieb Bio­graf Johan­nes Lau­da­ge. Sein Leben lang sei er „um Reli­qui­en bemüht“ gewe­sen.

Mat­thi­as Donath steht nicht nur dem Dom­bau-Ver­ein Meis­sen vor. Er führt sei­nen Fami­li­en­na­men auf den Hei­li­gen zurück. Ursprüng­lich sei die­se Über­tra­gung vor allem in der vor­mals böh­mi­schen, aber zum Bis­tum Mei­ßen gehö­ren­den Ober­lau­sitz ver­brei­tet gewe­sen, bevor Mobi­li­tät für geo­gra­fi­sche Streu­ung sorg­te. Auch der Vor­na­me „Donat“ war geläu­fig.

Seit jener Krö­nung habe sich Otto dem Hei­li­gen ver­bun­den gefühlt. Der Meiß­ner Dom erhielt Reli­qui­en. Hei­li­gen­kult habe sich aber kaum aus­ge­bil­det. „Dona­tus stand im Schat­ten des Meiß­ner Bischofs Ben­no (1010 bis 1106), des­sen Ver­eh­rung schon für die ers­te Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts bezeugt ist“, so Donath. Das Patro­zi­ni­um der eins­ti­gen Kir­che in Frei­berg sei ein sel­te­ner Fall. Im Zuge der Refor­ma­ti­on wur­den die Reli­qui­en nach Mün­chen gebracht. Noch heu­te gibt es „in der Kir­che St. Peter weni­ge Knö­chel­chen vom Hei­li­gen Dona­tus“, sagt Mar­ti­na Außer­mei­er vom Res­sort Bau­we­sen und Kunst im Erz­bi­schöf­li­chen Ordi­na­ri­at.

Kunst­his­to­ri­ker Donath wie­der­um hat in einem von ihm restau­rier­ten alten Her­ren­haus in Nie­der­jahna (Kreis Mei­ßen) eine Dona­tus­ka­pel­le ein­ge­rich­tet. Am 7. August 2017 wur­de sie nach dem Ritus der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Lan­des­kir­che geweiht. Einst gehör­te der Tag zu den Hoch­fes­ten der Diö­ze­se Mei­ßen, ergänzt er. Zudem sei­en zahl­rei­che Urkun­den des Meiß­ner Dom­ka­pi­tels vor der Refor­ma­ti­on an einem 6. August aus­ge­stellt wor­den, da sich bereits am Vor­tag die Dom­her­ren, die sonst kei­ne Prä­senz­pflicht hat­ten, in Mei­ßen ver­sam­mel­ten. Heu­te, infor­miert Gene­ral­vi­kar Andre­as Kutsch­ke, wird der 7. August im Bis­tum Dres­den-Mei­ßen als Gedenk­tag des Hei­li­gen began­gen: Dona­tus „zählt zu den Bis­tums­pa­tro­nen und kann natür­lich im Hoch­ge­bet erwähnt wer­den“. Die Minis­tran­ten haben bei den letz­ten gro­ßen Wall­fahr­ten nach Rom auf dem Rück­weg in Arez­zo Sta­ti­on gemacht und am Grab gebe­tet, sagt er. „Beten wir in die­sen Tagen für die Kir­che und die Men­schen in unse­rem Bis­tum und in der Hei­mat des hei­li­gen Dona­tus!“

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